Quickie oder Talkshow: Was die Länge über ein Vorstellungsgespräch aussagt

Von Alenka Mladina 27. Dezember 2018

Romantisch sind Bewerbungsgespräche selten, aber ansonsten gibt es durchaus Parallelen zu einem ersten Date. Vorher Herzklopfen, dann ein erstes Abklopfen auf gemeinsame Interessen, Vorstellungen und Werte – und der Wunsch, einen Eindruck zu hinterlassen. Hinterher die bange Frage: Habe ich mich gut verkauft?

Sowohl beim Date als auch beim Vorstellungsgespräch kann die Länge des Treffens schon einen ersten Hinweis geben, wie Sie bei Ihrem Gegenüber angekommen sind.
 

Das erste Date mit dem potenziellen Arbeitgeber: Wie lange dauert ein Vorstellungsgespräch?

Anders als beim ersten Date, steht die Dauer eines Vorstellungsgesprächs schon im Vorfeld grob fest. 45 bis 60 Minuten sind Standard. Manchmal werden auch nur 30 Minuten angesetzt – oft handelt es sich dann um eher einfache Jobs.

Bewerbungsgespräche folgen in der Regel einem bestimmten Ablauf. Deshalb ist ihre Länge recht einheitlich.

Abweichungen von dieser Standardlänge sind durchaus möglich. Letztlich hängt die Länge ab von der Anzahl der Fragen und der Ausführlichkeit der Antworten.

45 bis 60 Minuten sind Standard für ein Vorstellungsgespräch.

Doch was bedeuten Ausreißer nach untern ober oben? Bedeutet ein kurzes Bewerbungsgespräch, dass Sie den Arbeitgeber vollends überzeugt haben? Oder eher das Gegenteil?

Kurzes Bewerbungsgespräch: Volltreffer oder voll daneben? 

Der typische Ablauf eines Vorstellungsgesprächs sieht vor, dass es zunächst eine kurze Smalltalk-Phase zur Auflockerung gibt. Dann werden Sie gebeten, etwas über sich und Ihre bisherige Karriere zu erzählen.

Sie legen los, berichten von Ihren herausragenden Leistungen und beruflichen Erfolgen. Rückfragen der Personaler müssen warten, schließlich haben Sie hier einiges zu berichten. 

Am Ende Ihres Monologs bleiben die Fragen allerdings aus. Stattdessen wird Ihnen von Ihren Gesprächspartnern noch kurz das Unternehmen vorgestellt und dann ist das Gespräch auch schon beendet – obwohl gerade erst eine halbe Stunde vergangen ist.

Sie haben offenbar einen überzeugenden Auftritt hingelegt und Ihre Gesprächspartner so beeindruckt, dass gar keine Fragen mehr offen geblieben sind, oder? Eher nicht!

Ein sehr kurzes Vorstellungsgespräch ist nicht unbedingt ein gutes Gespräch

Wahrscheinlicher ist, dass Sie mit Ihren Auftritt den guten ersten Eindruck, den Ihre Bewerbungsunterlagen hinterlassen haben, zunichte gemacht haben.

Der Personaler ist sich möglicherweise schon sicher, dass Sie nicht zum Unternehmen passen. Warum also das Gespräch noch unnötig in die Länge ziehen, wenn die Entscheidung ohnehin schon so gut wie gefallen ist?

Aber auch der umgekehrte Fall kann dafür sorgen, dass ein Vorstellungsgespräch kürzer ausfällt als ursprünglich angesetzt: Dem Bewerber muss jede Information aus der Nase gezogen werden. Er antwortet kurz und knapp. Das Gespräch verläuft sehr zäh – und in den meisten Fällen dann auch kurz.

Hier stimmt die Chemie offensichtlich einfach nicht. Das kann – wie bei einem ersten Date mit dem vielversprechenden Flirt – passieren. Und auch das ist dann meist schnell vorbei.

Länge ist nicht alles: Nicht verrückt machen lassen

Wie lange ein Vorstellungsgespräch dauert, hängt also von beiden Seiten – dem Bewerber und dem Personalverantwortlichen ab.

Bei Personalprofis können Sie davon ausgehen, dass sie so versiert in der Gesprächsführung sind, dass sie die veranschlagte Zeit einhalten. Sie wissen, wie man ausschweifende Persönlichkeiten bremst und schüchterne Zeitgenossen aus der Reserve lockt.

Ist Ihr Gesprächspartner allerdings kein geschulter Personalprofi, sondern beispielsweise der Geschäftsführer eines kleineren Unternehmens, sieht die Sache anders aus.

Dann kann die Länge (oder Kürze) des Vorstellungsgesprächs seiner mangelnden Erfahrung in diesem Bereich geschuldet sein.

Vielleicht war er einfach nicht in der Lage, einen Bewerber in dessen Redefluss zu stoppen. Deshalb ist das Treffen womöglich länger ausgefallen, obwohl schon früh im Gespräch klar war, dass es einfach nicht passt.

Nicht immer muss ein langes Vorstellungsgespräch also ein gutes Zeichen sein. Genauso muss ein kurzes Gespräch nicht in jedem Fall schlecht sein.

Angenommen während Ihres Vorstellungsgesprächs mit dem IT-Verantwortlichen eines Unternehmens werden dessen Server angegriffen. Sobald er den entsprechenden Alert erhalten hat, hat er womöglich Dringenderes zu tun, als das Gespräch mit Ihnen fortzuführen.

Vor allem, wenn er ohnehin schon überzeugt ist, dass Sie der Richtige für den Job sind. Es gibt unzählige Gründe, die dafür sorgen können, dass ein Gespräch kürzer ausfällt als ursprünglich geplant. 

Lassen Sie sich also nicht verrückt machen von der Frage, wie lange ein gutes Vorstellungsgespräch geht. Verlassen Sie sich lieber auf Ihr Bauchgefühl:

  • Waren Sie und Ihre Gesprächspartner sich sympathisch?
  • Gefällt Ihnen, was Sie über das Unternehmen erfahren haben?
  • Klingt der Job immer noch interessant?

Wenn das alles zutrifft, kann es ein Indiz sein, dass es zwischen Ihnen und dem potenziellen neuen Arbeitgeber „gefunkt“ hat. 

Sind Sie durch das Thema neugierig geworden, wie wohl ein Vorstellungsgespräch in Ihrem Fall aussähe? Wenn Sie für die vorgeschaltete Bewerbungsphase noch Motivation benötigen, wie wäre es mit dem Gehaltsaspekt? Ob Sie aktuell im Vergleich genug verdienen, erfahren Sie in unserem Gehaltsüberblick für Fach- und Führungskräfte im Finanz-, IT- und adminstirativen Bereich:

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