Über die Hälfte der Deutschen erhält Weihnachtsgeld - Sie auch?

Von Christina Holl 29. Oktober 2014

Viele Arbeitgeber zahlen Weihnachtsgeld

© anoli - Fotolia.com„Ist denn heut’ schon Weihnachten?“, wunderte sich Franz Beckenbauer einst in einer Fernsehwerbung. Genau so freuen sich Arbeitnehmer, wenn sie Ende November ihre Gehaltsabrechnung prüfen: Im vergangenen Jahr erhielten 54 % der Angestellten ein Weihnachtsgeld. Im Vergleich fällt hier das Gehalt zugunsten der westdeutschen Arbeitnehmer aus. Dort erhalten 58 % diesen Bonus, während es in Ostdeutschland nur 39 % sind. Doch wer legt eigentlich fest, wer das Extragehalt bekommt?

Wem Weihnachtsgeld zusteht

Ein Anrecht auf die Finanzspritze des Arbeitgebers zu Weihnachten haben Sie, wenn einer der folgenden Gründe vorliegt:

  1. Es ist in Ihrem Arbeitsvertrag geregelt.
  2. Es ist im Tarifvertrag geregelt, der für Sie gültig ist.
  3. Es wurde in einer Betriebsvereinbarung geregelt, die Sie betrifft.Ihr Arbeitgeber hat es Ihnen in den vergangenen drei Jahren bezahlt – ohne zu erwähnen, dass es sich dabei um eine freiwillige Leistung handelt (Freiwilligkeitsvorbehalt). Denn nach drei Jahren gilt die Zahlung als „betriebliche Übung“ und Sie haben auch in den folgenden Jahren einen Anspruch darauf.
  4. Wenn Ihre Kollegen diesen Bonus erhalten, steht er auch Ihnen zu – es sei denn, es gibt sachliche Gründe dagegen. Eine akzeptable Begründung wäre beispielsweise, dass Sie anderweitige Gratifikationen erhalten oder Ihr Grundgehalt weit höher angesetzt ist.

Ausnahmeregeln: der Freiwilligkeits- und der Widerrufsvorbehalt

Es gibt Situationen, in denen Ihnen der Arbeitgeber kein Weihnachtsgeld bezahlen muss, obwohl es vertraglich festgeschrieben ist. Und zwar dann, wenn im Vertrag eine von zwei Einschränkungen vorgenommen wurde.

Die erste Einschränkung ist der sogenannte Freiwilligkeitsvorbehalt. Das heißt schlichtweg, dass der Vertrag den Zusatz enthält, dass die Bonuszahlung freiwillig erfolgt.

Die zweite Einschränkung ist der Widerrufsvorbehalt. Er besagt, dass der Arbeitgeber den zugesagten Bonus unter bestimmten Gründen widerrufen darf. Dieser Vorbehalt darf nicht im Kleingedruckten versteckt sein und die Gründe müssen explizit genannt werden.

Gründe können beispielsweise die wirtschaftliche Situation des Unternehmens oder das Verhalten des Angestellten sein. Der Widerrufsvorbehalt taucht oft in vorformulierten Arbeitsverträgen auf, den sogenannten Formulararbeitsverträgen.

Die Höhe des Weihnachtsgelds

Wie viel das Unternehmen bezahlt, ist allgemein nicht geregelt. Allerdings müssen alle Mitarbeiter in nachvollziehbarer Weise gleich behandelt werden. Das heißt nicht unbedingt, dass alle dasselbe bekommen, aber für Abweichungen bedarf es guter Gründe: etwa die erreichten Ziele, längere Betriebszugehörigkeit oder ähnliches.

Ein Sonderfall tritt ein, wenn der Mitarbeiter länger als sechs Wochen krank ist oder Elternzeit nimmt. Dann hat der Arbeitnehmer nicht in jedem Fall Anspruch auf den vollen Betrag, den seine Kollegen bekommen. Ist das Weihnachtsgeld als Aufschlag aufs Gehalt deklariert, kann der Arbeitgeber die Zahlung entsprechend der reduzierten Arbeitszeit kürzen. Ist das Weihnachtsgeld hingegen eine Belohnung für vergangene und künftige Betriebstreue, darf er das nicht – es sei denn, Sie kündigen in einem relevanten Zeitraum.

Falls Sie Ihr Gehalt aufbessern möchten, es in Ihrem Unternehmen aber keine Weihnachtsgratifikation am Jahresende gibt, besteht die Möglichkeit, einen leistungsabhängigen Bonus zu verhandeln. 

Gibt es in Ihrem Unternehmen eine Regelung zum Weihnachtsgeld? Obwohl alle Inhalte in diesem Artikel sorgfältig recherchiert sind, kann ich keine juristische Verantwortung übernehmen. Die meisten Fälle unterscheiden sich voneinander und sollten einzeln von Fachanwälten geprüft werden. Wenden Sie sich im Zweifel deshalb an einen Experten.

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