Psst! Wissen Sie, wie viel Ihre Kollegen verdienen?

Von Alenka Mladina 26. März 2019

Das Gehalt der Kollegen gilt als Tabuthema: Ein offener Gehaltsvergleich ist in den wenigsten Unternehmen üblich. Aber wie kann ich in Erfahrung bringen, was meine Kollegen verdienen? Das Entgelttransparenzgesetz räumt gewisse Auskunftsansprüche ein – allerdings profitieren nicht alle Arbeitnehmer davon.

In diesem Blogbeitrag lesen Sie:

  • Mit Kollegen übers Gehalt sprechen: Warum fällt das so schwer?
  • Welche Chancen bieten Gehaltsvergleiche und das Entgelttransparenzgesetz?
  • Gehalt der Kollegen: So wird die Info zum Motivationsschub
  • Über Gehalt sprechen: Andere Länder, andere Denkmuster

Mit Kollegen übers Gehalt sprechen: Warum fällt das so schwer?

Kommt Ihnen das bekannt vor? Feierabend-Bier mit den Kollegen – in gelockerter Atmosphäre fasst sich einer in Runde ein Herz und stellt die Frage, die auch Sie brennend interessiert: „Und, wie viel Geld verdient ihr?“

Doch statt der lang ersehnten Antwort gibt es nur betretenes Schweigen. Warum fällt es eigentlich vielen Mitarbeitern so schwer, mit ihren Kollegen über das Gehalt zu sprechen?

Dafür gibt es gleich mehrere mögliche Gründe:

  1. Vergleichsfalle: Eine Studie der amerikanischen Universitäten Princeton und Berkeley hat ergeben, dass die Jobzufriedenheit von Mitarbeitern deutlich sinkt, wenn Sie herausfinden, dass sie weniger als Ihre Kollegen verdienen. Denn mit dem Thema Geld geht immer auch eine persönliche Wertung und Hierarchie einher. Verdient ein Kollege mehr als die anderen, könnte schlechte Stimmung im Team entstehen – dieser Gedanke verunsichert viele Mitarbeiter.
  2. Firmenpolitische Fettnäpfchen: In vielen Unternehmen gehört es zur Firmenpolitik, nicht über Gehalt zu sprechen – weder in vertrauter noch in großer Runde. Kommt es ans Licht, dass Sie sich nicht daran halten, stehen Sie schnell als unprofessionell und nicht vertrauenswürdig da. Und dieses Risiko möchten viele Mitarbeiter einfach nicht eingehen.
  3. Rechtliche Fallstricke: Viele Mitarbeiter sind sich nicht sicher, ob sie ihr Gehalt überhaupt mit den Kollegen besprechen dürfen. Schließlich waren Vertraulichkeits- oder Verschwiegenheitsklauseln im Arbeitsvertrag lange Zeit weit verbreitet.

Also, zunächst: Darf man über sein Gehalt reden? Die Antwort ist ein eindeutiges Ja. Arbeitsgerichte haben entschieden, dass entsprechende Verbote im Arbeitsvertrag Persönlichkeitsrechte verletzen – zum Beispiel das Recht auf freie Meinungsäußerung.

Ihr Chef kann Ihnen nicht grundsätzlich verbieten, sich mit den Kollegen über das Thema Gehalt auszutauschen. Für Mitarbeiter in Führungspositionen können allerdings andere Vorgaben gelten.

Rechtlich sind sie also in der Regel auf der sicheren Seite, wenn sie wissen möchten: Was verdienen eigentlich meine Kollegen? Das Einkommen ist jedoch ein sensibles Thema, mit dem Sie Ihre kollegialen Beziehungen dauerhaft belasten könnten. Wer andere nach ihrem Gehalt fragen möchte, muss daher mit Fingerspitzengefühl vorgehen und den richtigen Moment abpassen.

Für Sie selbst gilt: Nennen Sie Ihr Gehalt nur gegenüber Kollegen, denen Sie absolut vertrauen. Sofern Sie aufgrund Ihres Jobs nicht ausdrücklich gesetzlich dazu verpflichtet sind, müssen Sie Ihr Gehalt gegenüber Dritten nicht nennen.

Welche Chancen bieten Gehaltsvergleiche und das Entgelttransparenzgesetz?

Und wie können Sie sonst herausfinden, wo Sie im Vergleich mit anderen stehen und wie viel Sie für Ihre Leistung verlangen dürfen? Wenn’s im direkten Gespräch nicht klappt oder es ihnen zu unangenehm ist, mit Kollegen über das Gehalt zu sprechen, können externe Quellen und objektive Gehaltsvergleiche weiterhelfen.

Gute und verlässliche Anhaltspunkte bietet die Gehaltsübersicht von Robert Half. Darin finden Sie aktuelle Daten, Fakten und interessante Hintergründe zu Gehältern im Finanz- und Rechnungswesen, in der IT und im Assistenz- und im kaufmännischen Bereich.

So finden Sie schnell heraus, wie viel Angestellte in einer ähnlichen Position und mit ähnlichen Qualifikationen verdienen – ohne in firmenpolitische Fettnäpfchen zu treten.

Seit Juli 2017 gilt in Deutschland zudem das Entgelttransparenzgesetz. Es räumt Arbeitnehmern einen Auskunftsanspruch gegenüber dem Arbeitgeber ein, was das Gehalt von Kollegen in vergleichbaren Positionen angeht. Das Ziel: Durch größere Gehaltstransparenz soll die Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern steigen.

Der Arbeitgeber ist jedoch trotzdem nicht zu einer kompletten Offenlegung aller Gehälter verpflichtet – und der Auskunftsanspruch gilt längst nicht für alle Arbeitnehmer.

Diese Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Sie Auskunft über das Gehalt von Kollegen verlangen dürfen:

  • Das Unternehmen, in dem Sie arbeiten, hat mehr als 200 Mitarbeiter.
  • Für Frauen gilt: Es gibt mindestens sechs männliche Kollegen, die den gleichen oder einen gleichwertigen Job ausüben wie Sie selbst.
  • Für Männer gilt diese Voraussetzung umgekehrt mit weiblichen Kollegen.

Bereits das schließt viele Arbeitnehmer vom Auskunftsanspruch aus. Sind die Bedingungen bei Ihnen jedoch erfüllt, dann können Sie sich schriftlich an den Betriebsrat wenden (wenn es keinen gibt: an den Arbeitgeber selbst) und Ihren Auskunftswunsch anmelden.

Das Schreiben müssen Sie nicht selbst formulieren: Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bietet Vorlagen zum Download an und stellt weitere Infos zum Entgelttransparenzgesetz bereit.

Gehalt der Kollegen: So wird die Info zum Motivationsschub

Ob nun im direkten Gespräch mit Kollegen oder indirekt über den Arbeitgeber: Eine gute Recherche macht sich beim Gehaltsvergleich in jedem Fall bezahlt.

Zu wissen, was andere in gleicher Position verdienen, macht Ihre Gehaltsforderung realistisch und verschafft Ihnen für zukünftige Gehaltsverhandlungen einen Wissensvorteil.

Dann können Sie pokern, wenn es sich anbietet: Schließlich ist ein besserverdienender Kollege der beste Beweis dafür, dass Ihre Firma durchaus höhere Verdienste bezahlt.

Aber Vorsicht: Als Argument gegenüber Ihrem Chef dient der Vergleich mit Kollegen in der Gehaltsverhandlung nicht. Für Ihren Verdienst sind schließlich Ihre Leistungen und Erfolge relevant, nicht die des Kollegen.;

So vermeiden Sie es, in die Vergleichsfalle zu tappen:

  • Wenn Sie im Gehaltsvergleich Ihren Kollegen herausfinden, dass Sie schlechter bezahlt werden als andere in einer ähnlichen Position, nutzen Sie diese Information. Prüfen Sie kritisch, woran das liegen könnte.
  • Bedenken Sie dabei: Wie hoch Ihr Gehalt ist, hängt von vielen Faktoren ab, unter anderem von Berufserfahrung, Ausbildung und Weiterbildungen.;
  • Daher sollten Sie Ihren Kollegen mit dem besseren Verdienst nicht als Konkurrenten sondern als Vorbild sehen und sich selbst neue Ziele setzen. Fragen Sie sich, wie Sie nachziehen können. So wird das finanzielle Ungleichgewicht zwischen Ihnen zum Motivationsschub.
  • Zeigen Sie, dass Sie sich voll ins Unternehmen einbringen und fokussieren Sie sich auf Ergebnisse. Somit qualifizieren Sie sich bei der nächsten Gehaltsrunde für eine Lohnerhöhung.

Über Gehalt sprechen: Andere Länder, andere Denkmuster

Offen mit dem Thema Gehalt umzugehen und dadurch andere anzuspornen – das ist in vielen Ländern ganz normal. Wer zum Beispiel in Amerika hart für seinen Erfolg arbeitet, zeigt das auch. Viele Stellen in den USA werden sogar mit einer genauen Gehaltsangabe ausgeschrieben. Ein kulturelles Erklärungsmodell: Wer es durch eigene Anstrengung nach oben schafft, hat das auch verdient. Ganz nach dem Motto: vom Tellerwäscher zum Millionär.

Ein Denkmuster, von dem wir in Deutschland weit entfernt sind. Hier gehen wir häufig davon aus, dass Erfolg von äußeren Chancen abhängt. Und dass derjenige, der viel verdient, der Gesellschaft auch wieder etwas zurückgeben soll. Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis das Thema Gehalt auch in Deutschland kein Tabuthema mehr ist.

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Bildquelle: Steve Halama - unsplash.com

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