Überstunden: Wie viel Mehrarbeit ist OK?

Von Alenka Mladina 8. Januar 2014

Regelmäßige Arbeitszeiten? Die sind selten. In den meisten Unternehmen und Positionen sind Überstunden üblich. Gerade Berufseinsteiger sind oft bis in den späten Abend hinein am Arbeitsplatz anzutreffen. Mangelnde Routine? Auch. Doch viele trauen sich nicht, früher zu gehen als die Kollegen. Denn Überstunden sind ein heikles Thema.

Sie sind neu in der Abteilung und stellen fest, dass die Kollegen jeden Tag weit mehr arbeiten als acht Stunden. Klar, mit einem hohen zeitlichen Einsatz hatten Sie gerade am Anfang an Ihrem neuen Arbeitsplatz gerechnet.

Hier scheinen Überstunden jedoch die Regel zu sein. Sie sind verunsichert: Müssen Sie da mitziehen und regelmäßig Überstunden machen oder können Sie sich pünktlich in den Feierabend verabschieden?

Rechte und Pflichten am Arbeitsplatz

Es gibt keine gesetzliche Pflicht für Überstunden am Arbeitsplatz. Dennoch müssen Sie Mehrarbeit leisten, wenn es entsprechende tarif- oder arbeitsvertragliche Vereinbarungen gibt. Darüber hinaus hat der Arbeitgeber das Recht, aus betrieblich notwendigen Gründen Überstunden anzuordnen.

Zum Beispiel wenn ein wichtiges Projekt ansteht oder Sie für einen erkrankten Kollegen einspringen. Betrieblich notwendige Überstunden dürfen Sie nicht ablehnen. Das könnte ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen, etwa eine Abmahnung.

Es lohnt sich, den Arbeitsvertrag kritisch unter die Lupe zu nehmen. Die wichtigsten Fragen rund um Überstunden am Arbeitsplatz beantworten Ihnen unsere Personalberater:    

  • Sind mit dem Bruttogehalt automatisch alle Überstunden abgegolten?

Nein, das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Diese Klausel steht zwar in vielen Arbeitsverträgen, eine pauschale Vergütung der Überstunden ist in tariflich geregelten Arbeitsverhältnissen jedoch nicht wirksam. Erst im höher dotierten außertariflichen Angestelltenverhältnis (AT) ist Mehrarbeit am Arbeitsplatz meist mit dem Gehalt abgegolten.

  • Was muss im Vertrag stehen, damit die Zahl der Überstunden verbindlich geregelt ist? 

Es muss eine entsprechende Regelung geben. In dieser ist klar geregelt, zu wie vielen Überstunden ein Mitarbeiter monatlich verpflichtet ist. Diese Regelung könnte so aussehen: „Der Arbeitgeber behält sich vor, monatlich bis zu zehn Überstunden anzuordnen. Bei der Anordnung der Überstunden berücksichtigt der Arbeitgeber die betriebliche Notwendigkeit und die berechtigten Interessen des Arbeitnehmers.“

  • Wie verhindere ich, dass Überstunden zum Dauerzustand werden?

Das Arbeitszeitgesetz schiebt einen zeitlichen Riegel vor. Es besagt, dass Arbeitnehmer nicht länger als 10 Stunden täglich am Arbeitsplatz verbringen dürfen. Außerdem darf man nicht mehr als ein halbes Jahr durchschnittlich über 8 Stunden arbeiten.

  • Wie setze ich diese Regelung im Alltag durch?

Wenn Überstunden ausgeglichen werden sollen (über Freizeit oder Bezahlung), liegt die Beweislast beim Beschäftigten. Führen Sie Buch über alle vom Arbeitgeber angeordneten Überstunden. Damit sind Sie für alle Fälle gewappnet, sollte es diesbezüglich zu Streitigkeiten am Arbeitsplatz kommen.

Lesetipp: Darf der Chef Überstunden anordnen?

Im Job kommt es auf die Ergebnisse an!

Vertragsrechtliche Regelungen zu kennen ist wichtig. Ein Gespräch mit dem Chef ist jedoch meistens zielführender als der Blick auf die Paragrafen. Viele Vorgesetzte wissen oft nicht, wie häufig und wie viel Überstunden ihre Mitarbeiter leisten. Und dann lohnt es sich, auch einmal Nein im Job zu sagen.

Auch deshalb sollten Sie am Arbeitsplatz eine Liste führen. Sie selbst erhalten einen Überblick darüber, welche Aufgaben Sie in welchem Zeitumfang erledigen. Zugleich schaffen Sie Transparenz nach außen und präsentieren Ihre Leistungen.

Gerade Berufseinsteigern fehlt häufig die Routine im Job. Nach einer Weile werden Sie aber feststellen, dass Sie für die eine oder andere Aufgabe weniger Zeit benötigen. Letzten Endes kommt es auch nicht auf die Zahl der Stunden an, die Sie arbeiten. Unterm Strich zählen die Ergebnisse. Wenn die stimmen, sollten Sie auch dann keine Probleme bekommen, wenn Sie nach getaner Arbeit nach Hause gehen.

Haben Sie auch manchmal ein schlechtes Gewissen, wenn die Kollegen noch am Arbeitsplatz sitzen und Sie pünktlich gehen? Schreiben Sie uns, welche Erfahrungen Sie mit Überstunden machen.

Bildquelle: © Sergey Nivens - Fotolia.com

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