Klare Sprache statt Kauderwelsch: Warum Chefs verständlich reden sollten

Von Alenka Mladina 16. August 2018

Wenn der Chef eine Rede an die Mitarbeiter hält und die Belegschaft nur Bahnhof versteht, ist niemandem geholfen. Stattdessen ist der Frust oft groß. Hier erfahren Sie, wie Sie als Führungskraft verständlich reden – und warum eine gute Kommunikationskultur für Ihre Mitarbeiter so wichtig ist.

  • Klare Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitern ist elementar
  • Rede an Mitarbeiter: Wer sich verständlich ausdrückt, genießt mehr Vertrauen
  • Verständlich reden leicht gemacht: Formulierungs-Tipps
  • Auch im Gespräch zwischen Chef und Mitarbeiter verständlich reden
  • Stil des Chefs prägt Kommunikationskultur im Unternehmen

„Diese Vereinbarung gibt den Menschen Sicherheit und erlaubt uns, die strategischen und operativen Ziele des Joint Ventures, einschließlich der geplanten Synergien, umzusetzen.“

Hand aufs Herz: Haben Sie auf Anhieb verstanden, worum es hier geht? Falls ja: Herzlichen Glückwunsch! Vermutlich gehören Sie zur Führungsriege eines Unternehmens und können ebenso mit Fachausdrücken jonglieren wie der Vorstandsvorsitzende von ThyssenKrupp, Heinrich Hiesinger. Seiner Rede ist das Eingangsbeispiel entnommen.

Doch vielen Menschen, darunter sicherlich auch etliche ThyssenKrupp-Mitarbeiter, entlocken derartige Aussagen lediglich ein ratloses „Wie bitte?“ Fachjargon ist unter deutschen Chefs weit verbreitet. Eine spezifische Sprache ist bisweilen notwendig, um sich über Fachthemen auszutauschen. Das ist völlig in Ordnung, so lange Führungskräfte unter sich sind. Problematisch wird es, sobald sie das Wort an ihre Mitarbeiter richten.

Klare Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitern ist elementar

Denn eine klare, verständliche Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitern ist essenziell, damit ein Unternehmen dauerhaft Erfolg hat. Nur wenn die Mitarbeiter verstehen, wovon der Chef spricht, können sie seine Visionen teilen und zu deren Umsetzung beitragen. Ist hingegen die Rede an die Mitarbeiter kompliziert formuliert und schwer verständlich, zucken sie schnell mit den Schultern und schalten ab.

Bis heute hält sich in deutschen Führungsetagen der Mythos, es sei ein Zeichen von Eloquenz und Expertise, sich in möglichst langen, verschachtelten Sätzen auszudrücken und diese zudem mit möglichst vielen Fremdwörtern und Wortungetümen zu füllen. Lassen Sie sich gesagt sein: Das ist nicht so.

Mitarbeiter-Ansprache: Wer sich verständlich ausdrückt, genießt mehr Vertrauen

Im Gegenteil. Wer sich so ausdrücken kann, dass ihn seine Mitarbeiter verstehen, dem hören sie auch zu. Und: Chefs, die verständliche Botschaften an ihre Mitarbeiter vermitteln, genießen mehr Vertrauen. Denken Sie also daran, wenn Sie das nächste Mal eine Rede an Ihre Mitarbeiter halten. Verzichten Sie beispielsweise möglichst auf schwer verständlichen Zusammensetzungen à la

  • Spezialversicherungsgesellschaften,
  • Nettofinanzverbindlichkeiten,
  • Abgasnachbehandlungskonzept.

All diese und noch viele weitere Wortungetüme haben Kommunikationswissenschaftler der Universität Hohenheim in Redemanuskripten von deutschen Spitzenmanagern gefunden. Sie haben Ansprachen von Vorstandsvorsitzenden auf Hauptversammlungen der DAX-Unternehmen mit dem sogenannten Hohenheimer Verständlichkeitsindex analysiert und bewertet. Die Forscher raten Führungskräften dringend, eine verständliche Sprache zu kultivieren, denn: Nur wer verstanden wird, kann auch in der Sache überzeugen.

Verständlich reden leicht gemacht: Formulierungstipps

Es ist gar nicht so schwer, für alle verständlich zu reden – vorausgesetzt, Sie beachten bei Ihren Formulierungen einige Dinge. Wenn Sie Wert darauf legen, dass Ihre Mitarbeiter Ihnen bei Ihrer Rede folgen können, verzichten Sie neben schwer verständlichen Zusammensetzungen bitte auf:

  • Bandwurm- bzw. Schachtelsätze,
  • abstrakte Begriffe,
  • nicht erklärte Fachausdrücke,
  • Passivformulierungen,
  • Floskeln,
  • Anglizismen.

Stattdessen verwenden Sie in Ihrer Rede an die Mitarbeiter besser:

  • kurze Sätze,
  • gebräuchliche Begriffe,
  • aktive Formulierungen,
  • Erklärungen von Fachbegriffen.

Zugegeben, gerade bei komplexen Themen kann es bisweilen schwierig sein, diese allgemein verständlich zu vermitteln. Doch die Anstrengung lohnt sich. Wer Fachsprache so übersetzt, dass sie auch für Fachfremde verständlich wird, tut einiges für seine Reputation, ergo für seine Karriere.

Und: Gute Redner, die ihre Mitarbeiter begeistern, haben für diese eher eine Vorbildfunktion als solche, die Fach-Kauderwelsch von sich geben. Zudem kann eine starke Ansprache, in der der Chef das Team einschwört und Ziele formuliert, einen enormen Beitrag zur Mitarbeitermotivation leisten.

Auch im Gespräch zwischen Chef und Mitarbeiter verständlich reden – und zuhören

Nicht nur in Ihren Reden vor versammelter Mannschaft sollten Sie eine verständliche Sprache pflegen. Auch beim Gespräch zwischen Chef und Mitarbeiter ist es wichtig, dass der Vorgesetzte sich klar und deutlich ausdrückt. Besonders wenn es darum geht, zu delegieren und zu organisieren, beugt eine leicht verständliche, konkrete Sprache Missverständnissen vor. Wenn hingegen Anforderungen, Ziele und Standards für sein Gegenüber unklar kommuniziert werden, verursacht dies doppelte Arbeit und Frust bei allen Beteiligten.

Bewahren Sie sich daher als Führungskraft unbedingt die Fähigkeit, Ihren Sprachstil verschiedenen Gesprächspartnern anzupassen.

Doch es geht nicht nur darum, sich selbst klar auszudrücken. Ein wichtiger Punkt in der Kommunikation zwischen Führungskraft und Mitarbeiter kommt bei Vorgesetzten leider häufig zu kurz: das Zuhören. Indem Sie Ihren Mitarbeitern aktiv zuhören, zeigen Sie Ihnen zum einen Ihre Wertschätzung. Darüber hinaus erhalten Sie selbst wichtige Informationen darüber, was Ihre Mitarbeiter bewegt und können entsprechend darauf reagieren.

Stil des Chefs prägt die Kommunikationskultur im Unternehmen

Machen Sie sich bewusst: Der Kommunikationsstil der Führungsebene prägt die Kommunikationskultur im gesamten Unternehmen. Wenn Sie mit gutem Beispiel vorangehen, werden Ihre Mitarbeiter und auch Führungskräfte im mittleren Management es Ihnen gleichtun. Und eine erfolgreiche, klare Kommunikationskultur ist ein Schlüssel zu größerer Mitarbeiterzufriedenheit, dem wesentlichen Faktor für Innovation und Produktivität Ihres Unternehmens.

Sind Sie interessiert an weiteren Texten zu Themen wie Recruiting-Tipps, Leadership und Arbeitsmarkttrends? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter.

Gleich zum Newsletter von Robert Half anmelden

 

Bildquelle: © Cecilie_Arcurs - Istockphoto.com

Das könnte Sie auch interessieren