Interim Manager: CFO auf Zeit als Trendberuf

Von Alenka Mladina 27. September 2017

Der Markt für Interim Manager wächst. Besonders CFO-Positionen werden gerne mit einem Manager auf Zeit besetzt. Woher der Boom kommt und welche Chancen der Trend für Bewerber mit sich bringt, verrät Steffen Schank im Interview.

Was ist ein Interim Manager?

Der Interim Manager ist ein Manager auf Zeit, der kurzfristig in Unternehmen zum Einsatz kommt. Grund können Ausfälle, Umstrukturierungen oder Krisenmanagement sein. Oft wird durch Interim Management auch die Zeit überbrückt, bis eine geeignete Person für eine Stelle gefunden ist.

Wir erhalten bei Robert Half Management Resources viele Anfragen für operative Projekte, zum Beispiel im Controlling und in der Finanzbuchhaltung. Seit einiger Zeit spüren wir allerdings einen ganz starken Trend bei der Position des Chief Financial Officers: Hier greifen immer mehr Unternehmen auf Interim CFOs zurück.

Dürfen sich Manager auf Zeit generell über wachsende Märkte freuen?

Allerdings, die Branche Interim Management wächst seit Jahren sehr schnell. Laut der Dachgesellschaft Deutsches Interim Management wächst das Honorarvolumen stetig – in 2017 um 15 %. Das merken wir auch in der täglichen Vermittlung. Interim Management ist mittlerweile nicht nur salonfähig, der Markt hat sich sogar gedreht: Es gibt mehr freie Stellen für die Chefs auf Zeit als geeignete Führungskräfte. Die guten können sich aussuchen, wo sie arbeiten.

Woran liegt es, dass vor allem Interim CFOs immer gefragter sind?

Unternehmen fällt es immer schwerer, auf Anhieb einen geeigneten CFO zur Festanstellung zu finden, weil die Aufgaben noch anspruchsvoller werden. Die Digitalisierung und ständig neue Compliance-Regelungen verlangen von CFOs einen großen Schatz an Wissen und Kenntnissen.

Außerdem ist eine ausgeprägte Führungskompetenz erforderlich. Jemanden zu finden, der alle fachlichen Kriterien erfüllt – und die richtige Persönlichkeit mitbringt – kann für Unternehmen zwischen sechs und neun Monaten dauern. So lange kann diese strategisch wichtige Funktion im Unternehmen nicht unbesetzt bleiben. Deshalb überbrücken viele Firmen diese Posten mit Interim CFOs.

Sind es vor allem große Konzerne, die im Finance-Bereich auf Interim Manager zurückgreifen?

Die Unternehmen sind unterschiedlich groß. Sowohl KMUs als auch Konzerne greifen auf diese Option zurück. Den Unterschied spürt man je nach Größe und Unternehmensstruktur in den Anforderungen an den Interim CFO.

In kleineren Unternehmen übernehmen Finanzleiter oft auch operative Aufgaben. Da bucht der Chef sozusagen noch selbst. In mittelgroßen Betrieben leitet der Interim CFO kleine bis mittelgroße Teams. Auf Konzernebene ist es wiederum eine sehr strategische Position, die meist eng mit der Vorstandsebene zusammenarbeitet.

Sind Interim CFOs nur in Großstädten gefragt oder auch auf dem Land? 

In Ballungsgebieten ist die Nachfrage stärker. Aber wir vermitteln auch viele Manager auf Zeit in ländliche Regionen. Die Unternehmen dort haben es oft schwerer, Mitarbeiter zu finden, weil diese lieber in große Städte wie Frankfurt, München oder Berlin ziehen.

Aber das Gute ist: Als Interim Manager muss man sich nicht festlegen, ob man lieber in der Stadt oder auf dem Land arbeitet. Man kann sich von Projekt zu Projekt neu entscheiden.

Eignet sich ein besonderer Persönlichkeitstyp besonders als Interim CFO?

Das kann man nicht verallgemeinern. Entscheidend ist, dass die Führungskraft zur Aufgabe passt. Das stellen wir bei Robert Half durch ein sorgfältiges Auswahlverfahren sicher.

Manchmal brauchen unsere Auftraggeber einen knallharten Restrukturierer, der sich Gehör verschafft. Manchmal ist ein empathischer CFO gefragt, der die Mitarbeiter abholt, weil sie bereits den dritten Chef innerhalb von sechs Monaten bekommen haben. Ohne Führungskompetenz geht es aber nicht.

Ist es sinnvoll, sich als Interim Manager auf CFO-Positionen zu spezialisieren?

Ich würde empfehlen, auch andere Projekte anzunehmen. Sonst kann es schnell passieren, dass der Interim Manager sich zu schnell spezialisiert und keine anderen Aufgaben mehr bekommt. Zwischendurch sollten Interim Manager auch Projekte im operativen Bereich übernehmen.

Davon profitieren Interim Manager auch fachlich: Sie kriegen mit, wie es an der Basis läuft, und halten ihr Wissen auf dem neuesten Stand. Und am besten arbeitet man als Manager auf Zeit auch branchen- und themenübergreifend. So wächst man weiter und erhöht damit seinen Marktwert.

Wie schnell vermittelt Robert Half einen Interim Manager, der die Zeit bis zur Festanstellung eines neuen Kandidaten überbrückt?

Zuallererst erstellen wir zusammen mit dem Kunden ein Jobprofil: Wir klären, welche Anforderungen der Kandidat erfüllen muss – sowohl fachlich als auch persönlich. Außerdem analysieren wir die Inhalte der Rolle genau und nehmen uns für das Jobprofil viel Zeit. Das ist nämlich die Grundlage dafür, dass Interim Manager und Unternehmen gut zusammenpassen.

Anschließend folgt der Matching-Prozess: Wir ermitteln alle Kandidaten, die die Anforderungen erfüllen. Davon wählen wir die zwei bis drei besten aus und stellen sie dem Kunden zunächst schriftlich vor. Sobald der Kunde ausgewählt hat, wen er persönlich kennenlernen möchte, vereinbaren wir einen Termin. Jetzt liegt es am Kunden, wie schnell er sich entscheidet.

Wie lange ist der Interim CFO in der Regel im Einsatz?

Das hängt sehr vom jeweiligen Projekt ab. Die durchschnittliche Auftragsdauer beträgt sechs Monate. In einigen Projekten ergeben sich aber Anschlussaufgaben und der Einsatz wird verlängert.

Wie wird sich die Nachfrage im Bereich Interim Management entwickeln?

Der Bedarf wird weiter zunehmen, auch im Bereich CFO-Vakanzen. Das Anforderungsprofil und die Verantwortung von CFOs werden immer größer. Die Welt wird digitaler, Reporting-Auflagen werden komplexer. Umso schwieriger wird es, freie CFO-Positionen schnell neu zu besetzen.

Auch im Bereich Mergers & Acquisitions sind freiberufliche Führungskräfte stark gefragt, weil sie großes Know-how besitzen, wenn es darum geht, Prozesse anzupassen und Strukturen zusammenzuführen. 

Ein Interim Manager wird sich also nicht über einen Mangel an Aufträgen beschweren können?

Richtig. Die Berichte über den wachsenden Bedarf an Managern auf Zeit in den Medien haben dazu geführt, dass viele auf der Erfolgswelle mitschwimmen wollen. Interim Manager brauchen allerdings den entsprechenden Werdegang und die Erfahrungen: Basiswissen, zum Beispiel in Accounting und Controlling, ist Pflicht, ebenso Führungserfahrung. Gern gesehen sind außerdem Kenntnisse im Krisen- und Change-Management. Sind die vorhanden, stehen Interim Manager vor einer vielversprechenden Zukunft.

Bildquelle: © gradyreeves - istockphoto.com

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