„Warum bewerben Sie sich bei uns?“ Perfekt antworten im Vorstellungsgespräch

Von Alenka Mladina 8. März 2019

Das Bewerbungsgespräch läuft wie am Schnürchen – Ihre Antworten kommen flüssig, der Personaler geht auf Sie ein. Doch als er plötzlich die Frage stellt „Warum haben Sie sich bei uns beworben?“, ist es mit Ihrem Lauf vorbei. Keine Sorge, damit sind Sie nicht allein. Diese Frage oder eine ihrer Varianten hat schon viele Bewerber völlig aus dem Konzept gebracht. Doch wenn Sie wissen, worauf Ihr Gesprächspartner hinaus will, ist sie gar nicht so bedrohlich – sondern eine großartige Gelegenheit, Punkte für sich zu sammeln. 

Hier lesen Sie:

Warum das Warum so schwierig zu beantworten ist

„Warum möchten Sie diesen Job?“
„Warum haben Sie sich bei uns beworben?”
„Was reizt Sie an dieser Stelle?”

In irgendeiner Variante kommt die Frage nach dem Grund für Ihre Bewerbung mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit im Vorstellungsgespräch auf Sie zu. Und gar nicht so selten kann Ihre Antwort dann darüber entscheiden, ob Sie die Stelle bekommen oder nicht. 

Doch häufig ist es gar nicht die große Relevanz der Frage, die bei Bewerbern für Reaktionen von feuchten Händen bis hin zum Blackout führen. Problematischer empfinden es viele Bewerber, sich eine Antwort ausdenken zu müssen, mit der Sie bei Ihrem Gegenüber punkten – obwohl Ihnen eigentlich eine ganz andere Erwiderung auf der Zunge liegt.

Manch einer würde sicherlich zu gerne entgegnen, dass er schlicht und einfach einen neuen Job braucht oder fragen, ob der Personaler die Unterlagen nicht gelesen hat – was natürlich ein absolutes No-Go ist. 

Wird die Frage mit direktem Bezug auf das Unternehmen gestellt, beispielsweise in der Variante „Warum möchten Sie ausgerechnet bei uns arbeiten?”, kommt erschwerend hinzu, dass Jobsuchende oft das Gefühl haben, zu lügen, dass sich die Balken biegen.

Denn wer auf Jobsuche ist, bewirbt sich meist nicht nur bei einem Unternehmen. Und womöglich würden Sie in Wirklichkeit viel lieber für ein andere Firma arbeiten als für die, bei der Sie gerade im Konferenzraum zum Vorstellungsgespräch sitzen.

Kein Wunder also, dass die Frage nach dem Warum für viele Bewerber so unangenehm ist. Das muss jedoch nicht sein! Wenn Sie verstehen, was hinter der Frage steckt, können Sie ihr deutlich entspannter entgegensehen.

„Warum haben Sie sich bei uns beworben?“ – was ist der Grund für diese Frage?

Zunächst einmal sollten Sie sich klarmachen, weshalb Ihre Antwort auf das Warum für die Unternehmensseite überhaupt so interessant ist: Sie zeigt nämlich, inwieweit Ihre Fähigkeiten und Ihre Erwartungen an den Job bei dem potenziell neuen Arbeitgeber mit der Realität übereinstimmen.

Letztlich geht es darum, ob Sie und das Unternehmen zusammenpassen und Sie mit der ausgeschriebenen Stelle langfristig glücklich sind. Sie sehen: Der Personaler stellt Ihnen diese Frage keineswegs aus Bösartigkeit, sondern aus gutem Grund.

Und das kommt auch Ihnen entgegen. Sie wollen schließlich einen Job, der zu Ihnen passt und nicht nach der Zusage feststellen, dass Sie sich das alles eigentlich ganz anders vorgestellt hatten.

Zugegeben: Natürlich stellen Personalverantwortliche diese Frage nicht aus reiner Nächstenliebe, sondern primär aus eigenem Interesse. Das Unternehmen möchte jemanden einstellen, der ihm einen Mehrwert bringt.

Jemand, mit dessen Persönlichkeit und Stärken sich die geschäftlichen Ziele erreichen lassen. Jemand, der bereit ist, in seiner Position zu lernen, sich weiterzuentwickeln und sich mit den Werten der Firma identifiziert. Also einen loyalen Mitarbeiter, der möglichst lange im Unternehmen bleibt.

Die Suche nach dem Richtigen und auch dessen Einarbeitung ist mit einigem Zeitaufwand und Kosten verbunden. Deshalb wollen Personaler mit der Frage sichergehen, dass der passende Kandidat vor Ihnen sitzt. Jemand, der den Aufgaben gewachsen ist und sich im Unternehmen wohlfühlt. Die Antwort auf die Warum-Frage hilft ihnen bei dieser Entscheidung.

Respekt ablegen: So werden Sie von der Warum-Frage nicht überrascht

Damit Sie der Frage entspannter entgegensehen können und nicht in Panik ausbrechen, sollten Sie sich auf sie einstellen. Folgende Punkte können dabei helfen:

Wahrscheinlich wird die Frage innerhalb des Job-Interviews relativ früh kommen.

Möglicherweise im Rahmen anderer Klassiker wie „Erzählen Sie uns etwas über sich.“ oder „Was wissen Sie über unser Unternehmen?

Die Frage kann anders formuliert sein. Häufige Varianten von “Warum haben Sie sich bei uns beworben?” sind zum Beispiel:

„Warum möchten Sie diesen Job / für uns arbeiten?”
„Warum sind Sie der Richtige für den Job?”
„Was reizt Sie an unserem Unternehmen?”
„Warum haben Sie sich für diese Stelle beworben?”

Auch wenn Sie diese Frage nicht vollständig zu Ihrer eigenen Zufriedenheit beantworten, ist das noch lange nicht das Aus in diesem Bewerbungsgespräch.

Falls Ihnen im weiteren Verlauf noch etwas dazu einfällt: Lassen Sie es Ihr Gegenüber wissen. Und sagen Sie, was Ihnen bei diesem Thema noch wichtig ist.

Mehr Sicherheit: So bereiten Sie Ihre Antwort gut vor

Hier sind einige Fragen, mit denen Sie sich vorab beschäftigen sollten, damit Sie später im Bewerbungsgespräch eine wirklich gute Antwort darauf parat haben:

1. Informieren Sie sich über das Unternehmen und die Stelle

Überlegen Sie, inwieweit Ihre Skills und Ihre Arbeitsweise dazu passen. Auch ob die neue Position Sie beruflich bereichern kann und was Sie sich von dem Unternehmen erwarten, sollten Sie genau wissen.

Es geht dabei keineswegs darum, dem Personalverantwortlichen Honig ums Maul zu schmieren und herauszustellen, warum Sie nur für dieses Unternehmen arbeiten möchten. Dass Sie vermutlich nicht nur diese eine Bewerbung geschrieben haben, ist auch ihm klar.

Sie müssen das Unternehmen also nicht über den grünen Klee loben und sich auch keine Lügen ausdenken. Die haben in Vorstellungsgesprächen ohnehin sehr kurze Beine und werden schnell entlarvt.

Suchen Sie stattdessen nach Anknüpfungspunkten, die für Sie wirklich relevant sind – und wo Sie und Ihr potenzieller Arbeitgeber voneinander profitieren können.

Im Idealfall gehen Sie dabei nicht nur auf die Selbstdarstellung aus der Firmenpräsentation ein, sondern informieren sich darüber hinaus, zum Beispiel über folgende Aspekte:

  • In welcher Wachstumsphase steckt das Unternehmen?
  • Möchte das Unternehmen seine Produkte oder Dienstleistungen überarbeiten? Falls ja, wie könnten Sie hier von Wert für diesen Prozess sein?
  • Gibt es in der betreffenden Branche neue Entwicklungen?

Damit zeigen Sie echtes Interesse und stellen unter Beweis, dass Sie sich mit dem Unternehmen beschäftigt haben.

2. Nachweis von Erfahrung und Erfolgen

Eines Ihrer stärksten Argumente für die Stelle ist ein Nachweis, dass Sie den Job bereits vorher erfolgreich gemacht haben. Das impliziert, dass Sie das auch erneut tun werden.

  • Haben Sie in der letzten Zeit eines Ihrer Ziele erreicht oder übertroffen? Wie können Sie dasselbe in diesem Unternehmen erreichen?
  • Welches Branchen- oder Fachwissen haben Sie bereits erfolgreich in Ihrem Job angewendet? Wie kann der neue Arbeitgeber davon profitieren?
  • Welche Herausforderungen haben Sie gemeistert und wie haben Sie das geschafft?
3. Was bringt die neue Stelle für Ihre Entwicklung?

Sie möchten zeigen, dass Sie viele Fähigkeiten haben, die Sie im neuen Job anwenden können und die das Unternehmen nach vorne bringen. Sie wollen den dazu nötigen Ehrgeiz demonstrieren und klarmachen, dass Sie die Stelle fordern wird.

Die neue Aufgabe wird darüber hinaus dafür sorgen, dass Sie bestimmte Wissenslücken schnell und effizient auffüllen.

  • Was sind Ihre Karriereziele?
  • Wie hilft Ihnen dieser Job, Ihre Ziele zu erreichen?
  • Welche beruflichen Weiterbildungs- oder Lernmöglichkeiten sind Ihnen wichtig?
4. Leidenschaft & Motivation

Auch Soft Skills wie Begeisterungsfähigkeit gehören zu den wichtigen Überlegungen von Managern, wenn sie auf der Suche nach Verstärkung für ihr Team sind. Die Führungskräfte wollen darüber hinaus sicherstellen, dass die neuen Mitarbeiter zur Team- und Unternehmenskultur passen.

  • Welche Aspekte dieses Jobs bringen Sie dazu, morgens aus dem Bett zu kommen?
  • Welche Punkte der angebotenen Stelle waren verantwortlich dafür, dass Sie Ihre Bewerbung geschickt haben?
  • Welches persönliche Wachstum erhoffen Sie sich von der Stelle?

Überzeugend sein: Das sollten Sie sagen

Betrachten Sie die folgenden Beispiele als Anregungen für Antworten auf die Frage „Warum bewerben Sie sich bei uns?“. Aber eben nur als Beispiele.

Bleiben Sie sich bei Ihren Antworten selbst treu. Vermeiden Sie allgemeine Erwiderungen: Stellen Sie immer einen konkreten Bezug zum Unternehmen, zur Position oder Ihren Fähigkeiten her.

Vermitteln Sie, was der Job für Sie tun kann und was Sie umgekehrt für das Unternehmen tun können.

„Weil ich hier den richtigen Weg sehe, um meine Karriere in einem/einer aufregenden/zukunftsorientierten/schnelllebigen Unternehmen/Branche …“

„Ich finde, dass meine Fähigkeiten für diesen Job gut geeignet sind, weil …“

„Ich glaube, ich habe das praktische Wissen (oder eine andere besondere Fähigkeit), um in dieser Position Erfolg zu haben, weil …“

„Ich freue mich über diese Gelegenheit, da ich in der Lage sein werde …“

Fallstricke vermeiden: So sollten Sie auf keinen Fall antworten

Hier sind ein paar Antworten, die Ihre Chancen auf ein zweites Vorstellungsgespräch oder den Job eher schmälern als erhöhen:

„Ich brauche nur einen Job“ – zeigen Sie Respekt für das Unternehmen und die Stelle, damit Sie nicht leidenschaftslos wirken.

„Ich habe gehört, dass diese Stelle gut bezahlt wird“ – bringen Sie das Gehaltsthema nicht zu früh ins Spiel, sonst stehen Sie schnell als gierig da.

„Ich sehe es als Sprungbrett zu größeren und besseren Aufgaben innerhalb meiner Karriere.“ Deuten Sie nicht an, dass Sie möglicherweise bald schon wieder das Unternehmen verlassen wollen, um sich neuen Herausforderungen zu stellen. Vermitteln Sie stattdessen, dass man auf Sie bauen kann.

 

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Bildquelle: @ jeshoots - Unsplash.com

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