Jobangebot ablehnen: Wann es die bessere Entscheidung ist

Von Alenka Mladina 12. Juni 2018

    Sie haben die Zusage für eine neue Stelle. Ein Grund zu jubeln – eigentlich. Irgendwie jedoch haben Sie ein ungutes Gefühl bei dem Jobangebot. Ignorieren Sie dieses Gefühl nicht. Stattdessen sollten Sie lieber herausfinden, ob der neue Arbeitgeber tatsächlich etwas für Sie ist.

    Denn es gibt einige recht eindeutige Anzeichen, aufgrund derer Sie das Jobangebot lieber ablehnen sollten.

    Inhalt:

    • Die Kommunikation mit dem Unternehmen ist unprofessionell
    • Das Image des Arbeitgebers ist angekratzt
    • Die Chemie stimmt nicht
    • Der Arbeitsvertrag weicht von Zusagen im Gespräch ab
    • Sie sehen keine Perspektiven für Ihre Karriere
    • Die Aufgaben stimmen nicht mit der Stellenanzeige überein
    • Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl
    • So sagen Sie das Jobangebot elegant ab

    Die Kommunikation mit dem Unternehmen ist unprofessionell

    Egal ob vor, während oder nach einem Vorstellungsgespräch: Zieht sich die Kommunikation zwischen Ihnen und dem neuen Unternehmen unnötig in die Länge, ist sie unprofessionell – und unter Umständen ein erstes Warnsignal.

    Denn das anfängliche Verhalten Ihres potenziell neuen Arbeitgebers spiegelt sich in der Regel im späteren Joballtag wider. Ein No-Go ist es auch, wenn sich das Unternehmen nicht die Zeit nimmt, sich um Ihre Anliegen zu kümmern – egal, ob es dabei um die Anfahrtsbeschreibung zum Vorstellungstermin geht oder die Zusendung Ihres Arbeitsvertrags.

    Unprofessionell ist es auch, wenn Sie den Eindruck haben, der Arbeitgeber würde Ihren Lebenslauf im Vorstellungsgespräch das erste Mal in der Hand halten. Auch, wenn der Termin für das Bewerbungsgespräch immer wieder verschoben oder abgesagt wird, ist das nicht nur ärgerlich. Es ist ebenso ein eindeutiger Hinweis darauf, dass Sie noch einmal darüber nachdenken sollten, ob Sie bei diesem Arbeitgeber bleiben möchten oder den Job besser ablehnen.

    Das Image des Arbeitgebers ist angekratzt

    Natürlich ist es für Sie zunächst ein Kompliment, wenn ein Unternehmen Sie kennenlernen möchte. Bevor Sie sich auf einen neuen Arbeitgeber einlassen, sollten Sie sich erst einmal ausführlich über ihn erkundigen.

    Mit einer Recherche im Internet und in der Presse finden Sie beispielsweise heraus, wie der potenzielle neue Arbeitgeber finanziell dasteht und wie im Allgemeinen über die Firma berichtet wird. Diese Informationen sollten Sie einbeziehen, wenn Sie überlegen, ob Sie das Jobangebot annehmen oder doch lieber absagen sollten.

    Merken Sie bereits vor dem Bewerbungsgespräch, dass Sie bei diesem Arbeitgeber eigentlich nicht anfangen möchten, ist es auch legitim, das Vorstellungsgespräch abzusagen.

    Die Chemie stimmt nicht

    Im Vorstellungsgespräch ist es wie beim ersten Date: Der Funke springt über – oder nicht. Stimmt die Chemie schon im Bewerbungsgespräch nicht, ist das keine gute Basis für eine glückliche Zukunft. Dann sollten Sie nach dem Vorstellungsgespräch den Job absagen.

    Nur wer das Gefühl hat, nicht nur fachlich, sondern auch mit seiner Persönlichkeit und Wertvorstellung ins Unternehmen zu passen, wird später seine beste Leistung bringen. Dabei geht es nicht nur um Sympathien gegenüber dem neuen Chef oder den neuen Kollegen.

    Auch Anforderungen und Ziele beider Seiten sollten übereinstimmen. Ihnen ist es wichtig, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen? Dann sollten Sie sicher sein, dass Ihr neuer Job das auch ermöglicht. Sie sind Fan geregelter Arbeitszeiten? Dann nehmen Sie kein Jobangebot an, das von Ihnen Flexibilität verlangt.

    Sprechen Sie an, was Ihnen wichtig ist und achten Sie darauf, wie Ihr Gegenüber auf Ihre Fragen reagiert. Nickt er Ihre Anfragen nur lächelnd ab oder nimmt er sich Zeit, Ihr Anliegen ausführlich zu besprechen? Meist merken Sie recht schnell, ob die Chemie zwischen Ihnen und dem neuen Arbeitgeber stimmt. Auch hier sollten Sie Ihrem Bauchgefühl trauen und das Jobangebot im Zweifelsfall absagen.

    Der Arbeitsvertrag weicht von den Zusagen im Gespräch ab

    Der erste Schritt ist geschafft: Sie haben die erste Runde im Auswahlverfahren überstanden und den Eindruck, dass Sie sowohl persönlich als auch fachlich zum neuen Unternehmen passen. Das ist eine gute Basis, aber noch keine Garantie für eine glückliche Zukunft.

    Bevor Sie die Stelle annehmen oder das Jobangebot absagen, geht es meist in einem weiteren Gespräch darum, die Bedingungen zu verhandeln, die mit der Stelle verknüpft sind. Thematisieren Sie, was für Sie persönlich Priorität hat: Welchen Lohn stellen Sie sich vor? Nicht, dass Sie am Ende wegen zu geringen Gehalts den Job ablehnen.

    Welchen Anspruch auf Urlaub haben Sie? Auch Zusatzleistungen wie Firmenwagen, Boni oder Fortbildungen können Sie an diesem Punkt der Verhandlungen abklären. Um im Gespräch nicht negativ mit überzogenen Forderungen aufzufallen, sollten Sie sich allerdings vorher über branchenübliche Konditionen informieren.

    Gerade bei der Frage nach dem Gehalt ist Fingerspitzengefühl wichtig. Welche Gehälter Sie im Finanz-, IT- und kaufmännisch/administrativen Bereich erwarten können, erfahren Sie in unserer Gehaltsübersicht.

    Finden Sie die Absprachen, die Sie mit dem Unternehmen getroffen haben, später nicht mehr im Arbeitsvertrag wieder, ist das ein weiteres Anzeichen dafür, dass Sie das Jobangebot absagen sollten.

    Sie sehen keine Perspektive für Ihre Karriere

    Natürlich muss nicht jeder Jobwechsel ein direkter Aufstieg sein. Allerdings sollte er Ihnen schon eine gewisse Perspektive bieten. Fehlende Karrierechancen sind übrigens der häufigste Kündigungsgrund für Arbeitnehmer.

    Doch denken Sie daran: Auch wenn es auf lange Sicht gesehen vielleicht nicht Ihre Traumstelle ist, können Sie in Ihrem neuen Job Ihre Fähigkeiten erweitern, neue Kenntnisse über die Branche erwerben oder Ihr Auftreten während Meetings stärken. Auch Kontakte, die Sie im Unternehmen knüpfen, können später einmal nützlich werden.

    Sollte sich der neue Job allerdings wie eine Sackgasse in Ihrem Leben anfühlen, dann ist er das wahrscheinlich auch. Bevor Sie das Jobangebot absagen oder zusagen, sollten Sie deshalb in Ruhe darüber nachdenken, wo Sie die neue Stelle in einem, drei oder fünf Jahren hinführt.

    Die Aufgaben stimmen nicht mit der Stellenanzeige überein

    In der Stellenausschreibung war von selbstständigem Arbeiten oder dem Einbringen eigener Ideen die Rede. Kaum sitzen Sie an Ihrem neuen Arbeitsplatz, ist davon allerdings nichts mehr zu spüren. Klar, dass Sie in diesem Fall frustriert sind. Wer sich als Projektmanager beworben hat, möchte auch ein Projekt steuern und nicht nur anderen zuarbeiten.

    Sie sollten nicht das Gefühl haben, unterfordert oder gar ausgenutzt zu werden. Um unangenehme Überraschungen zu vermeiden, können Sie bereits im Vorstellungsgespräch geschickt nachhaken, aber ohne unangenehm aufzufallen.

    Fragen Sie während des Bewerbungsgesprächs, wie ein konkreter Arbeitstag aussehen wird. Oder wie Ihre Talente und Stärken gefördert werden. Wenn die Antworten Sie nicht überzeugen, sollten Sie den Job lieber absagen und sich weiter umschauen.

    Falls Sie die Stelle bereits angetreten haben und nach ein paar Wochen feststellen, dass die Aufgaben ganz andere sind als in der Anzeige beschrieben, sollten Sie zunächst das Gespräch suchen.

    Ändert sich innerhalb einer bestimmten Frist nichts, sollten Sie noch während der Probezeit kündigen oder Möglichkeiten für einen internen Wechsel prüfen.

    Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl

    Auch wenn Sie der aktuell von Ihnen ausgeübte Job überhaupt nicht mehr reizt und ein neues Angebot sehr verlockend klingen mag – es ist wichtig, noch einmal in Ruhe zu überlegen, ob die neue Stelle auch wirklich zu Ihnen und Ihren Vorstellungen passt.

    Hören Sie nicht nur auf das, was Ihr Kopf sagt, sondern auch auf Ihr Bauchgefühl. Es weiß meist mehr über uns, als wir ihm zutrauen. Und wenn der Kopf oder der Bauch – oder sogar beide – zur Absage tendieren, ist es besser, den Job abzulehnen.

    So sagen Sie das Jobangebot elegant ab

    Die Würfel sind gefallen: Sie haben sich entschieden, den Job abzulehnen. Wie gehen Sie nun am besten vor?

    Zunächst einmal sollten Sie so schnell wie möglich absagen – schon aus Höflichkeit gegenüber dem Personaler, der die vakante Stelle nun erneut besetzen muss.

    Zwei Möglichkeiten haben Sie, um das Jobangebot stilvoll abzulehnen: Entweder Sie rufen an oder formulieren eine schriftliche Absage an den Arbeitgeber.

    Telefonische versus schriftliche Absage: was ist besser?

    Ein Telefonat erspart Ihnen Zeit und die Mühe. Zudem sind Sie sicher, dass Ihre Job-Absage den richtigen Adressaten erreicht. Allerdings erfordert ein Anruf von Ihnen das Selbstbewusstsein, offen mit der Situation umzugehen und sich zu erklären. Rechnen Sie damit, dass das Unternehmen über Ihre Entscheidung enttäuscht sein wird. Bleiben Sie professionell, auch wenn es Ihr Gegenüber nicht sein sollte. 

    Entscheiden Sie sich dafür, das Stellenangebot schriftlich abzusagen, fassen Sie sich kurz. Bedanken Sie sich für die Chance, das Unternehmen und die Mitarbeiter persönlich kennengelernt zu haben. Nennen Sie dann den Grund, aus dem Sie absagen. Schreiben Sie, dass Sie nach reiflicher Überlegung Ihre Entscheidung für die beste Wahl halten und bitten Sie um Verständnis.

    Und dann können Sie sich in Ruhe weiter nach einem passenden Job umsehen. Oder Sie lassen sich von spezialisierten Personalberatern unterstützen.

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    Bildquelle: © Andy Tootell - Unsplash.com

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