Typische Bewerbungsfragen: So meistern Sie kritische Fragen souverän

Recriting-Prozess optimieren und Zeit einsparen

Wer die begehrte Einladung zum Vorstellungsgespräch erhält, ist dem neuen Job einen wichtigen Schritt näher.
Jetzt müssen Sie zeigen, dass Sie die richtige Wahl für die Position sind. Mit Persönlichkeit, guter Vorbereitung und den passenden Antworten auf die Bewerbungsfragen. Folgende Fragen sind typisch für ein Vorstellungsgespräch - überzeugen Sie mit den richtigen Antworten und bekommen Sie Ihren Wunschjob.

„Erzählen Sie ein wenig von sich“

Erfahrene Personalchefs haben ein gewisses Standard-Repertoire an Bewerbungsfragen, auf das Sie sich gezielt vorbereiten können. Die Frage nach dem Bewerber selbst ist der klassische Eisbrecher im Vorstellungsgespräch.

„Die sorgfältige Vorbereitung auf das Bewerbungsgespräch ist ein unverzichtbarer Schlüssel zum Erfolg“, so Emine Yilmaz, Manager Permanent Services bei Robert Half. Die Personalvermittlerin rät: „Legen Sie sich vor dem Bewerbungsgespräch einige Themen zurecht. In beruflicher Hinsicht eignet sich Ihre Arbeitsweise, in privater Hinsicht Ihre Hobbys. Wer gut vorbereitet ist, strahlt Souveränität aus.“

Wählen Sie immer ein Beispiel für Ihre Antwort, die für den Gesprächspartner interessant ist und sowohl Ihre Zielstrebigkeit als auch Ihre Motivation zeigt.
 

„Bitte führen Sie uns durch Ihren Lebenslauf“

Für das Vorstellungsgespräch sollte man die einzelnen Stationen des eigenen Lebenslaufs sehr gut kennen. Ihr Werdegang steht im Fokus: Wer bereits hier den Faden verliert, macht keinen guten Eindruck. „Die Gesprächsführung sollte sachlich und professionell sein“, so Yilmaz. „Wenn Sie sich wohlfühlen, können Sie aber durchaus persönliche Anekdoten ergänzen, etwa zu bestimmten Leistungen oder Zielen, die Sie erreicht haben.“ Tipp: Arbeiten Sie während der Vorstellung Ihres Lebenslaufes Parallelen zur neuen Stelle heraus.
 

„Worin sehen Sie Ihre Stärken, wo liegen Ihre Schwächen?“

Ein Klassiker unter den Fragen im Bewerbungsgespräch: Stärken und Schwächen des Kandidaten. „Führen Sie drei positive Aspekte auf und beschränken Sie sich auf eine Schwäche“, rät Yilmaz. Entscheidend ist, wie Sie Ihre Schwachstelle präsentieren. „Nennen Sie im Vorstellungsgespräch eine Eigenschaft, die bei genauerem Hinsehen auch positiv bewertet werden kann“, so unsere Expertin. Zum Beispiel Ihre wachsende Ungeduld, wenn Ergebnisse auf sich warten lassen. Das zeigt, dass Sie großen Wert auf die Einhaltung von Termin legen – bei anderen und in der logischen Konsequenz auch bei sich selbst. Wichtig ist, die eigenen Fähigkeiten mit Blick auf die Anforderungen des neuen Jobs realistisch einzuschätzen. Personalentscheider wünschen sich keine überheblichen Alleskönner, sondern authentische Persönlichkeiten, die bereit sind, an Ihren Schwächen zu arbeiten. Nur so überzeugen Sie im Vorstellungsgespräch.

Tipps für Ihre Stärken-Schwächen-Analyse und gute Antworten auf die Frage nach Ihren Schwächen haben wir Ihnen in einem Blogartikel zusammengestellt.
 

„Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“

Lesen Sie in der Stellenausschreibung vorab genau nach, welche Anforderungen der Job birgt und wie die Stelle ausgelegt ist. Nicht immer ist es ratsam, sich in fünf Jahren auf der obersten Sprosse der Karriereleiter zu sehen. Bleiben Sie im Zweifelsfall diplomatisch: Weiterentwicklung ist immer wünschenswert, aber nicht nur nach oben, sondern auch in der Breite, etwa durch die Spezialisierung innerhalb eines Fachgebietes.

Überzeugende Antworten auf diese typische Bewerbungsfrage und wie Sie die richtige Antwort für sich finden, erfahren Sie hier.

 

„Warum möchten Sie Ihren jetzigen Job wechseln?“

Vorsicht, Fettnäpfchen-Alarm! Einer der größten Fauxpas in dieser Situation des Vorstellungsgespräches ist es, schlecht über den derzeitigen Vorgesetzten zu sprechen. „Man kann durchaus anführen, dass man sich nicht mehr wohlfühlt“, sagt Yilmaz, „aber unbedingt ohne dabei einzelne Personen schlecht zu reden“. Ein zu weiter Arbeitsweg, keine Aufstiegsmöglichkeiten oder der Wunsch nach Neuorientierung sind Faktoren, die die Wechselmotivation erklären.

 

"Warum möchten Sie bei uns arbeiten?"

Auch wenn täglich frisches Obst, der Tischkicker und die Dachterrasse verlockende Angebote sind, als Antwort eignen sich diese an der Stelle nicht. Denn Personalentscheider möchten mit dieser Frage herausfinden, ob Sie sich im Vorfeld ausführlich über das Unternehmen informiert haben und wie stark Ihr Interesse tatsächlich ist. Zudem verrät Ihre Antwort viel darüber, inwiefern Sie sich eine langfristige Zusammenarbeit vorstellen.

Versuchen Sie daher darzulegen, weshalb genau dieses Unternehmen und die Stelle der beste Ort sind, um Ihre Karriereziele zu verwirklichen. Informieren Sie sich daher nicht nur auf der "Über uns"-Seite des potenziellen Arbeitgebers, sondern auch Medien, in sozialen Netzwerken oder Bewertungsportalen.

 

"Was war eine schwierige Situation in Ihrem Job – und wie haben Sie diese bewältigt?"

Diese Frage zielt darauf ab, was Sie als Herausforderung betrachten und wie Sie damit umgehen. Für den potenziellen Arbeitgeber ist das ein zentraler Aspekt. Wie haben Sie Probleme bislang erfolgreich aus dem Weg geräumt?

Beschreiben Sie im Vorstellungsgespräch zwei, drei Situationen aus Ihrer beruflichen Vergangenheit, die das veranschaulichen. Das können beispielsweise auch Projekte sein, die nicht abgeschlossen wurden, weil Sie festgestellt haben, dass der erhoffte Erfolg nicht eintreten wird oder die Projekte nicht umsetzbar sind (z.B. durch geänderte Rahmenbedingungen).

Erläutern Sie wie Sie die Situation gelöst haben. Oder Sie wählen ein Projekt, bei dem unerwartete Hindernisse aufgetaucht sind und erzählen, wie Sie diese aus dem Weg geräumt haben. Besonders überzeugend wirken Beispiele, die für den neuen Job relevant sind.

 

„Warum sollten wir uns für Sie entscheiden?“

Fallen Sie nicht auf diese vermeintlich leichte Bewerbungsfrage herein. Etwa mit der ebenso simplen wie blauäugigen Antwort: „Weil ich der/die Beste für diesen Job bin“. Stattdessen sollten Sie an dieser Stelle das Gespräch sachlich-argumentativ auf Ihre spezifischen Qualifikationen lenken und darstellen, wie Sie zum Unternehmenserfolg beitragen können.

Eine mögliche Variante dieser Frage – und auch etwas tückischer - ist: "Warum sollten wir Sie gegenüber anderen Bewerbern vorziehen"? Den Personalchef interessieren im Vorstellungsgespräch genau zwei Aspekte. Er will wissen, warum Sie sich auf den Job bewerben. Außerdem prüft er im persönlichen Gespräch, welchen Mehrwert Sie der Firma bringen würden. Alle anderen Fragen kreisen um diese beiden Punkte.

Bei der zweiten Variante antworten Sie im Prinzip wie bei der ersten, leiten Ihre Antwort aber am besten so ein: „Inwiefern andere Bewerber ebenso gut qualifiziert für diesen Job sind, können nur Sie beurteilen. Für mich spricht, dass ich bereits erfolgreich im Bereich XXX gearbeitet habe, was zu einer Kosteneinsparung von XXX Euro (oder XX %) geführt hat….“

Die Kunst liegt hier darin, sich nicht auf Spekulationen in Bezug auf andere Bewerber einzulassen, sondern hier nochmal ganz klar die eigenen Stärken und die Eignung für den Job darzulegen. Generell: Bringen Sie möglichst kurz und knackig wesentliche Fakten über Ihre Fähigkeiten und Erfahrungen vor, je anschaulicher desto besser.

 

Welches Gehalt erwarten Sie?

Auf diese Frage können Sie sich gut vorbereiten. Erfahrungsgemäß ist bei einem Jobwechsel eine Steigerung von bis zu 10 % möglich, Sie sollten sich aber nicht darauf versteifen und eventuelle Zusatzleistungen prüfen. Außerdem schlägt sich eine Steigerung von 5 % immerhin auch schon positiv auf Ihrem Konto nieder.

Für realistische Gehaltserwartungen können Sie sich an zahlreichen Übersichten im Internet orientieren. Auch die kostenlose Robert Half Gehaltsübersicht zeigt marktübliche Vergütungen für über 100 Positionen im Finanz- und Rechnungswesen, IT und kaufmännischen Bereich.

Begründen Sie Ihre Gehaltsvorstellung im Vorstellungsgespräch immer mit der Qualifikation und dem Nutzen, den Sie zu bieten haben, niemals mit ihren finanziellen Verpflichtungen. Wenn Sie eine Wunschgehaltsspanne nennen, verschaffen Sie dem Gegenüber Handlungsspielraum.

Denken Sie darüber nach, ob sich Ihre Gehaltswünsche durch bestimmte Zusatzleistungen kompensieren lassen. Auf die Frage nach dem Wunscheinkommen können Sie dann antworten: „Für mich sind Zusatzleistungen ein entscheidender Punkt bei der Gehaltsfrage. Welche bieten Sie an?“ Anschließend können Sie Ihre Gehaltsforderung den angebotenen Leistungen anpassen.

 

Wenn Bewerbungsfragen unzulässig sind

Bewerbungsfragen zur Familienplanung, Religions- oder Parteizugehörigkeit sind tabu und müssen vom Bewerber nicht beantwortet werden. „Seriöse Unternehmen stellen solche Fragen nicht“, so Yilmaz. „Falls doch würde ich mir als Bewerber gut überlegen, ob ich in einer solchen Firma überhaupt arbeiten möchte.“ Tipp: Lassen Sie sich nicht aus der Fassung bringen. Reagieren Sie souverän und weisen Ihr Gegenüber freundlich darauf hin, dass Sie diese Frage nicht beantworten werden – außer Sie möchten es.

 

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