Wie Sie Bewerber finden, die der Konkurrenz verborgen bleiben

Von Christina Holl 15. April 2015

Warten Sie immer noch darauf, dass sich die besten Jobkandidaten von sich aus bei Ihnen bewerben? Dann entgehen Ihnen bei der Mitarbeitersuche vermutlich viele interessante Kandidaten. Active Sourcing ist das Gebot der Stunde: Statt nur Bewerbungen zu sichten, müssen Sie sich selbst auf die Suche nach den Top Performern machen. Und das funktioniert so.

Die leckersten Früchte fallen einem selten in den Schoß, sondern hängen meist versteckt oben im Baum. Vor allem wenn der Baum der Bewerbermarkt ist und es sich bei den Äpfeln um die Top-Performer handelt. Sehen wir den Tatsachen doch einmal ins Auge. Die besten Kandidaten für einen Job sind oft gar nicht auf der Suche. Sie haben bereits eine Stelle.

Wer als Personaler an diese passiven Bewerber will, darf sich mit Stellenausschreibungen nicht zufrieden geben. Er muss selbst auf den Kandidaten zugehen. Das nennt sich Active Sourcing. Dabei ist es egal, ob Sie einen Bilanzbuchhalter, Datenbankprogrammierer oder Assistenten der Geschäftsleitung suchen. Das Vorgehen ist immer dasselbe und der große Vorteil: Sie sind der Konkurrenz einen großen Schritt voraus.

Schritt 1: Nutzen Sie die richtigen Recruiting-Kanäle

Ein erfolgreiches Active Sourcing erreichen Sie nur, wenn Sie die richtigen Werkzeuge wählen. Am besten funktioniert die aktive Kandidatensuche mit einer Mischung aus Online-Recruiting (sprich der Schaltung von Online-Stellenanzeigen) und der direkten Interaktion mit Top-Fachkräften aus der Branche: 

  • Nutzen Sie Ihre Mitarbeiter für die Rekrutierung: Ihre Mitarbeiter sind Ihr Kapital. Nicht nur wenn es um das Tagesgeschäft geht, sondern auch beim Active Sourcing. Fragen Sie in den eigenen Reihen nach Empfehlungen, wenn es eine Stelle zu besetzen gibt. Langfristig sollten Sie ein Mitarbeiterempfehlungsprogramm installieren. Dann müssen Sie nicht jedes Mal von Neuem beginnen, sondern können auf einen bestehenden Kandidatenpool zurückgreifen.
  • Engagieren Sie sich in sozialen Medien: Engagement ist der Schlüssel zu erfolgreichem Active Sourcing. Dabei kehrt man am besten zuerst vor der eigenen Haustür: Sorgen Sie auf Ihrem Firmenblog für Interaktion. Gehen Sie auf die Kommentare der Leser ein. Natürlich sollten Sie auf den großen Business Networks Xing und LinkedIn vertreten sein. Aber auch andere Kanäle wie Twitter oder Facebook könnten interessant sein für die Suche nach passiven Kandidaten. Prüfen Sie vorab, welche Kanäle für Ihre Branche besonders erfolgsversprechend sind, bevor Sie Active-Sourcing-Maßnahmen einsetzen.
  • Schalten Sie Profis ein: Sie müssen nicht die ganze Arbeit selbst machen. Nutzen Sie die Reichweite professioneller Helfer, die sich über Jahre hinweg ein Netzwerk aufgebaut haben: Recruiter wie Robert Half haben Zugang zu Kandidaten, die Sie über andere Kanäle nicht erreichen. Je spezialisierter der Personalvermittler, umso schneller und besser wird die Ihnen präsentierte Kandidatenauswahl sein.

Schritt 2 des erfolgreichen Active Sourcing: Bauen Sie eine Beziehung zum Kandidaten auf

Haben Sie einen passiven Kandidaten als Wunschmitarbeiter identifiziert, heißt es: Nur nichts überstürzen. Eine lange und ausführliche E-Mail, die ihm die Vorteile Ihres Unternehmens lang und breit erklärt? Keine gute Idee. Gehen Sie es ruhig an: Stellen Sie sich vor und bauen Sie den persönlichen Kontakt auf. Betonen Sie, dass ein Arbeitnehmer mit seinen Qualitäten gut in Ihr Unternehmen passen würde. Liefern Sie hierfür überzeugende Argumente in Form von Gemeinsamkeiten.

Überfallen Sie ihn nicht mit einem konkreten Jobangebot, sondern zeigen Sie Interesse daran, ihn näher kennen zu lernen. Wenn er sich darauf einlässt, beginnt die zweite Runde. Blockt der Kandidat ab, sollten Sie ihn nicht weiter bedrängen. Bleiben Sie mit ihm in Kontakt, vielleicht ändert sich seine Meinung. Für den Moment können Sie ihn in jedem Fall fragen, ob er nicht einen anderen Kandidaten kennt, der gut in Ihr Unternehmen passen würde. So gewinnen Sie in jedem Fall. Für künftiges Active Sourcing haben Sie Ihr Netzwerk vergrößert.

Schritt 3 des erfolgreichen Active Sourcing: Machen Sie dem Kandidaten ein Angebot, das er nicht ablehnen kann

Das Interesse des Kandidaten an Ihrem Unternehmen ist die halbe Miete beim Active Sourcing. Doch jetzt kommt der Knackpunkt: Sie müssen ihn davon überzeugen, dass es sich lohnt, zu Ihnen zu wechseln. Stellen Sie seinen bisherigen Arbeitgeber in den Schatten. Am einfachsten gelingt Ihnen das, wenn Sie möglichst viel über sein derzeitiges Unternehmen wissen: Welche Gehälter und Zusatzleistungen sind dort üblich, welche Karriereentwicklungsmöglichkeiten gibt es und wie ist die wirtschaftliche Situation? Nach einer Vorabrecherche können Sie bei Ihrem Angebot an folgenden Stellschrauben drehen: 

  • Aufstiegsmöglichkeiten: Vielversprechenden Kandidaten müssen Sie eine Karriereperspektive bieten. Konzentrieren Sie sich nicht nur darauf, was die Kandidaten aktuell in Ihrem Unternehmen erwartet. Geben Sie ihnen einen Ausblick, welche Aufstiegsmöglichkeiten sich ihnen bieten.
  • Work-Life-Balance: Flexiblere Arbeitszeiten und die Möglichkeit, aus dem Homeoffice zu arbeiten, motivieren viele passive Kandidaten für einen neuen Job.
  • Gehalt: Nur wenige passive Kandidaten werden eine gute Stelle aufgeben, wenn sie in der neuen Position nicht mehr verdienen. Die Gehaltsübersicht von Robert Half kann Ihnen dabei helfen, ein Angebot zu entwerfen, das konkurrenzfähig ist.
  • Herausforderungen: Passive Kandidaten sind in ihrer derzeitigen Position zwar oft zufrieden, aber manchmal unterfordert oder haben Lust auf etwas Neues. Nehmen Sie sich etwas Zeit, um sie besser kennenzulernen. Dann finden Sie vielleicht heraus, mit welchen Herausforderungen und Aufgaben Sie die Kandidaten locken können.

Die aktive Kandidatensuche zählt zu den Königsdisziplinen beim Recruiting. Man erlernt sie nicht über Nacht - vor allem, weil ein großes Netzwerk die Grundvoraussetzung ist. Doch mit jedem Bewerber, den Sie ansprechen, vergrößern Sie Ihre Reichweite. Je länger Sie Active Sourcing betreiben, umso größer wird Ihr Kandidatenpool. Kurzfristige steigende Kosten und entsprechender Ressourceneinsatz zahlen sich auf lange Frist aus, weil Sie nicht nur die passiven Bewerber für sich gewinnen können, sondern auch die Gefahr personeller Fehlentscheidungen minimieren.

Betreiben Sie bereits Active Sourcing? Wie sind Ihre Erfahrungen?

Bildquelle: © Milles Studio - Fotolia.com

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