Was treibt Sie an? Und was Personaler auf diese Frage am liebsten hören

Von Alenka Mladina 10. Januar 2019

Für Arbeitgeber zählt nicht nur die Qualifikation eines Bewerbers. Mindestens genauso wichtig ist die Motivation, mit der jemand an seine Arbeit geht. Kein Wunder also, dass Personaler im Vorstellungsgespräch Ihre Leistungsbereitschaft genau abklopfen. Dabei können Sie punkten!

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Typische Fragen zur Motivation im Vorstellungsgespräch

Was treibt Sie bei der Arbeit an?“ – diese Frage ist ein Klassiker im Vorstellungsgespräch. Selbst wenn der Personaler auf der anderen Seite des Tisches nicht ganz so direkt fragt, wird er Ihre Motivation zum Arbeiten im Gespräch abklopfen. Manche Personalverantwortliche gehen dabei etwas subtiler vor.

All diese Fragen zielen letztlich darauf ab, herauszufinden, wie es um Ihre Motivation steht. Nachvollziehbar, dass Arbeitgeber auf unmotivierte Mitarbeiter, die ihren Einsatz auf das Nötigste beschränken, gerne verzichten würden. Und ihre offenen Stellen stattdessen lieber mit einem Bewerber besetzen, der für den Job brennt.

„Love what you do“ – innerer Antrieb wichtiger als Ehrgeiz

Fragt sich nur, wie Sie Ihrem Gesprächspartner zeigen, dass Sie motivierter sind als Ihre Mitbewerber. Können Ihre ehrgeizigen Karriereziele den zukünftigen Arbeitgeber überzeugen? Oder sollten Sie lieber argumentieren, dass Sie berufliche Erfolge und die Anerkennung zu Höchstleistungen antreiben? 

Einer aktuellen Studie der beiden US-amerikanischen Managementforscherinnen Kaitlin Woolley und Ayelet Fishbach zufolge sind Bewerber mit diesen oder ähnlichen Antworten oft auf dem Holzweg. Sie fanden heraus, dass es Personaler viel mehr beeindruckt, wenn Menschen aus intrinsischer Motivation heraus zur Arbeit gehen – also einfach aus einem inneren Antrieb heraus, weil sie ihre Arbeit gerne machen. 

Überrascht? Das waren die Bewerber in den Experimenten der beiden Forscherinnen auch. Sie gingen nämlich davon aus, dass Personalentscheider eine hohe Motivation eher an Antworten wie „Ich messe mich gerne mit anderen“ oder „Berufliche Erfolge treiben mich an, ich möchte Karriere machen“ festmachen würden. Dass eine Antwort wie „Mir macht meine Arbeit einfach Spaß“ einen Personaler im Job-Interview beeindrucken würde, davon gingen nur die wenigsten aus.

Echtes Feuer statt halbgarer Wahrheiten: Motivation im Vorstellungsgespräch glaubhaft rüberbringen

Die beiden Wissenschaftlerinnen empfehlen Bewerbern, die Gesprächssituation einmal durch die Augen des Gesprächspartners zu sehen und sich zu fragen, welcher Kandidat sie mehr überzeugen würde: Derjenige, der durch seine ambitionierten Karriereziele angetrieben wird oder der, dem seine Arbeit wichtig für sein Selbstbild ist?

Eigenmotivation kommt also gut an. Doch wie bringen Sie die überzeugend rüber? Wenn Sie den Job vor allem wegen des Geldes oder der Sicherheit wollen, vermutlich gar nicht. Auch wenn Sie noch so sehr betonen, dass Sie Ihre Arbeit lieben oder sie als sinnstiftend empfinden: Ist dies eine Lüge, wird ein guter Personaler sie sehr schnell durchschauen.

Was motiviert mich? Machen Sie sich Ihren inneren Antrieb bewusst

Bei der Frage nach der Motivation bei der Arbeit können Sie mit echter Leidenschaft punkten und sich von den Mitbewerbern abheben. Wenn Sie wirklich für etwas brennen, werden Sie Ihren Gesprächspartner automatisch mitreißen.

Oft ist es allerdings gar nicht so einfach, mal eben aus dem Ärmel zu schütteln, was einen antreibt. Stellen Sie sich der Frage „Was motiviert mich?“ vor dem Vorstellungsgespräch und seien Sie dabei ehrlich zu sich selbst. Eine gute Möglichkeit sich der Antwort zu nähern, sind kleine Hilfsfragen:

  • Was ist mir richtig wichtig im Leben?
  • Wofür engagiere ich mich besonders?
  • Wo investiere ich am meisten Herzblut?
  • Was fällt mir besonders leicht? Und warum?
  • Worauf möchte ich nicht verzichten?
  • Welche Tätigkeiten empfinde ich als sinnvoll?
  • Warum pflege ich meine Hobbys?
  • Wann fühle ich mich ausgebremst?

Betrachten Sie Ihre Antworten. Es geht sowohl darum, was Sie gerne machen, aber auch darum, was Sie gut können. Möglicherweise lassen sich in Ihren persönlichen Turboladern sogar echte Stärken und Talente entdecken, die Ihnen noch gar nicht richtig bewusst waren.

Keine Angst vor der Frage nach der Motivation im Vorstellungsgespräch: gute Antworten

Die gute Nachricht: Letztendlich gibt es bei der Frage nach der Motivation im Vorstellungsgespräch keine falschen Antwortensolange Sie ehrlich bleiben und nicht eine Antwort konstruieren, von der Sie meinen, dass ein Personaler sie gerne hören würde. Gut ist es, wenn Sie Ihre Antworten mit konkreten Beispielen aus Ihrem Arbeitsalltag verknüpfen. Das kann möglicherweise so aussehen:

„Mich erfüllt es mit Stolz, wenn ich eine Herausforderung gut gemeistert habe. Das motiviert mich, neue Aufgaben anzugehen. Weil ich bei meinem jetzigen Arbeitgeber das Tagesgeschäft schnell und gut im Griff hatte, konnte ich schon bald Sonderaufgaben übernehmen.“

„Programmieren hat mich schon immer fasziniert. Mich begeistert einfach, was aus Code alles entstehen kann. Den Weg von den ersten Codezeilen zu einem innovativen Produkt zu gehen, ist schon beeindruckend. Und ich glaube, dass Ihr Unternehmen als Innovationstreiber ein guter Ort ist, um meine Leidenschaft auszuleben.“   

„Meine Neugier treibt mich an. Ich finde es spannend, immer wieder in neue Situationen geworfen zu werden, unterschiedliche Unternehmenskulturen kennenzulernen und jeden Tag mit anderen Herausforderungen konfrontiert zu werden. Deshalb habe ich mich für eine Karriere als Interim-Manager entschieden.“

Wenn Sie ehrlich über Ihre Leidenschaften sprechen und diese auf den Job beziehen, sind Sie automatisch überzeugend. Zeigen Sie dem Personaler, woran Ihr Herz hängt. Das sprichwörtliche Funkeln in Ihren Augen wird ihn mehr überzeugen als jede auswendig gelernte Standardantwort aus einem Bewerbungs-Ratgeber. Den Satz „Ich haben den Ehrgeiz, im Job immer der Beste zu sein“ hat er vermutlich schon in unzähligen Varianten von Ihren Mitbewerbern gehört.

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Bildquelle: © goian - Unsplash.com

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