Kommentar - Anschreiben ade: Warum das Bewerben immer einfacher wird

Der Lebenslauf kann schnell erfasst werden und verrät oft schon, ob ein Kandidat fachlich passt oder nicht. Anschreiben sind dagegen häufig subjektiv und weniger verlässlich als ein erstes Telefonat mit vielversprechenden Kandidaten. Das sind die wichtigsten Gründe, weshalb Personalentscheider ein Anschreiben heutzutage für unwichtig halten.

Trend zum verschlankten Bewerbungsprozess

Die Deutsche Bahn verzichtet bei Bewerbungen von Azubis zukünftig darauf, ein Bewerbungsschreiben anzufordern. Damit folgt der Staatskonzern dem Beispiel anderer Firmen, wie dem DAX-Konzern Henkel. Sladjan Petkovic, Managing Director beim Personaldienstleister Robert Half, kommentiert die Entscheidung:

„Die Deutsche Bahn folgt mit ihrer Entscheidung einem Trend. Das Anschreiben verliert für Personaler an Bedeutung, weil die Aussagekraft der Bewerbungsschreiben im Vergleich zu CV und persönlichem Gespräch niedrig ist. Dies zeigt auch unserer Arbeitsmarktstudie 2017: Deutschlandweit berücksichtigen schon 59 % der Personaler Bewerbungen ohne Anschreiben.

Der Lebenslauf kann schnell erfasst werden und verrät oft schon, ob ein Kandidat fachlich passt oder nicht. Anschreiben sind dagegen häufig subjektiv und weniger verlässlich als ein erstes Telefonat mit vielversprechenden Kandidaten.

Darüber hinaus stellt das Verfassen des Anschreiben für viele Bewerber eine Hürde dar. Die Hoffnung von Unternehmen wie der Deutschen Bahn, die auf Anschreiben verzichten und dies öffentlichkeitswirksam ankündigen, ist eine größere Anzahl von Bewerbern. Gerade im Kontext des Fachkräftemangels ist der Verzicht auf das Anschreiben ein Mittel, um mehr Bewerber anzulocken.

Für uns bei Robert Half sowie für alle Unternehmen, die auch auf das Anschreiben verzichten, gilt jedoch: Damit keine Fehlentscheidungen getroffen werden, müssen Personaler in persönlichen Gesprächen prüfen, ob der Kandidat auch der richtige für das Unternehmen ist. Denn ein Bewerber mit dem perfekten Lebenslauf hilft wenig, wenn er nicht zu den Kollegen und Werten des Unternehmens passt.

Sofern Kandidaten doch ein Anschreiben mitschicken, sollten Personaler diesem jedoch Aufmerksamkeit schenken. Bewerber unterstreichen dadurch noch einmal ihre Motivation und ihr Interesse an der Position – das ist gerade für Quereinsteiger oder Kandidaten mit Brüchen im Lebenslauf enorm wichtig.“
 

Die Gründe, weshalb Personalentscheider ein Anschreiben für unwichtig halten
Sind nicht besonders aussagekräftig 48%
Sind sehr subjektiv 39%
Enthalten keinerlei Zusatzinformationen gegenüber dem Lebenslauf 32%
Informationen im Lebenslauf sind nicht verlässlich 23%
Ich habe keine Zeit, Anschreiben zu lesen 15%
Wir nutzen automatisierte Systeme, die kein Anschreiben voraussetzen 12%
Wir arbeiten mit Personaldienstleistern zusammen und verwenden keine
Anschreiben
5%
Das Social-Media-Profil ist ausreichend 4%
Quelle: Robert Half, Arbeitsmarktstudie 2017, Befragte: 244 Manager in Deutschland

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