Das große Jobsterben durch die Digitalisierung? Eine Zwischenbilanz

Von Alenka Mladina 27. November 2019

Von wegen schöne neue Arbeitswelt: Die Digitalisierung würde massenhaft Arbeitsplätze vernichten, hieß es schon zu Beginn des digitalen Wandels. Inzwischen stecken wir mitten in der Transformation. Zeit also für eine Bestandsaufnahme: Welche Jobs fallen tatsächlich weg oder sind akut vom Aussterben bedroht?

2020 – das Jahr, in dem Roboter Sternerestaurants übernehmen?

Im Jahr 2015 warnte die Deutsche Bank in einer Studie, dass analoge Jobs durch die Digitalisierung vernichtet würden. Andere Untersuchungen, unter anderem von der renommierten Unternehmensberatung McKinsey und der University of Oxford kommen zu dem Schluss, dass fast die Hälfte aller Stellen vor dem Aussterben stünden.

Bereits 2020 würden sogar in Sterne-Restaurants Roboter arbeiten. Noch ist das nicht Realität, aber das kann sich mit fortschreitender Digitalisierung schnell ändern.

KI ist 2019 keine Science Fiction mehr

Denn reine Fiktion ist der Wegfall von Jobs schon heute nicht mehr. Chatbots übernehmen bereits Aufgaben, für die vor einigen Jahren noch Call-Center-Mitarbeiter zum Hörer greifen mussten. Und in Fast-Food-Restaurants nehmen in immer mehr Filialen Software-Lösungen Bestellungen entgegen.

Diese Beispiele zeigen aber auch: So dramatisch wie vor einigen Jahren prognostiziert, fällt das Jobsterben im Zuge der Digitalisierung nicht aus. Komplett verschwinden werden wohl nur wenige Berufe – es sind vielmehr einzelne Tätigkeiten, die wegfallen, weil sie automatisiert werden.

Zwar gelten vor allem geringqualifizierte Jobs als besonders gefährdet, da sich viele solcher Tätigkeiten leicht automatisieren lassen. Doch es kann auch wesentlich anspruchsvollere Berufe treffen. Entscheidend ist nämlich, wie groß jeweils der Anteil an standardisierten Routineaufgaben ist.

Einige Experten vermuten sogar, dass die Arbeitsplätze von Radiologen unsicherer sein könnten als die von Haushaltshilfen. Denn die Auswertung von CT- und Röntgenbildern könne eine künstliche Intelligenz heute schon zuverlässiger übernehmen als ein Facharzt.

Wandel statt Wegfall: Die Digitalisierung frisst Berufe nicht, sondern verändert sie

Was die Urheber dieser These jedoch übersehen: Wenn die Auswertung von Aufnahmen automatisiert wird, werden Radiologen künftig mehr Zeit für die persönliche Betreuung ihrer Patienten aufbringen können.

Diese erfreuliche Entwicklung – mehr Expertenaufgaben statt langweiliger Routine – ist in manchen Bereichen schon heute sehr weit fortgeschritten.

Dazu zählt unter anderem das Rechnungswesen, in dem die Auswirkungen der Digitalisierung bereits deutlich spürbar sind. Viele Prozesse, beispielsweise die Rechnungsstellung, laufen bereits automatisiert ab. Doch Buchhalter sind nicht – wie vielfach prognostiziert – ausgestorben.

Stattdessen übernehmen sie ganz andere Aufgaben als noch vor zehn Jahren, als sie noch als graue Erbsenzähler verrufen waren. Oft agieren sie als Business-Partner für die Geschäftsführung und übernehmen eine beratende Funktion bei wichtigen Investitionsfragen.

Spannende neue Aufgaben statt langweiliger Routine

Halten wir fest: Der digitale Wandel wird dafür sorgen, dass viele standardisierte Tätigkeiten wegfallen. Dies kann dafür sorgen, das einige Berufe aussterben, weil dabei nur Aufgaben anfallen, die problemlos von Algorithmen übernommen werden könnten.

Dies ist jedoch bei nicht allzu vielen Berufsbildern der Fall. Viel öfter bietet der digitale Wandel große Chancen. In der IT ist das bereits seit Jahren deutlich spürbar. Hier hat der Wandel für zahlreiche neue, zukunftssichere Jobs gesorgt.

Auch Beschäftigte in vermeintlich bedrohten Berufen, zum Beispiel Buchhalter oder Personalsachbearbeiter, können profitieren. Der Schlüssel heißt Spezialisierung.

Algorithmen können vielleicht die Vorauswahl von Bewerbern oder Buchungen übernehmen. Aber Sie als Mensch können mehr! Behalten Sie immer im Hinterkopf, dass die Studien von den Berufsbildern ausgehen, wie sie zum Untersuchungszeitpunkt typischerweise aussahen.

Offenheit für Veränderung ist elementar

Doch Jobs ändern sich – es ist geht darum, sich ihnen anzupassen oder sogar sie mitzugestalten. Die Digitalisierung kann Ihnen die Chance bieten, sich von langweiligen Routinetätigkeiten zu verabschieden und sie Computern zu überlassen – während Sie sich fachlich weiterentwickeln und neue Aufgaben übernehmen. Am besten fangen Sie jetzt schon an, sich für die Arbeitswelt 4.0 fit zu machen.

 

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