Psst! Wissen Sie, wie viel Ihre Kollegen verdienen?

By Alenka Mladina 14. Mai 2018

Ein offener Verdienstvergleich unter den Mitarbeitern ist in den meisten Unternehmen nicht üblich. Vielmehr gilt das Gehalt als Tabuthema. Warum ist das so? Und wie kann ich dennoch in Erfahrung bringen, was meine Kollegen verdienen? Die Antworten finden Sie hier.

In diesem Blogbeitrag lesen Sie:

  • Warum sprechen wir mit unseren Kollegen nicht über die Bezahlung?
  • Mit Kollegen über Gehalt sprechen: Halten Sie sich an die Regeln
  • Gehalt der Kollegen: Motivationsschub statt Motivationskiller
  • Über Gehalt sprechen: Andere Länder, andere Denkmuster

Finanzielle Sicherheit und das gute Gefühl, für seine Leistung am Arbeitsplatz geschätzt zu werden: Jeder hat ein Gehalt verdient, das den eigenen Qualifikationen und dem marktüblichen Verdienst entspricht. Doch wie finden Sie heraus, wie viel Sie für Ihre Leistung verlangen dürfen?

Ein Verdienstvergleich kann helfen – und so fragen Sie sich bestimmt: Was verdienen meine Kollegen? Aber können Sie die anderen Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen einfach so auf deren Gehalt ansprechen? Wie geht man mit dem sensiblen Thema am besten um?

Warum sprechen wir mit unseren Kollegen nicht über die Bezahlung?

Feierabend-Bier mit den Kollegen – in gelockerter Atmosphäre fasst sich Maria ein Herz und fragt vorsichtig in die Runde: „Und, wie viel Geld verdient ihr?“ Sie erntet ein betretenes Schweigen. Warum fällt es eigentlich vielen Mitarbeitern so schwer, mit ihren Kollegen über das Gehalt zu sprechen?

Dafür gibt es gleich mehrere Gründe:

  1. Vergleichsfalle: Eine Studie der amerikanischen Universitäten Princeton und Berkeley hat ergeben, dass die Jobzufriedenheit von Mitarbeitern deutlich sinkt, wenn Sie herausfinden, dass sie weniger als Ihre Kollegen verdienen. Der Grund: Sie fühlen sich ungerecht behandelt. Denn mit dem Thema Geld geht immer auch eine persönliche Wertung und Hierarchie einher. Verdient ein Kollege mehr als die anderen, könnte schlechte Stimmung im Team entstehen – dieser Gedanke verunsichert viele Mitarbeiter.
  2. Firmenpolitische Fettnäpfchen: In vielen Unternehmen gehört es zur Firmenpolitik, nicht über Gehalt zu sprechen – weder in vertrauter noch in großer Runde. Kommt es ans Licht, dass Sie sich nicht daran halten, stehen Sie schnell als unprofessionell und nicht vertrauenswürdig da. Und dieses Risiko möchten viele Mitarbeiter einfach nicht eingehen.
  3. Rechtliche Fallstricke: Wie sieht es eigentlich von Rechts wegen aus? Darf ich mit meinen Kollegen über Gehalt sprechen? Diese Frage stellen sich viele Mitarbeiter. Schließlich waren Vertraulichkeits- oder Verschwiegenheitsklauseln im Arbeitsvertrag lange Zeit weit verbreitet. An diesem Punkt können wir Sie aber beruhigen. Arbeitsgerichte haben entschieden, dass solche Verbote im Arbeitsvertrag Persönlichkeitsrechte verletzen – zum Beispiel das Recht auf freie Meinungsäußerung. Ihr Chef kann Ihnen also nicht verbieten, sich mit den Kollegen über das Thema Gehalt auszutauschen. Für Mitarbeiter in Führungspositionen gelten oft andere Vorgaben. Zum Beispiel, wenn Konkurrenten dadurch einen Wettbewerbsvorteil erhalten. Dann dürfen sie nicht über ihr Gehalt sprechen.

Mit Kollegen über Gehalt sprechen: Halten Sie sich an die Regeln

Gehaltsübersicht

Zusammenfassend halten wir fest: Ja, es ist Ihr Recht zu wissen, was andere verdienen. Es ist und bleibt aber ein heikles Thema. Wie Sie sich verhalten, wenn Sie ein Kollege nach Ihrem Verdienst fragt, ist und bleibt Ihre persönliche Entscheidung.

Falls Sie sich für ein offenes Gespräch entscheiden: Nennen Sie Ihr Gehalt nur gegenüber Kollegen, denen Sie absolut vertrauen. Generell gilt: Ihr Einkommen ist ein sensibles Thema, mit dem Sie Ihre kollegialen Beziehungen dauerhaft belasten könnten.

Besser ist es daher, mit externen Quellen Ihr Gehalt zu vergleichen. Sie können beispielsweise aus fundierten Studien Angaben über den Arbeitsmarkt ziehen – wie etwa aus der Gehaltsübersicht von Robert Half.

Darin finden Sie aktuelle Daten, Fakten und interessante Hintergründe zu üblichen Gehältern im Finanz- und Rechnungswesen, in der IT und im Assistenz- und kaufmännischen Bereich.So finden Sie schnell heraus, wie viel Angestellte in einer ähnlichen Position und mit ähnlichen Qualifikationen verdienen – ohne in firmenpolitische Fettnäpfchen zu treten.

Gehalt der Kollegen: Motivationsschub statt Motivationskiller

Eine gute Recherche macht sich in jedem Fall bezahlt. Zu wissen, was Andere in gleicher Position verdienen, macht Ihre Gehaltsforderung realistisch und verschafft Ihnen für zukünftige Gehaltsverhandlungen einen enormen Vorteil. Dann können Sie pokern, wenn es sich anbietet.

Schließlich ist ein besserverdienender Kollege der beste Beweis dafür, dass Ihre Firma durchaus höhere Verdienste bezahlt. Gegenüber Ihrem Chef sollten Sie dieses Argument allerdings nicht vorbringen. Für Ihren Verdienst sind schließlich Ihre Leistungen und Erfolge relevant, nicht die des Kollegen. Außerdem wirkt es wie eine illoyale Absprache, wenn Ihr Chef erfährt, Sie sich mit anderen Mitarbeitern über Ihr Gehalt ausgetauscht haben.

Orientieren Sie sich also nicht am Gehalt des Kollegen. Wie hoch Ihr Gehalt ist, hängt von vielen Faktoren ab, unter anderem von:

  • Berufserfahrung
  • Ausbildung
  • Weiterbildungen

Anstatt in die Vergleichsfalle zu tappen, sollten Sie Ihren Kollegen mit dem besseren Verdienst nicht als Konkurrenten, sondern als Vorbild sehen. Fragen Sie sich besser, wie Sie nachziehen können. So wird das finanzielle Ungleichgewicht zwischen Ihnen zum Motivationsschub. Anstatt dem Kollegen also sein Gehalt zu neiden, setzen Sie sich selbst neue Ziele.

Wenn Sie hören, dass Sie im Verdienstvergleich mit Ihren Kollegen weniger Geld bekommen, nutzen Sie diese Information. Prüfen Sie kritisch, woran das liegen könnte. Dann lassen Sie Taten folgen: Zeigen Sie, dass Sie sich voll ins Unternehmen einbringen und fokussieren Sie sich auf Ergebnisse. Somit qualifizieren Sie sich bei der nächsten Gehaltsrunde für eine Lohnerhöhung.

Über Gehalt sprechen: Andere Länder, andere Denkmuster

Offen mit dem Thema Gehalt umzugehen und dadurch andere anzuspornen – das ist in vielen Ländern ganz normal. Wer zum Beispiel in Amerika hart für seinen Erfolg arbeitet, zeigt das auch. Viele Stellen in den USA werden sogar mit einer genauen Gehaltsangabe ausgeschrieben. Ein kulturelles Erklärungsmodell: Wer es durch eigene Anstrengung nach oben schafft, hat das auch verdient. Ganz nach dem Motto: vom Tellerwäscher zum Millionär.

Ein Denkmuster, von dem wir in Deutschland weit entfernt sind. Hier gehen wir häufig davon aus, dass Erfolg von äußeren Chancen abhängt. Und dass derjenige, der viel verdient, der Gesellschaft auch wieder etwas zurückgeben soll. Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis das Thema Gehalt auch in Deutschland kein Tabuthema mehr ist.

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Bildquelle: rawpixel - unsplash.com

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