Typische Fettnäpfchen im neuen Job - und wie Sie diese sicher vermeiden

Von Alenka Mladina 19. Mai 2015

Aller Anfang ist schwer – ganz besonders der Jobwechsel. Schließlich verbringen wir den Großteil unseres Tages am Arbeitsplatz. Damit Sie perfekt starten, möchten wir Sie während der ersten 60 Tage begleiten. In Teil 1 erfahren Sie, wie Sie im ersten Monat mit Lernbereitschaft und angemessener Zurückhaltung punkten.

Der erste Tag. Sie sind bestimmt sehr nervös und gleichzeitig sehr gespannt, ob die Stelle hält, was das Vorstellungsgespräch versprochen hatte. Bestimmt haben Sie sich gut vorbereitet und vielleicht auch schon die eine oder andere innovative Idee, bei der Sie jetzt darauf brennen, diese schnellstmöglich auch in die Tat umzusetzen. Das wird Ihren neuen Chef freuen. In den ersten 30 Tagen im neuen Job geht es jedoch erst einmal um etwas anderes.

Ihr Motto für die ersten Tage in der neuen Stelle: Lernen, Zuhören, Eingewöhnen

Die ersten 30 Tage in der neuen Stelle sind die Lern- und Eingewöhnungsphase. Das wissen auch Ihr neuer Chef und Ihre neuen Kollegen. Wenn Sie bei der einen oder anderen Aufgabe tatkräftig entlasten können, ist das prima. Es sprechen aber drei wichtige Gründe dafür, sich erst einmal auf das Eingewöhnen zu konzentrieren:

1. Sie kennen das Unternehmen noch nicht

Jede Firma ist ein komplexes Netz aus Beziehungen, Hierarchien, Arbeitsabläufen und Ritualen, die gemeinsam eine ganz individuelle Firmenkultur bilden. Nur, wenn Sie die Mechanismen kennen, können Sie im neuen Job erfolgreich sein. Und nur wenn Sie sich in dieser Unternehmenskultur wohlfühlen, werden Sie langfristig Spaß an der neuen Stelle haben. Nutzen Sie daher die Probezeit auch dafür, diesen wichtigen Faktor für sich zu bewerten.

2. Für Kollegen sind Sie eine Unbekannte

Ganz ehrlich: Auch wenn wir wissen, wie wichtig Veränderungen sind und diese sogar vorantreiben, für viele dauert es eine Weile, bis sie sich an die neue Situation gewöhnt haben. Das geht Ihren neuen Kollegen vermutlich auch so und Sie wissen noch nicht, was Sie von Ihnen halten sollen. Werden Sie das Gleichgewicht im Team durcheinander bringen? Sind erfolgreiche Abläufe in Gefahr? Oder sind Sie gar eine Konkurrenz bei der nächsten Beförderung?

Damit Sie an ihrem neuen Arbeitsplatz voll durchstarten können, sind Sie auf die gute Zusammenarbeit mit den Kollegen angewiesen. Die Basis dafür sollten Sie daher von Beginn an legen. (Übrigens ist die professionelle Zusammenarbeit im Team für viele Chefs auch Grund für eine Gehaltserhöhung)

3. Der erste Eindruck bleibt

Es ist eine oft zitierte und dennoch zutreffende Erkenntnis: Der erste Eindruck bildet die Basis für alle weiteren Eindrücke. Einen falschen zu korrigieren, kann unter Umständen sehr lange dauern. Statt zu forsch eigene Ideen anzubringen, die möglicherweise in der Form gar nicht umsetzbar sind, und gleich zu Beginn bewährte Prozesse in Frage zu stellen, sollten Sie zunächst viel zuhören. Sonst starten Sie bereits mit einem dicken Minus auf dem Sympathiekonto in den neuen Job.

Ein guter Start in der neuen Stelle beginnt schon vor dem ersten Tag

Die Vorbereitung auf die neue Stelle darf durchaus schon vor den ersten 30 Tagen beginnen. Sammeln Sie alle Informationen zum Unternehmen, die Sie bekommen können.

Sicher haben Sie sich schon umfassend für das Vorstellungsgespräch vorbereitet. Meist sind bis zu Ihrem ersten Tag jedoch schon einige Tage oder Wochen vergangen. Prüfen Sie daher die Internetseite des neuen Arbeitgebers, aber auch Presseartikel auf aktuelle Ereignisse und Informationen.

Die erste Woche in der neuen Stelle

Sobald Sie im Unternehmen sind, wird es sehr viel einfacher, an wichtige Informationen zu kommen. Die neuen Kollegen sind da sicherlich die beste Informationsquelle. Sie sollten deren Zeit in den ersten Tagen jedoch nicht zu stark strapazieren und lieber erst einmal auf das Intranet und jegliches weitere Informationsmaterial zurückgreifen.

Viele Unternehmen haben für neue Mitarbeiter Onboarding-Dokumente zusammengestellt, die Strukturen und Abläufe im Betrieb erklären. In der Regel finden sich dort auch wichtige Richtlinien, z. B. zu Datenschutzbestimmungen, Internetnutzung am Arbeitsplatz, Arbeitszeitenregelungen.

Haben Sie sich einen ersten Überblick verschafft, können Sie auf Ihre Kollegen zugehen. Idealerweise ist Ihnen an Ihrem neuen Arbeitsplatz ein Kollege zugewiesen worden, an den Sie sich bei allen Fragen wenden können.

Wenn das nicht der Fall sein sollte, wenden Sie sich am besten an Kollegen, die schon länger im Betrieb sind. Hören Sie aufmerksam zu, wenn Kollegen von sich aus erzählen, und arrangieren Sie Treffen, zum Beispiel zum gemeinsamen Mittagessen. Auch ein Einstand ist eine perfekte Gelegenheit, sich besser kennen zu lernen und gleichzeitig mehr über informelle Strukturen zu erfahren.

Ein neuer Job birgt relativ große Gefahren, ins Fettnäpfchen zu treten. Deshalb sollten Sie selbst genau beobachten: Wer siezt, wer duzt? Herrscht ein lockerer oder förmlicher Umgang? Welche Regelmäßigkeiten gibt es im täglichen Ablauf? Wie kleiden sich die Kollegen und Vorgesetzte? Gerade in der ersten Woche in der neuen Stelle können Sie als zurückhaltender Beobachter viel lernen.

Dos

In den ersten 30 Tagen in der neuen Stelle wird von Ihnen erwartet, dass…

  • ...Sie Ihren Verantwortungsbereich und Ihre Aufgaben kennen lernen: Jedes Unternehmen verfügt über komplexe soziale Strukturen. Doch Sie sollten sich nicht nur auf die Kollegen konzentrieren, sondern vor allem auf Ihre tägliche Arbeit: Stecken Sie das Aufgabenfeld ab, bringen Sie Reportingstrukturen und Verantwortlichkeiten in Erfahrung. Danach sollten Sie wissen: Wo beginnt und wo endet Ihr neuer Job?
  • ...Sie Vorgesetzte erkennen: Den Geschäftsführer des Unternehmens sollten Sie auch dann erkennen, wenn er Ihnen noch nicht vorgestellt wurde. Durchforsten Sie die Unternehmenswebseite oder das Intranet nach Bildern – und fragen Sie im Zweifelsfall die Kollegen.
  • ...Sie sich gut einfügen: Lernen Sie die Menschen kennen, mit denen Sie täglich zusammenarbeiten. Kleine Verbesserungsvorschläge können Sie mit etwas Fingerspitzengefühl durchaus anbringen. Größere Verbesserungsmaßnahmen sind in den ersten 30 Tagen in der neuen Stelle hingegen unangebracht. Ordnen Sie sich zunächst unter, wenn Sie keine Führungsposition haben. Niemand freut sich über den Neuen, der einem sagt, was man bisher alles falsch gemacht hat (und alles besser weiß).
  • ...Sie proaktiv sind: Ihnen fehlen wichtige Zugangsdaten oder Arbeitsgeräte? Warten Sie nicht darauf, dass man sich um Sie kümmert – finden Sie selbst heraus, wo Sie die nötigen Unterlagen oder Tools herbekommen.

Don'ts

Was Sie in den ersten 30 Tagen in der neuen Stelle lieber lassen sollten

  • Sich förmlicher als die Geschäftsleitung zu kleiden: Sie haben beim Vorstellungsgespräch bereits einen Eindruck von der passenden Kleidung bekommen – und vermutlich auch selbst demonstriert. Wenn Sie noch unsicher sind, was Sie anziehen sollen, hilft nur eins: Beobachten Sie vor Ihrem ersten Tag, wie sich die Kollegen kleiden. Wie wir uns am Arbeitsplatz anziehen, hat großen Einfluss auf den Eindruck, den die Kollegen von uns gewinnen.
  • Unpünktlich sein und den Urlaub vorplanen: Nichts macht einen so schlechten Eindruck wie jemand, der bereits in den ersten Wochen regelmäßig zu spät kommt. Fast ebenso demotiviert wirkt es, wenn Sie sich nach ein paar Tagen im neuen Job schon lautstark auf den nächsten Urlaub freuen.
  • Übermäßigen Tatendrang zeigen: Motivation und Interesse zu zeigen, ist Pflicht. Wer jedoch am Anfang bereits zu viel bewegen möchte, landet oft unsanft auf dem Boden der Tatsachen. Geben Sie sich etwas Zeit, Ihre Umwelt und Aufgaben kennen zu lernen, bevor Sie große Veränderungen anstreben. Niemand erwartet in den ersten 30 Tagen bahnbrechende Ergebnisse von ihnen. Zeigen Sie lieber, dass Sie ins Unternehmen passen, die Prozesse verstanden haben, sich mit der Unternehmenskultur identifizieren können und lernbegeistert sind. Das ist schon eine Menge für die ersten 30 Tage in der neuen Stelle.
  • Die Messlatte zu hoch hängen: Voller Einsatz von Beginn an ist lobenswert. Doch geben Sie in den ersten 30 Tagen kein Tempo vor, dass Sie langfristig nicht halten können. Ihr Chef wird sich die Leistungsfähigkeit als Maßstab nehmen. Schlimmstenfalls können Sie das Leistungsniveau später nur durch viele Überstunden liefern und riskieren einen Burn-Out. Der gesunde Mittelweg ist in den ersten 30 Tagen angebracht.

Spielen Sie erst mit, wenn Sie die Regeln kennen

In den ersten Wochen sollten Sie vor allem aufmerksam sein, viel zuhören und lernen. Notieren Sie sich alle Informationen, die Sie über den Tag hinweg erhalten und nehmen Sie sich am Ende jeder Woche Zeit, diese nochmal durchzugehen. Das verschafft Ihnen einen Überblick über die wichtigen Punkte, vor allem diejenigen, die bei Ihrer neuen Stelle besonders wichtig sind.

Werden Sie nicht nervös, wenn es Ihnen nicht schnell genug geht. Sie sollten sich in den ersten Tagen nicht zu viel vornehmen und keine zu hohen Erwartungen an sich selbst stellen. Spielen Sie dann mit, wenn Sie die Regeln einigermaßen gut kennen – und wenn Sie die geeigneten Mitspieler gefunden haben. Wie Sie diese finden und vor allem, wie Sie sich ein Netzwerk im neuen Job aufbauen, lesen Sie hier im zweiten Teil der Serie.

Wie war Ihr erster Tag im neuen Job? Erzählen Sie von Ihren Erlebnissen, weiter unten im Kommentarfeld haben Sie Platz dafür.

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Bildquelle: @patchdoc - Fotolia.com

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