Persönlichkeitstypen im Bewerbungsgespräch

Die Persönlichkeit hat Einfluss auf den Gesprächsfluss

Es kommt nicht selten vor, dass Personalmanager auf Jobsuchende treffen, die sich im Bewerbungsgespräch nicht gut präsentieren. Folgende Beispiele zeigen verschiedene Persönlichkeitstypen und deren Verhalten in Bewerbungsgesprächen auf.

Hier finden Sie Ratschläge, wie Sie mit diesen unterschiedlichen Persönlichkeiten umgehen sollten, um zu einem fundierten Urteil zu gelangen:

Der Stille. Wie der Name schon sagt, ist dieser Typ nicht gerade gesprächig. Auch wenn sein Lebenslauf eindrucksvoll ist, haben Sie das Gefühl, dass Sie dem Bewerber die Antworten förmlich „aus der Nase ziehen” müssen. Auch wenn die Versuchung groß ist, die Gesprächspausen mit schnell nacheinander gestellten Fragen zu füllen, versuchen Sie stattdessen, das Gespräch zu entschleunigen. Der Kandidat ist vielleicht einfach nur schüchtern und braucht Zeit, um „aufzutauen” und gesprächiger zu werden. Achten Sie darauf, genügend offene Fragen zu stellen, auf die der Bewerber mit mehr als einem Satz antworten muss.

Der Redselige. Dieser Jobsuchende präsentiert sich genau entgegengesetzt zum Stillen. Er beantwortet jede Frage extrem ausführlich. Vielleicht ist dieser Bewerber genauso wie der Stille einfach nur nervös und er versucht dies durch seinen Redefluss zu verstecken. Oder seine Aufregung zeigt sich möglicherweise in nervösen Ticks – wie dem Wippen mit dem Fuß. Vermeiden Sie es, auch schneller zu sprechen, um zu verhindern, dass Sie unterbrochen werden. Versuchen Sie lieber, betont ruhig und langsam zu sprechen. Vielleicht beruhigt das den Kandidaten und er passt sich einem ruhigeren Gesprächsstil an. Aber beachten Sie: Wenn es einem Bewerber schwerfällt, ein gleichberechtigtes Gespräch zu führen, könnte das ein Zeichen für mangelndes Einfühlungsvermögen sein oder dafür, dass der Kandidat lieber redet als zuhört.

Der Sensible. Dieser Bewerber scheint seine Arbeit extrem zu verinnerlichen. Wenn er über seine momentane Stelle spricht, vermittelt er den Eindruck, Änderungsvorschläge persönlich zu nehmen, als wären diese ein Affront gegen seine Kompetenz. Möglicherweise handelt es sich ganz einfach um einen Perfektionisten, der von jedem Feedback enttäuscht ist, das nicht durchweg positiv ausfällt. Es könnte aber auch sein, dass der Bewerber ein zu schwaches oder überzogenes Selbstwertgefühl hat. Forschen Sie nach, ob der Kandidat eventuell Probleme hat, mit Kritik umzugehen oder Anweisungen zu folgen.

Der Eloquente. Auf den ersten Blick wirkt dieser Typ wie ein Traumkandidat. Er hinterlässt einen guten ersten Eindruck und beantwortet jede Frage vorbildlich. Auf den zweiten Blick können sich seine Antworten jedoch wie sorgfältig einstudiert anhören. Die beste Vorgehensweise bei dieser Persönlichkeit ist das Einstreuen von Fragen, die von den gängigen Interviewtechniken abweichen. Beispielsweise: „Erzählen Sie mir von einer Herausforderung in Ihrem Berufsleben, der Sie nicht gewachsen waren, und warum das so war.” Indem Sie den Eloquenten zwingen, von seinen gut vorbereiteten Antworten abzuweichen, können Sie ein besseres Bild seiner Persönlichkeit gewinnen und beurteilen, wie gut er in Ihre Firma passen könnte.

Es überrascht nicht, dass viele Jobsuchende Bewerbungsgespräche als extremen Stress empfinden und Mühe haben, sich zu entspannen und ihre echte Persönlichkeit zu zeigen. Sie spüren, dass bei diesen kurzen Interviews viel auf dem Spiel steht. Wenn Sie auf solche Kandidaten treffen, versuchen Sie eine entspannte Atmosphäre zu schaffen, in der Sie erkennen können, welche Art von Mitarbeiter der Kandidat wirklich wäre. Sie sollten einen Bewerber nicht vorschnell aussortieren, weil er sich im Bewerbungsgespräch nicht so vorteilhaft präsentiert hat..