Es stimmt! Ihr Bauchgefühl zeigt Ihnen den richtigen Job

Von Alenka Mladina 14. August 2019

Die Stelle ist perfekt. Das Gehalt – top. Die Unternehmenskultur – passt. Das Team – toll. Die Karriereaussichten – hervorragend. Ihr Kopf – nickt. Ihre innere Stimme – warnt. Was nun? Wie fällt die Job-Entscheidung aus? Für oder gegen das Angebot? Unser Tipp lautet: Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl! Dafür gibt es gute Gründe.

Meistens keine gute Idee: Job annehmen trotz schlechtem Gefühl

Soll ich den Job annehmen, obwohl ich ein schlechtes Gefühl dabei habe? Wenn Sie uns fragen: Nein! 

Nicht nur unsere Erfahrung zeigt, dass es keine gute Idee ist, eine warnende innere Stimme zu ignorieren. Auch eine Umfrage von Robert Half belegt: Die Mehrheit der Bewerber ist wegen einer falschen Job-Entscheidung unglücklich. Um genau zu sein sind es 78 %, die mit der neuen Stelle hadern.

Dazu sagt Christian Umbs, Managing Director bei Robert Half: “Bewerber müssen bei der Jobsuche stärker auf ihr Bauchgefühl hören. In vier von fünf Fällen stellt es sich als Fehler heraus, ein Jobangebot angenommen zu haben, von dem man nicht überzeugt ist.”

Die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage unter 1.001 Arbeitnehmern, die schon mal einen neuen Job trotz schlechten Bauchgefühls angetreten haben:

Mein Eindruck hat sich bestätigt und ich bin mit dem Job nicht glücklich geworden und habe deshalb wieder gekündigt. 43 %
Mein Eindruck hat sich bestätigt und ich bin mit dem Job nicht glücklich geworden, bin aber dennoch in diesem Arbeitsverhältnis verblieben. 35 %
Mein Eindruck hat sich nicht bestätigt und ich konnte mich gut mit den Bedingungen arrangieren. 20 %

Das Bauchgefühl beziehungsweise die Intuition ist bei der Job-Entscheidung also oft der bessere Berater als der Kopf. Diese Erkenntnis hat nichts mit Esoterik zu tun. Was die innere Stimme sagt, basiert auf Erfahrungen. Und die gewinnen Sie nicht erst mit einer gewissen Berufserfahrung, sondern auch bereits durch Praktika und in Nebenjobs.

Nach und nach häufen Sie in Ihrem Berufsleben automatisch Eindrücke und Wissen an. Und dies hilft Ihnen bei der Entscheidung, ob Sie eine Stelle annehmen. Und ja, manchmal ist es besser, der Intuition zu vertrauen und ein Jobangebot abzulehnen.

Der Kopf denkt, der Bauch lenkt

Haben Sie auch schon mal versucht, sich ein Jobangebot schönzureden? Und auf Teufel komm raus mit Argumenten zu untermauern? Obwohl Ihnen nicht ganz wohl dabei war?

Das ist oft typisch für Führungskräfte. Schließlich leben sie in einer Welt, in der Entscheidungen immer häufiger an klaren Vorgaben und Ergebnissen gemessen werden. Meistens drückt sich der Erfolg oder Misserfolg von Managern in nackten Zahlen aus. Da ist es fast folgerichtig, wenn sie Entscheidungen aus rein rationalen Gründen treffen.

Doch wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Das ist ein Trugschluss. So hat der Ulmer Neurophysiologe Manfred Spitzer die Hirnaktivität von Autofahrern untersucht. Dabei stellte er fest, dass die Probanden willentliche Entscheidungen erst trafen, nachdem die Weichen dafür bereits unterschwellig gestellt worden waren. Das heißt einfach formuliert: Der Kopf denkt, der Bauch lenkt.

Wie entscheide ich mich für den richtigen Job?

Damit sich ein neuer Job nicht als falsche Entscheidung erweist, sollten Sie sozusagen zweigleisig fahren. Aber geben Sie im Zweifel Ihrem Bauchgefühl den Vorrang. Schließlich hängt von dem Stellenangebot nicht nur Ihre berufliche Zukunft ab.

Sitzen Sie nämlich unglücklich am Arbeitsplatz, dann kann das auf Dauer auch negative gesundheitliche Folgen haben. Oft gehören Stresssymptome, Depressionen oder sogar Burn-out dazu.

Natürlich kann sich auch das beste Bauchgefühl mal irren. Aber das passiert vergleichsweise selten. Laut Managementtrainer Dr. Jürgen Wunderlich haben Untersuchungen ergeben, dass intuitive Entscheidungen zu zehn bis 15 % treffender waren als rationale.

Das soll nicht heißen, dass Sie einen Job nur aufgrund Ihres Bauchgefühls annehmen sollten. Aber überlassen Sie ihm im Zweifel die Rolle als Zünglein an der Waage. Das gilt vor allem für Situationen, in denen Sie es mit vielen Variablen zu tun haben. Ideal ist es selbstverständlich, wenn Bauch und Kopf gleicher Meinung sind.

Rationale Entscheidungen zu treffen, ist relativ einfach. Zumindest in der Theorie. Dafür brauchen Sie “nur” Fakten zu analysieren. Knifflig kann es natürlich trotzdem werden. Bei der Intuition hingegen müssen Sie auf handfeste Tatsachen weitgehend verzichten. Deshalb tun sich viele Menschen damit so schwer.

Allerdings lässt sich die innere Stimme in gewisser Weise trainieren beziehungsweise verbessern. Möchten Sie Vorhaben wie eine Job-Entscheidung mehr aus dem Bauch heraus treffen, können Sie beispielsweise so verfahren:

  • Tun Sie so, als hätten Sie sich bereits für ein Angebot entschieden. Versuchen Sie, sich die künftige Situation möglichst konkret vorzustellen. Wie fühlen Sie sich dabei?
  • Schaffen Sie Raum für Muße und Entspannung. Nehmen Sie sich Zeit und lassen Sie Ihren Gedanken mal freien Lauf. Warum nicht beim Jogging oder einer anderen Sportart?
  • Wägen Sie spaßeshalber Argumente für fiktive Entscheidungen ab. Mit solchen Trockenübungen fördern Sie Ihr Vorstellungsvermögen.
  • Beobachten Sie eigene körperliche Reaktionen. Das kann in bestimmten Situationen eine Gänsehaut sein, ein Kribbeln oder ein Ziehen an bestimmten Stellen. Passiert das immer unter ähnlichen Voraussetzungen? Was sind die Auslöser?

So werden Sie empfänglicher für unterschwellige Signale und lernen, sie besser zu verstehen und mit ihnen umzugehen. Lehnt Ihr Bauchgefühl ein Jobangebot nachdrücklich ab, dann sollten von der Stelle Abstand nehmen.

Ist der Bewerbungsprozess bereits fortgeschritten, mag das unangenehm sein. Aber: Auch Bewerber dürfen ein Vorstellungsgespräch absagen. Sie brauchen dabei kein schlechtes Gewissen zu haben. Schließlich sparen Sie damit nicht nur sich, sondern auch dem Unternehmen Zeit und Arbeit.

 

Wenn es mit der einen Stelle nicht klappt, dann vielleicht mit einer anderen. Vergrößern Sie Ihre Chancen mit der Jobsuche von Robert Half:

Bildquelle: © nordwood - unsplash.com

Das könnte Sie auch interessieren