Was die Länge über ein Vorstellungsgespräch aussagt

Von Christina Holl on 8. Dezember 2021
Geschätzte Lesedauer: 4 Minuten

Sie haben noch gar nicht alles über Ihrer Qualifikationen erzählt, da beendet Ihr Gegenüber das Vorstellungsgespräch bereits wieder. Bedeutet das jetzt, dass Sie das Unternehmen bereits vollends überzeugt haben? Oder eher, dass Sie voll versagt haben? Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Doch ein wenig Aufschluss kann die Dauer eines Bewerbungsgesprächs schon darüber geben, wie Sie angekommen sind.

Wie lange dauert ein Vorstellungsgespräch?

Viele Unternehmen setzen 60 Minuten für ein erstes Gespräch mit interessanten Bewerbenden an. Abhängig von der jeweilige Position, werden teilweise aber auch kürzere oder längere Termine von 30 bis 90 Minuten Dauer geplant. Grundsätzlich gilt: Je komplexer und verantwortungsvoller die Position ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass das Vorstellungsgespräch länger geht. Denn hier müssen mehr Qualifikationen abgeklopft werden. Für einfachere Stellen, etwa für Werkstudent*innenjobs oder Aushilfstätigkeiten, setzen die Verantwortlichen hingegen häufig kürzere Termine an. 30 Minuten sind als grober Richtwert für die Mindestdauer zu betrachten.

Professionell geführte Vorstellungsgespräche folgen einem festen Ablauf, ihre Dauer steht deshalb bereits im Vorfeld fest. Zudem haben viele Personalverantwortliche einen engen Terminplan, sodass die veranschlagte Zeit zwingend eingehalten werden muss. Daher hat die Gesprächsdauer nur begrenzt Aussagekraft. Interessant wird es vor allem dann, wenn das Gespräch kürzer oder länger als geplant ausfällt.

Kurz und gut? Gilt bei Vorstellungsgesprächen eher selten

Der typische Ablauf eines Vorstellungsgesprächs sieht zunächst eine kurze Smalltalk-Phase zur Auflockerung vor. Im Anschluss präsentiert sich das Unternehmen kurz, danach werden Sie gebeten, etwas über sich und Ihre bisherige Karriere zu erzählen. Anschließend ist Zeit für eine Fragerunde eingeplant. Bleibt diese jedoch aus und das Gespräch wird bald nach ihrer Selbstpräsentation beendet, heißt das nicht, dass Sie so überzeugend waren, dass keine Fragen mehr offen sind.

Wahrscheinlicher ist, dass Sie mit Ihrem Auftritt den guten ersten Eindruck Ihrer Bewerbungsunterlagen zunichtegemacht haben. Ihre Gesprächspartner*innen sind sich womöglich bereits sicher, dass Sie nicht zum Unternehmen passen. Warum also das Gespräch noch unnötig in die Länge ziehen, wenn die Entscheidung ohnehin schon so gut wie gefallen ist?

Ein Gespräch kann aber auch kürzer als geplant ausfallen, weil Bewerbende kaum etwas über sich erzählen und ihnen jede Information mühsam entlockt werden muss. Das Gespräch verläuft zäh und ist für beide Seiten unangenehm. Die Chemie stimmt einfach nicht, auch das kann passieren. Und dann mach es wenig Sinn, sich weiter zu quälen. So oder so: Endet ein Vorstellungsgespräch schon nach 20 Minuten, ist das in der Regel ein Signal, dass es zwischen Ihnen und dem Unternehmen nicht passt. 

Langes Vorstellungsgespräch = gutes Zeichen?

Heißt das im Umkehrschluss, dass ein langes Vorstellungsgespräch ein gutes Zeichen ist? Tendenziell ja, aber auch hier gibt es Einschränkungen. Es kommt auch darauf an, warum das Gespräch länger dauert. Bei Personalprofis können Sie davon ausgehen, dass sie so versiert in der Gesprächsführung sind, dass sie die veranschlagte Zeit einhalten. Sie wissen, wie man ausschweifende Persönlichkeiten bremst und schüchterne Zeitgenossen aus der Reserve lockt.

Ist Ihr Gegenüber allerdings kein*e Recruiting-Spezialist*in, sondern beispielsweise eine Führungskraft aus der Fachabteilung, in der die Position angesiedelt ist, oder ein Mitglied der Geschäftsführung, sieht es möglicherweise anders aus. Dann kann die Länge (oder Kürze) des Vorstellungsgesprächs mangelnder Erfahrung in der Gesprächsführung geschuldet sein. Vielleicht war der*die Unternehmensverantwortliche einfach nicht in der Lage, den Redefluss des*der Bewerbenden zu stoppen, obwohl eigentlich schon klar war, dass die Qualifikationen doch nicht ausreichen.

Geht das Gespräch hingegen länger, weil ein Personalprofi viele Rückfragen gestellt und Sie auch bei ausführlichen Antworten nicht gebremst hat, können Sie das meist als Zeichen von Interesse interpretieren. Gleiches gilt, wenn über einem intensiven beiderseitigen fachlichen Austausch die Zeit in den Hintergrund gerückt ist.

Nicht von der Dauer verrückt machen lassen

Ein langes Vorstellungsgespräch kann also ein gutes Zeichen sein, ist es aber nicht in jedem Fall. Genauso muss ein kurzes Gespräch nicht immer schlecht sein. Ein Beispiel aus der Praxis: Während eines Vorstellungsgesprächs mit der IT-Verantwortlichen eines Unternehmens werden dessen Server angegriffen. Auf ihrem Smartphone geht ein entsprechender Alert ein. Verständlich, dass sie in dieser Situation Dringendes zu tun hat und das Gespräch abbricht, obwohl es bis dahin durchaus vielversprechend verlaufen sein kann. 

Es gibt unzählige Gründe, warum ein Gespräch kürzer ausfällt als ursprünglich geplant. Lassen Sie sich also nicht verrückt machen von der Frage, wie lange ein gutes Vorstellungsgespräch geht. Verlassen Sie sich lieber auf Ihr Bauchgefühl:

  • Waren Sie und Ihre Gesprächspartner sich sympathisch?
  • Gefällt Ihnen, was Sie über das Unternehmen erfahren haben?
  • Klingt der Job immer noch interessant?

Das alles sind Indizien für ein gutes Vorstellungsgespräch. Bleiben Sie einfach entspannt und warten Sie die Rückmeldung ab. Und falls es nicht klappt, war es vielleicht doch nicht die richtige Stelle für Sie. Unsere Personalberater helfen Ihnen gerne, den Job zu finden, der wirklich zu Ihnen passt. Laden Sie einfach unverbindlich ihren Lebenslauf hoch.

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