Buchhaltung und Automatisierung: Keine Angst vor Kollege Roboter

Von Alenka Mladina on 19. November 2019

KI, RPA, NLP oder ML – diese Abkürzungen tauchen immer öfter im Fahrwasser der Digitalisierung des Rechnungswesens auf. Sie stehen in der Buchhaltung für die Automatisierung einst manueller Arbeiten. Haben deshalb Buchhalter bald einen Job ohne Zukunft? Antwort: Nicht, wenn sie sich dem Wandel anpassen.

Buchhalter – ein Job ohne Zukunft?

Buchhaltung und Automatisierung: Das ist die digitale Konkurrenz

Auf diese Skills kommt es für Finanzprofis an

Buchhalter – ein Job ohne Zukunft?

Keine Frage – die Digitalisierung hat in der Buchhaltung für die Beschäftigten vieles einfacher gemacht. Komplizierte und zeitraubende Berechnungen erledigt jetzt Software, die nebenbei noch Fristen und Termine im Blick behält oder Informationen zusammenführt, analysiert und zentral speichert.

Oft reicht dafür ein Mausklick durch die zuständige Fachkraft. So sorgt die digitale Transformation für mehr Effizienz im Arbeitsalltag.

Das entlastet die Finanzprofis. Möglicherweise sogar mehr, als ihnen lieb ist: Der nächste Schritt der Digitalisierung im Rechnungswesen und verwandter Disziplinen ist die Automatisierung kompletter Arbeitsprozesse.

Dafür ist nicht mal mehr oben erwähnter Klick durch einen Mitarbeiter erforderlich. Macht das die menschliche Arbeit überflüssig?

Klar ist, die Buchhaltung mit ihrer stark mathematisch und informationsverarbeitenden Ausrichtung ist für die Automatisierung wie geschaffen.

Klar ist aber auch, dass der Abgesang auf den Beruf des Buchhalters verfrüht ist. Jedenfalls dann, wenn Fachkräfte die Zeichen der Zeit erkennen und bestimmte Kompetenzen stärken.

Buchhaltung und Automatisierung: Das ist die digitale Konkurrenz

Eine Studie unserer US-amerikanischen Kollegen bei Robert Half zeigt, wie fortschrittliche Technologien die Spielregeln in der Arbeitswelt verändern.

Gerade im Finanzbereich müssen sich Beschäftigte auf teils ganz neue Arbeitsabläufe einstellen.

Dafür sorgen vor allem folgende vier Technologien, die exemplarisch für die weitgehend oder komplett selbstständige Arbeit von Programmen sind:

  • Robot Process Automation (RPA) übernimmt schon heute viele, immer wiederkehrende Routineprozesse. Weil die Software dahinter immer leistungsfähiger wird, hat RPA zunehmend komplexere Abläufe im Griff, in die menschliche Mitarbeiter aktuell noch viel Zeit investieren. Dazu zählt etwa die Berechnung von Abschreibungen.
  • Natural Language Processing (NLP) ermöglicht die sprachliche Kommunikation zwischen Mensch und Maschine. Die Technologie wandelt Dokumente und Sprache in strukturierte Daten um. Das Ziel: Computer lernen, sich auf menschliche Weise in Schrift und Wort auszudrücken. Das funktioniert bereits mit Chatbots in der Kundeninteraktion sowie in der Vertrags- und Dokumentenvorbereitung.
  • Künstliche Intelligenz (KI) bewertet beispielsweise für Versicherungen Risiken oder prüft, ob bei gemeldeten Schäden Betrug im Spiel ist. Künftig könnte KI im Zusammenspiel ihrer analytischen Fähigkeiten mit menschlicher Kreativität (symbiotisches Computing) stärker für die Strategieentwicklung eingesetzt werden.
  • Maschinelles Lernen (ML) befähigt Software, sich selbst zu verbessern. Dafür verarbeitet sie große Datenmengen, sucht darin nach Mustern und leitet daraus einen Lernprozess ab – ganz ohne menschliches Zutun. Die eingebauten ML-Algorithmen sammeln “Erfahrungen” und machen entsprechend ausgestattete Programme sehr anpassungsfähig. Sinnvoll ist ihr Einsatz unter anderem in der Compliance-Überwachung. Hier können sie die Wirksamkeit automatisierter Schlüsselkontrollen verbessern und kostspielige Verstöße verhindern.

Auf diese Skills kommt es für Finanzprofis an

Die geschilderten Trends zeigen: Die Buchhaltung wird von der Automatisierung stark verändert. Schritt für Schritt.

Die Beschäftigten in diesem Sektor sind deshalb gefordert. Zwar werden ihre Stellen nicht von heute auf morgen von Software und automatisierten Systemen übernommen.

Doch sie müssen sich in vielen Bereichen vermehrt an digitale Kollegen und Lösungen gewöhnen.

Das hat konkrete Auswirkungen auf ihre erforderlichen Qualifikationen. Um weiterhin erfolgreich in ihrem Beruf zu sein, brauchen Finanzprofis folgende Fähigkeiten:

  • Datenanalyse: Digitale Informationen sind elementar für die Buchhaltung und deren Automatisierung. Mitarbeiter müssen sie verstehen und damit souverän umgehen. Dies erfordert Kenntnisse über gängige Berichterstellungstools und Erfahrung mit cloud-basierten ERPs.
  • Kreativität und strategisches Denken: Software sucht stets nach Mustern, die sie mit ihren Algorithmen analysiert. Passen Ereignisse oder Kundenwünsche nicht in ein entsprechendes Raster, geraten Programme (noch) an ihre Grenzen. Erfahrene Finanzfachleute sind hier viel flexibler. Sie erkennen frühzeitig individuelle Chancen und Risiken und können dazu passende Lösungen entwickeln oder Trends erkennen.
  • Emotionale Intelligenz: Gute Buchhalter gehen mit ihren Kunden auf einer vertrauten und vertrauensvollen Basis um. Dank Empathie erkennen sie Befindlichkeiten und Bedürfnisse ihrer Geschäftspartner und gehen darauf ein. Soweit ist KI zumindest heute noch nicht.
  • Kommunikation: Versierte Finanzprofis finden immer die richtigen Worte – in Schrift und Sprache. Mit ihrer geschliffenen und zugleich verständlichen Ausdrucksweise verbessern sie den Kundenservice und erleichtern die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit, etwa bei laufenden digitalen Transformationsprojekten.

An diesen (und weiteren) Soft Skills sollten Finanzprofis stets arbeiten. Dann ist die Digitalisierung im Rechnungswesen für sie auf absehbare Zeit kein Schreckgespenst.

Wichtig ist, immer auf dem neuesten Stand zu bleiben und Chancen zur Weiterbildung für sich und ihr Unternehmen zu nutzen.

Dann können sie Ihre Karriere trotz Automatisierung vorantreiben und zeigen: Buchhalter ist kein Job ohne Zukunft!

Zusätzliche Qualifikationen und Erfahrungen lassen sich auch mit einem Jobwechsel gewinnen. Ein Knackpunkt ist dann oft das künftige Einkommen.

Deshalb sollten sie beherzt in die Gehaltsverhandlung nach einem Jobangebot einsteigen. Aber was dürfen Sie von Ihrem potenziellen neuen Arbeitgeber seriös fordern? Hier hilft ein Blick in die aktuelle Gehaltsübersicht von Robert Half.