Beurteilungsfehler im Bewerbungsgespräch

Von allen Phasen der Mitarbeitersuche werden im Zuge des Bewerbungsgesprächs von Unternehmensseite die meisten Fehler begangen. Meistens handelt es sich um klassische und größtenteils unbewusste Beurteilungsfehler. Dies kann zu falschen Personalentscheidungen führen. Es ist nur menschlich, sich während der Interviews von subjektiven oder irrationalen Gedanken ablenken zu lassen. Glücklicherweise kann man diese Fehler vermeiden, wenn sie einem bewusst sind. So besteht in Gesprächen generell eine Tendenz, zu nachsichtig oder zu streng zu urteilen. Auch bevorzugen Personalentscheider gerne Kandidaten mit höheren Positionen und Abschlüssen. Zudem besteht die Gefahr, zu starkes Gewicht auf einzelne Interessen, Eigenschaften oder Fähigkeiten des Bewerbers zu legen und einen einem selber ähnlichen Kandidaten zu favorisieren.

Wir haben Ihnen die drei häufigsten Fehler und Lösungsvorschläge zur Vermeidung von Beurteilungsfehlern aufgeführt:

Beurteilungsfehler 1: Voreingenommenheit

Im Bereich der Forschung können die Erwartungen eines Wissenschaftlers das Ergebnis eines Experiments beeinflussen. Genauso kann ein Personalmanager aufgrund von speziellen Erwartungen an den Kandidaten eine Voreingenommenheit bei einem Bewerbungsgespräch entwickeln: Beispielsweise erscheint ein Bewerber, der von einem Kollegen wärmstens empfohlen wurde, sozusagen schon vorab besser qualifiziert und für die Position geeigneter als ein unbekannter Bewerber. Manchmal werden Personalmanager aber auch von subtileren Faktoren beeinflusst. Möglicherweise bevorzugt er einen Bewerber, der denselben Vornamen trägt wie der eigene, großzügige und immer zuverlässig arbeitende Onkel.

Die Lösung: Bewerbungsgespräche gemeinsam mit anderen Mitarbeitern führen

Am besten umgehen Sie das Problem zu großer Voreingenommenheit, indem mehrere qualifizierte Mitarbeiter Bewerbungsgespräche mit jedem Kandidaten führen. Das erste Bewerbungsgespräch könnte beispielsweise der Personalmanager führen und das zweite der später direkte Vorgesetzte des Bewerbers. Beispielsweise könnte der Abteilungs- oder Bereichsleiter ein drittes Gespräch führen. Alternativ kann auch ein Komitee aus einem leitenden Angestellten, einem Manager und potenziellen Kollegen mit jedem Kandidaten sprechen.

Beurteilungsfehler 2: Äpfel mit Birnen vergleichen

Oftmals denken Personalentscheider, dass sie alle ihre Bewerbungsgespräche auf ähnliche Weise führen, um Kandidaten zu beurteilen. Aber in Wirklichkeit werden häufig unterschiedliche Maßstäbe angesetzt. Beispielsweise kann es passieren, dass ein Personalmanager mit einem Bewerber ausführlich über dessen zurückliegende Leistungen spricht, dieses Thema bei dem nächsten Kandidaten aber aus Zeitmangel nur kurz zur Sprache kommt. Beurteilungsfehler sind vorprogrammiert.

Die Lösung: standardisierte Fragen

Bevor Sie die erste persönliche Vorstellungsrunde mit Kandidaten organisieren, die das vorangegangene Telefoninterview erfolgreich durchlaufen haben, bereiten Sie eine Standardliste mit Fragen vor, die nach Bedeutung gewichtet sind. Ganz allgemein kann man die Fragen in einem Bewerbungsgespräch in drei große Kategorien einteilen:

  • berufsbezogen, um die Leistungen, Kompetenzen und Erfahrungen des Kandidaten einzuschätzen,
  • Eignung, um mehr über spezielle, besondere oder einzigartige Fähigkeiten zu erfahren,
  • soziale Kompetenzen, um herauszufinden, ob der Kandidat auf verschiedene Arten arbeiten kann – selbstständig, als Teil eines Teams oder in einer Führungsposition.

Zusätzlich zu diesen Kategorien können Sie auch Fragen aus folgenden Bereichen stellen:

  • zum Verhalten des Kandidaten im Berufsleben: „In welchem Arbeitsumfeld können Sie die besten Leistungen erbringen?“
  • zu seiner Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen: „Wie würden Sie mit einem Problem umgehen, für das es scheinbar keine eindeutige Lösung gibt?”
  • oder zu seinen beruflichen Plänen: „Wo sehen Sie sich selbst in fünf Jahren?”

Beurteilungsfehler 3: lückenhafte Erinnerung

Niemand hat ein perfektes Gedächtnis. Viele Führungskräfte führen dutzende von Bewerbungsgesprächen und es ist häufig, dass bei einer Vielzahl an Gesprächen Details vergessen oder ein Kandidat mit einem anderen verwechselt wird.

Die Lösung: Notizen machen

Schreiben Sie bei jedem Bewerbungsgespräch sorgfältig mit, damit Sie hinterher die Kandidaten gut vergleichen können und schnell merken, wenn Ihnen Informationen fehlen. Das Mitschreiben während eines Gesprächs beugt auch dem gängigen Fehler vor, der Präsentation eines Kandidaten zu viel Bedeutung beizumessen. Menschen, die sich gut „verkaufen”, sind nicht unbedingt für den Job geeignet. Genauso wenig wie ein zurückhaltender, bescheidener Bewerber ungeeignet sein muss.