Die 6 hartnäckigsten Vorurteile über Zeitarbeit – und warum sie nicht stimmen

Von Alenka Mladina 14. März 2019

Zum Thema Zeitarbeit gibt’s viele Vorurteile – und die meisten davon basieren auf Unwissenheit. Wie wirkt Zeitarbeit bei Fachkräften wirklich im Lebenslauf, welche Rechte haben Zeitarbeitnehmer – und wie sieht es mit der Bezahlung aus? Wir räumen mit den sechs hartnäckigsten Vorurteilen über Zeitarbeit auf:

Vorurteil 1: Zeitarbeit macht sich schlecht im Lebenslauf

Keine falsche Scham: Wer als Zeitarbeitnehmer tätig war, kann das guten Gewissens so im Lebenslauf angeben. Es gibt keinen Grund, ein solches Arbeitsverhältnis auf Zeit zu verschleiern. Das bestätigt auch eine Studie von Robert Half:

Fast die Hälfte der befragten Personaler (42 %) sieht Bewerber mit Zeitarbeit-Erfahrung im Vorteil. Vor allem dann, wenn sie über Branchenerfahrung verfügen.

Für jeden zweiten Personaler (51 %) macht es außerdem keinen Unterschied im Recruiting-Prozess, ob Bewerber schon einmal als Zeitarbeitnehmer gearbeitet haben oder nicht. Vorausgesetzt natürlich, ihr Lebenslauf überzeugt.

Vorurteil 2: Zeitarbeit ist keine Festanstellung

Das Arbeitsverhältnis eines Zeitarbeitnehmers ist in Deutschland ganz klar geregelt. Deshalb beruht das Vorurteil, Zeitarbeiter hätten weniger Rechte als Festangestellte, auf Unwissen darüber, wie Zeitarbeit eigentlich funktioniert. Eigentlich ganz einfach: Auch Zeitarbeitnehmer sind fest angestellt – und zwar bei einem Zeitarbeitsunternehmen. Das bedeutet:

  • Wie jeder andere Festangestellte haben Sie als Zeitarbeitnehmer einen Urlaubsanspruch und erhalten Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.
  • Der gesetzliche Kündigungsschutz gilt für Zeitarbeitnehmer ebenso wie für alle anderen.
  • Der Arbeitgeber zahlt Beiträge zur Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung und meldet seine Mitarbeiter bei der gesetzlichen Unfallversicherung an.

Was sich von Zeit zu Zeit ändert, ist lediglich das Unternehmen, bei dem ein Zeitarbeitnehmer eingesetzt wird. Für Gehaltszahlungen, Vertragsverhandlungen oder auch Fortbildungen ist aber immer das Zeitarbeitsunternehmen zuständig.

Vorurteil 3: Zeitarbeitnehmer verdienen viel weniger

Moderne Sklaverei und Ausbeutung – diese Begriffe fallen im Zusammenhang mit Zeitarbeit immer wieder. Dass Zeitarbeitnehmer weit weniger verdienen als die Stammbelegschaft des Unternehmens, in dem sie beschäftigt sind, ist wohl eines der Vorurteile über Zeitarbeit, das sich am hartnäckigsten hält.

Richtig ist allerdings:

  • Die Gehälter von Zeitarbeitnehmern sind an Tarifverträge gebunden und orientieren sich an der Qualifikation und Berufserfahrung, die ein Mitarbeiter mitbringt.
  • Durch den gesetzlichen Mindestlohn sind bestimmte Lohnuntergrenzen garantiert.
  • Zusätzlich gibt es für ausgewählte Branchen, wie die Chemie- oder Metall- und Elektroindustrie, sogenannte Branchenzuschläge, die das Gehalt von Zeitarbeitnehmern dem der Stamm-Mitarbeiter angleichen.
  • Darüber hinaus bekommen Zeitarbeiter bei professionellen Personalvermittlern wie Robert Half Fahrtkosten zum Einsatzort erstattet und erhalten vermögenswirksame Leistungen.
  • Stark gesuchte Fachkräfte, zum Beispiel aus den Bereichen IT, Finanz- und Rechnungswesen oder aus dem kaufmännischen Bereich, dürfen sich ohnehin meist über übertarifliche Bezahlung freuen.

Vorurteil 4: Zeitarbeitnehmer haben keine Rechte

Auch dieses Vorurteil über Zeitarbeit ist falsch. Korrekt ist zwar: Das Unternehmen, das Mitarbeiter auf Zeit einsetzt, schließt keine Verträge direkt mit den Fachkräften ab, sondern mit dem Personaldienstleister. Dennoch haben Zeitarbeitnehmer ähnliche Rechte wie die Stammbelegschaft. Das ergibt sich aus dem sogenannten gesetzlichen Schutzpflichtenverhältnis.

Konkret bedeutet das etwa:

  • Wie das Stammpersonal müssen auch Zeitarbeitnehmer über freie Stellen im Betrieb informiert werden, etwa über einen Aushang am schwarzen Brett oder per Zugang zum Stellenmarkt im Intranet.
  • Außerdem stehen Zeitarbeitnehmern alle Gemeinschaftseinrichtungen des Unternehmens zur Verfügung.

Vorurteil 5: Kein Einsatz, kein Geld

Hinter dieser Vermutung verbirgt sich folgende Frage: "Bekomme ich bei Zeitarbeit nur Lohn, solange ich bei Kundenunternehmen im Einsatz bin?" Die Antwort ist nein.

So ist die Bezahlung geregelt:

  • Findet kein nahtloser Übergang zwischen zwei Einsätzen statt, werden Sie für die Zwischenzeit trotzdem bezahlt. Das Risiko trägt das Zeitarbeitsunternehmen. 
  • Bei Nichteinsatz müssen sich motivierte Zeitarbeitnehmer nicht darum sorgen, sofort entlassen zu werden. Gerade im Fachkräftebereich ist die Nachfrage hoch und ein paar Wochen einsatzfreie Zeit können überbrückt werden.

Vorurteil 6: Zeitarbeit ist nichts für Fachkräfte

Auch dieses Vorurteil stimmt nicht. Denn spezialisierte Personaldienstleister wie Robert Half, die sich ausschließlich auf die Vermittlung von gut ausgebildeten Fachkräften konzentrieren, gibt es schon lange am Markt. Robert Half etwas wurde bereits 1948 gegründet.

Heute bietet Zeitarbeit Fachkräften interessante Möglichkeiten – sogar auf lange Sicht. Fachkräfte aus dem Finanz- und Rechnungswesen, der IT oder dem kaufmännischen Bereich kommen in den verschiedensten Branchen und Unternehmen unterschiedlicher Größen zum Einsatz.

Doch wer die Wahl hat, hat oft auch die Qual. In welcher Branche fühlt man sich am wohlsten? Das weiß man in der Regel erst, wenn man verschiedene ausprobiert hat. In der Zeitarbeit haben Fachkräfte aus diesen Bereichen die Möglichkeit, bei Unternehmen der verschiedensten Branchen zu arbeiten – um am Ende zu wissen, wohin sie am besten passen.

Gerade in Zeiten, in denen immer mehr Flexibilität gefordert wird und Angestellte in den seltensten Fällen ihr ganzes Arbeitsleben bei demselben Arbeitgeber verbringen, haben diese Fachkräfte einen Vorsprung.

 

Fazit: Die gängigsten Vorurteile über Zeitarbeit lassen sich mit handfesten Argumenten aus dem Weg räumen. Zeitarbeit im Lebenslauf ist alles andere als eine Sackgasse für Ihre Karriere:

  1. Für viele Bewerber, ist die Arbeitnehmerüberlassung eine echte Chance und es gibt immer mehr Fachkräfte, die diesen Karriereweg aufgrund der vielfältigen Erfahrungen bevorzugen.
     
  2. Einsteiger und Studenten können durch Zeitarbeit Berufserfahrung sammeln oder herausfinden, in welchen Unternehmen sie sich wohler fühlen: beim großen Konzern oder beim Mittelständler?
     
  3. Und Bewerber, die anderswo durchs Raster rutschen würden, können sich über Zeitarbeit in der Praxis beweisen. Nicht selten folgt dann aus der Zeitarbeit eine Übernahme durch den Kunden mit anschließender Festanstellung beim Unternehmen.

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