Wieviel verdienen Sie zurzeit? 7 Tipps für Antworten auf die Gehaltsfrage

Von Christina Holl on 19. Oktober 2020

Sie haben den Job gefühlt schon fast in der Tasche. Dann leitet der Personaler zur Gehaltsverhandlung über und fragt: “Wie hoch ist Ihr aktuelles Gehalt?”. Sie zögern. Darf ein neuer Arbeitgeber überhaupt nach Ihrem alten Gehalt fragen? Und: Dürfen Sie im Vorstellungsgespräch bei dieser Frage lügen, um Ihren Preis nach oben zu treiben? Wir verraten, wie Sie am besten reagieren. 

In diesem Artikel lesen Sie:

Darf Ihr neuer Arbeitgeber nach Ihrem alten Gehalt fragen?

Vorweg: Die Antwort darauf, was Sie vorher verdient haben, hat nichts damit zu tun, ob Sie sich für den neuen Job eignen. Daher ist diese Frage im Vorstellungsgespräch eigentlich unzulässig. Das zur Theorie. In der Praxis stellen sie dennoch viele Personaler, häufig gegen Ende des Vorstellungsgesprächs und zu Beginn der Gehaltsverhandlung. Entsprechend wird Ihre Antwort das weitere Gespräch beeinflussen.

Was sollen Sie also sagen? Selbstverständlich können Sie sich auf das AGG berufen und die Antwort verweigern. Doch damit sammeln Sie wahrscheinlich nicht unbedingt Pluspunkte und könnten sich im schlimmsten Fall selbst aus dem Rennen werfen. Besser ist es, sich im Vorfeld eine clevere Antwort zu überlegen.

Denn vermutlich möchten Sie Ihren neuen Job mit einem Gehaltssprung verbinden. Und haben Sie erst einmal eine Zahl genannt, wird sich die Gehaltsdiskussion in der Regel nicht allzu weit von diesem Betragentfernen. Denken Sie also daran: Sie stecken mit der Antwort einen Rahmen für Ihre Forderungen ab.

Tipp 1: Auf Vereinbarung zur Verschwiegenheit berufen

Sie möchten Ihr aktuelles Gehalt lieber nicht angeben, weil Sie sich beispielsweise unterbezahlt fühlen? Dann versuchen Sie zunächst, das Thema geschickt zu umschiffen. Sie können etwa antworten, dass Sie mit Ihrem bisherigen Arbeitgeber im Hinblick auf Ihr Gehalt Verschwiegenheit vereinbart haben und sich an diese Absprache halten möchten. So beweisen Sie übrigens noch nebenbei Ihre Loyalität als Mitarbeiter. Bringen Sie anschließend ganz diplomatisch den Hinweis an den Personaler:

“Ich bin mir aber sicher, dass wir uns auf ein Gehalt einigen können, mit dem wir beide zufrieden sind.”

Tipp 2: Den eigenen Marktwert kennen und benennen

Sie übernehmen in Ihrem neuen Job einen größeren Verantwortungsbereich oder bauen ein neues Team auf? Dann könnten Sie auch so antworten:

“Das Gehalt in meinem aktuellen Job liegt im üblichen Rahmen. Da ich in Ihrem Unternehmen weit mehr Personalverantwortung übernehmen werde, empfinde ich diesen Betrag als keinen guten Vergleichswert. Ich stelle mir auch hier ein Gehalt im marktüblichen Rahmen für diese Position vor.”

Hakt Ihr Gesprächspartner anschließend nach, wie viel das denn sei, müssen Sie nicht zwingend eine konkrete Zahl nennen. Wenn Sie eine Bandbreite umreißen, etwa mit einer Formulierung wie “Mein Wunschgehalt bewegt sich im Bereich zwischen 45.000 bis 50.000 Euro pro Jahr” signalisieren Sie Verhandlungsbereitschaft.

Gleichen Sie Ihre Gehaltsvorstellung vorab mit dem aktuell üblichen Marktniveau ab. Die kostenlose Gehaltsübersicht von Robert Half zeigt Ihnen, welche Gehälter derzeit in Ihrer Region für IT-, Finance-, Office- und kaufmännische Berufe gezahlt werden.

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Tipp 3: Bisherige Benefits mit einrechnen

Der Personaler lässt nicht locker und drängt auf eine konkrete Zahl? Auch darauf sollten Sie vorbereitet sein. Liegen die Aufgaben und der Verantwortungsbereich im neuen Job auf einem ähnlichen Niveau wie bei Ihrer bisherigen Stelle, kann es sinnvoll sein, diese Frage nach dem bisherigen Gehalt wahrheitsgemäß zu beantworten. Doch nennen Sie dabei nicht nur den Betrag, der auf Ihrer monatlichen Lohnabrechnung steht. Rechnen Sie alles ein, was Sie an Benefits von Ihrem Unternehmen erhalten haben. Also auch Dinge wie Dienstwagen oder -handy, Bonuszahlungen, kostenloses Mittagessen, Fortbildungen und Ähnliches. Antworten Sie beispielsweise so: “Zurzeit liegt meine komplette Kompensation bei rund XY Euro im Jahr.” Mit dieser Aussage antworten Sie wahrheitsgemäß, auch wenn die genannte Summe höher als Ihr eigentliches Gehalt ist.

Dass Sie eine konkrete Zahl genannt haben, sollte Sie aber nicht davon abhalten, im neuen Job ein Gehaltsplus zu fordern. Im Gegenteil: Das Risiko eines Jobwechsels, Ihre Erfahrungen aus einem anderen Unternehmen und eventuelle Spezialisierungen sind schlagkräftige Argumente für einen höheren Gehaltswunsch. Auch wenn Sie damit vielleicht keinen riesigen Gehaltssprung erreichen, können Sie unter Umständen zumindest etwas mehr herausholen. 

Tipp 4: Alternativen anbieten

Es ist nicht immer einfach, in der Gehaltsverhandlung auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Sie sind noch nicht zufrieden mit dem Angebot, der neue Arbeitgeber kann oder möchte aber nicht mehr zahlen? Darauf sollten Sie sich vorbereiten, indem Sie mögliche Alternativen zum Gehaltsplus bereithalten. Überlegen Sie sich etwa, welche Zusatzleistungen für Sie interessant sein könnten:

  • Flexible Arbeitszeiten
  • Zuschüsse zur Ausstattung fürs Home-Office
  • Mitarbeiterrabatte (Bonuskarten, Essensgutscheine)
  • Boni, Weihnachtsgeld oder andere Zulagen
  • zusätzliche Urlaubstage
  • Firmenwagen oder Firmenfahrrad
  • Weiterbildungen
  • Mitarbeiterwohnung oder Unterstützung bei Wohnungssuche
  • Gesundheitsleistungen, wie kostenlose Gesundheitschecks
  • Technische Geräte oder Vorzugskonditionen bei eigenen Produkten
  • Firmenkindergarten

Von solchen Benefits profitieren Sie möglicherweise sogar mehr als von einem etwas höheren Bruttobetrag auf Ihrem Lohnzettel. 

Tipp 5: Ehrlich bleiben

Auch wenn Sie die Frage aus rechtlicher Sicht nicht zwingend beantworten müssen, ist es keine gute Idee, dabei zu lügen, dass sich die Balken biegen. Klar ist es verlockend, aus taktischen Gründen das aktuelle Gehalt ein wenig zu beschönigen, um mehr Geld herauszuholen. Merkt ja niemand, denken Sie? Vielleicht nicht sofort – aber womöglich kann der neue Arbeitgeber dann doch Rückschlüsse auf Ihren vorherigen Verdienst ziehen. Weicht der Betrag deutlich von dem ab, den Sie im Vorstellungsgespräch genannt haben, wirft das kein gutes Licht auf Sie – und sorgt für einen denkbar schlechten Start in den neuen Job.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie bislang zu wenig verdient haben, können Sie das im Vorstellungsgespräch durchaus thematisieren. Machen Sie bei der Gehaltsverhandlung klar, dass Sie sich finanziell weiterentwickeln wollen. Ihr Gegenüber wird das respektieren, sofern Sie mit Ihren Qualifikationen überzeugen, gute Argumente haben und sich Ihre Vorstellung im Gehaltsrahmen des Unternehmens bewegt.

Tipp 6: Bei der Gehaltsverhandlung nicht zu hoch pokern

In der Regel steht schon bei der Ausschreibung fest, wie viel der neue Mitarbeiter maximal kosten darf. Auch wenn Sie gern einen großen Gehaltssprung hätten: Pokern Sie nicht zu hoch! Wenn Ihre Forderungen weit über dem vorgesehenen Budget des Unternehmens liegen, werden Sie die Stelle nicht bekommen – auch wenn Sie der beste Bewerber sind.

Sie sollten bei der Gehaltsverhandlung deshalb nicht nur beachten, wie viel Sie verdienen möchten, sondern auch, wie sehr Sie den Job möchten. Für spannende Aufgaben oder attraktive Entwicklungsmöglichkeiten kann es sich durchaus lohnen, auf etwas Geld zu verzichten. Denn die neuen Erfahrungen bringen auf lange Sicht mehr für Ihre weitere Karriere.

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