Verzweifelt gesucht: Frauen in technischen Berufen

Von Alenka Mladina on 2. März 2020

Ganze Länder werden von weiblichen Staatsoberhäuptern geführt, Frauen stehen an der Spitze von bedeutenden Zentralbanken – aber Frauen in technischen Berufen haben immer noch Seltenheitswert.

Es gibt zahlreiche Bemühungen, mehr Frauen für sogenannte MINT-Berufe zu begeistern. Was bringen diese Kampagnen? Und woran hapert es?

Kaum Frauen in technischen Jobs: Nur ein Gefühl oder Realität?

Das Klischee, dass Frauen und Technik nicht zusammenpassen, sollte inzwischen so überholt sein wie die der Gedanke, dass Männer nicht als Erzieher arbeiten sollten. Aber wie viele Frauen kennen Sie, die einen Tech-Job haben? Vermutlich nur wenige. Schaut man sich in technischen Berufen um, haben Frauen immer noch Seltenheitswert.

Das bestätigen auch Zahlen der Agentur für Arbeit und des Statistischen Bundesamts. Nur rund 15 % der Beschäftigten in sogenannten MINT-Berufen (kurz für: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) waren 2018 weiblich. In einzelnen Branchen, beispielsweise in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik, lag der Männeranteil sogar bei 89 %.

Diversität? In bestimmten Berufen Fehlanzeige! Fatal dabei: Vielfach sind das genau die Bereiche, wo schon heute qualifizierte Mitarbeiter Mangelware sind. Das bedeutet: Beste Karrierechancen für Frauen zum Beispiel in der IT.

Nur 26% der Frauen interessieren sich für den IT-Bereich 

Kein Wunder also, dass es Förderprogramme und Stipendien speziell für Frauen hagelt, um sie zu einer Karriere in technischen Berufen zu bewegen. Der Erfolg hält sich bislang in überschaubarem Rahmen. In der IT ist der Frauenanteil seit 2012 gerade einmal um 2 %  gestiegen, wie das Statistische Bundesamt ermittelte.

Immerhin: Viele Förderprogramme setzen schon bei Schülerinnen und Schülern an. Vielleicht dauert es einfach noch eine gewisse Zeit, bis sich der Erfolg in der Arbeitswelt zeigt.

Etwas Bewegung tut sich doch schon: Eine Studie des Konzerns 3M zum Stand der Wissenschaft aus dem Jahr 2018  ergab: Wenn sie die Wahl hätten, würden immerhin 26 % der Frauen sich für den IT-Bereich entscheiden.

Wie sich Unternehmen für Frauen attraktiver machen

Unternehmen profitieren grundsätzlich von Diversität. Ein vielfältige Belegschaft kann innovatives Denken vorantreiben, für ein besseres Zielgruppenverständnis sorgen und dafür sorgen, dass Entscheidungsprozesse optimiert werden.

Unternehmen mit einem hohen Frauenanteil auf Führungsebene sind häufig wirtschaftlich erfolgreicher, wie Wissenschaftler der Universität Tübingen 2019 belegten. 

Allein das sollten gute Gründe für männerdominierte Branchen sein, sich stärker um weibliche Mitarbeiter zu bemühen. Richtig gelesen: “bemühen”. Denn erst einmal müssen die Strukturen stimmen. Dass so wenig Frauen in Naturwissenschaft und Technik zu finden sind, dürfte nämlich nicht in erster Linie daran liegen, dass sie das Handwerk nicht können – sondern vielmehr daran, dass sie es nicht wollen.

Viele Firmen in technischen Branchen müssen einfach attraktiver für weibliche Mitarbeiter werden.

Stellschrauben, an denen Unternehmen drehen können:

  • Gleichberechtigung fest verankern und leben: Gleichstellung der Geschlechter sollte heute eigentlich selbstverständlich sein, ist es aber in vielen Fällen noch nicht. Besonders in Branchen, die als Männerdomänen gelten, fehlt häufig das Bewusstsein, dass bestimmte Verhaltensweisen als diskriminierend wahrgenommen werden. Daran gilt es zu arbeiten. Geschlechtergerechtigkeit muss fester Bestandteil der Unternehmenskultur sein. Und zwar nicht nur von der HR diktiert, sondern auch vom gesamten Führungsteam vorgelebt.
  • Flexible Arbeitszeitmodelle schaffen: Unternehmen, die dafür sorgen, dass Familie und Beruf gut vereinbar sind, sind attraktive Arbeitgeber. Bieten Sie Müttern die Möglichkeit, Karriere zu machen! Auch im Home Office und mit flexiblen Arbeitszeitlösungen. Wichtig auch hier wichtig: Gleichberechtigung: Eine Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung brachte Ende 2019 zutage, dass Frauen Home Office öfter verwehrt wird als Männern. 
  • Spezielle Mentoring-Programme für einen guten Start: Ein erfahrener, etablierter Mitarbeiter als Mentor oder Pate kann helfen, schneller und besser im Team anzukommen. 
  • Vorbilder bieten: Auch wenn das Klischee vom Haufen ungeduschter Nerds in abgedunkelten Räumen längst passé ist: Firmen sollten zeigen, wie gut es sich in ihrer IT oder einem anderen technischen Bereich arbeiten lässt. Gerade in vermeintlichen Männerdomänen hat es echte Signalwirkung, wenn Unternehmen in erfolgreichen Frauen Führungspersonen sehen und als Vorbilder etablieren.

 

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