Warum immer die Kollegen befördert werden und Sie nicht

Von Alenka Mladina 16. November 2015

Anna Weber arbeitet seit Jahren auf derselben Position in der Buchhaltung, während die Kollegen um sie herum befördert werden. Doch damit will sie sich nicht länger abfinden – und das sollte sie auch nicht.

Anna Weber ärgert sich. Seit dieser Woche ist Kollege Meier Abteilungsleiter. Und sie sitzt immer noch auf derselben Position, obwohl sie seit Jahren gute Arbeit leistet. Auch der Chef hat stets lobende Worte für sie. Woran liegt es also? Wahrscheinlich hat sie ein paar entscheidende Dinge vernachlässigt, die für eine Beförderung wichtig sind. Aber es ist nicht zu spät, das nachzuholen.

Der Schlüssel zur Beförderung

Letzten Endes entscheidet die Leistung über eine Beförderung, denkt sich Anna Weber – vergisst dabei aber eine entscheidende Kleinigkeit: Gute Leistung ist zwar die Voraussetzung für eine Beförderung. Sie wirkt sich aber nur aus, wenn der Chef davon auch etwas mitbekommt.

Deshalb sollten ihre Erfolge im besten Fall messbar sein. Das ist mitunter eine Herausforderung: Während sich Zeit- und Kosteneinsparungen leicht in Zahlen ausdrücken lassen, fällt das bei anderen Erfolgen nicht ganz so einfach. Wie belegen Sie beispielsweise, dass Sie die Kommunikation im Team verbessert haben? Die Antwort auf solche Fragen zu finden, ist der Schlüssel zur Beförderung. In diesem Fall könnten Sie den Erfolg belegen, indem sie die Projektdauer ähnlicher Aufgaben vor und nach Ihrer Verbesserungsmaßnahme vergleichen.

Jetzt müssen Sie ihren Chef nur noch auf ihre Erfolge aufmerksam machen. Eine Schwierigkeit dabei: In der Regel haben Führungskräfte leider nicht die Zeit, sich mit den Einzelheiten jedes Projekts zu beschäftigen. Deshalb sollten Sie in regelmäßigen Abständen unaufgeforderte Status-Updates abgeben – natürlich nur, wenn es auch etwas Neues zu berichten gibt. So verknüpft der Chef Ihren Namen innerhalb kurzer Zeit mit Leistung, Erfolgen und Transparenz. Die Beförderung rückt ein Stück näher.

Sichtbarkeit im Berufsalltag zählt

Weber ist nicht die Einzige in ihrer Abteilung, die bei Beförderungen übergangen wird. Auch die Kollegen Kaiser und Schmitz kleben seit einigen Jahren auf ihren Stühlen. Bei genauer Betrachtung fällt eine Gemeinsamkeit auf: Alle drei sind nicht gerade die extrovertiertesten Menschen und melden sich eher selten zu Wort.

Introvertierte Menschen werden leider oft vergessen, wenn sie sich nicht im Raum befinden. Ein entscheidender Nachteil, wenn Führungskräfte Kandidaten für eine Beförderung diskutierten. Natürlich ist es nicht zielführend, um jeden Preis aufzufallen. Aber Sie sollten sich vornehmen, künftig aktiver an Meetings teilzunehmen und auf Firmenevents stärker auf Kollegen zuzugehen.

Meetings eignen sich hervorragend, um den eigenen Wert herauszustellen. Auch hier sollte der Fokus nicht auf Quantität, sondern vor allem auf Qualität legen. Das setzt eine gute Vorbereitung auf die jeweiligen Tagesthemen voraus. Oberstes Ziel sollte aber niemals die eigene Selbstdarstellung sein, sondern der Unternehmens- beziehungsweise Projekterfolg. Auch eine intelligente Frage ist übrigens ein wichtiger Beitrag im Meeting.

Sichtbarkeit lässt sich außerdem auch auf digitalem Wege erhöhen: Durch die Vernetzung über Business Netzwerke wie Xing und das Teilen professioneller Inhalte. Wichtig ist es, dabei besonders auf Qualität zu achten und nicht wahllos Texte, Bilder und Videos zu veröffentlichen, um „aktiv“ zu wirken.

Zur Beförderung gehört auch das Geben

Wenn Leistung und Sichtbarkeit stimmen, ist es an der Zeit für den nächsten Schritt: Jetzt können Sie Ihre Fähigkeiten im Unternehmen bekannt machen. Zum Beispiel, indem Sie Kollegen unterstützen und gut kooperieren.

Jeder Kollege, der ihre Kompetenz zu schätzen weiß, ist ein Multiplikator. Das führt letztendlich dazu, dass Sie sich innerhalb der Firma schnell den Ruf eines Experten auf Ihrem Gebiet aufbauen, den man gern um Rat fragt und die langfristig unverzichtbar wird. Wenn Sie geschickt sind, suchen Sie sich dabei eine Wissensnische, die noch nicht besetzt ist – die gibt es in jedem Unternehmen.

Mut zur Führung

Eins ist klar: Wenn Sie in der Firma aufsteigen möchten, müssen Sie schon vorher zeigen, dass sie das Zeug zur Führungskraft haben. Ergreifen Sie daher jede Gelegenheit, bei der Sie Ihre Führungskompetenzen beweisen können.

Weber hat dazu schon ein paar Ideen durchgespielt: In Ihrem Unternehmen werden immer wieder Mitarbeiter gesucht, die – teilweise auch eher unbeliebte – Projekte übernehmen oder neuen Kollegen und Praktikanten bei der Eingewöhnung helfen.

Auch in Ihrem Unternehmen werden neue Mitarbeiter eingestellt. Wenn Sie Zeit haben, bringen Sie sich hier vermehrt ein. Machen sich die betreuten Kollegen gut, ist das schließlich auch ein gutes Zeugnis für Ihre Führungsfähigkeiten. Warten Sie nicht darauf, das Ihr Chef auf Sie zukommt, zeigen Sie Initiative.

Die eigene Sichtbarkeit ist kein Zufall. Sie lässt sich wie andere Fähigkeiten mit Disziplin und guten Ideen vergrößern. So werden Sie bald feststellen, dass sich Ihr Status im Unternehmen verändert. Zum Beispiel werden Sie merken, dass Ihnen Ihr Chef mehr Aufmerksamkeit schenkt und öfter um Ihre Meinung bittet.

So finden Sie heraus, weshalb Ihr Chef Sie bislang nicht befördert hat

Warum Weber bislang nicht befördert wurde, ist ihr jetzt deutlich klarer. Wenn Sie auch noch auf Ihre Beförderung warten, sollten Sie sich daher wie Weber folgende Fragen stellen:

  • Informiere ich meinen Chef regelmäßig über Erfolge und kommuniziere ich diese nachvollziehbar?
  • Kennen meine Kollegen auch aus anderen Abteilungen den Mehrwert, den ich leiste?
  • Bringe ich mich in Meetings ausreichend ein?
  • Kann ich Kollegen mehr unterstützen?
  • Welche Führungsqualitäten habe ich und wie kann ich diese zeigen?

Allerdings hat Weber auch eine neue Überzeugung gewonnen: Sie kennt ihren Wert für das Unternehmen und wenn das Unternehmen ihn nicht erkennt, wird sie sich anderweitig umschauen. 

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