Arbeitszeugnis selbst schreiben: Gut ist oft nicht gut genug

Von Robert Half 15. Dezember 2016

Neuer Chef oder zu wenig Zeit – es gibt viele Gründe, warum Sie als Arbeitnehmer gebeten werden, Ihr Arbeitszeugnis selbst zu schreiben. Leichter gesagt, als getan: Vom korrekten Aufbau über Geheimcodes bei der Formulierung bis hin zur realistischen Selbsteinschätzung müssen Sie einiges beachten.

Zeugnis selbst formulieren: Chance und Fluch zugleich

Wenn Sie auf Jobsuche sind, sollten Ihre Unterlagen vollständig sein. Dazu gehört auch ein qualifiziertes Arbeitszeugnis. Doch was müssen Sie beachten, wenn Sie Ihr Chef bittet, sich Ihr Arbeitszeugnis selber zu schreiben?

Wenn Sie das Verfassen Ihres Arbeitszeugnisses selbst in die Hand nehmen, ist das Ihre einmalige Möglichkeit, mit Ihrem Zeugnis bei Ihrem nächsten Arbeitgeber zu glänzen. Denn das eigene Arbeitszeugnis selbst zu schreiben ist zwar aufwendig, bietet aber auch den Vorteil, Ihre eigenen Stärken gezielt herauszuarbeiten.

Jedoch sagt ein Zeugnis und seine Geheimklauseln mehr über Sie aus, als Sie vielleicht denken. Machen Sie sich deshalb mit Bedacht und ein wenig Recherche selbst ans Schreiben. Wir zeigen Ihnen, wie das geht.

Viele Berufsjahre knapp zusammengefasst

Bevor Sie mit Ihrer eigenen Lobeshymne beginnen und sich über einzelne Formulierungen Gedanken machen, sollten Sie Ihre Beurteilung strukturieren: Sie haben über mehrere Jahre in einem Unternehmen gearbeitet, viele Tätigkeiten ausgeübt und immer mehr Verantwortung übernommen. Auf den Punkt zu beschreiben, was Sie alles geleistet haben, ist gar nicht so einfach.

Das Geheimnis ist ein festes Schema: Während sich die Inhalte von Kandidat zu Kandidat ändern, bleibt der Aufbau immer derselbe. Gehen Sie deshalb folgendermaßen vor, wenn Sie Ihr Arbeitszeugnis schreiben:

  • Einleitung: Nennen Sie Ihren vollständigen Namen, Ihr Geburtsdatum und den exakten Zeitraum, in dem Sie in dem betreffenden Unternehmen tätig waren.
  • Beruflicher Werdegang und Aufgaben: Führen Sie alle Positionen auf, die Sie in dieser Zeit inne hatten und welche Tätigkeiten Sie dabei ausgeführt haben – zum Beispiel mit Aufzählungszeichen.
  • Leistung und Sozialverhalten: Dieser Teil macht Ihre Beurteilung erst zu einem qualifizierten Arbeitszeugnis. Erwähnen Sie zum Beispiel Ihr Engagement und Ihre Flexibilität in der Firma. Womöglich zeichnen Sie sich besonders durch Ihr Organisationstalent oder Ihre schnelle Auffassungsgabe aus. Von Ihren Kollegen wissen Sie, dass Sie als sehr loyal und kooperativ gelten – auch das sollten Sie in Ihr Arbeitszeugnis schreiben. Belegen Sie unbedingt jeden dieser Punkte mit Beispielen und beschränken Sie sich lediglich auf die wirklich relevanten Eigenschaften.
  • Grund für Ihren Ausstieg: Haben Sie selbst gekündigt, erwähnen Sie, dass das Arbeitsverhältnis auf eigenen Wunsch hin beendet wurde. Bei einem Auflösungsvertrag oder einem Vergleich lautet die Formel „das Arbeitsverhältnis endet im beiderseitigen (besten) Einvernehmen“. Hat Ihnen Ihr Arbeitgeber die Kündigung ausgesprochen, darf im Zeugnis lediglich stehen, ab wann das Arbeitsverhältnis endet.
  • Schlussformel und Wünsche für die Zukunft: Am Ende des Arbeitszeugnisses ist es üblich, dem Arbeitnehmer das Bedauern darüber auszusprechen, dass er das Unternehmen verlässt und ihm für seine weitere berufliche Zukunft alles Gute zu wünschen.
  • Datum und Unterschrift: Wenn Sie Ihr Arbeitszeugnis selbst schreiben, setzen Sie abschließend das jeweilige Datum und eine Zeile für die Unterschrift Ihres Arbeitgebers darunter. Ergänzen Sie seinen Namen mit seinem Titel.

Arbeitszeugnis selbst schreiben – Geheimcodes knacken

Nach dem Sie Ihre Beurteilung für sich klar strukturiert haben, geht es an die Formulierung. Doch Vorsicht: Was für Sie im ersten Moment positiv klingt, kann für einen geschulten Personaler das Gegenteil bedeuten.

Ein Beispiel, wie wichtig die Entschlüsselung dieser Codes ist, zeigt diese Formulierung: „Er erledigte die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit.“ – klingt gut? Für jeden Personaler entspricht Ihr Verhalten gerade einmal der Schulnote drei und ist somit nur befriedigend. Kleine Abstufungen wie „vollen“, „vollsten“ oder „stets vollsten“ entscheiden über Ihren Eindruck bei Ihrem neuen Arbeitgeber und somit über Ihre berufliche Zukunft.

Informieren Sie sich deshalb im Vorfeld genau über das Notensystem und die versteckten Klauseln bevor Sie Ihr Arbeitszeugnis selbst schreiben.

Individualität entscheidet: Wer bin ich und was kann ich überhaupt?

Ein Lob nach dem anderen könnte Ihnen weitere Minuspunkte bei Personalern einbringen: Wenn sich ein „Sehr gut“-Baustein an den nächsten reiht, wird spätestens ab diesem Zeitpunkt klar, dass sie Ihr Arbeitszeugnis selbst geschrieben haben.

Deshalb sind Arbeitszeugnisgeneratoren auch mit Vorsicht zu genießen: Sie liefern Ihnen zwar ein erstes, wichtiges Gerüst für Ihren Entwurf. Die einzelnen Bausteine werden von Personalern jedoch als solche erkannt – und Sie damit entlarvt. Beim Arbeitszeugnis gilt: Individualität entscheidet. Setzen Sie auf individuelle Formulierungen, die zu Ihnen und Ihren Aufgaben passen und hervorheben, was Sie persönlich geleistet haben. Das macht Ihr Zeugnis einzigartig, authentisch und glaubwürdig.

Beschränken Sie sich dabei auf das Wesentliche: Es wirkt unglaubwürdig, wenn Sie selbstverständliche Eigenschaften wie Pünktlichkeit oder Flexibilität hervorheben und hochloben. Diese Fähigkeiten werden von Ihnen als Arbeitnehmer vorausgesetzt und müssen daher nicht extra betont werden. Konzentrieren Sie sich lieber auf das, was Sie ausmacht, auf Ihre Talente und positive Eigenschaften. Stellen Sie diese in den Vordergrund, indem Sie diese besonders gut bewerten.

Fazit: Aufbau, Wortwahl, Rechtschreibung, Grammatik – wenn Sie Ihr Arbeitszeugnis selbst schreiben, müssen Sie eine Menge beachten. Trauen Sie sich das zu, steht Ihrer eigenen positiven Beurteilung nichts im Wege. Schleichen sich jedoch Fehler ein – und seien sie noch so gering – kann das große Auswirkungen auf Ihre beruflichen Chancen haben. Wägen Sie deshalb gut ab, bevor Sie das Ruder beziehungsweise den Stift selbst in die Hand nehmen.

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Bildquelle: © simoneminth / Fotolia.com

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