Warum Kritik im Feedbackgespräch positiv ist

Von Alenka Mladina 28. Januar 2015

Ist es nicht schön und motivierend, vom Chef gelobt zu werden? Die meisten Mitarbeiter können mit Lob besser umgehen als mit Kritik. Aber mal ehrlich: Kritik ist doch das, was Sie im Job weiterbringt. Mit unseren 7 Tipps lernen Sie, mit der Kritik Ihres Vorgesetzten positiv umzugehen.

Ich gebe es zu: Auch ich freue mich nicht über negative Kritik. Aber wer tut das schon? Vielleicht wäre das auch zu viel erwartet. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man lernen kann, damit richtig umzugehen und einen Nutzen zu ziehen.

Im Berufsleben lässt es sich kaum vermeiden, ab und zu auch Fehler zu machen – oft passieren diese sogar unbewusst. Eigentlich ist es dann eine gute Sache, wenn einen jemand darauf hinweist, zum Beispiel in einem Mitarbeitergespräch mit dem Chef. Ich habe mich im Kollegenkreis ein wenig umgehört und die wichtigsten Tipps für den Umgang mit negativer Kritik für Sie zusammengestellt.

Hören Sie zu anstatt abzublocken

Für viele Mitarbeiter ist es ein Reflex: Wenn sie im Job kritisiert werden, nehmen sie automatisch eine Abwehrhaltung ein – oder gehen sofort zum Gegenangriff über. Das ist zwar verständlich, aber weder im Privat- noch im Berufsleben eine erfolgversprechende Strategie. Viel produktiver ist es, seinem Gegenüber aufmerksam zuzuhören.

Deshalb gilt: Wenn Sie Ihr Chef zur Seite nimmt oder in einem offiziellen Feedbackgespräch kritisiert, lassen Sie ihn erst einmal ausreden. Denn schließlich hat er eine andere Perspektive auf Ihre Arbeit als Sie selbst und ihm fallen Dinge auf, die Sie womöglich  nicht sehen. Unterbrechen Sie Ihren Chef daher nicht.

Sind Sie nicht sicher, ob Sie die Kritikpunkte richtig verstanden haben, sollten Sie selbstverständlich nachhaken. Denken Sie daran: Das Ziel des Zuhörens ist, zu verstehen, wo der vermeintliche Fehler lag.

Bitten Sie um Bedenkzeit

Gerade bei Kritik in Feedbackgesprächen  neigt man zu emotionaler Reaktion. Daher empfehlen meine Kollegen, nicht sofort auf Kritik zu reagieren. Zu dieser Faustregel gibt es nur zwei Ausnahmen: Sie schaffen es, absolut ruhig und rational zu bleiben oder Sie haben bereits mit der Kritik gerechnet und eine entsprechende Antwort vorbereitet.

Andernfalls ist es sinnvoller, wenn Sie dem Vorgesetzten für sein Feedback und die offene Kritik danken und um Bedenkzeit bitten. Das ist nur fair. Schließlich hatte Ihr Chef – im Gegensatz zu Ihnen – mehr Zeit, sich auf diesen Teil des Feedbackgesprächs vorzubereiten.

Übrigens ist negatives Feedback auch keine leichte Aufgabe für Ihren Chef und je ruhiger und rationaler Sie reagieren, umso professioneller werden Sie wahrgenommen.

Reagieren Sie richtig

Unabhängig davon, ob Sie auf die Kritik im Feedbackgespräch oder bei einem Anschlusstreffen reagieren, bleiben Sie ehrlich. Stehen Sie zu Ihren Fehlern. Heben Sie unbedingt hervor, was Sie daraus gelernt haben.

Selbstverständlich dürfen Sie die Kritik auch entkräften, wenn Sie darlegen können, dass kein Fehler ihrerseits vorliegt. In diesem Fall sollten Sie aber darauf verzichten, anderen den Schwarzen Peter zuzuschieben. Fokussieren Sie sich stattdessen auf einen Verbesserungsvorschlag, wie man derartige Situationen in Zukunft vermeiden kann. Daran sieht Ihr Chef, dass es Ihnen um den Unternehmenserfolg und nicht um Ihr Ego geht.

Erkennen Sie Muster

Natürlich ist auch Ihr Vorgesetzter nicht frei von Fehlern und nicht jede Kritik ist berechtigt. Das heißt allerdings nicht, dass Sie sich als Mitarbeiter gegen jede ungerechtfertigte Kritik erbittert zur Wehr setzen müssen und sich schlimmstenfalls im Kollegenkreis offen äußern. Das schadet nicht nur dem Betriebsklima, sondern auch Ihrer Performance.

Bevor Sie Kritik im Feedbackgespräch wie zum Beispiel ein fehlender Fokus auf die eigenen Aufgaben als ungerechtfertigt abtun, sollten Sie überlegen, ob Sie dergleichen auch schon von anderen Menschen in Ihrem Umfeld gehört haben. Das können Kollegen oder Freunde sein. Wenn Sie von verschiedenen Seiten das gleiche Feedback bekommen, liegt der Schluss nahe, dass an der Sache etwas dran ist und Sie an sich arbeiten sollten.

Wandeln Sie Kritik in Aktionspläne um

Kritik vom Chef erfüllt ihren Zweck dann, wenn sie eine Verbesserung in der Zukunft bewirkt. Sprich: Wenn wir vorhandene Schwachstellen erkennen und an ihnen arbeiten. Da gute Vorsätze aber leicht in Vergessenheit geraten und sich antrainierte Muster nicht über Nacht ändern lassen, sollten Sie einen konkreten Aktionsplan erstellen.

Schreiben Sie auf, welche Kritikpunkte Ihr Vorgesetzter oder ein Kollege genannt hat, in welchen Situationen der Fehler aufgetreten ist und was genau Sie anders machen können, um diese(n) künftig zu vermeiden. Sie können diesen Aktionsplan nur für sich erstellen.

Wir empfehlen hingegen, diesen ruhig auch dem Vorgesetzten zu zeigen. Ein guter Chef wird es Ihnen positiv anerkennen, da es zeigt  wie ernst Sie seine Kritik aus dem Feedbackgespräch nehmen und sich verbessern möchten.

Behandeln Sie das Gespräch vertraulich

Ein absolutes No-Go ist es, über die Kritik im Feedbackgespräch im Büro zu sprechen – insbesondere dann, wenn die Kritik Ihnen im ersten Moment als ungerechtfertigt erscheint. Wie würden Sie sich fühlen, wenn Ihr Vorgesetzter die Kritik an Ihnen aus dem Feedbackgespräch auch Ihren direkten Kollegen mitteilt? Ich für meinen Teil wäre davon nicht begeistert.

Ein Feedbackgespräch ist schließlich genauso wie ein Exit-Gespräch eine vertrauliche Angelegenheit. Ein offenes Gespräch kommt nur zustande, wenn beide Seiten wissen, dass die Gesprächsinhalte außer mit der Personalabteilung und möglicherweise mit dem Vorgesetzten Ihres Chefs keine weiteren Kreise ziehen. Häufig hilft es aber, über die Kritik mit anderen zu sprechen und so ein klares Bild von dem Feedback zu bekommen. Das sollten Sie jedoch nicht im Kollegenkreis, sondern innerhalb der Familie oder mit Freunden tun.

Notizen machen

Um das Maximum aus einem Feedbackgespräch zu nehmen, sollten Sie sich während des Gesprächs Notizen machen und diese direkt nach dem Gespräch ausformulieren. In vielen Unternehmen gibt es dafür bereits standardisierte Vorlagen (z.B. im Mitarbeiterbewertungsbogen). Wenn man nicht sicher ist, wie ein Feedback gemeint ist, dann kann man die Notizen nochmal mit dem Chef durchgehen und um Klärung bitten.

Im zweiten Schritt notieren Sie sich am besten auch was Sie genau ändern möchten, um eventuelle Fehler oder Missverständnisse künftig zu vermeiden. Wirft Ihr Chef Ihnen beispielsweise einen fehlenden Fokus auf die eigenen Aufgaben vor, Sie aber regelmäßig Überstunden machen um Kollegen zu unterstützen, sollten Sie lernen, auch einmal Nein zu sagen (Hier finden Sie auch  Tipps für das Nein sagen im Job).

Fehler zu erkennen und vor allem anzuerkennen, ist nicht einfach, aber wichtig. Noch wichtiger ist es dann, daran zu arbeiten. Deshalb: Legen Sie Ihren Plan nicht in die Schublade, sondern schauen Sie ihn sich in regelmäßigen Abständen an. Prüfen Sie, was und ob sich etwas geändert hat. Auch die positiven Ergebnisse können Sie in Ihrem Aktionsplan notieren.

Somit haben Sie für das kommende Jahr bereits eine Art Leitfaden für Ihr Feedbackgespräch und Sie werden sehen, dass Ihre Bemühungen auch von Ihrem Chef honoriert werden. Und wenn Ihr Chef nur kritisiert und Sie deshalb über eine Wechsel im Finanz-, IT- oder kaufmännischen Bereich nachdenken, schauen Sie doch gleich in unserer Jobbörse vorbei.

Welchen Rat würden Sie anderen zum Thema „Umgang mit negativer Kritik“ geben?

 

Bildquelle: © Kav - Fotolia.com

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