Zu gut für den Job? Ein Ratgeber für Hochqualifizierte

Von Christina Holl 24. März 2016

Schon wieder erhalten Sie eine Absage, obwohl Sie die Anforderungen aus der Stellenanzeige sogar übertreffen. Könnte das vielleicht sogar der Grund für die Ablehnung sein? Viele Personaler sind skeptisch, wenn Kandidaten zu gut qualifiziert sind. Doch mit den richtigen Inhalten, können Sie diese Hürde nehmen.

Es klingt paradox, aber ein zu hoher Bildungsgrad oder zu viel Berufserfahrung können Ihnen bei der Jobsuche im Weg stehen. Gerade Bewerber mit einem Doktortitel vor dem Namen erhalten oft Absagen, weil sie aus Sicht der Personalverantwortlichen überqualifiziert sind. Gleiches gilt für Kandidaten, die bereits höhere Positionen innehatten als die ausgeschriebene Stelle.

Doch wem das bei seiner Bewerbung bewusst ist, erhöht seine Chancen auf die ausgeschriebene Stelle enorm. Hier sind drei Hürden, die überqualifizierte Bewerber nehmen müssen.

1. Das Unternehmen befürchtet: Der Job ist für Sie nur eine Zwischenstation.

Personelle Fehlentscheidungen sind teuer. Personalverantwortliche möchten niemanden einstellen, der in wenigen Monaten schon wieder weg sein könnte. Sie müssen das Unternehmen deshalb davon überzeugen, dass Sie den Job wirklich wollen und ihn nicht nur als Zwischenstation sehen.

Noch mehr als andere Bewerber müssen Sie im Anschreiben deutlich machen, warum Sie sich genau auf diese Stelle bewerben. Mit Standardanschreiben, die Sie an zehn verschiedene Unternehmen schicken, haben Sie keine Chance. Je genauer Sie hingegen auf die Anforderungen und Aufgaben in der Stellenbeschreibung eingehen und diese mit Ihren Talenten und Vorlieben verknüpfen, umso näher rückt das Vorstellungsgespräch.

Wenn Sie zuvor bereits in höheren Positionen gearbeitet haben, sollten Sie für den vermeintlichen Schritt zurück gute Argumente anführen. Downshifting ist für Personaler inzwischen kein Fremdwort mehr, aber Sie sollten Ihre Gründe offen und überzeugend kommunizieren.

Zeigen Sie im Anschreiben außerdem, dass Sie es ernst meinen und langfristig im Unternehmen bleiben wollen. Nennen Sie Ihre Ziele für die nächsten Jahre und wie Sie diese bei Ihrem neuen Arbeitgeber verwirklichen möchten.

2. Das Unternehmen entdeckt Lücken in Ihrem Lebenslauf

Viele qualifizierte Bewerber haben aus ihren erfolglosen Bewerbungen diese Konsequenz gezogen: Sie machen sich auf dem Papier schlechter als sie sind. Das heißt, Sie führen Fähigkeiten in der Bewerbung nicht auf oder entfernen berufliche Stationen aus dem Lebenslauf. Das ist aus mehreren Gründen nicht sinnvoll.

Erstens entsteht dadurch in vielen Fällen ein lückenhafter Lebenslauf, der jeden Personaler skeptisch stimmt. Es gibt keinen schnelleren Weg auf den Abgelehnt-Stapel als offensichtliche Ungereimtheiten.

Zweitens nehmen sich Hochqualifizierte so die Chance, einen Job zu finden, der ihren tatsächlichen Fähigkeiten entspricht. Stellenbeschreibungen sind letzten Endes immer eine Zuspitzung der Anforderungen. Der Personalverantwortliche kennt das Stellenprofil hingegen im Detail und kann einschätzen, welche Qualifikationen dort nützlich sind. Überlassen Sie ihm die Entscheidung. Im schlimmsten Fall entfernen Sie Informationen, die Ihre Chancen auf die Stelle erhöht hätten. Es steht Ihnen allerdings frei, Fähigkeiten in der Bewerbung stilistisch herauszustellen, die besonders gut zur Stellenbeschreibung passen. Etwa durch eine bestimmte Reihenfolge oder Fettschrift.

Je weiter Sie im Bewerbungsprozess vorrücken, umso mehr Gelegenheiten haben Sie, Ihre Eignung und Motivation unter Beweis zu stellen. Wenn Sie aber bereits in der schriftlichen Bewerbungsphase aussortiert werden, fehlt Ihnen die Möglichkeit im persönlichen Gespräch zu überzeugen. Deshalb kann es hilfreich sein, von Beginn an einen Personaldienstleister an der Seite zu haben, der Sie beim zuständigen Personalverantwortlichen im Wunschunternehmen vorstellt und ihn davon überzeugt, dass Sie der richtige Mitarbeiter sind.

3. Das Unternehmen hat Angst vor Unruhe im Team

Nicht jede Führungskraft arbeitet gern mit Mitarbeitern, die höhere Qualifikationen haben als die meisten Kollegen – oder sogar als er selbst. Sie befürchten, dass sich jemand, der für die Stelle formal überqualifiziert ist, in strategische Entscheidungen einmischt oder einen Sonderstatus im Team einnehmen will.

Diesen Ängsten lässt sich aus zwei Richtungen begegnen: Zum einen können Sie in Ihrer Bewerbung klarmachen, dass Ihnen der Verantwortungsbereich der ausgeschriebenen Stelle bewusst ist, und Sie nicht vorhaben, über diesen hinauszugehen – es sei denn, es wird gewünscht. Damit beruhigen Sie auch Vorgesetzte, die befürchten, Sie wollen ihnen ihren Job streitig machen.

Zum anderen sollten Sie Ihre sozialen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Zeigen Sie, dass Sie ein Teamplayer sind und die Dynamik in der Abteilung von Ihnen profitieren wird. Gute Dienste leistet dabei ein Arbeitszeugnis, das Ihre sozialen Fähigkeiten lobt, oder entsprechende Referenzen von ehemaligen Vorgesetzten.

Das Unternehmen würde Sie gern testen

Von einer weiteren Möglichkeit profitieren sowohl Sie als Bewerber als auch das Unternehmen: Zeitarbeit. Sie können den Arbeitgeber unverbindlich kennenlernen und er kann sich von Ihren Fähigkeiten und Ihrer Motivation überzeugen. Viele Arbeitnehmer finden über diesen Weg zum Wunscharbeitgeber.

Währenddessen profitieren Sie von denselben Sicherheiten wie jeder andere Festangestellte, zum Beispiel von Kündigungsschutz und einem festen Gehalt. Der einzige Unterschied ist, dass Sie nicht bei dem Unternehmen angestellt sind, bei dem Sie eingesetzt werden. Sie haben dafür den Vorteil, dass Sie verschiedene Firmen kennenlernen können.

Überqualifizierte Bewerber haben es nicht immer leicht bei der Jobsuche. Aber auch hier gilt: Wenn Sie sich auf die Bedürfnisse Ihres Wunschunternehmens einstellen, steigen Ihre Erfolgschancen enorm.

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Bildquelle: © olly / Fotolia.com

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