Wie Sie eine Gehaltserhöhung auf jeden Fall vermeiden

Von Christina Holl 20. März 2015

„Über Geld spricht man nicht – Geld hat man“, sagt der Volksmund. Im Privatleben kann das natürlich jeder handhaben, wie er will. Im Beruf sollten Sie sich von dieser Volksweisheit nicht leiten lassen. Wer in die Gehaltsverhandlung eintreten möchte, sollte nicht nur die richtigen Argumente kennen – sondern auch schlechte Strategien vermeiden. Hier sind die gängigsten Fehler, die Sie um eine Gehaltserhöhung bringen.

Wenn Sie eine Gehaltserhöhung durchsetzen wollen, ist übertriebene Zurückhaltung keine Hilfe. Das zeigt auch dieses humorvolle Video unserer amerikanischen Kollegen bei Robert Half.

Die Strategie, mit anderen Jobangeboten, unüberlegten Forderungen oder einem guten Wort von Kollegen um mehr Gehalt zu verhandeln, wird wohl in den seltensten Fällen zum Erfolg führen. Sie ist jedoch nicht die einzige Möglichkeit, sich die Gehaltserhöhung zu verbauen. Damit Sie den Stolperfallen aus dem Weg gehen können, habe ich für Sie die besten Strategien GEGEN eine Gehaltserhöhung zusammengefasst.

 

1. Äußere Umstände für eine Gehaltserhöhung ins Feld führen

Es gibt viele gute Argumente für eine Gehaltserhöhung: Einsatzbereitschaft, Erfolge, ein Zuwachs an Verantwortung. Doch es gibt mindestens ebenso viele Gründe, die dagegen sprechen. Wenn Sie die in der Gehaltsverhandlung ins Feld führen, reagiert Ihr Vorgesetzter höchstens mit einem mitleidigen Kopfschütteln:  

„Ich arbeite bereits vier Jahre im Unternehmen und habe noch nie eine Gehaltserhöhung bekommen.“ Das ist kein gutes Zeichen. Aber auch kein gutes Argument. Ein gutes Argument wäre hingegen, dass sich Ihr Wert für die Firma in den vier Jahren gesteigert hat. Haben sich vielleicht die Umsätze durch Ihre Arbeit erhöht oder die Kosten gesenkt? Liefern Sie am besten Zahlen.

„Ich habe mir eine Eigentumswohnung gekauft und dadurch haben sich meine monatlichen Ausgaben erhöht.“ Auch gestiegene Lebenshaltungskosten werden Ihren Chef nicht überzeugen. Worin liegt hier der Wert für sein Unternehmen? Wenn Sie in der Gehaltsverhandlung von Steigerungen sprechen, dann sollten sich diese zum Beispiel auf Ihre Führungsverantwortung beziehen.

„Kollege Müller verdient viel mehr als ich.“ Tja, das mag sein. Doch haben Sie sich auch gefragt, ob Kollege Müller mehr leistet als Sie? Aber auch das sollten Sie nicht zum Thema machen, wenn Sie über mehr Gehalt verhandeln. Führen Sie stattdessen die eigenen Leistungen ins Feld: Beispielsweise, dass sich Ihr Verantwortungsbereich seit der letzten Gehaltserhöhung vergrößert hat.

2. Unüberlegte Forderungen stellen

Ebenso Misserfolg versprechend wie die oben genannten Argumente sind falsche Gehaltsvorstellungen. Wenn Sie zu viel oder zu wenig fordern, wird Sie Ihr Vorgesetzter nicht ernst nehmen. Schließlich zeigen Sie ihm, dass Sie die branchenüblichen Gehälter nicht kennen. Gehen Sie also mit guter Vorbereitung in die Gehaltsverhandlung, zum Beispiel indem Sie sich mit der Gehaltsübersicht von Robert Half auf den neuesten Stand bringen.

Von dem Motto „Ich steige hoch ein, dann kann ich mich immer noch herunterhandeln lassen“ sollten Sie sich nicht leiten lassen, wenn Sie über mehr Gehalt verhandeln. Seien Sie lieber von Beginn an realistisch. Legen Sie sich im Kopf eine Gehaltsspanne zurecht, mit der Sie leben können. Sie sollten diese allerdings nicht von Beginn an kommunizieren. Wenn sie sagen „10 % mehr wären schön, aber mit 3 könnte ich auch leben“, wird sich Ihr Vorgesetzter eher am unteren Ende der Skala orientieren.

3. Drohen, das Unternehmen zu verlassen

„Wenn wir uns nicht auf eine angemessene Gehaltserhöhung einigen können, muss ich mich nach einem anderen Job umsehen“, ist eine gewagte Aussage, wenn Sie über mehr Gehalt verhandeln. Was wenn Ihr Chef antwortet: „Dann tun Sie das“? Können Sie mit dieser Reaktion leben? Wenn Geld das einzige ist, was Ihnen an Ihrem Job gefällt, sollten Sie sich ohnehin neu orientieren.

Selbst wenn Ihr Chef nachgibt, behält er mit Sicherheit im Hinterkopf, dass Sie kurz vor dem Absprung stehen. Ob das Ihre Chancen bei der nächsten Beförderungsrunde erhöht? Wohl eher nicht. Auch wenn keine direkten Konsequenzen drohen, verschlechtern Sie mit dieser Drohung die Atmosphäre im Team und die Beziehung zu Ihrem Vorgesetzten.

4. Angst vor dem zweiten „Nein“ haben

Ein guter Weg, eine Gehaltserhöhung zu vermeiden, ist mangelnde Hartnäckigkeit. Wenn Ihr Chef den ersten Gehaltsvorschlag ablehnt und Sie nur schüchtern zu Boden blicken, zeigt ihm das, dass Sie selbst nicht von Ihrer Forderung überzeugt sind. Anders sieht es aus, wenn Sie überzeugende Argumente nennen, warum der Betrag angemessen ist, indem Sie sich beispielsweise auf branchenübliche Gehälter beziehen und Ihre Erfolge im letzten Jahr auflisten. Kann auch das Ihr Gegenüber nicht überzeugen, ist es Ihr gutes Recht, einen Gegenvorschlag einzufordern – inklusive einleuchtender Argumente, warum er diesen Betrag angemessener findet.

Wie überzeugen Sie Ihren Chef von einer Gehaltserhöhung? Welche Forderungen sind für Sie in Ordnung und wann muss man als Arbeitnehmer Kompromisse eingehen?

Bildquelle: © electriceye - Fotolia.com

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