Zu gut, um wahr zu sein? - So erkennen Sie unpassende Bewerber

Die Bewerbung schaut perfekt aus. Doch hält der Bewerber auch im Bewerbungsgespräch, was er verspricht?

Auf dem Papier schaut der Bewerber ja sehr gut aus. Aber hält er in der Praxis auch, was die Bewerbungsunterlagen versprechen? Besonders, wenn Sie zur Beantwortung dieser Frage nur ein Gespräch lang Zeit haben, müssen Sie genau hinschauen. Aber mit ein paar Kniffen trennen Sie die Spreu zielsicher vom Weizen.

Die Einstellung eines Bewerbers ist immer auch ein Glücksspiel. Die Freude darüber, dass Sie endlich den richtigen Mitarbeiter gefunden haben, kann schnell einem seltsamen Gefühl weichen. Dann nämlich, wenn sich der gute Eindruck auf dem Papier als falsch erweist. 

Zur Studie „Risiken falscher Personalentscheidungen“

Nun ja, glücklicherweise gibt es ein paar Personalertricks, mit denen sich relativ genau herausfinden lässt, ob ein Kandidat für eine Stelle geeignet ist, oder nicht. Wenn Sie einen Bewerber dabei ertappen, wie er Folgendes tut, sollten Sie hellhörig werden:

1. Tipp für die Personalauswahl: Der Bewerber spricht nur über sich

Es heißt nicht umsonst Vorstellungsgespräch. Das impliziert, dass man miteinander redet. Das Interview läuft oft nach einem Frage-Antwort-Schema ab, damit der Personalverantwortliche möglichst viel über den Bewerber erfährt. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass er oder sie ausschließlich über sich selbst sprechen sollte.

Jeder Bewerber hat bestimmt jemanden, der ihn bei seinem bisherigen Karriereweg unterstützt hat. Achten Sie daher darauf, dass er auch einmal Kollegen, Kunden oder Mentoren erwähnt, wenn es um die bisherige Entwicklung geht. Das gleiche gilt bei der Frage, was den Kandidaten antreibt: Gibt es ein Vorbild? Jemanden, den er oder sie bewundert?

Wenn der Bewerber das gesamte Interview lang nur über sich spricht, sollten bei Ihnen die Alarmglocken angehen. Denn das wäre vermutlich genau derjenige Kollege,

  • der sich den letzten Kaffee aus der Kanne nimmt, ohne neuen zu kochen;
  • der sich beschwert, wenn mal eine Aufgabe außer der Reihe wahrgenommen werden soll;
  • der mit seinem Druckauftrag den halben Vormittag den Kopierer belegt, obwohl er genau weiß, dass der Kollege dringend seine Präsentation ausdrucken muss.

Dann doch lieber der Kandidat, der im Gespräch auch mal den Namen eines Kollegen fallen lässt, mit dem er gemeinsam Erfolge gefeiert hat; oder seinen Chef lobend erwähnt, weil er ihm die Chance gab, sich zu entwickeln. Denn wer merkt, dass es auch noch andere Menschen gibt, die wichtig sind, passt in fast jedes Team.

2. Tipp für die Personalauswahl: Der Ruhm gebührt ihm allein

Andere zu erwähnen, reicht allerdings nicht aus. Denn manche Kandidaten verstehen es meisterlich, Kollegen, Chefs und Kunden ins Gespräch einzubauen – und sie dabei schlecht aussehen zu lassen. Selbstverständlich sind sie das genaue Gegenteil und biegen immer alles wieder hin, was andere falsch gemacht haben. Wenn es um Erfolge geht, ist dann von anderen nichts mehr zu hören.

Ein Bewerbungsgespräch ist natürlich der falsche Ort für Zurückhaltung. Aber dass jede Leistung ein singulärer Akt der Weisheit ist, erscheint doch fragwürdig. So jemand reißt im Zweifel auch den Erfolg des Teams an sich oder klaut schon mal Ideen.

Besser Sie entscheiden sich für den Kandidaten, der sein Team in den Vordergrund stellt und offenbar genau weiß, dass sich gemeinsam mehr erreichen lässt.

3. Tipp für die Personalauswahl: Fehler? Welche Fehler?

Wer als Antwort auf die Frage nach der eigenen Schwäche angibt, er sei Perfektionist oder ungeduldig, entlockt Recruitern in der Regel nur ein müdes Lächeln. Für eine ehrliche Antwort fehlt den meisten Bewerbern der Mut. Aber noch schlimmer sind diejenigen Kandidaten, die sich selbst als unfehlbar einschätzen. Sie glauben tatsächlich, dass Perfektionismus ihre größte Schwäche ist. Oder sie haben zumindest gelernt, diese Antwort zu geben. Dabei ist die Antwort natürlich Auslegungssache: Wer Schwierigkeiten bei der Rechtschreibung hat, könnte entweder sagen „Ich arbeite an meiner Ausdrucksfähigkeit“ oder eben „Ich bin Perfektionist“.

Im Zweifel würde der Personalverantwortliche die Standardantwort wohl so auslegen: Der Kandidat hat nicht genügend Selbstvertrauen, seine Schwachstelle offenzulegen und Lösungsmöglichkeiten zu präsentieren. Aber wer will schon einen Mitarbeiter, der lieber alles unter den Teppich kehrt?

4. Tipp für die Personalauswahl: Die Nachlässigkeit beginnt schon im Bewerbungsprozess

Es kann schon mal vorkommen, dass jemand im Stau steckt, der die letzten fünf Jahre immer pünktlich war. Und möglicherweise hat das Internet tatsächlich genau in dem Moment gestreikt, als der Upload-Prozess für die Bewerbungsunterlagen lief und deshalb fehlen die Zeugnisse. Aber wenn sich solch unprofessionelles Verhalten im Gespräch fortsetzt, ist das ein deutliches Zeichen.

Der Bewerber erzählt Negatives über seine Kollegen oder seinen ehemaligen Chef, nur um sich plötzlich mit einem „Ups, hab ich das jetzt tatsächlich gesagt“, aus der Affäre zu ziehen? Kein gutes Zeichen. Vielleicht nur die Nervosität. Aber ein ungutes Gefühl bleibt trotzdem.

Wenn alles andere für den Bewerber spricht, drücken Sie ein Auge zu. Aber denken Sie daran: Wer unter Druck plappert, tut das wahrscheinlich auch im erstbesten Konflikt mit seinem Kunden. Wenn Sie bei seinen ehemaligen Arbeitgebern Referenzen einholen, legen Sie den Finger auf diese Wunde.

5. Tipp für die Personalauswahl: Der Bewerber ist zu gut, um wahr zu sein

Der Bewerber bringt alles mit, was Sie sich wünschen. Aber genau dann sollten Sie genau hinschauen. Natürlich versucht jeder Kandidat, sein Können so gut wie möglich zu präsentieren. Aber gleich in allen Punkten mit den Anforderungen übereinzustimmen, klingt dann doch seltsam. Die exakte Anzahl der Berufsjahre aus der Stellenanzeige? Alle erforderlichen Qualifikationen? Nur Bestnoten?

Prinzipiell ist das der Hauptgewinn für jeden Personalverantwortlichen. Doch Sie sollten sich fragen, ob sich der Bewerber mit den Aufgaben langfristig wohlfühlt, die er praktisch schon im Schlaf erledigen kann. Anfangs vielleicht, aber mit diesen Qualifikationen steht die Tür zum nächstbesten Job weit offen - und für Sie steht gleich wieder die Suche nach einem neuen Mitarbeiter an.

Recruiter finden in der Regel Kandidaten spannend, die sich deutlich von den Mitbewerbern abheben. Wenn Sie sich nicht absolut sicher sind, dass ein Kandidat der richtige ist, organisieren Sie ein weiteres Gespräch und holen Sie einen Kollegen für eine Zweitmeinung hinzu. Achten Sie dabei aber darauf, dass der Einstellungsprozess nicht zu lange dauert. Entscheiden Sie sich lieber für jemanden, der mit der Stelle wächst, als für jemanden, der sich von Anfang an langweilt.

Wenn Sie nicht den passenden Kandidaten für Ihre offene Stelle finden, können Sie auch uns die Auswahl des besten Kandidaten überlassen: Unsere Berater finden die beste Besetzung für Ihre offenen Stellen.

Nehmen Sie Kontakt zu uns auf!

Bildquelle: © Daniel Berkmann / Fotolia.com