Überstunden: Wie viel Mehrarbeit ist OK?

Von Alenka Mladina 21. Dezember 2017

Regelmäßige Arbeitszeiten? Die sind eher selten. Denn in vielen Unternehmen und Positionen ist Mehrarbeit üblich: Ganze 1,7 Millionen Überstunden haben deutsche Arbeitnehmer 2016 geleistet, viele davon unbezahlt.

Doch muss das sein? Und darf der Arbeitgeber Überstunden einfach so verlangen?

Rechte und Pflichten am Arbeitsplatz

Es gibt keine gesetzliche Pflicht für Überstunden am Arbeitsplatz. Dennoch müssen Sie Mehrarbeit leisten, wenn es entsprechende tarif- oder arbeitsvertragliche Vereinbarungen gibt. Darüber hinaus hat der Arbeitgeber das Recht, aus betrieblich notwendigen Gründen Überstunden anzuordnen.

Zum Beispiel wenn ein wichtiges Projekt ansteht oder Sie für einen erkrankten Kollegen einspringen. Betrieblich notwendige Überstunden dürfen Sie nicht ablehnen. Das könnte ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen, etwa eine Abmahnung.

Es lohnt sich, den Arbeitsvertrag kritisch unter die Lupe zu nehmen. Die wichtigsten Fragen rund um Überstunden am Arbeitsplatz beantworten Ihnen unsere Personalberater:

  • Sind mit dem Bruttogehalt automatisch alle Überstunden abgegolten?

Nein, das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Diese Klausel steht zwar in vielen Arbeitsverträgen, eine pauschale Vergütung der Überstunden ist in tariflich geregelten Arbeitsverhältnissen jedoch nicht wirksam. Erst im höher dotierten außertariflichen Angestelltenverhältnis (AT) ist Mehrarbeit am Arbeitsplatz meist mit dem Gehalt abgegolten.

  • Was muss im Vertrag stehen, damit die Zahl der Überstunden verbindlich geregelt ist?

Es muss eine entsprechende Regelung geben. In dieser ist klar geregelt, zu wie vielen Überstunden ein Mitarbeiter monatlich verpflichtet ist. Diese Regelung könnte so aussehen:

Der Arbeitgeber behält sich vor, monatlich bis zu zehn Überstunden anzuordnen. Bei der Anordnung der Überstunden berücksichtigt der Arbeitgeber die betriebliche Notwendigkeit und die berechtigten Interessen des Arbeitnehmers.

  • Wie verhindere ich, dass Überstunden zum Dauerzustand werden?

Das Arbeitszeitgesetz schiebt einen zeitlichen Riegel vor. Es besagt, dass Arbeitnehmer nicht länger als 10 Stunden täglich am Arbeitsplatz verbringen dürfen. Außerdem darf man nicht mehr als ein halbes Jahr durchschnittlich über 8 Stunden arbeiten.

  • Wie setze ich diese Regelung im Alltag durch?

Wenn Überstunden ausgeglichen werden sollen (über Freizeit oder Bezahlung), liegt die Beweislast beim Beschäftigten. Führen Sie Buch über alle vom Arbeitgeber angeordneten Überstunden.

Damit sind Sie für alle Fälle gewappnet, sollte es diesbezüglich zu Streitigkeiten am Arbeitsplatz kommen.

Lesetipp: Darf der Chef Überstunden anordnen?

Im Job kommt es auf die Ergebnisse an!

Vertragsrechtliche Regelungen zu kennen ist wichtig. Ein Gespräch mit dem Chef ist jedoch meistens zielführender als der Blick auf die Paragrafen.

Denn gerade bei großen Teams oder bei viel Reisetätigkeit wissen Vorgesetzte oft nicht im Detail, wie häufig und wie viel Überstunden ihre Mitarbeiter leisten.

Sprechen Sie das Thema daher an. Ändert sich nichts und stapeln sich weitere Stunden auf Ihrem Mehrarbeitskonto, lohnt es sich, auch einmal Nein im Job zu sagen.

Führen Sie am Arbeitsplatz eine Liste. Sie selbst erhalten einen Überblick darüber, welche Aufgaben Sie in welchem Zeitumfang erledigen. Zugleich schaffen Sie Transparenz nach außen und präsentieren Ihre Leistungen.

Wenn Sie neu im Job sind, fehlt Ihnen häufig noch die Routine. Nach einer Weile werden Sie aber feststellen, dass Sie für die eine oder andere Aufgabe weniger Zeit benötigen.

Letzten Endes kommt es auch nicht darauf an, Ihr Wochenarbeitszeitkonto aufzufüllen. Unterm Strich zählen die Ergebnisse. Wenn die stimmen, sollten Sie auch dann keine Probleme bekommen, wenn Sie nach getaner Arbeit nach Hause gehen.

Sie leisten eine Überstunde nach der anderen, haben schon mehrmals Ihren Chef angesprochen aber es ändert sich nichts? Dann ist es vielleicht Zeit für einen neuen Job. Laden Sie einfach Ihren Lebenslauf hoch und unsere Personalberater werden sich schnellstmöglich bei Ihnen melden.

 

Jetzt direkt bewerben

Unsere Personalberater finden für Sie das passende Jobangebot.

Lebenslauf hochladen

Bildquelle: © Sergey Nivens - Fotolia.com

Das könnte Sie auch interessieren