Weshalb Sie ein Gegenangebot nie annehmen sollten

Von Alenka Mladina 27. März 2015

So verlockend ein Gegenangebot auch sein mag, Sie sollten es lieber nicht annehmen. Wenn Sie einmal den Entschluss gefasst haben zu kündigen, sollten Sie sich nicht mehr umstimmen lassen. Auch wenn das Angebot auf den ersten Blick sehr reizvoll ist, bringt es doch auch ein paar gefährliche Fallstricke mit sich.

Gerade haben Sie Ihren Chef über Ihre Kündigung informiert und dann bringt er Sie tatsächlich noch einmal zum Grübeln. Denn er legt Ihnen ein attraktives Gegenangebot auf den Tisch: Mehr Gehalt und Unterstützung für die Weiterbildung, auf die Sie bereits seit einem Jahr warten.

Und schwupps, schon hat er sie damit ins Grübeln gebracht. Vielleicht sollten Sie Ihrem alten Job doch noch eine Chance geben? Wer weiß, was Sie im neuen Job erwartet? Bitte, grübeln Sie jetzt nicht weiter! Denn ein Gegenangebot bringt einige Fallstricke mit sich und Sie werden es höchstwahrscheinlich bereuen, es angenommen zu haben.

Warum Arbeitgeber Gegenangebote gern aussprechen

Ein Gegenangebot sprechen Arbeitgeber übrigens sehr häufig aus: 76 % der deutschen Personalmanager unterbreiten wechselwilligen Mitarbeitern ein Gegenangebot - meistens mehr Gehalt. Das geschieht aus genau drei Gründen heraus.

  • Erstens denkt sich Ihr Chef: „Ein anderes Unternehmen hat Interesse an unserem Mitarbeiter. Vielleicht haben wir ihn bisher unterschätzt.“
  • Zweitens hinterlassen Sie eine Lücke, die mit hohem Aufwand und Kosten wieder gefüllt werden muss. Das möchte Ihr Chef natürlich vermeiden und hofft, dass Sie das Gegenangebot annehmen.
  • Und drittens, aktuell haben Unternehmen große Schwierigkeiten, qualifizierte Fach- und Führungskräfte zu finden. Somit ist es für Ihren Arbeitgeber besser, Sie zu halten als neu auf die Suche zu gehen.

Aber nochmal zurück zu Ihrer Frage. Nehmen wir an, das Gegenangebot ist wirklich sehr verlockend und Sie nehmen an. Was passiert?

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Nein zum Gegenangebot, denn die Aufstiegschancen sinken

Ihr Chef ist zunächst glücklich darüber, dass Sie geblieben sind (und ihm eine aufwendige Personalsuche erspart geblieben ist). Also schenkt er Ihnen in nächster Zeit mehr Aufmerksamkeit und findet das ein oder andere lobende Wort.

Über eines sollten Sie sich jedoch keine Illusionen machen: Ihr Arbeitgeber vergisst nicht, dass Sie kurz vor dem Absprung standen. Er wird Sie auch genau beobachten, schließlich sind Sie in seinen Augen jetzt ein Absprungkandidat. Was wird also passieren, wenn die nächste Beförderungsrunde ansteht? Sie werden vermutlich nicht der Favorit sein, sondern der vermeintlich “loyalere” Kollege.

Nein zum Gegenangebot, denn oft ist es eine Hinhaltetaktik

Sie verdienen mehr, haben vielleicht bessere Arbeitszeiten und die Aussicht auf einen attraktiven Bonus. Verständlich, dass Sie darüber nachdenken, das Gegenangebot anzunehmen. Doch lassen Sie sich nicht von einem verlockenden Angebot blenden. Möglich wäre, dass Ihr Arbeitgeber Sie nur so lange halten will, bis er adäquaten Ersatz für Sie gefunden hat. Ihrer Karriereentwicklung ist damit erst einmal ein Riegel vorgeschoben. Können Sie mit dieser Unsicherheit leben?

Nein zum Gegenangebot, denn Ihr Wert wird vermutlich unterschätzt

Ihr Chef bietet Ihnen erst bei Kündigung mehr Gehalt? Warum haben Sie nicht bereits in der letzten Gehaltsrunde mehr bekommen? Hat er Ihren tatsächlichen Wert für sein Unternehmen gar nicht erkannt? Vor allem sollten Sie auch darüber nachdenken, welche Auswirkung die Erhöhung auf zukünftige Verhandlungen hat. Vermutlich wird es beim nächsten Gehaltsgespräch schwerer für Sie, Ihre Forderungen durchzusetzen.

Nein zum Gegenangebot, denn Sie haben aus gutem Grund gekündigt

Die Aussicht auf ein besseres Gehalt ist zweifellos schön. Aber war zu wenig Geld wirklich der Grund, warum Sie wechseln wollten? Das Gehalt ist zwar wichtig, meist liegt aber mehr im Argen, wenn ein Arbeitnehmer ein Unternehmen verlassen will: Keine Karriereperspektiven, schlechte Work-Life-Balance, zu wenig Anerkennung durch die Vorgesetzten, schlechte Stimmung im Team, Unter- oder Überforderung.

Wenn Sie immer noch darüber nachdenken, das Gegenangebot anzunehmen, sollten Sie diese Themen im Gespräch mit dem Personalentscheider auf den Tisch bringen. Ein höheres Gehalt wird Sie nicht glücklich machen, wenn die eigentlichen Probleme woanders liegen.

Nein zum Gegenangebot, denn eine neue Erfahrung wartet auf Sie

Egal, wie attraktiv es erscheint, das Gegenangebot anzunehmen: Verlieren Sie das große Ganze nicht aus dem Blick. Ein besseres Gehalt mag kurzfristig gesehen eine gute Lösung sein. Ist der Verbleib im Unternehmen aber auch mittel- und langfristig gut für Ihre Karriere? Der schnelle finanzielle Aufstieg ist auf lange Sicht nicht immer die beste Wahl. Überlegen Sie unbedingt, in welchem Unternehmen Sie Ihre Karriereziele am besten erreichen können.

Nein zum Gegenangebot, denn es belastet Ihr Verhältnis zu potenziellen anderen Arbeitgebern

Stellen Sie sich vor, Sie haben sich trotz Zusage bei einem neuen Arbeitgeber für das Gegenangebot Ihres alten Arbeitgebers entschieden. Leider entwickelt sich das Szenario beim alten Arbeitgeber dann aber nicht so wie erhofft und Sie tragen sich bald mit neuen Wechselabsichten. Wie erfolgreich, glauben Sie, ist eine Bewerbung bei jenem Unternehmen, dem Sie nach anfänglicher Zusage abgesagt haben? Gut möglich, dass diese Tür für Sie für längere Zeit verschlossen ist.

Nein zum Gegenangebot, denn ein klarer Schnitt hat viele Vorteile

Wenn Sie gute Argumente für einen Jobwechsel haben, wird man das respektieren. Wenn Sie das Gegenangebot annehmen, was meinen Sie, wie wirkt das? Ganz ehrlich, Sie signalisieren Ihrem alten Arbeitgeber, dass sich Ihre Entscheidungen kurzfristig ändern können. Stehen Sie hingegen zur Kündigung und verabschieden sich professionell, werden Ihnen hier die Türen für ein späteres Comeback offen stehen.

Sie sehen, egal wie attraktiv das Gegenangebot auch ist und Sie endlich das angeboten bekommen, für das Sie schon lange gekämpft haben - wenn Sie annehmen, wird Ihre Freude darüber mit hoher Wahrscheinlichkeit von kurzer Dauer sein. Im Gegenteil, in vielen Fällen verlieren Sie damit langfristig mehr, als was Sie kurzfristig gewinnen.

Haben Sie auch schon mal ein Gegenangebot erhalten? Haben Sie Ihre Entscheidung bereut?

Bildquelle: © alphaspirit - Fotolia.com

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