8 Vorurteile über Zeitarbeit – und warum sie nicht stimmen

Von Christina Holl on 19. Juli 2022
Geschätzte Lesedauer: 7 Minuten

Zum Thema Zeitarbeit existieren viele Vorurteile – die meisten davon basieren auf Unwissenheit. Wie wirkt Zeitarbeit bei Fachkräften wirklich im Lebenslauf? Welche Rechte haben Zeitarbeitnehmer? Und wie sieht es mit dem Gehalt aus? Die wahren Antworten auf diese Fragen lesen Sie hier.

Was bedeutet Zeitarbeit?

Oft heißt es, dass Zeitarbeitskräfte Mitarbeiter*innen zweiter Wahl seien, weil sie weniger verdienten, nicht festangestellt oder nur wenig qualifiziert seien. Das sind allerdings Klischees, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben.

Doch worum geht es bei dem Thema Zeitarbeit grundsätzlich? Üblicherweise gehen Sie als Arbeitnehmer*in vertraglich ein Beschäftigungsverhältnis mit einem Arbeitgeber ein. Für den sind Sie anschließend direkt beispielsweise in dessen Büro tätig.

Bei der Zeitarbeit hingegen kommt noch eine dritte Partei hinzu: ein spezialisierter Dienstleister. Bei dem sind Sie fest angestellt – und er vermittelt Ihre Arbeitskraft dann einem anderen Unternehmen. In diesem sind Sie dann tätig und unterliegen auch dessen Regeln. Gleichzeitig bleiben Sie bei Ihrem eigentlichen Arbeitgeber, dem Personaldienstleister, fest angestellt.

Die Einsatzunternehmen sind in der Regel Firmen, die schnell und/oder für eine begrenzte Dauer dringend zusätzliches Personal brauchen. Die Jobs sind im Normalfall befristet. Daher der Begriff Zeitarbeit.

Der Vorteil für Sie: Auch nach dem Ende eines Einsatzes werden Sie weiterhin von der Zeitarbeitsfirma bezahlt, bei der Sie während der ganzen Zeit festangestellt bleiben. Schließlich ist diese Ihr Vertragspartner – und nicht das Unternehmen, an das Sie ausgeliehen wurden.

Vorteil für die Kundenunternehmen: Sie können kurzfristigen personelle Engpässe ausgleichen , ohne dafür ihre Stammmannschaft mit neuen Festanstellungen zu vergrößern. Das verringert unter anderem den internen und kostenintensiven Verwaltungsaufwand.

Damit ist Zeitarbeit eine gute Wahl. In der Öffentlichkeit hat sich das allerdings noch nicht überall herumgesprochen, deshalb widerlegen wir im Folgenden die acht größten Vorurteile gegen Zeitarbeit.

Vorurteil 1: Zeitarbeit ist schlecht für den Lebenslauf

Waren Sie als Zeitarbeitnehmer*in tätig, können Sie das guten Gewissens so im Lebenslauf angeben. Es gibt keinen Grund, das Arbeitsverhältnis zu verschleiern. Im Gegenteil. Schließlich sammeln Sie mittels Zeitarbeit Erfahrungen bei unterschiedlichen Firmen und erweitern damit die Palette Ihrer Qualifikationen. Außerdem beweisen Sie Flexibilität und schnelles Auffassungsvermögen, weil Sie sich auf viele Situationen und Anforderungen schnell und immer wieder neu einstellen können.

Vorurteil 2: Zeitarbeit ist keine Festanstellung

Auch diese Behauptung stimmt nicht. Denn wie bereits oben erwähnt, sind Zeitarbeitnehmer*innen sehr wohl fest angestellt – und zwar bei einem Zeitarbeitsunternehmen. Das bedeutet:

  • Wie jede*r andere Festangestellte haben Sie als Zeitarbeitnehmer*in einen Urlaubsanspruch und erhalten Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.
  • Der gesetzliche Kündigungsschutz gilt für Zeitarbeitnehmer*innen ebenso wie für alle anderen.
  • Der Arbeitgeber zahlt Beiträge zur Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung und meldet seine Beschäftigten bei der gesetzlichen Unfallversicherung an.

Was sich von Zeit zu Zeit ändert, ist lediglich das Unternehmen, bei dem ein*e Zeitarbeitnehmer*in eingesetzt wird. Für Gehaltszahlungen, Vertragsverhandlungen oder auch Fortbildungen ist aber immer das Zeitarbeitsunternehmen zuständig.

Vorurteil 3: Für Zeitarbeit gibt es wenig Gehalt

Dass Zeitarbeitnehmer*innen weit weniger verdienen als die Stammbelegschaft in den Unternehmen, in denen sie beschäftigt sind, ist ein Vorurteil über Zeitarbeit, das sich besonders hartnäckig hält.

Richtig ist:

  • Die Gehälter von Zeitarbeitnehmer*innen sind an Tarifverträge gebunden und orientieren sich an der Qualifikation und Berufserfahrung, die sie mitbringen.
  • Durch den gesetzlichen Mindestlohn sind bestimmte Lohnuntergrenzen garantiert.
  • Zusätzlich gibt es für ausgewählte Branchen, wie die Chemie- oder Metall- und Elektroindustrie, sogenannte Branchenzuschläge, die das Gehalt von Zeitarbeitnehmer*innen dem der Stammbelegschaft angleichen.
  • Darüber hinaus bekommen Zeitarbeiter*innen bei einer professionellen Personalvermittlung wie Robert Half Fahrtkosten zum Einsatzort erstattet und erhalten vermögenswirksame Leistungen.
  • Gut bezahlte Zeitarbeit gibt es vor allem für stark gesuchte Fachkräfte, zum Beispiel aus den Bereichen IT, Finanz- und Rechnungswesen oder aus dem kaufmännischen Bereich. Sie erhalten meist eine übertarifliche Bezahlung.

Vorurteil 4: Zeitarbeitnehmer*innen haben keine Rechte

Auch dieses Vorurteil über Zeitarbeit ist falsch. Korrekt ist zwar: Das Unternehmen, das Mitarbeiter*innen auf Zeit einsetzt, schließt keine Verträge direkt mit den Fachkräften ab, sondern mit dem Personaldienstleister. Dennoch haben Zeitarbeitnehmer*innen ähnliche Rechte wie die Stammbelegschaft. Das ergibt sich aus dem sogenannten gesetzlichen Schutzpflichtenverhältnis.

Konkret bedeutet das etwa:

  • Wie das Stammpersonal müssen auch Zeitarbeitnehmer*innen über freie Stellen im Betrieb informiert werden, etwa über einen Aushang am Schwarzen Brett oder per Zugang zum Stellenmarkt im Intranet.
  • Außerdem stehen Zeitarbeitnehmer*innen alle Gemeinschaftseinrichtungen des Unternehmens zur Verfügung.

Vorurteil 5: Kein Einsatz, kein Geld

Hinter dieser Vermutung verbirgt sich folgende Frage: „Bekomme ich bei Zeitarbeit nur Lohn, solange ich bei Kundenunternehmen im Einsatz bin?“ Die Antwort ist “nein”.

So ist die Bezahlung geregelt:

  • Findet kein nahtloser Übergang zwischen zwei Einsätzen statt, werden Sie für die Zwischenzeit trotzdem bezahlt. Das Risiko trägt das Zeitarbeitsunternehmen.
  • Bei Nichteinsatz müssen sich motivierte Zeitarbeitnehmer*innen nicht darum sorgen, sofort entlassen zu werden. Gerade im Fachkräftebereich ist die Nachfrage hoch und ein paar Wochen ohne Beschäftigung können überbrückt werden.

Vorurteil 6: Zeitarbeiter*innen sparen Lohnkosten

Das war lange ein zentrales Motiv der Kunden von Personaldienstleistern. Doch heute kann von billigen Zeitarbeitskräften im qualifizierten Berufen nicht mehr die Rede sein. Dafür sorgen nicht nur stetig steigende Tariflöhne oder die bereits erwähnten Branchenzuschläge, sondern auch geänderte gesetzliche Bestimmungen.

Darüber hinaus werden Zeitarbeiter*innen je nach Aufgabe, Unternehmen oder Personalvermittler auch Prämien für Nacht-, Sonntags- und Feiertagseinsätze gezahlt. Und nicht zu vergessen: Per Equal Pay müssen Zeitarbeitsagenturen ihren Beschäftigten nach neun Monaten ein Gehalt zahlen, das auch die Mitarbeiter*innen der Kundenunternehmen für vergleichbare Tätigkeiten erhalten. Das bedeutet: Die Kosten für Zeitarbeiter*innen sind oft höher als die für das Stammpersonal.

Dennoch greifen Unternehmen gern auf sie zurück, weil sie flexibel einsetzbar sind und sich mit ihnen beispielsweise Auftragsspitzen kurzfristig abfangen lassen.

Vorurteil 7: Zeitarbeit hemmt die Karriere

Das Gegenteil ist eher der Fall: Zeitarbeit ist eine gute Wahl, um die eigenen Chancen auf eine vielversprechende Laufbahn zu steigern. Das gilt sowohl für Berufsanfänger*innen als auch für erfahrene Fachkräfte. Denn flexible und engagierte Zeitarbeiter*innen lernen in vergleichsweise kurzen Abständen viele unterschiedliche Branchen und Unternehmen kennen. Das eröffnet ihnen neue Betätigungsfelder und Chancen, auf die sie womöglich andernfalls nicht gestoßen wären. Zudem erweitert sich durch Zeitarbeit die Anzahl der Kontakte, die sich gut zu einem guten Netzwerk ausbauen lassen.

Vorurteil 8: Zeitarbeit ist nichts für Fachkräfte

Auch dieses Vorurteil stimmt nicht. Denn spezialisierte Personaldienstleister wie Robert Half, die sich ausschließlich auf die Vermittlung von gut ausgebildeten Fachkräften konzentrieren, gibt es schon lange am Markt. Robert Half etwa wurde bereits 1948 gegründet.

Heute bietet Zeitarbeit interessante Möglichkeiten auf lange Sicht. Fachkräfte aus dem Finanz- und Rechnungswesen, der IT oder dem kaufmännischen Bereich kommen in den verschiedensten Branchen und Unternehmen unterschiedlicher Größen zum Einsatz. Gerade in Zeiten, in denen immer mehr Flexibilität gefordert wird und Angestellte nur noch sehr selten ihr komplettes Berufsleben bei demselben Arbeitgeber verbringen, haben sie einen Vorsprung.

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