„Wie hoch war Ihr letztes Gehalt?“ – Muss ich diese Frage ehrlich beantworten?

Von Alenka Mladina 10. Juli 2018

Das Vorstellungsgespräch lief gut und der Personaler leitet zur Gehaltsverhandlung über: „Was verdienen Sie in Ihrem aktuellen Job?“ Jetzt heißt es: Ehrlich bleiben. Aber nicht zu ehrlich.

Die Frage nach dem letzten Gehalt stellt manche Bewerber vor ein Dilemma: Sollen Sie ein wenig flunkern, um ihren Preis nach oben zu treiben? Müssen Sie die Frage überhaupt beantworten? Wir verraten Ihnen, wie Sie die Antwort in der Gehaltsverhandlung elegant meistern.

1. Tipp für die Gehaltsverhandlung: Wann Sie die Frage nach dem letzten Gehalt beantworten sollten

Die Frage zum aktuellen Verdienst stellen Personaler meist am Ende des Vorstellungsgesprächs und zu Beginn der Gehaltsverhandlung. Entsprechend wird Ihre Antwort das weitere Gespräch beeinflussen.

Denn wenn erst einmal eine Zahl genannt wurde, wird sich die Gehaltsdiskussion in der Regel nicht allzu weit von diesem Betrag entfernen. Denken Sie daher daran: Sie stecken mit der Antwort einen Rahmen für Ihre Forderungen ab.

Liegen die Aufgaben und der Verantwortungsbereich im neuen Job auf einem ähnlichen Niveau wie bei Ihrer bisherigen Stelle sind, ist es durchaus sinnvoll, diese Frage wahrheitsgemäß zu beantworten.

Machen Sie sich keine Sorgen, dass Sie deswegen kein Gehaltsplus mehr erreichen können. Im Gegenteil: Das Risiko eines Jobwechsels, Ihre Erfahrungen aus einem anderen Unternehmen und eventuelle Spezialisierungen sind schlagkräftige Argumente für einen höheren Gehaltswunsch.

Übernehmen Sie einen größeren Verantwortungsbereich oder bauen ein neues Team auf, könnten Sie in etwa so antworten:

Das Gehalt in meinem aktuellen Job liegt im marktüblichen Rahmen. Da ich in Ihrem Unternehmen weit mehr Personalverantwortung übernehmen werde, empfinde ich diesen Betrag als keinen guten Vergleichswert. Stattdessen stelle ich mir ein Gehalt in Höhe der marktüblichen Vergütung vor.

2. Tipp für die Gehaltsverhandlung: Legen Sie Ihre Gehaltsspanne fest

Eine konkrete Summe zu nennen, könnte so wirken, als ob Sie nicht verhandlungsbereit seien. Nennen Sie stattdessen eine Bandbreite. Mit einer Formulierung wie

Mein Wunschgehalt bewegt sich im Bereich zwischen 45.000 bis 50.000 Euro Jahresbruttogehalt

kann der Personaler sofort erkennen, dass Sie den Markt kennen und offen für Kompromisse sind.

Gleichen Sie Ihre Gehaltsvorstellung vorab mit dem aktuell üblichen Marktniveau ab. Mit dem kostenlosen Gehaltsrechner von Robert Half erhalten Sie eine sehr gute Vorstellung davon, welche Gehälter derzeit in Ihrer Region für IT-, Finanz-, Office- und kaufmännische Berufe gezahlt werden.

Nutzen Sie diese als Grundlage für die Gehaltsverhandlung im Bewerbungsgespräch.

Hier geht's zum Gehaltsrechner

Es ist sinnvoll, wenn Sie sich in Ihrer Vorbereitung nicht nur auf die Gehaltsfrage konzentrieren. Überlegen Sie sich auch, welche Zusatzleistungen für Sie eventuell interessant sind:

  • Flexible Arbeitszeiten
  • Kurzer Anfahrtsweg
  • Mitarbeiterrabatte (Bonuskarten, Essensgutscheine)
  • Boni, Weihnachtsgeld oder andere Zulagen
  • Urlaubstage
  • Firmenwagen oder Firmenfahrrad
  • Weiterbildungen
  • Mitarbeiterwohnungen oder Unterstützung bei Wohnungssuche
  • Gesundheitsleistungen, wie etwa kostenlose Gesundheitschecks
  • Technische Geräte oder Vorzugskonditionen bei eigenen Produkten
  • Firmenkindergarten

Verhandeln Sie, wenn eines oder sogar mehrere dieser Angebote für Sie in Frage kommt. Davon profitieren Sie möglicherweise mehr als von einem etwas höheren Summe auf Ihrem Lohnzettel.

Und Ihr künftiger Arbeitgeber wird wahrscheinlich sehr froh sein, durch ein solches Zugeständnis das Bewerbungsgespräch mit einer erfolgreichen Gehaltsverhandlung abzuschließen.

3. Tipp für die Gehaltsverhandlung: Seien Sie ehrlich

Wie beim Lebenslauf auch, gilt hier: Bleiben Sie immer ehrlich, wenn Sie im Vorstellungsgespräch nach Ihrem bisherigen Gehalt gefragt werden.

Wenn Sie allerdings das Gefühl haben, dass Sie bislang zu wenig verdient haben, sagen Sie das. Machen Sie im Vorstellungsgespräch bei der Gehaltsverhandlung klar, dass Sie sich finanziell weiterentwickeln wollen.

Ihr Gegenüber wird das respektieren, sofern Sie ihn von sich überzeugen, die richtigen Argumente vorbringenund Ihre Gehaltsvorstellungen im Rahmen seines Budgets liegen.

4. Tipp für die Gehaltsverhandlung: Nicht zu hoch pokern

Für jede neue Stelle steht in der Regel ein bestimmtes Budget zur Verfügung. Wenn Ihre Forderungen weit über diesem Budget liegen, werden Sie die Stelle nicht bekommen – auch wenn Sie der beste Bewerber sind.

Sie sollten bei der Gehaltsverhandlung deshalb nicht nur beachten, wie viel Sie verdienen möchten, sondern auch, wie sehr Sie den Job möchten.

Für spannende Aufgaben oder attraktive Entwicklungsmöglichkeiten lohnt es sich durchaus, auf etwas Geld zu verzichten. Das kann die langfristige Karriereentwicklung sogar unterstützen. In solchen Fällen kann es hilfreich sein, dem Unternehmen daserste Angebotzu überlassen.

Wenn der Personaler weiter fragt und eine genaue Zahl hören will, lassen Sie sich nicht nervös machen. Denn Sie haben sich gut vorbereitet und wissen, welche Gehälter realistisch bezahlt werden.

Halten Sie sich an Tipp Nummer Drei. So bleiben Sie während des gesamten Bewerbungsgesprächs bei der Gehaltsverhandlung flexibel und holen am Ende das Beste für sich heraus.

5. Tipp für die Gehaltsverhandlung: Der perfekte Moment

Nun sitzen Sie im Vorstellungsgespräch und der Termin neigt sich dem Ende, aber der Personaler fragt Sie nicht nach Ihrem aktuellen Gehalt.

Es scheint, als ob er das Thema Gehalt von sich aus gar nicht anspricht. Was sollten Sie tun? Sollten Sie die Frage nach dem Gehalt überhaupt proaktiv stellen? Und wann ist der beste Zeitpunkt?

Wir haben dazu 200 HR-Manager im Rahmen der Robert-Half-Arbeitsmarktstudie befragt. Hier die Ergebnisse:

Wann ist es für Bewerber angebracht, nach dem Gehalt zu fragen?
 
Antworten Gesamt
Im zweiten oder in nachfolgenden Bewerbungsgesprächen 47 %
Während des Bewerbungsprozesses oder im ersten Bewerbungsgespräch 27 %
Im letzten Bewerbungsgespräch oder in der Angebotsphase 22 %
Niemals. Eine Gehaltsdiskussion sollte immer vom Unternehmen ausgehen 4 %

Die gute Nachricht lautet vorneweg: Es ist absolut okay, wenn Sie die Verdienstfrage stellen. Nur 4 % der befragten Personalmanager finden es unangebracht, wenn Bewerber nach dem Gehalt fragen.

Der beste Zeitpunkt ist für knapp die Hälfte der Studienteilnehmer erst ab dem zweiten Vorstellungstermin. In jedem dritten Unternehmen machen Sie aber auch nichts falsch, wenn Sie schon während des Bewerbungsprozesses oder im ersten Gespräch das Gehalt ansprechen.

Generell gilt: Gehen Sie mit etwas Fingerspitzengefühl an das Thema. In der Regel wird Ihr Gesprächspartner das Thema von sich aus ansprechen.

Sollte das nicht passieren und Sie möchten diesen Punkt unbedingt schon im ersten Termin geklärt haben, sprechen Sie es ruhig von sich aus an. Andernfalls warten Sie einfach noch eine Runde ab - und fragen lieber zu Ende des Gesprächs, was die nächsten Schritte sind.

Viel Erfolg für Ihre Vorstellungsgespräch!

 

Übrigens, die Frage nach dem letzten Gehalt ist nicht die einzige kniffelige im Bewerbungsgespräch. Hier finden Sie gute Antworten auf typische Fragen im Vorstellungsgespräch.

Und sollten Sie einfach keine Jobs finden, die zu Ihren Gehaltsvorstellungen passen - dann sehen Sie sich doch einmal in unserer Jobbörse um. Dort finden Sie täglich neue Jobangebote für Fach- und Führungskräfte in ganz Deutschland und in verschiedenen Branchen.

 

 

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Bildquelle: © Sharon McCutcheon - Unsplash.com

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