Kompromisslos oder butterweich: Wie Chefs führen

Von Alenka Mladina 3. Februar 2020

Autoritär, kooperativ oder Laissez-faire: Abhängig vom jeweiligen Führungsstil fällt das Verhalten von Vorgesetzten gegenüber ihren Mitarbeitern höchst unterschiedlich aus. Und nicht immer passt es zum Unternehmen. Welche klassischen Arten von Führungsstilen es gibt und wie Sie am besten auf den Stil Ihres Vorgesetzten reagieren, verraten wir Ihnen hier. 

  • Führungsstil wirkt sich auf das Verhalten von Angestellten aus
  • Führungsstil nicht nur eine Frage des Charakters
  • Verschiedene Arten von Führungsstilen seit dem frühen 20. Jahrhundert bekannt
  • Autoritärer Führungsstil: Was der Chef sagt, ist Gesetz
  • Kooperativer Führungsstil: Alle entscheiden mit
  • Laissez-faire Führungsstil: Wenn der Chef kein Chef sein will
  • Situativer Führungsstil: Der Mix macht’s

Führungsstil wirkt sich auf das Verhalten von Angestellten aus

Nehmen wir an, Sie haben in Ihrem Job eine interessante Idee, die das Unternehmen einen entscheidenden Schritt voranbringen kann. Doch Ihr Vorgesetzter hat eine komplett andere Vorstellung und bügelt Ihren Vorschlag gnadenlos ab.

Wie reagieren Sie? Akzeptieren Sie die Ansage des Chefs und machen einen Rückzieher? Oder diskutieren Sie die Entscheidung, weil Sie überzeugt sind, dass Ihr Vorgesetzter falsch liegt?

Ihr Vorgehen hängt sicherlich auch von seinem Führungsstil ab. Wenn Sie wissen, dass neue Ideen gewünscht oder sogar belohnt werden, wird Sie nichts davon abhalten, diese kundzutun und auch bei Einwänden zu vertreten.

Erwarten Sie hingegen, dass Ihr Vorgesetzter Sie in sein Büro zitiert, weil er seine Autorität durch Ihren Vorschlag infrage gestellt sieht? Dann behalten Sie Ihre Idee womöglich lieber für sich.

Sie sehen allein an diesem Beispiel: Mitarbeiterführung hat ganz entscheidende Auswirkungen auf das Verhalten von Mitarbeitern – und auf deren Motivation und Leistungsfähigkeit

Führungsstil nicht nur eine Frage des Charakters 

Dabei ist der Führungsstil nicht nur eine Frage des Charakters. Denn Führungskräfte stehen immer in der Verantwortung, die Unternehmensziele durch ihre Einflussnahme bei ihren Mitarbeitern umzusetzen. Wie das am besten gelingt, ist pauschal nicht zu beantworten. Hier spielen viele verschiedene Aspekte eine Rolle, zum Beispiel die Unternehmensgröße, die Branche, die Herkunft der Mitarbeiter und ihre Altersstruktur. 

Auch die Art, wie die Unternehmensleitung die Firma führt, beeinflusst leitende Mitarbeiter auf den mittleren und unteren Führungsebenen. Bei einer sehr konservativen, autoritären Geschäftsführung wollen vielen Führungskräfte nicht durch einen komplett gegensätzlichen Führungsstil gegenüber ihrer Abteilung anecken.

Verschiedene Arten von Führungsstilen seit dem frühen 20. Jahrhundert bekannt

Die klassische Art und Weise, Führungsstile zu kategorisieren, basiert auch noch heute auf den Arbeiten des Psychologen Kurt Lewin und des Soziologen Max Weber, die aus dem frühen 20. Jahrhundert stammen. Doch natürlich haben Wissenschaftler seitdem weiter die Verhaltensweisen studiert, die Vorgesetzte einem einzelnen Mitarbeiter oder auch einer Gruppe von Mitarbeitern entgegenbringen.

Aus all diesen Forschungen lassen sich diverse Führungsstile ableiten, die in Unternehmen praktiziert werden. Vier klassische Arten von Führung finden Sie hier in der Übersicht.

Autoritärer Führungsstil: Was der Chef sagt, ist Gesetz

Beim autoritären Führungsstil, auch autokratischer oder direktiver Führungsstil genannt, gibt der Vorgesetzte klare Anweisungen, delegiert Aufgaben und überprüft die Ergebnisse weitreichend. Eigenverantwortliches Handeln der Mitarbeiter oder gar Widerspruch wird nur in Grenzen akzeptiert. 

Die Motivation und Leistungsbereitschaft der Angestellten resultiert in erster Linie aus dem Gehalt, aus Respekt oder sogar aus Angst vor Nachteilen, zum Beispiel der Übernahme unbeliebter Aufgaben bis hin zum Jobverlust.

Diese Art des Führens gilt vielerorts als überholt, wird aber in Branchen mit klaren Hierarchien noch angewandt. Wenngleich natürlich in abgeschwächter, modernisierter Form.

Tipps zum Umgang mit einem autoritären Führungsstil: Machen Sie genau das, was Ihr Chef verlangt, und machen Sie es gut. Dafür müssen zumindest auch nicht mehr leisten, als gefordert wird.

Halten Sie sich an die Zielvorgaben, drücken Sie sich kurz und klar aus und schweifen Sie nicht von Ihrer Kernaufgabe ab. Eigeninitiative ist hier kaum gefragt. Wenn Sie möchten, dass Ihr Chef Ihnen tatsächlich zuhört, müssen Sie mitunter ein paar psychologische Tricks anwenden.

Kooperativer Führungsstil: Alle entscheiden mit

Der kooperative Führungsstil, auch demokratischer Führungsstil genannt, ist genau das Gegenteil des autoritären Führungsstils. Entscheidungen werden hier gemeinschaftlich getroffen, auch wenn der Vorgesetzte im Zweifel das letzte Wort hat.

Insofern bekommen auch Mitarbeiter ohne Führungsaufgaben Entscheidungskompetenz zugesprochen. Mitunter langwierigen Entscheidungsfindungsprozessen stehen eine Vielzahl von Vorteilen gegenüber: Das Unternehmen profitiert durch eine hohe Motivation, Eigenverantwortung und Kreativität der Mitarbeiter. Zudem wird der Vorgesetzte selbst entlastet.

Tipps zum Umgang mit einem kooperativen Führungsstil: Denken Sie bei jeder Aufgabe über den Tellerrand hinaus und bringen Verbesserungsvorschläge und eigene Ideen mit ein. Teamfähigkeit ist gefragt: Denken Sie nicht nur an das Erreichen Ihrer eigenen Ziele, sondern haben Sie immer das große Ganze im Auge.

Laissez-faire Führungsstil: Wenn der Chef kein Chef sein will

Verfechter des Laissez-faire Führungsstils halten sich mit jeglicher Führung weitgehend zurück. Mitarbeiter arbeiten überwiegend selbstständig und treffen ihre Entscheidungen ohne Absprache mit dem Vorgesetzten. 

Das kann funktionieren, wenn sich die Mitarbeiter gut selbst organisieren können und über so hohe Eigenmotivation und Kompetenzen verfügen, dass eine Führungskraft entbehrlich ist.

Eine Weiterentwicklung der Mitarbeiter ist bei diesem Stil jedoch schwierig. Zudem ist die Gefahr groß, dass es aufgrund fehlender Ansagen und klarer Verantwortlichkeiten zu chaotischen Verhältnissen kommt. 

Tipps zum Umgang mit einem Laissez-faire Führungsstil: Nutzen Sie das Machtvakuum nicht aus, um auf Sparflamme zu arbeiten – das bringt weder Sie noch Ihr Unternehmen nach vorne.

Organisieren Sie sich selbst und halten engen Kontakt zu Ihren Kollegen, um den gemeinsamen Weg zu definieren. Zeigen Sie selbst Führungsqualitäten. Der Laissez-faire-Chef schätzt das, weil es ihn entlastet. Und Sie empfehlen sich selbst für eine Beförderung zur Führungskraft

Situativer Führungsstil: Der Mix macht’s

Der situative Führungsstil basiert auf der Erkenntnis, dass nicht jeder Führungsstil in jeder Situation gleich gut funktioniert. Der Vorgesetzte passt seinen Stil sowohl auf seine Mitarbeiter als auch auf sein Unternehmen bezogen an. So wird er in Krisensituationen vielleicht insgesamt autoritärer oder lässt erfahrenen Mitarbeitern mehr Entscheidungsspielraum als Neulingen. 

Die große Herausforderung für den Vorgesetzten besteht darin, mit Sachverstand und beurteilen zu können, welche Art von Führung der einzelne Mitarbeiter gerade benötigt und welche die aktuelle Situation verlangt. Für Mitarbeiter ist es beim situativen Führungsstil mitunter schwierig, das Verhalten ihres Vorgesetzten einzuschätzen. Im schlechtesten Fall reagieren unsichere Teammitglieder eingeschüchtert oder demotiviert.

Tipps zum Umgang mit einem situativen Führungsstil: Finden Sie sich damit ab, dass Ihr Chef Sie möglicherweise anders behandelt als manche Ihrer Kollegen. Sprechen Sie ihn aber ruhig darauf an, wenn Sie der Meinung sind, dass Sie mehr Freiheiten brauchen oder sich genauere Ansagen wünschen. In der Regel sind solche Vorgesetzte offen für Veränderungen. 

Sie kommen mit dem Führungsstil Ihres Chefs gar nicht zurecht? Vielleicht ist es dann an der Zeit, einen neuen Job zu suchen. Am besten gleich hier in unserer Jobbörse: