Gehaltsvorstellung angeben: Pokern Sie nicht zu hoch

Von Christina Holl on 7. Februar 2022
Geschätzte Lesedauer: 5 Minuten

„Bitte geben Sie in Ihrer Bewerbung Ihre Gehaltsvorstellung an“ – dieser Wunsch treibt manchen Bewerbenden die Schweißperlen auf die Stirn. Sofort beginnen die Gedanken zu kreisen: Wie viel ist die Position wert? Wie viel bin eigentlich ich wert? Was passiert, wenn ich zu hoch poker oder eine zu niedrige Gehaltsvorstellung in der Bewerbung angebe?

Wann Sie Ihre Gehaltsvorstellung in der Bewerbung angeben müssen

Wird in der Stellenausschreibung eine Angabe der Gehaltsvorstellung in der Bewerbung ausdrücklich gefordert, dann sollten Sie dem auf jeden Fall nachkommen. Denn wenn Sie sich weigern, riskieren Sie, dass Sie als Bewerber*in mit fehlenden Angaben sofort aussortiert werden.

Aber Sie wollen auch keine überzogene Gehaltsvorstellung angeben, um nicht gleich als zu teuer auszuscheiden. Stellt sich also die Frage, wie Sie Ihr Wunschgehalt am besten in der Bewerbung formulieren.

Firmenwagen und Boni einrechnen? Was die Gehaltsvorstellung umfasst

Zunächst zum Umfang der Gehaltsvorstellung: Personalverantwortliche meinen damit Ihr erwartetes Bruttojahresgehalt inklusive aller Zusatzleistungen. Als Basis für die Formulierung Ihres Wunschgehalts starten Sie daher mit Ihrem aktuellen Grundgehalt und zählen dazu:

  • Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld
  • Boni und Prämien
  • Vermögenswirksame Leistungen und zusätzliche Versicherungen
  • Kosten für Fort- und Weiterbildungen
  • Sachbezüge wie freie Verpflegung oder Rabatte
  • Geldwerte Vorteile, z.B. ein Firmenwagen

Diesen Ausgangswert sollten Sie mit den marktüblichen Gehältern für Ihre Position vergleichen – zum Beispiel mit der kostenlosen Gehaltsübersicht von Robert Half für mehr als 100 verschiedene Berufe im Finanz-, IT-, und kaufmännischen Bereich.

Diese Faktoren sollten Sie beim Formulieren Ihrer Gehaltsforderung beachten

Die bundesweiten Gehaltsunterschiede zwischen vergleichbaren Positionen und Unternehmen ergeben sich aus einer Reihe persönlicher und struktureller Aspekte. Diese und die nachfolgenden Faktoren sollten Sie beim Formulieren Ihrer Gehaltsvorstellung in der Bewerbung unbedingt berücksichtigen.

  • Ihr Potenzial und Ihre Erfahrungen: Die eigenen Qualifikationen sind ein entscheidender Faktor für die Höhe des Gehalts. Vor allem in Form sichtbarer Erfolge tragen sie erheblich zum eigenen Marktwert bei. Einfach ausgedrückt: Je mehr Erfahrung Sie als Bewerber*in in die Waagschale werfen, desto mehr Gehalt muss der*die Arbeitgeber*in auf der anderen Seite nachlegen.
  • Position und Branche der ausgeschriebenen Stelle: Je mehr Verantwortung oder Spezialisierung ein Job verlangt, desto höher ist auch das Gehalt. Und in Branchen, in denen Fachkräfte besonders gesucht werden, steigen auch die Gehälter am schnellsten. Wo der Bedarf gerade sehr hoch ist, finden Sie über Ihr Netzwerk, Medienberichte, gute Personalberater oder Fachverbände heraus.
  • Standort und Größe des Unternehmens: Große Konzerne zahlen oft besser als Mittelständler und in Großstädten gibt es höhere Gehälter als in strukturschwachen Regionen. So erhalten Sie laut der Gehaltsübersicht von Robert Half im bundesweiten Vergleich als Finanzprofi in Frankfurt das höchste Gehalt.
  • Prüfen Sie, wie Ihr potenzieller Arbeitgeber im Gehaltsvergleich dasteht: Die Finanzlage Ihres künftigen Arbeitgebers auszuloten, wird Ihnen wichtige Hinweise für die Formulierung Ihrer Gehaltsvorstellung bei der Bewerbung liefern. Unternehmen mit der Rechtsform einer AG, GmbH, GmbH & Co. KG und eG sind verpflichtet, ihre Bilanzen im elektronischen Bundesanzeiger zu veröffentlichen. Recherchieren Sie auch in aktuellen Medienberichten, ob es kürzlich eine Finanzspritze oder eventuell eine Übernahme gab. Anhand des Umsatzes und des Gewinns lassen sich gute Rückschlüsse auf die Finanzstärke ziehen.

So finden Sie zur Gehaltsvorstellung in angemessener Höhe

  • Bis zu maximal 10 % aufschlagen: Bei einem Jobwechsel ist eine Gehaltssteigerung um bis zu 10 % möglich, in Einzelfällen auch mehr. Wie hoch Ihr Aufschlag ausfällt, können Sie natürlich selbst festlegen. Pokern Sie jedoch nicht zu hoch. Sonst riskieren Sie ein zu schnelles Aus im Bewerbungsprozess.
  • Dumping wird bestraft: Nur weil Sie unbedingt aus dem jetzigen Job heraus wollen, sollten Sie nicht den Fehler machen, eine zu niedrige Gehaltsvorstellung in der Bewerbung anzugeben. Das kann als mangelnde Erfahrung und fehlendes Selbstbewusstsein interpretiert werden und Sie stufen sich unnötig als Rookie ein. Unterdurchschnittliche Bewerber*innen haben immer schlechtere Chancen auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.
  • Krumme Summen: Krumme Beträge signalisieren, dass Sie eine klare Vorstellung davon haben, wie viel Sie wert sind. Experimente bestätigen, dass man dann weniger heruntergehandelt wird. Die Rechnung sollten Sie aber nachvollziehbar vortragen können. Und runden Sie Ihre Gehaltsvorstellung in der Bewerbung auf Hunderter- oder Tausender-Stellen, das reicht vollkommen.
  • Keine komplizierten Gehaltspakete: Eine Bewerbung ist kein Basar. Verzichten Sie daher auf komplizierte Angebote. Geben Sie lieber ein Gehalt in Brutto an, in das Sie alle zusätzlichen Leistungen bereits einkalkuliert haben.

Wie kann ich die Gehaltsvorstellung formulieren? Tipps und Beispiele

Sie fragen sich: „Wo kommt die Gehaltsvorstellung in die Bewerbung hin”? Fallen Sie besser nicht mit der Tür ins Haus! Die Gehaltsvorstellung wird immer erst am Ende des Anschreibens angegeben, direkt vor der Grußformel.

Dabei gibt es, je nach individueller Ausgangssituation, einiges zu beachten, wenn Sie die Gehaltsvorstellung im Anschreiben formulieren. Beispiele:

  • Niedriges Gehalt: Wenn Sie zurzeit eher wenig verdienen, sollten Sie Ihr bisheriges Gehalt lieber nicht angeben, sondern nur Ihre Gehaltsvorstellung für den neuen Job: 

"Meine Gehaltsvorstellung liegt bei einem jährlichen Bruttogehalt in Höhe von 58.000 Euro.“

  • Hohes Gehalt: Wollen Sie Einbußen vermeiden, dann sollten Sie Ihr bisheriges Jahresgehalt nennen und klare Voraussetzungen schaffen:

„Mein derzeitiges Bruttogehalt liegt bei 66.000 Euro im Jahr. Bei einem Wechsel stelle ich mir eine Steigerung um 10 % vor.“

  • Hohe Gehaltsforderung: Betonen Sie Ihre individuellen Fähigkeiten, um eine vergleichsweise hohe Gehaltsvorstellung in der Bewerbung zu rechtfertigen:

„Aufgrund meiner Spezialisierung und meiner Fachkenntnisse liegt meine Gehaltsvorstellung im Bereich von 80.000 Euro pro Jahr.“

  • Verhandlungsbereitschaft: Die Formulierung einer Gehaltsspanne oder eines „Zielgehalts“ signalisiert Ihre Bereitschaft, über geldwerte Vorteile zu verhandeln:

„Meine Gehaltsvorstellung liegt zwischen 65.000 und 72.000 Euro brutto pro Jahr. Ich würde mich freuen, die Details in einem persönlichen Gespräch mit Ihnen zu klären.“ Oder: „Mein Zielgehalt liegt bei 72.000 Euro brutto pro Jahr.“

  • Gehaltspoker – ohne Angabe: Auf eine genaue Angabe Ihrer Gehaltsvorstellung in der Bewerbung zu verzichten, ist riskant. Wenn Sie schon diese Strategie wählen, sollten Sie die Frage dennoch im Anschreiben Ihrer Bewerbung aufgreifen:

„Ich würde mich freuen, Sie persönlich kennenzulernen und meine Gehaltsvorstellung in einem Vorstellungsgespräch mit Ihnen zu besprechen.“

Gehaltsvorstellung als Basis für Verhandlungen im Vorstellungsgespräch

Sie brauchen nicht zu befürchten, dass Ihre Gehaltsvorstellung in der Bewerbung bereits das letzte Wort ist. Die finale Gehaltsverhandlung findet immer erst im Vorstellungsgespräch statt. In der Regel liegt dann auch ein ganzes Gehaltspaket auf dem Tisch. Das können z. B. Provisionen, Firmenwagen oder flexiblere Arbeitszeiten sein.

Unsere Empfehlung: Überlegen Sie bereits im Voraus, welche Zusatzleistungen für Sie interessant sind. Denn diese sind meistens sowohl für den Arbeitgeber als auch für Sie steuerlich günstiger und eignen sich daher hervorragend, um in die Gehaltsverhandlung einbezogen zu werden.

Bildquelle: © Canva


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