Warum Arbeit relevant für das Glück der Welt ist

Von Christina Holl on 17. März 2021

Dass die tägliche Arbeit nicht nur Mittel zum Zweck ist, sondern uns auch ein wenig glücklich macht, ist heute wichtiger den je. Im Zuge der Corona-Pandemie mit empfohlenem Home-Office wurde die Grenze zwischen Beruf und Privatleben aufgeweicht. Gemeinsam mit Nic Marks, Glücksforscher und Gründer von Friday Pulse, verraten wir Ihnen fünf Stellschrauben, mit denen Sie nicht nur glücklicher arbeiten, sondern auch Ihre private Welt zu einem besseren Ort machen.

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Tag des Glücks in Zeiten der Pandemie?

Das Coronavirus hält die Menschen rund um den Globus immer noch in Schach. Ist es da nicht beinahe zynisch, am 20. März den Weltglückstag zu feiern? Keineswegs! Auch wenn es zunächst vielleicht merkwürdig anmutet: Der Tag kommt wie gerufen! Die Vereinten Nationen haben den Weltglückstag (International Day of Happiness) ausgerufen, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie wichtig Glück und Wohlbefinden für unser Leben ist. Gerade in schwierigen Zeiten gilt es, diese Werte nicht aus dem Blick zu verlieren.

Deshalb sollten wir das Thema Glück auch im Job ernst nehmen und Arbeit nicht nur als notwendiges Übel betrachten. Schließlich verbringen wir einen großen Teil unseres Lebens damit. Das gilt noch viel mehr, wenn aufgrund von Lockdown und Home-Office die Grenze zum Privatleben verschwimmt. Doch ganz egal, wo wir arbeiten: Wenn wir dabei mehr Freude hätten, wäre die Welt, in der wir leben, womöglich eine bessere.

Muss Arbeit glücklich machen?

Der Psychologe und Nobelpreisträger Daniel Kahneman stellte 2004 seine Tagesrekonstruktionsmethode vor, ein Verfahren zur Messung von Lebenszufriedenheit.  Dabei ließ er seine Versuchspersonen festhalten, was sie an einem typischen Tag getan hatten und wie viel Zeit sie auf die jeweiligen Tätigkeiten verwendet hatten. Die Resultate waren wenig überraschend und ähnelten sich bei allen Studienteilnehmern. Sie füllten ihre Tage vor allem damit,

  • zu arbeiten,
  • soziale Kontakte zu pflegen,
  • zu essen,
  • sich zu entspannen,
  • fernzusehen,
  • zur Arbeit zu pendeln,
  • Sport zu treiben und
  • sich um ihre Kinder zu kümmern.

Im nächsten Schritt sollten die Teilnehmer bewerten, wie viel Freude ihnen ihre alltäglichen Aktivitäten bereiteten. Auch hier erstaunen die Antworten kaum: Zeit mit dem Partner oder Freunden zu verbringen, sich zu entspannen und zu essen waren die Dinge, die die Probanden am meisten genossen. Ganz am Ende der Liste – und dem sollten wir besondere Beachtung schenken – standen die Arbeit und das Pendeln zur Arbeit.

Ausgerechnet die beiden Dinge, für die wir einen Großteil unserer wachen Stunden aufwenden, bereiten uns am wenigsten Freude – ziemlich ernüchternde Aussichten in Sachen Glück. Zwar fällt der ungeliebte Arbeitsweg derzeit für viele Arbeitnehmer weg, weil sie von zu Hause aus arbeiten. Doch auch die lange Zeit im Home-Office hat bei vielen Spuren hinterlassen, wie eine aktuelle Arbeitsmarkt-Studie1 von Robert Half zeigt.

Demnach sind zwar immerhin 29 % der befragten Personalverantwortlichen in Deutschland der Meinung, dass die Beschäftigten in ihren Unternehmen auch nach mehr als sechs Monaten noch eine positive Einstellung haben und produktiv und engagiert arbeiten. Auf der anderen Seite sehen diese Führungskräfte aber auch zahlreiche Mitarbeiter, die ...

  • wenig engagiert und produktiv sind (28 %).
  • überlastet sind bzw. an der Schwelle zum Burn-out stehen (24 %).
  • unzufrieden mit ihrem aktuellen Job sind (23 %).
  • deprimiert wirken oder deren Moral im Keller ist (23 %).

Die Stimmung am Arbeitsplatz ist also durchaus durchwachsen. Immerhin haben viele Unternehmen offenbar erkannt, dass sie etwas tun müssen: 31 % der befragten Personalentscheider halten die Überwachung des Workloads für eine der zentralen Herausforderungen, wenn Mitarbeiter zum Teil im Home-Office arbeiten. Für ein Drittel spielt auch die Bewertung des Wohlbefindens und der seelischen Gesundheit von remote arbeitenden Mitarbeitern eine zentrale Rolle.

Zufrieden im Job = glücklicheres Leben

In jedem Fall ist es an der Zeit, nicht mehr zwischen dem Glücklichsein im Beruf und im Privaten zu differenzieren. Wenn man unzufrieden im Job ist, wirkt sich das oft auch auf die Lebenszufriedenheit in der Freizeit aus. Und umgekehrt: Wenn es daheim schlecht läuft, können wir oft auch bei der Arbeit nicht glücklich sein. Das gilt umso mehr in Zeiten wie diesen, wo Zuhause und Büro miteinander verschmelzen.

Es hängt also alles zusammen. Außerdem kann zu viel beruflicher Stress bekanntermaßen krank machen und beeinträchtigt damit auch unser Privatleben. Wer hingegen Freude aus seiner Arbeit zieht, hat auch jenseits des Jobs mehr Energie und ist erfolgreicher.

Selbstreflexion ist der erste Schritt zu mehr Freude an der Arbeit

Der Weg zu einem glücklicheren Arbeitsleben beginnt mit einem Blick zurück. Um herauszufinden, wie es Ihnen eigentlich geht, stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Was ist im letzten Jahr gut gelaufen bei der Arbeit’?
  • Was hat sich verschlechtert?
  • Was vermissen Sie am meisten aus der Zeit vor Corona?

Durch diese Rückschau erhalten Sie bereits eine gute Momentaufnahme ihres aktuellen Befindens und machen vielleicht schon erste Stellschrauben aus, an denen Sie drehen können. Wenn Sie mehr in die Tiefe gehen möchten, ist der Friday One Happiness Test eine gute Option. Mit diesem fünfminütigen Check ermitteln Sie, wo Ihre kritischen Bereiche liegen und Verbesserungen möglich sind.

Wenn Sie wissen, wo es auf Ihrem Weg zum Glück hakt, können Sie anfangen, daran zu arbeiten. Machen Sie sich aber bewusst, dass es dabei Faktoren geben kann, die außerhalb Ihres Einflussbereichs liegen. Manche Dinge können Sie einfach nicht ändern, so sehr Sie sich auch bemühen. Bevor Sie sich daran aufreiben, kann es sinnvoller sein, sich einen neuen Job zu suchen, der Sie glücklicher macht.

5 Faktoren, die für mehr Glück sorgen

Oft reichen schon ein paar einfache Maßnahmen aus, um mehr Freude bei der Arbeit zu haben. In manchen Bereichen sind vor allem Führungskräfte gefordert, aber es gibt auch einiges, was jeder einzelne tun kann, damit der Job erfüllender wird.

Gute Beziehungen

In einem Umfeld, in dem wir uns wohlfühlen, geht uns die Arbeit leichter von der Hand. Wenn unter Kollegen ein freundschaftliches Verhältnis besteht und man gemeinsam lacht, macht das viel aus. Auch wenn es mal nicht so gut läuft, können Sie sich darauf verlassen, dass jemand da ist, der Sie auffängt, ermutigt und unterstützt. Versuchen Sie, Freundschaften im Job zu schließen. Dafür braucht es nicht unbedingt den Plausch an der Kaffeemaschine, das funktioniert auch virtuell.

Fairness

Ein respektvoller, fairer Umgang miteinander ist entscheidend für die Zufriedenheit jedes Einzelnen. Achten Sie deshalb besonders im virtuellen Kontakt darauf, wie Sie mit Ihren Kollegen umgehen. Denn leicht kann der Ton unbeabsichtigt etwas rauer werden, wenn man sich nicht direkt gegenüber steht. Führungskräfte tun zudem gut daran, auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter einzugehen und ihnen flexible Arbeitsmöglichkeiten einzuräumen.

Verantwortung

Entgegengebrachtes Vertrauen macht glücklich und schafft Nähe. Wer Verantwortung übernehmen darf, ist in der Regel motivierter. Wenn Ihr Vorgesetzter nur schwer Verantwortung abgibt, suchen Sie selbst nach Möglichkeiten, bei denen Sie Ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen können.

Herausforderung

Die besten Tage im Job sind in der Regel die, an denen man ganz in seiner Arbeit versunken ist und Fortschritte macht. Dafür müssen wir uns allerdings immer wieder antreiben und neuen Herausforderungen stellen. Brechen Sie aus Routinen aus und versuchen Sie, mehr zu erreichen oder neue Wege zu gehen.

Inspiration

Vielleicht der wichtigste Aspekt: Erfüllt Ihr Job Sie? Sind Sie stolz auf das, was Sie tun? Haben Sie das Gefühl, einen wichtigen Beitrag zu leisten? Wer bei seiner Arbeit ein übergeordnetes Ziel im Blick hat, steht auch schwierige Phasen leichter durch. Wenn Sie das Gefühl haben, nur ein kleines Rad im System zu sein und es letztlich nur ums Gehalt geht, wird es mit dem Glück schwieriger.

Der Gedanke ist verbreitet: Erst einmal genug Geld verdienen, das einem dann irgendwann in Zukunft ein glückliches Leben ermöglicht. Aber ist das wirklich ein erstrebenswerter Weg? Diese Frage sollten wir uns anlässlich des internationalen Tags des Glücks noch einmal vor Augen führen. Wäre es nicht schöner, schon im Hier und Jetzt glücklich zu sein? Mit einem Job, der Sie erfüllt – und damit direkt für mehr Lebensfreude sorgt.

Nic Marks ist Gründer und CEO von Friday Pulse.

1 Die Studie wurde im November 2020 im Auftrag von Robert Half durchgeführt. Befragt wurden 1.500 Führungskräfte mit Personalverantwortung (General Manager, CIOs, CFOs) in kleinen (50-249 Mitarbeiter), mittelgroßen (250-499 Mitarbeiter) und großen (500+ Mitarbeiter) Unternehmen in Belgien, Brasilien, Deutschland, Frankreich und Großbritannien (je 300 Teilnehmer).

Bildquelle: © Alex Block - Unsplash.com