Arbeitsmarkt-Studie: Trotz verhaltener Konjunkturaussichten – fast jedes dritte deutsche Unternehmen will neue Stellen schaffen

7. Februar 2013
  • 29 Prozent der Unternehmen planen neue Arbeitsplätze
  • Nur fünf Prozent wollen Stellen abbauen
  • 86 Prozent mit optimistischen Konjunkturerwartungen
  • Hoher Bedarf an Fach- und Führungskräften bei Finanzdienstleistern und im IT-Sektor, gefolgt vom Finanz- und Rechnungswesen

München, 7. Februar 2013 – 29 Prozent der Unternehmen in Deutschland wollen im ersten Halbjahr des Jahres 2013 neue Arbeitsplätze schaffen. Bemerkenswert: Vor allem Finanzdienstleister und Technologieunter­nehmen stocken ihren Personalbestand auf. Dies ist ein Ergebnis der aktuellen Arbeitsmarkt-Umfrage „Hiring Index“ des Personaldienstleisters Robert Half, an der 601 Führungskräfte in Deutschland im Rahmen einer weltweiten Befragung von 6.350 CFOs, CIOs und Personalmanagern teilnahmen.

Von einer deutlichen Eintrübung der Geschäftsaussichten ist in deutschen Chefetagen nichts zu spüren. Nur fünf Prozent der Unternehmen planen in den kommenden sechs Monaten einen Abbau bei den sozialversicherungspflichtigen Festanstellungen. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres erwarteten noch mehr als doppelt so viele der deutschen Unternehmen (13 Prozent) Arbeitsplatzstreichungen. Der „Hiring Index“ des spezialisierten Personaldienstleisters Robert Half liefert halbjährlich Daten zur Arbeits­markt- und Geschäftsklimaentwicklung in Deutschland und weiteren Ländern. Die Teilnehmer der Studie werden ausschließlich zum Markt für Fach- und Führungskräfte in den spezialisierten Bereichen Finanz- und Rechnungswesen, Finanzdienst­leistungen sowie zum IT-Sektor und Assistenzwesen befragt.

Gute Aussichten für die kommenden sechs Monate

Einher mit dem Aufwärtstrend bei den Beschäftigungsplänen geht ein positives Stimmungsbild der Unternehmerschaft zum Wirtschaftswachstum in Deutschland. 73 Prozent der Unternehmen erwarten, dass sich die allgemeine Geschäftslage in Deutschland im ersten Halbjahr 2013 bessert. 13 Prozent sind sogar sehr zuver­sichtlich. Dieser Optimismus spiegelt sich auch in den Geschäftserwartungen für das eigene Unternehmen wider (71 Prozent sind zuversichtlich und 17 Prozent sehr zuversichtlich).

"Die Zahlen legen nahe, dass sich die deutsche Wirtschaft in 2013 besser entwickeln wird, als Bundesregierung und Bundesbank dies bisher erwartet hatten“, so Sven Hennige, Managing Director Central Europe & Germany von Robert Half International mit Sitz in Frankfurt am Main. „Aufgrund der Verflechtung der Märkte werden rezessive Entwicklungen in den Volkswirtschaften Südeuropas und die dortige Staatsschulden­krise allerdings nicht spurlos an Deutschland vorübergehen. Bei den internen Risikofaktoren am deutschen Arbeitsmarkt erwarten wir, dass Strategien zur Mitarbeiterbindung und zur Überwindung des Fachkräftemangels die dominierenden Trendthemen in 2013 sein werden“.

Besonders Mittelstand beklagt Mangel an qualifizierten Arbeitskräften

Eine Mehrheit von 90 Prozent der befragten Unternehmen spürt einen bundesweiten Fachkräftemangel und hält es für schwer oder sehr schwer qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Dies gilt insbesondere für den deutschen Mittelstand: 97 Prozent der Mittel­ständler bezeichnen die Personalsuche als Herausforderung für ihr Unternehmen. 61 Prozent der Konzerne und KMUs befürchten, dass sie leistungsfähige Mitarbeiter im ersten Halbjahr an den Wettbewerb verlieren. 13 Prozent der Unternehmen sind sogar sehr besorgt.

Vergütung: Wenig Potenzial für Gehaltssteigerungen

Bei den monetären Anreizen zur Mitarbeiterbindung sehen die Unternehmen den Verteilungsspielraum eingeschränkt: Die Gehälter sind bei 65 Prozent der befragten Firmen für die nächsten sechs Monate eingefroren, nur ein Drittel kann sich Gehalts­anpassungen nach oben leisten. Nicht nur bei den Grundgehältern, auch bei variablen Vergütungselementen sind viele Unternehmen eher vorsichtig: 13 Prozent der Unternehmen will Bonuszahlungen senken, ein Fünftel kann in den ersten sechs Monaten dieses Jahres vermutlich keinerlei Bonus ausschütten. Motivationsfaktoren jenseits monetärer Incentives dürften daher an Bedeutung gewinnen.

Betrachtung nach Einzelbranchen

Finanz- und Rechnungswesen

27 Prozent der deutschen CFOs planen, neue Mitarbeiter im Finanz- und Rechnungs­wesen einzustellen. Allerdings haben die Arbeitgeber Schwierigkeiten, qualifizierte Fachkräfte zu rekrutieren: Für 59 Prozent der befragten Unternehmen gestaltet sich die Suche nach Buchhaltern, Controllern und anderen Fachkräften der Finanzabteilung schwierig, für 32 Prozent sehr schwierig.

Finanzdienstleistungen

Vor dem Hintergrund der Reorganisation vieler Kredithäuser in Folge der Finanzkrise sind die Stellenpläne bemerkenswert: 35 Prozent der deutschen Finanzdienstleister wollen im ersten Halbjahr des angelaufenen Jahres neue Arbeitsplätze schaffen. Die Befürchtung, Fach- und Führungskräfte zu verlieren, ist höher als im branchenüber­greifenden Durchschnitt: 66 Prozent sind besorgt über mögliche Abgänge, 21 Prozent sogar sehr besorgt.

IT-Bereich

In der IT-Branche ist die Dynamik am Arbeitsmarkt hoch: Einer im Vergleich zu den anderen Branchen überdurchschnittlichen Zahl geplanter Neueinstellungen (35 Pro­zent) stehen ebenso überdurchschnittliche Personalabbaupläne (13 Prozent) gegenüber. Händeringend gesucht werden vor allem Softwareentwickler, IT Security-Spezialisten sowie Systemadministratoren.

Assistenzbereich

Verhaltener sind die geplanten Neueinstellungen bei Positionen im Assistenzbereich. 22 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass neue Stellen im Sekretariats­wesen, in der Verwaltung und im Support-Bereich entstehen werden. Die besten Chancen auf einen Job haben Mitarbeiter im Kundenservice, Assistenten der Geschäftsführung sowie Vertriebs- und Projektmanagementassistenten.