Pssssst: Tabuthema Gehalt unter Kollegen – Das steckt dahinter

Kennen Sie das Gehalt Ihrer Kollegen?

„Wie hoch ist Ihr Gehalt?“ – diese Frage bleibt für viele im Office ein gut gehütetes Geheimnis. Denn sie kann schnell zum Minenfeld werden: Wenn der Kollege mehr verdient, als man selbst, sind Missgunst und schlechte Stimmung vorprogrammiert.

Lesen Sie hier, wie Sie mit dem heiklen Thema Einkommen umgehen – ohne dabei in firmenpolitische oder rechtliche Fettnäpfchen zu treten.

Verdienst der Kollegen: Wichtiger Wissensvorsprung für eigene Gehaltsverhandlungen

Mittagspause mit den Kollegen – in der Teeküche fragt Maria unverblümt in die Runde: „Und, wieviel Geld verdient ihr?“ Die Antwort: Betretenes Schweigen. Keiner der Kollegen möchte so richtig raus mit der Sprache – das Thema ist ihnen viel zu heikel.

Fakt ist: Zu wissen, was Ihre Kollegen in gleicher Position verdienen, ist interessant. Die Information verschafft Ihnen in Bewerbungs- oder Gehaltsgesprächen einen Vorteil. So schätzen Sie Ihren Marktwert besser ein und verhandeln Ihr Einkommen gezielt.

Bevor Sie allerdings in ein Fettnäpfchen treten und sich mit Kollegen über Ihr Einkommen austauschen, denken Sie daran: In vielen Unternehmen gehört es zur Firmenpolitik, nicht über Gehalt zu sprechen – weder in vertrauter noch in großer Runde. Kommt es ans Licht, dass Sie sich nicht daran gehalten haben, stehen Sie schnell als unprofessionell und nicht vertrauenswürdig da.

Thomas Hoffmann, Director North bei Robert Half, empfiehlt deshalb: „Sprechen Sie – wenn überhaupt – nur mit Kollegen, denen Sie absolut vertrauen. Gehalt ist und bleibt ein sensibles Thema, mit dem Sie respektvoll umgehen sollten. Gehen Sie in Bezug auf Ihr Einkommen besser kein Risiko ein.“

Ziehen Sie Ihr Wissen lieber aus fundierten Studien über den Arbeitsmarkt – zum Beispiel dem Gehaltsreport von Robert Half. Darin finden Sie aktuelle Daten, Fakten und interessante Hintergründe zum Verdienst in den Branchen IT, Finanz- und Rechnungswesen. So finden Sie schnell heraus, ob Sie unter- oder überbezahlt im Vergleich zu Ihren Kollegen sind – ohne Gefahr zu laufen, negativ aufzufallen.

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Rechtliche Fallstricke: Darf ich mit Kollegen über Gehalt sprechen?

Grundsätzlich dürfen Sie mit Ihren Kollegen über Ihr Gehalt sprechen. Sogar, wenn dies durch entsprechende Vertraulichkeits- oder Verschwiegenheitsklauseln im Arbeitsvertrag ausdrücklich „verboten“ ist. Solche Regeln sind unwirksam. Arbeitsgerichte haben entschieden: Sie verletzen Persönlichkeitsrechte wie das Recht auf freie Meinungsäußerung, auch nachzulesen bei Spiegel.

Doch Vorsicht: Auch hier gibt es wieder Ausnahmen. Informationen über das Gehalt, die die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens einschränken, zählen als Geschäfts- oder Betriebsgeheimnis

Halten Sie sich nicht daran und verraten Sie diese vertraulichen Daten, kann Ihr Arbeitgeber Sie auf Unterlassung verklagen und sogar Schadenersatz von Ihnen fordern. Zudem drohen Ihnen eine Abmahnung oder sogar die fristlose Kündigung.

Ihr Kollege verdient mehr als Sie? Vorsicht vor Neid und Missgunst

Bei der Frage nach dem Gehalt schwingen jedoch nicht nur firmenpolitische und rechtliche Gründe mit. Vielen Arbeitnehmern fällt es schwer, über ihr Einkommen zu sprechen, weil mit dem Thema Geld immer auch eine persönliche Wertung und Hierarchie einhergeht.

Schnell kommt die Frage auf: „Warum verdient mein Kollege mehr als ich“? Daraus kann ein gefährlicher Nährboden für

  • Eifersucht,
  • schlechte Stimmung,
  • Demotivation,
  • Leistungsabfälle
  • oder negativen Klatsch und Tratsch

entstehen.

So zeigt eine Studie der amerikanischen Universitäten Princeton und Berkeley aus dem Jahr 2009: Die Zufriedenheit der Teilnehmer sank deutlich, als sie herausfanden, dass sie weniger verdienten als der Durchschnitt Ihrer Kollegen.

Gehalt der Kollegen: Motivationsschub statt Motivationskiller

Doch was tun, wenn Sie herausfinden, dass Ihr Kollege in gleicher Position mehr verdient als Sie? Robert Half-Experte Hoffmann rät: „Machen Sie nicht den Fehler und tappen Sie in die Vergleichsfalle.“ Warum das Einkommen Ihres Kollegen höher ist, kann viele Gründe haben: Er bringt vielleicht mehr Berufserfahrung mit, hat eine bessere Ausbildung genossen oder viele Weiterbildungen besucht.

Wenn Sie richtig damit umgehen, gewinnen Sie einer solchen Situation sogar etwas Positives ab, weiß Hoffmann. Schließlich ist Ihr besserverdienender Kollege der lebende Beweis dafür, dass Sie in Ihrer jetzigen Position Ihren Verdienst deutlich steigern können: „Nehmen Sie Ihren Kollegen als persönliches Vorbild und fragen Sie sich, wie Sie nachziehen können. So wird das finanzielle Ungleichgewicht zwischen Ihnen und Ihrem Kollegen zum persönlichen Motivationsschub.“

Transparenz beim Verdienst: Andere Länder, andere Sitten

Übrigens: Offen mit dem Thema Gehalt umzugehen und dadurch andere anzuspornen – das ist in vielen Ländern ganz normal. Wer zum Beispiel in Amerika hart für seinen Erfolg arbeitet, zeigt das auch. Viele Stellen in den USA werden sogar mit einer genauen Gehaltsangabe ausgeschrieben. Das ist übrigens auch in unserem Nachbarland Österreich so.

In Asien ist es genauso gewöhnlich, über Geld zu sprechen, wie über das Wetter. Und auch in Schweden herrscht große Transparenz beim Thema Verdienst. Bis diese Offenheit allerdings auch hierzulande gelebt wird, wird es wohl noch einige Zeit dauern.

Wieviel verdienen Kollegen in Ihrer Position? Bereiten Sie sich optimal auf Ihr nächstes Gehaltsgespräch vor. Aktuelle Zahlen finden Sie im Gehaltsreport von Robert Half. Er bietet Ihnen eine detaillierte Übersicht zu Gehältern im IT und Finanzbereich sowie im Rechnungswesen. Jetzt kostenlos herunterladen!

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