Zurück zum alten Chef – so meistern Sie die Kehrtwende

Von Christina Holl on 10. September 2020

Von der Ausbildung bis zur Rente beim selben Arbeitgeber – das ist selten geworden. Eine moderne Karriere führt oft über mehrere Jobwechsel, Um- oder Abwege und manchmal sogar zurück zum alten Arbeitgeber. Dieses sogenannte Boomerang Hiring kann eine gute Idee sein – sofern es nicht nur eine Verlegenheitslösung ist.

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Boomerang Hiring muss sich für beide Seiten lohnen

Zurück zum Ex-Arbeitgeber? Niemals! Wer diesen beruflichen U-Turn so kategorisch ablehnt, mag dafür seine Gründe haben. Das können gute sein, aber auch schlechte. Denn was sich für den einen als beruflicher Rollback erweist, ist für den anderen die nächste logische Etappe auf dem Weg zum Karriereziel. Deshalb sollten Sie sich diesen Schritt zumindest durch den Kopf gehen lassen – und im akuten Fall reiflich überlegen.

Auf Seiten der ehemaligen Wirkungsstätte ist meist kaum mit großen Bedenken gegenüber Rückkehrern zu rechnen. Angesichts des Fachkräftemangels dürften viele Unternehmen einst abgewanderte Beschäftigte quasi mit offenen Armen empfangen. Jedenfalls dann, wenn dem Abschied damals keine unschöne Schlammschlacht oder ein anderer, schwerwiegender Trennungsgrund vorausgegangen ist.

Ein Selbstläufer ist dieses Boomerang Hiring, wie es in Fachkreisen genannt wird, nicht. Es lohnt sich für beide Seiten nur dann, wenn es handfeste Vorteile bietet. Allein schon deshalb sollte es für Rückkehrer keine Verlegenheitslösung sein. Denn die wird sie auf Dauer weder befriedigen noch weiterbringen. Und auch die Unternehmen sind nicht davon begeistert, wenn sie eine Rolle als beruflicher Lückenbüßer spielen. Und ob sie das tun sollen, finden Personaler schnell heraus.

Es kommt auf das “Warum” an

Welche Gründe für die Rückkehr zum alten Arbeitgeber entscheidend sind, hängt immer vom Einzelfall ab. Grundsätzlich ist das “Warum” aber ausschlaggebend: Wer beispielsweise seine Karriere vorantreiben will und dabei auf das passende Stellenangebot eines ehemaligen Arbeitgebers stößt, sollte es nicht aus Prinzip aussortieren. Andererseits: Wer sich nur darauf einlässt, weil er sonst nichts anderes findet, sollte besser die Finger davon lassen.

Gute Gründe, um zum alten Arbeitgeber zurückzukehren:

  • Der Schritt ist für Ihren weiteren Werdegang sinnvoll. Dafür sprechen eine bessere Position, mehr Verantwortung oder die Chance, damit anderweitig wertvolle und zukunftsträchtige Erfahrungen zu machen. Auch ein höheres Gehalt kann ein überzeugendes Motiv sein.
  • Sie haben ein gutes Gefühl dabei, zurück zum alten Arbeitgeber zu gehen. Sie freuen sich auf die neuen alten Kollegen, vertraute Strukturen und sind schon gespannt darauf, was sich Neues im Unternehmen getan hat.

Schlechte Gründe, um zum alten Arbeitgeber zurückzukehren:

  • Es bleibt Ihnen nichts anderes übrig. Sie befinden sich in einer beruflich schwierigen Lage und suchen dringend einfach nur irgendeine Stelle. Dann kann die Rückkehr zum alten Unternehmen tatsächlich zum Rückschritt werden. Vor allem dann, wenn Sie nur Ihre ehemalige Position oder sogar eine niedrigere bekommen.
  • Sie fühlen sich bei der Vorstellung unwohl, weil Sie damals nicht im Guten gegangen sind oder die Umstände, die zu Ihrer Kündigung geführt haben, dort weiterhin bestehen.

Diese Argumente hören Ex-Arbeitgeber gern

Auch Ihr Ex-Arbeitgeber wird Pro und Contra Ihrer Wiedereinstellung genau abwägen. Der Fachkräftemangel dürfte ihn zwar milde stimmen, doch das allein überzeugt ihn kaum vom Boomerang Hiring. Eine gute Bewerbung ist also auch in diesem Fall Pflicht. Nur weil die Firma Sie schon kennt, erhalten Sie keine bevorzugte Sonderbehandlung. Ebenso wie alle anderen Bewerber brauchen Sie aussagekräftige Bewerbungsunterlagen. Und die richtigen Argumente. Stellen Sie deshalb die Vorteile Ihres Wiedereinstiegs für das Unternehmen heraus.

  • Sie kennen bereits die Strukturen, Abläufe und Entscheidungsprozesse sowie die Branche.
  • Sie brauchen eine vergleichsweise kurze Einarbeitungszeit.
  • Sie haben zwischenzeitlich Ihre Fähigkeiten und Qualifikationen verbessert und erweitert.
  • Sie bringen frische Impulse und Ideen mit.
  • Sie haben bei anderen Unternehmen über den Tellerrand geschaut und eine weiterführende Perspektive gegenüber der Branche entwickelt.
  • Sie haben Kontakte zu interessanten Wettbewerbern und Kunden geknüpft.

Mit solchen Gründen haben Sie gute Karten. Trotzdem: Eine Garantie für eine triumphale Heimkehr sind sie nicht. Möchten Sie zurück zum alten Arbeitgeber, müssen Sie sich oft bohrende Fragen im Vorstellungsgespräch gefallen lassen. Besonders dann, wenn Sie sich schon kurze Zeit nach Ihrer Kündigung wieder bewerben. Wie wollen Sie innerhalb weniger Monate viel an Qualifikation gewonnen haben?

Außerdem will Ihr alter und vielleicht neuer Arbeitgeber genau wissen, warum Sie ihn damals verlassen haben und was Sie jetzt zur Rückkehr bewegt. Antworten Sie darauf offen und ehrlich. Sprechen Sie von Ihren Karriereplänen und Ihrer Laufbahnstrategie – und davon, warum ihr ehemaliges Unternehmen heute dafür ideal geeignet ist.

Sind Sie überzeugend, klopft Sie Ihr Gegenüber vermutlich detailliert auf jene Vorteile Ihres Wiedereinstiegs ab, die Sie ihm in Ihrer Bewerbung genannt haben. Auch hier bleiben Sie besser bei der Wahrheit. Lügen im Vorstellungsgespräch sind nämlich gefährlich, weil sie oft früher oder später ans Licht kommen.

Probezeit? Warum nicht?

Soll es zurück zum alten Arbeitgeber gehen, kommt manchmal eine erneute Probezeit ins Spiel. Spricht der Personaler das Thema an, sollten Sie dies nicht kategorisch ablehnen. Besonders nach einem mehrjährigen Intermezzo in anderen Unternehmen ist diese Vorgehensweise legitim.

Schließlich können während Ihrer Abwesenheit neue Strukturen und Prozesse eingeführt worden sein, in denen Sie sich erst bewähren sollen. Oder Sie haben es mit anderen Vorgesetzten zu tun, die von Ihren Qualitäten überzeugt werden möchten.

Lassen Sie sich also im Zweifel darauf ein. Wenn Sie gut sind, sind die paar Monate kein Problem für Sie. Außerdem profitieren Sie selbst ebenfalls davon: Stellt sich heraus, dass der Job ganz anders als erwartet ist, können Sie unkompliziert wieder aussteigen.

Gehaltsfrage professionell angehen

“Was möchten Sie verdienen?” Diese Frage wird mit absoluter Sicherheit auf Sie zukommen. Deshalb brauchen Sie darauf eine Antwort. Bei einem neuen Unternehmen würden Sie sicherlich mehr Gehalt verlangen, als in Ihrer bisherigen Position. Aber bei Ihrem Ex-Arbeitgeber?

Kehren Sie auf Ihre einstige Stelle zurück, werden Sie nicht viel Spielraum nach oben haben. Doch wenn Sie eine höhere Position bekommen, dürfen Sie mehr verlangen. Verhandeln Sie dann genauso, wie bei jedem anderen Jobwechsel. Doch pokern Sie nicht zu hoch. Am besten formulieren Sie Ihre Gehaltsvorstellungen bereits in der Bewerbung. Anhaltspunkte dafür finden Sie in unserer aktuellen Robert-Half-Gehaltsübersicht.

Für Sie kommt eine Rückkehr nicht infrage, Sie wollen neue Unternehmen kennenlernen? Die Spezialisten von Robert Half helfen Ihnen dabei gern. Laden Sie einfach Ihren Lebenslauf hoch. Wir melden uns und finden gemeinsam mit Ihnen den idealen Arbeitgeber für Sie.

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Bildquelle: © mroz - unsplash.com

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