Pokern Sie nicht zu hoch bei der Gehaltsvorstellung

Von Alenka Mladina 26. Oktober 2018

„Bitte geben Sie in Ihrer Bewerbung Ihre Gehaltsvorstellung an“ – diese Bitte treibt so manchem Bewerber die Schweißperlen auf die Stirn. Sofort beginnen die Gedanken zu kreisen: Wie viel ist der Job wert? Wie viel bin eigentlich ich wert? Was passiert, wenn ich zu hoch pokere oder eine zu niedrige Gehaltsvorstellung in der Bewerbung angebe?

Berechtigte Fragen. Denn wenn Sie kneifen, riskieren Sie, dass Sie als Bewerber mit fehlenden Angaben sofort aussortiert werden. Wenn in der Stellenausschreibung eine Angabe der Gehaltsvorstellung in der Bewerbung ausdrücklich gefordert wird, dann sollten Sie dem auf jeden Fall nachkommen.

Aber Sie wollen auch keine überzogene Gehaltsvorstellung angeben, um Ihrer Bewerbung nicht schon ein frühes Ende auf dem Stapel “zu teuer” zu bereiten. Dann bleibt noch die Frage, wie Sie Ihr Wunschgehalt am besten in der Bewerbung formulieren?

Was mit “Ihrer Gehaltsvorstellung” gemeint ist

Personaler erwarten bei Ihrer Gehaltsvorstellung Ihr erwartetes Bruttojahresgehalt inklusive aller Zusatzelistungen. Als Basis für die Formulierung Ihres Wunschgehalts starten Sie daher mit Ihrem aktuellen Grundgehalt und zählen dazu:

  • Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld
  • Boni und Prämien
  • Vermögenswirksame Leistungen und zusätzliche Versicherungen
  • Kosten für Fort- und Weiterbildungen
  • Sachbezüge wie freie Verpflegung oder Rabatte
  • Geldwerte Vorteile, z.B. ein Firmenwagen

Diesen Ausgangswert sollten Sie mit den marktüblichen Gehältern für Ihre Position vergleichen - zum Beispiel mit dem kostenlosen Gehaltsvergleich für über 100 verschiedene Berufe im Finanz-, IT-, kaufmännischen und Assistenzbereich, den Sie am Ende des Artikel kostenlos anfordern können.

Diese Faktoren beeinflussen die Höhe des Gehalts

Die bundesweiten Gehaltsunterschiede zwischen vergleichbaren Positionen und Unternehmen ergeben sich aus einer Reihe persönlicher und struktureller Faktoren. Das und die nachfolgenden Faktoren müssen Sie für die Formulierung Ihrer Gehaltsvorstellung in der Bewerbung berücksichtigen.

  • Ihr Potenzial und Ihre Erfahrungen: Die eigenen Qualifikationen sind ein entscheidender Faktor für die Höhe des Gehalts. Vor allem in Form sichtbarer Erfolge tragen sie erheblich zum eigenen Marktwert bei. Einfach ausgedrückt: Je mehr Erfahrung Sie als Bewerber in die Waagschale werfen, desto mehr Gehalt muss der Arbeitgeber auf der anderen Seite nachlegen.
  • Position und Branche der ausgeschriebenen Stelle: Je mehr Verantwortung oder Spezialisierung ein Job verlangt, desto höher ist auch das Gehalt. Und in Branchen, in denen Fachkräfte besonders gesucht werden, steigen auch die Gehälter am schnellsten. Wo der Bedarf gerade sehr hoch ist, finden Sie über Ihr Netzwerk, Medienberichte, gute Personalberater oder Fachverbände heraus.
  • Standort und Größe des Unternehmens: Große Konzerne zahlen oft besser als kleine Mittelständler und in Großstädten werden höhere Gehälter gezahlt als in strukturschwächeren Regionen. So erhalten Sie laut der Robert Half Gehaltsübersicht im bundesweiten Vergleich als Finanzprofi in Frankfurt das höchste Gehaltsrechner im bundesweiten Vergleich.
  • Prüfen Sie, wie Ihr potenzieller Arbeitgeber im Gehaltsvergleich dasteht: Die Finanzlage Ihres künftigen Arbeitgebers auszuloten, wird Ihnen wichtige Hinweise für die Formulierung Ihrer Gehaltsvorstellung bei der Bewerbung liefern. Unternehmen mit der Rechtsform einer AG, GmbH, GmbH & Co KG und eG sind verpflichtet, ihre Bilanzen im elektronischen Bundesanzeiger zu veröffentlichen. Recherchieren Sie auch in aktuellen Medienberichten, ob es kürzlich eine Finanzspritze oder eventuell eine Übernahme gab. Anhand des Umsatzes und des Gewinns lassen sich gute Rückschlüsse auf die Finanzstärke ziehen.

Tipps für die richtige Gehaltshöhe

  • Bis zu maximal 10 % aufschlagen: Bei einem Jobwechsel ist eine Gehaltssteigerung um bis zu 10 % möglich, in Einzelfällen auch mehr. Wie hoch Ihr Aufschlag ausfällt, können Sie natürlich selbst festlegen. Pokern Sie jedoch nicht zu hoch. Sonst riskieren Sie ein zu schnelles Aus im Bewerbungsprozess.
  • Dumping wird bestraft: Nur weil Sie unbedingt aus dem jetzigen Job raus wollen, sollen Sie sich auch nicht auf eine zu niedrige Gehaltsvorstellung in der Bewerbung. Das kann als mangelnde Erfahrung und Selbstbewusstsein interpretiert werden und Sie stufen sich unnötig als Rookie ein. Unterdurchschnittliche Bewerber haben immer schlechte Karten auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.
  • Krumme Summen: Krumme Beträge signalisieren, dass Sie eine klare Vorstellung davon haben, wie viel Sie wert sind. Experimente bestätigen, dass man dann weniger heruntergehandelt wird. Die Rechnung sollten Sie aber nachvollziehbar vortragen können. Und runden Sie Ihre Gehaltsvorstellung in der Bewerbung auf Hunderter- oder Tausenderstellen, das reicht vollkommen.
  • Keine komplizierten Gehaltspakete: Eine Bewerbung ist kein Basar. Verzichten Sie daher auf komplizierte Angebote. Geben Sie lieber ein Gehalt in Brutto an, in das Sie alle zusätzlichen Leistungen bereits einkalkuliert haben. Sie müssen Ihren potenziellen Arbeitgeber nicht an die Möglichkeit von Zusatzleistungen erinnern.

Beispiele für die Formulierung der Gehaltsvorstellung in der Bewerbung

Fallen Sie bitte nicht mit der Tür ins Haus! Die Gehaltsvorstellung wird immer erst am Ende des Anschreibens angegeben, direkt vor der Grußformel. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Niedriges Gehalt: Wenn Sie zurzeit eher wenig verdienen, sollten Sie Ihr bisheriges Gehalt lieber nicht angeben, sondern nur Ihre Gehaltsvorstellung für den neuen Job:

"Meine Gehaltsvorstellung liegt bei einem jährlichen Bruttogehalt in Höhe von 58.000 Euro.“

  • Hohes Gehalt: Wollen Sie Einbußen vermeiden, dann sollten Sie Ihr bisheriges Jahresgehalt nennen und klare Voraussetzungen schaffen:

„Mein derzeitiges Bruttogehalt liegt bei 66.000 Euro im Jahr. Bei einem Wechsel stelle ich mir eine Steigerung um 10 % vor.“

  • Hohe Gehaltsforderung: Betonen Sie Ihre individuellen Fähigkeiten, um eine vergleichsweise hohe Gehaltsvorstellung in der Bewerbung zu rechtfertigen:

"Aufgrund meiner Spezialisierung und meiner Fachkenntnisse liegt meine Gehaltsvorstellung im Bereich von 80.000 Euro pro Jahr.“

  • Verhandlungsbereitschaft: Die Formulierung einer Gehaltsspanne oder eines „Zielgehalts“ signalisiert Ihre Bereitschaft, über geldwerte Vorteile zu verhandeln:

„Meine Gehaltsvorstellung liegt zwischen 65.000 und 72.000 Euro brutto pro Jahr. Ich würde mich freuen, die Details in einem persönlichen Gespräch mit Ihnen zu klären.“ Oder: „Mein Zielgehalt liegt bei 72.000 Euro brutto pro Jahr.“

  • Gehaltspoker – Gehaltsangabe ohne Angabe: Auf eine genaue Angabe Ihrer Gehaltsvorstellung in der Bewerbung zu verzichten, ist riskant. Wenn Sie schon diese Strategie wählen, sollten Sie die Frage dennoch im Anschreiben Ihrer Bewerbung aufgreifen:

„Ich würde mich freuen, Sie persönlich kennen zu lernen und meine Gehaltsvorstellung in einem Vorstellungsgespräch mit Ihnen zu besprechen.“

Die Gehaltsverhandlung kommt erst im Vorstellungsgespräch

Sie brauchen nicht zu befürchten, dass Ihre Gehaltsvorstellung in der Bewerbung bereits das letzte Wort ist. Die letztendliche Gehaltsverhandlung findet immer erst im Vorstellungsgespräch statt. In der Regel liegt dann auch ein ganzes Gehaltspaket auf dem Tisch. Das können z.B. Provisionen, Firmenwagen oder flexiblere Arbeitszeiten sein.

Unsere Empfehlung: Überlegen Sie bereits im Voraus, welche Zusatzleistungen für Sie interessant sind. Denn diese sind meistens sowohl für den Arbeitgeber als auch für den Bewerber steuerlich günstiger und eignen sich daher hervorragend, um in die Gehaltsverhandlung miteinbezogen zu werden.

Sind Sie auf der Suche nach Personal oder nach einem neuen Job? In beiden Fällen sollten Sie über die marktüblichen Gehälter informiert sein. Mit unserer Gehaltsübersicht prüfen Sie, wie attraktiv Ihr Gehaltspaket für Mitarbeiter und Bewerber ist oder vergleichen Ihr eigenes Gehalt mit dem Ihrer Kollegen.

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