Endlich weniger arbeiten! Mit Downshifting gegen Überarbeitung

Von Alenka Mladina 28. Mai 2019

Führt der Weg vom Job vor lauter Müdigkeit direkt aufs heimische Sofa, liegt das oft an akuter Überarbeitung. Hält der Zustand an, wird er zum Problem – beruflich und privat. Die einfachste Lösung: weniger arbeiten. Was neudeutsch Downshifting heißt, muss natürlich mit den Führungskräften besprochen werden. Das fällt allerdings nicht jedem müden Krieger leicht. Hier gibt es Tipps für das Meeting mit dem Chef.

Überarbeitung: Herausforderung für Mitarbeiter und Management

Digitalisierung und Globalisierung – für manche sind sie ein Segen, für andere ein Fluch. Denn auf der einen Seite fördern beide Effekte Produktivität und Gewinn, was gut für die Unternehmen ist. Auf der anderen Seite krempeln sie traditionelle Arbeitsabläufe um, was für die Beschäftigten oftmals anstrengend ist.

Zwar erleichtern ihnen neue Technologien die Arbeit und befreien sie beispielsweise dank Künstlicher Intelligenz von monotonen Tätigkeiten. Andererseits ist es in vielen Branchen zu einer deutlich höheren Taktzahl gekommen als früher. Prozesse auf allen Ebenen werden verschlankt, Ergebnisse schneller erwartet.

Doch nicht nur die Tempoverschärfung ist eine Herausforderung. Auch die Beschäftigungsstruktur wandelt sich stark. Neue Technologien erfordern neue Skills, die neue Kollegen oft schon mitbringen - langjährige Mitarbeiter sich aber erst aneignen müssen. Das erhöht den Konkurrenzdruck und verunsichert manch verdiente Kraft.

Die häufigsten Belastungen für Fachkräfte heute sind:

  • starker Termindruck
  • schlechtes Arbeitsklima
  • emotionaler Stress
  • Überstunden
  • ständige Erreichbarkeit

Daraus kann Dauerstress entstehen, der nicht nur auf die Motivation schlägt, sondern auch gesundheitliche Risiken wie einen Burnout oder Depressionen birgt. 

Weniger arbeiten, mehr leben – ist das wirklich die Lösung?

Gegen Überarbeitung gibt es eine Menge Tipps. Empfohlen wird zum Beispiel, sich dem Konkurrenzdruck zu entziehen, das Problem im Büro zu lassen oder mehr Freizeitaktivitäten zu unternehmen.

Das sind grundsätzliche gute Ratschläge. Aber sie sind leider oft leichter gesagt als getan. Da kann Downshifting manchmal einfacher – und zielführender – sein. Aber deshalb ist es noch lange kein Allheilmittel. 

Wer meint, dass er beruflich kürzer treten muss, sollte zuvor Ursachenforschung betreiben. Die Angelegenheit will gut überlegt sein. Schließlich bedeutet “weniger arbeiten, mehr leben” in der Regel auch weniger Gehalt.

Stehen auch Sie vor dieser Entscheidung, nehmen Sie sich genügend Zeit für die Analyse:

  1. Am Anfang geht es darum, Ihre Situation greifbar zu machen. Denn oft zeigt sich Überarbeitung nur auf diffuse Weise. Deshalb sollten Sie die Diagnose schrittweise angehen. Dazu gehört zunächst die begründete Erkenntnis, dass Sie sich tatsächlich wegen der Arbeit unwohl fühlen. Treten bei der Selbstbetrachtung stattdessen zum Beispiel private Gründe für Ihre missliche Lage zu tage, wird Ihnen Downshifting kaum helfen.
     
  2. Sobald klar ist, dass Ihr Problem beruflicher Art ist, kreisen Sie es ein. Gehen Sie der Frage nach, warum Sie sich ausgelaugt fühlen. Liegt es an der Arbeit selbst, an Überforderung, allgemeinem Termindruck oder eventuell am Betriebsklima? Es können mehrere Umstände sein, die Ihnen zu schaffen machen.

Analysieren: Wege aus der Überarbeitung suchen

Haben Sie die Auslöser für Ihre Misere gefunden, sollten Sie damit allein noch nicht das Gespräch mit dem Chef suchen. Die platte Forderung: “Ich brauche mehr Freizeit und weniger Arbeit” bringt Sie nämlich kaum weiter. Sinnvoller ist es, zusätzlich eigene Lösungsvorschläge zu präsentieren. 

Gehen Sie also in sich und überlegen Sie, wie Downshifting in Ihrem Fall konkret aussehen könnte. Hier einige Beispiele:

  • Gibt es Aufgaben, die Ihnen besonders stark zusetzen, dann übernehmen Sie stattdessen andere.
  • Leiden Sie unter zu großer Verantwortung, etwa weil Sie ein Team leiten, dann geben Sie Teile davon ab.
  • Weniger arbeiten ist vielleicht nur eine Alternative. Könnte Ihnen auch Home Office helfen oder eine flexiblere Arbeitszeit?
  • Eventuell sorgt eine Weiterbildung für weniger Stress, weil Sie danach Ihre Aufgaben besser beherrschen.
  • Auch eine Versetzung in eine andere Abteilung ist denkbar.

Diskutieren: Downshifting mit dem Chef besprechen

Sie sehen: Downshifting bedeutet nicht immer nur, nach der Uhr weniger zu arbeiten. Aber natürlich steht das in Form von Teilzeit meistens im Mittelpunkt. 

Doch was auch immer in Ihrem Fall helfen mag – sie müssen es früher oder später mit Ihrem Vorgesetzten klären. Mit ein paar fundierten Lösungsansätzen in der Tasche sind Sie für das entsprechende Treffen bereits gut vorbereitet.

Fühlen Sie sich gewappnet, gehen Sie zu Ihrer Führungskraft und erklären kurz Ihr Anliegen.

  • Vielleicht können Sie dazu das nächste Mitarbeitergespräch nutzen. 
  • Bitten Sie andernfalls um ein Meeting von angemessener Dauer. Das Thema lässt sich kaum zwischen Tür und Angel oder innerhalb weniger Minuten besprechen. Eine halbe Stunde sollte es mindestens sein. 
  • Ideal ist es, wenn der Vorgesetzte keinen direkten Anschlusstermin hat und sich Ihnen ohne Zeitdruck widmen kann.

Bringen Sie Ihre Situation vor, die Sie mit Downshifting verbessern wollen, und unterbreiten Sie dazu Ihre Ideen. Achtung: Ihr Gegenüber sollte nicht den Eindruck gewinnen, dass es Ihnen nur um mehr Freizeit und weniger Arbeit geht. Deshalb schildern Sie Ihre Notlage so detailliert, wie es Ihnen angebracht erscheint. 

Kontrollieren: Downshifting-Erfolg nachprüfen

Haben Sie Ihre Situation und Ihre Lösungsvorschläge vorgebracht und zeigt die Führungskraft sich aufgeschlossen, dann überlegen Sie gemeinsam, wie es für Sie im Unternehmen weitergehen kann. 

Entwickeln Sie aus dem Gespräch konkrete Maßnahmen und vereinbaren Sie auf deren Basis neue Rahmenbedingungen für Ihre Arbeit. Denkbar ist ein Modell mit verschiedenen Etappenzielen, die innerhalb festgelegter Fristen erreicht werden sollen. 

  • Idealerweise halten Sie das Ergebnis schriftlich fest und besiegeln die Abmachung jeweils mit einer Unterschrift.
  • Allerdings: Papier ist geduldig. Deshalb sollten Sie nicht nur die Übereinkunft dokumentieren, sondern auch deren Umsetzung. Führen Sie also Buch über die Fortschritte oder Rückschritte bei Ihrem Downshifting. 
  • Stellen sich nach einiger Zeit nicht die erhofften Effekte ein oder ergibt sich ein anderes Vorgehen als sinnvoller, dann reden Sie erneut mit Ihrem Chef.

 

Blitzen Sie mit Ihren Downshifting-Plänen bei Ihrem Vorgesetzten ab, sollten Sie sich überlegen, ob ein Jobwechsel der nächste Schritt ist. Denn auf Dauer schadet Ihnen die Überarbeitung zu stark. 

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Bildquelle: © punttim - Unsplash.com

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