Zweites Vorstellungsgespräch: So überzeugen Sie in der finalen Runde

Von Alenka Mladina 7. März 2019

Es läuft bei Ihnen! Beim ersten persönlichen Treffen mit dem neuen Arbeitgeber haben Sie offenbar einen guten Eindruck hinterlassen. Jetzt haben Sie die Einladung zu einem zweiten Vorstellungsgespräch im Postfach. Herzlichen Glückwunsch! Auch wenn es jetzt um alles oder nichts geht – lassen Sie sich nicht verrückt machen. Mit der richtigen Vorbereitung überzeugen Sie mit Ihrer Bewerbung auch in der zweiten Runde.  

Hier lesen Sie:

Warum geht das Vorstellungsgespräch in die zweite Runde?

Die Einladung zu einem zweiten Vorstellungsgespräch kann verschiedene Gründe haben. Grundsätzlich geht es darum, die perfekte Besetzung für die freie Stelle unter den vielversprechendsten Bewerbern der Vorrunde zu finden – so viel ist klar.

Bei manchen Unternehmen gehört eine zweite Gesprächsrunde zum Standard im Bewerbungsprozess. Andere Firmen haben sich wiederum schon so gut wie entschieden und setzen das zweite Gespräch nur an, um letzte Details, beispielsweise das Gehalt, zu klären.

Es kann aber auch ein Indiz dafür sein, dass sich der Personaler noch unsicher ist, welcher Bewerber am besten passt. Ein Grund zur Freude ist die Einladung in jedem Fall: Sie zeigt, dass das Unternehmen an Ihnen interessiert ist.

Eine Jobgarantie ist das Gespräch deshalb aber noch lange nicht. Es ist durchaus möglich, dass Sie zu einem zweiten Gespräch eingeladen werden, weil Sie in der ersten Runden zwar Potenzial gezeigt haben, aber nicht vollends überzeugen konnten.

Umso mehr sollten Sie das zweite Vorstellungsgespräch als Chance verstehen, sich noch einmal zu beweisen. So oder so: Nehmen Sie den Recall ernst und bereiten Sie sich gut darauf vor.

Gesprächspartner geben Hinweise auf die Marschroute

Bei allem Interesse an Ihrer Person: Ein Selbstläufer ist ein zweites Bewerbungsgespräch nicht! Im Gegenteil: Jetzt geht es möglicherweise wirklich ans Eingemachte! Stellen Sie sich mental auf ein anspruchsvolles Gespräch ein, denn je nach Gesprächspartner werden in der zweiten Runde meist andere Schwerpunkte gesetzt als im ersten Treffen.

Daher sollten Sie im Vorfeld möglichst ermitteln, auf wen Sie im zweiten Gespräch treffen werden. Es ist völlig legitim, diesbezüglich telefonisch nachzuhaken, sollte diese Information in der Einladung fehlen. Damit zeigen Sie schließlich, dass Sie den Termin ernst nehmen. 

Werden am Gespräch überwiegend Personen teilnehmen, die bei der ersten Runde nicht dabei waren, ist es möglich, dass der Termin zunächst ähnlich ablaufen wird, wie der vorherige.

Gehen Sie davon aus, dass Sie zu Beginn noch einmal über sich erzählen werden und sich gegebenenfalls Fragen aus dem Vorgespräch wiederholen werden. Reagieren Sie auf keinen Fall genervt darauf. Schließlich müssen Sie Ihre neuen Gesprächspartner noch von sich überzeugen.

Sind im zweiten Gespräch potenzielle zukünftige Kollegen dabei, mit denen Sie eng zusammenarbeiten würden, stellen Sie sich auf tiefergehende Fachfragen als im ersten Gespräch ein. Ihr Fachwissen sollte deshalb auf dem aktuellen Stand sein.

Sitzen Ihnen in der zweiten Runde Gesprächspartner aus dem Management oder dem Vorstand gegenüber, sollten Sie ebenfalls mit hohen Anforderungen rechnen. Fang- und Stressfragen, Konversationen in Fremdsprachen oder Brainteaser sind beliebte Bestandteile der zweiten Runde – vor allem, wenn es um höhere Positionen geht. Stellen Sie sich darauf ein. 

Zudem geht es im zweiten Gespräch auch darum, Ihre Glaubwürdigkeit zu überprüfen. Gehen Sie deshalb unbedingt im Kopf noch einmal das vorherige Gespräch durch. Ihre Antworten sollten denen aus dem ersten Gespräch nicht widersprechen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Sie Fehler aus der ersten Gesprächsrunde wiederholen müssen. Ist Ihnen in der Zwischenzeit bewusst geworden, dass Sie eine Frage nicht optimal beantwortet haben, thematisieren Sie das im zweiten Gespräch und punkten Sie mit einer durchdachten, besseren Antwort. 

Optik und Verhalten: So punkten Sie

Angemessene Kleidung ist beim zweiten Vorstellungsgespräch ebenso wichtig wie beim ersten. Nur weil Sie zum zweiten Mal dort auflaufen, heißt das nicht automatisch, dass Sie lockerer auftreten können.

Nur wenn Sie beim ersten Gespräch völlig overdressed waren, können Sie Ihre Kleidung beim nächsten Auftritt etwas anpassen. Ansonsten sollten Sie Ihrem Stil treu bleiben – aber auf keinen Fall im selben Outfit erscheinen wie beim ersten Mal.  

Achten Sie darauf, alle Gesprächspartner gleich zu behandeln. Gehen Sie auf neue Gesprächspartner genauso offen zu wie auf die Ihnen schon bekannten. Begrüßen Sie die Runde nacheinander freundlich und lächeln Sie.

Im Gespräch sollten Sie allen Beteiligten das gleiche Maß an Aufmerksamkeit zukommen lassen. Stellen Sie mit Ihrem Gegenüber beim Sprechen immer direkten Blickkontakt her.

Und auch im zweiten Vorstellungsgespräch gilt: Fragen stellen ist nicht nur okay, sondern sogar erwünscht. Allerdings müssen Sie im zweiten Gespräch noch mehr darauf achten, dass Ihre Nachfragen Sie nicht disqualifizieren. 

Bleiben Sie auch bei der Verabschiedung souverän. Bedanken Sie sich für das Gespräch und verabschieden Sie sich von allen Gesprächspartnern – namentlich und mit Handschlag und Blickkontakt. Erkundigen Sie sich nach den nächsten Schritten, wann Sie mit einer Rückmeldung rechnen können und fragen Sie ruhig, ob Sie sich bei Rückfragen melden können.

Möglicherweise wird Ihr zweites Gespräch mit einem gemeinsamen Lunch verbunden. Das ist ein beliebter Schachzug, um Ihre Persönlichkeit besser kennenzulernen:

Was macht Sie aus? 
Was treibt Sie? 
Wofür interessieren Sie sich?
Wie verhalten Sie sich in sozialen Situationen?

Darüber hinaus ist es aber auch eine gute Gelegenheit, einen Blick auf die Manieren des Bewerbers zu werfen. Machen Sie sich vorher am besten mit dem Knigge für Geschäftsessen vertraut – so kann nichts schiefgehen.

Chancen im zweiten Vorstellungsgespräch nutzen und überzeugen

Sie haben sich gut vorbereitet? Prima! Dann auf ins Gefecht! Bleiben Sie im Gespräch authentisch, nicht passiv, sondern werden Sie aktiv. Nutzen Sie den Termin, um lose Enden aus dem ersten Termin aufzugreifen und zu verknüpfen.

Gehen Sie Ihre Notizen aus diesem Gespräch gründlich durch und lassen Sie es noch einmal Revue passieren:

  • Wo hat der Personaler eingehakt?
  • Was ist gut gelaufen?
  • Was weniger? 

Ihnen sind in der Zwischenzeit neue Lösungen für Fragen eingefallen, die im ersten Gespräch aufgeworfen wurden? Perfekt – berichten Sie Ihren Gesprächspartnern davon.

Auch wenn Sie mit einer Ihrer Antworten aus dem Vorgespräch im Nachhinein unzufrieden sind, bietet das zweite Vorstellungsgespräch die Chance, dies geradezurücken. Scheuen Sie sich also nicht, solche Themen noch einmal aufzugreifen. Wichtig dabei: Verfallen Sie nicht in Rechtfertigungen, sondern erklären Sie nur.

Ideal ist es, wenn Sie Informationen, die Sie im ersten Gespräch erhalten haben, aufgreifen können und dazu relevanten Input geben können – beispielsweise Verbesserungsvorschläge zu im Unternehmen eingesetzten Tools. Das zeigt, dass Sie aufmerksam zugehört und sich Gedanken gemacht haben. 

Wird Ihnen der Raum dafür geboten, so scheuen Sie sich nicht, weitere Erfolgsstorys zu erzählen und zu unterstreichen, inwiefern der potenzielle neue Arbeitgeber von Ihren Erfolgen und daraus gewonnenen Erfahrungen profitieren kann. Dabei sollten Sie jedoch nicht die gleichen Geschichten wie in der Vorrunde präsentieren. Sonst entsteht womöglich der Eindruck, Sie hätten Ihr gesamtes Pulver schon verschossen. 

Das zweite Gespräch ist in der Regel auch der Zeitpunkt, in dem die Vertragskonditionen auf den Tisch kommen. Bereiten Sie sich auf diesen Punkt vor, sodass Sie Ihre Gehaltsvorstellungen formulieren und Ihre Forderung begründen können.

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Chance vertan: Absolute No-Gos im zweiten Gespräch

Neben den üblichen No-Gos, die es bei jedem Bewerbungsgespräch zu vermeiden gilt, lauern im zweiten Vorstellungsgespräch noch einige spezielle Fallstricke: 

  1. Widersprüche
    Achten Sie darauf, dass Sie Ansichten, Positionen und Aussagen aus dem ersten Gespräch beibehalten, sonst wirken Sie nicht authentisch. Im schlimmsten Fall entsteht der Eindruck, dass Sie lügen oder bewusst täuschen.
     
  2. Mangelnde Motivation: 
    Auch wenn Sie im zweiten Gespräch an “Und täglich grüßt das Murmeltier” erinnert fühlen und sich latent langweilen: Sie müssen Ihren Gesprächspartnern vermitteln, dass Sie den Job wirklich wollen. Spätestens im Gespräch fällt auf, wenn Sie für die Anstellung nicht brennen. 
     
  3. Selbstüberschätzung
    Klar, man hat Sie nicht ohne Grund zum zweiten Vorstellungsgespräch eingeladen. Man traut Ihnen also einiges zu. Dennoch sollten Sie nicht zu siegessicher in das Gespräch gehen: Vermutlich sind Sie nicht der einzige Kandidat, der zu einer zweiten Runde eingeladen worden ist. Sprechen Sie von sich und Ihren Erfolgen, übertreiben Sie es aber nicht mit dem Schulterklopfen. Sie wirken sonst schnell arrogant und wenig sympathisch.
     
  4. Beleidigt oder trotzig reagieren: 
    Obacht, in der zweiten Runde kann es zu Stressfragen oder gewollten Provokationen kommen. Dann heißt es: Souverän bleiben! Man will Sie hier testen. Wer beleidigt oder patzig reagiert, stellt sich in kein gutes Licht. Auch wenn Ihre Gesprächspartner im zweiten Vorstellungsgespräch die gleichen Fragen stellen wie in der ersten Runde, ist Genervtheit fehl am Platz. Antworten Sie geduldig und verstricken Sie sich vor allem nicht in Widersprüche zu Ihren Aussagen vom letzten Mal.

 

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Bildquelle: © rawpixel / Unsplash.com

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