Wie Führungskräfte den digitalen Wandel meistern

Von Alenka Mladina 10. Dezember 2019

Führungskräfte müssen zum einen selbst fit für den digitalen Wandel sein. Zum anderen müssen sie ihre Mitarbeiter entsprechend motivieren. Keine leichte Aufgabe – aber eine, die gelingen kann. Was man dafür braucht und warum gerade hier Kommunikation so wichtig ist, verrät Pascal Köth, Director bei Robert Half, im Interview.

Digitaler Wandel: Doppelte Herausforderung für Führungskräfte

Der digitale Wandel ist in vollem Gange und bringt neue technische Möglichkeiten mit sich, die viele Arbeitsabläufe erleichtern können. Bis es soweit ist, müssen Unternehmen sich allerdings vielen Veränderungen stellen. Führungskräfte stehen vor der Herausforderung, selbst mit technischem Wissen up to date zu sein – und gleichzeitig auch ihre Mitarbeiter durch die digitale Transformation zu begleiten.

Welche Voraussetzungen nötig sind, damit Führung im digitalen Wandel gelingt, weiß Pascal Köth, Director bei Robert Half.

Braucht man neue Führungskräfte, damit der digitale Wandel im Unternehmen gelingt?

Pascal Köth: Nein, so kann man das nicht sagen. Die aktuelle Arbeitsmarktstudie von Robert Half zeigt, dass über 80 % der befragten Führungskräfte zuversichtlich sind, den digitalen Wandel mit dem aktuellen Führungsteam erfolgreich umsetzen zu können. Das ist schon mal eine gute Grundlage.

Hinzu kommt: Eine moderne Führungskraft darf ruhig zugeben, wo sie konkret Wissenslücken hat, und sich bei Bedarf Hilfe von Experten holen. Dieser Meinung sind auch 38 % der befragten Manager. Gerade angesichts der grundlegenden Veränderungen, die der digitale Wandel mit sich bringt, muss man sich nicht schämen, wenn man nicht alles weiß.

Wichtig ist es, sich weiterzubilden und externe Hilfe anzunehmen, sich also bei der Gestaltung der digitalen Transformation beraten zu lassen. Erfahrene Interim Manager für Digitalisierungsprojekte können beispielsweise notwendiges Wissen weitergeben, die Produktivität des existierenden Teams steigern und bei der Zielerreichung unterstützen.

Welche Fähigkeiten sind für Führungskräfte im digitalen Wandel besonders wichtig?

Pascal Köth: Ohne Verständnis für technische Abläufe geht es in einem so grundlegenden Transformationsprozess natürlich nicht – das sehen auch die befragten Manager so. Technologisches Verständnis nennen 58 % von ihnen als wichtige Fähigkeit von Führungskräften, 45 % sehen konkretes technisches Know-how als wünschenswert an.

Nun muss natürlich nicht jede Führungskraft auch gleich zum IT-Spezialisten werden und jede Anwendungssoftware im Detail erklären können – aber inwiefern die innerhalb weniger Jahre neu entstandene digitale Infrastruktur die gewohnten Prozesse der Arbeitswelt verändert, sollte ihnen klar sein.

Welche Rolle spielen Soft Skills?

Pascal Köth: Das ist ein weiterer Baustein, der genauso wichtig ist. Um die Mitarbeiter durch den digitalen Wandel zu begleiten, sind soziale Fähigkeiten unerlässlich. Wer nur kommandiert, ist zu einem guten Teil verantwortlich dafür, dass Mitarbeiter unzufrieden sind, weil sie sich zum Beispiel mit ihren Bedenken gegenüber neuen Technologien nicht wahrgenommen fühlen.

Empathie und ein offenes Ohr hingegen können schon viel Positives bewirken. Und das wichtigste Stichwort: Kommunikation. Sie ist der Schlüssel dafür, dass der digitale Wandel in der eigenen Unternehmenskultur wirklich ankommt. Vorgesetzte stehen vor der Aufgabe, die Vorteile der neuen Arbeitswelt für alle Mitarbeiter verständlich und zugänglich zu machen – im Idealfall ganz analog von Mensch zu Mensch.

Wie wichtig Soft Skills bei der Führung im digitalen Wandel sind, zeigt übrigens auch die Robert Half-Arbeitsmarktstudie: Jene Manager, die daran zweifeln, dass die Transformation ihnen mit dem bestehenden Führungsteam gelingt, machen das zu 42 Prozent an unzureichenden sozialen Fähigkeiten der Führungskräfte fest. Zudem befürchten 39 Prozent, dass mangelnde Kommunikation ihrer Leader den digitalen Wandel ausbremst.

Mitarbeiter für den digitalen Wandel motivieren – wie gelingt das?

Pascal Köth: Mitarbeiter müssen von ihren Führungskräften zuallererst “abgeholt” und fortlaufend in den Change-Prozess eingebunden werden. Das ist entscheidend für Erfolg oder Misserfolg der digitalen Transformation.

Dass das in den meisten Fällen eine Herausforderung wird, ergibt die Arbeitsmarktstudie auch ganz klar. 70 % der befragten Manager glauben, dass es schwierig wird, Mitarbeiter in den neuen Technologien zu schulen. Hier zeigt sich ganz klar eine Diskrepanz zwischen Führungsetage und anderen Abteilungen.

Welche konkreten Maßnahmen sind denkbar?

Pascal Köth: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um die Belegschaft fit für den Wandel zu machen: Zwei Drittel der Unternehmen haben bereits ihr Weiterbildungsbudget erhöht und bieten ihren Mitarbeitern individuelle Trainings und Seminare. Zudem werden Weiterbildungskosten erstattet oder digitale Projektteams gebildet.

Das alles gelingt jedoch nur über kluge und klare Kommunikation – denn nur wer es schafft, technisches Know-how zu verbreiten, die Mitarbeiter zu überzeugen und den digitalen Kulturwandel in allen Bereichen des Unternehmens aktiv zu kommunizieren, kann sich selbst als digitalen Anführer bezeichnen.

 

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