6 Mut-Tipps: Keine Angst mehr vor Gesprächen mit Vorgesetzten

Von Christina Holl on 22. Juli 2022
Geschätzte Lesedauer: 7 Minuten

Termine mit Vorgesetzten sorgen bei Beschäftigten schon mal für Unruhe. Doch manchmal erzeugt die Aussicht auf ein Gespräch mit dem*der Chef*in regelrecht Angst. Das ist keine gute Voraussetzung für ein Treffen. Wie Sie Ruhe bewahren, zeigt Ihnen dieser Ratgeber.

Die zwei Seiten der Angst

Angst ist ein schlechter Ratgeber – so lautet eine Lebensweisheit. Und tatsächlich: Wer sich vor etwas fürchtet, verdichtet Denken und Tun allein auf die auslösende Bedrohung. Aber ist Angst deshalb grundsätzlich schlecht? Nein, denn ohne Angst würden wir häufig große Risiken eingehen. Das betrifft beispielsweise den Straßenverkehr, den fahrlässigen Umgang mit der eigenen Gesundheit oder zu große Abenteuerlust.

Und auch im Job gibt es Ereignisse, die bei vielen Menschen Alarm auslösen. Etwa weil sie sich vor Kritik oder dem Verlust des Ansehens, des Gehalts oder des Arbeitsplatzes fürchten. Bei Angst im Job geht es häufig um die berufliche Existenz betreffende Konsequenzen. Ob es wirklich zu einem Jobverlust kommen könnte, spielt oft gar keine Rolle. Was für viele Angestellte im Vordergrund steht, ist meist nur das theoretische „Worst-Case-Szenario".

Ein typischer Auslöser für derlei Bedenken können Termine mit Vorgesetzten sein. Im Vorfeld stellen sich Angestellte nicht selten bange Fragen: Was wird zur Sprache kommen? Habe ich etwas falsch gemacht? Welche Folgen wird das für mich haben? Eventuelles schlechtes Gewissen oder düstere Vorahnungen führen letztlich zu Angst vor einem Gespräch mit dem*der Chef*in. Und zwar vor allem dann, wenn es sich überraschend ergibt oder gemeinsame Meetings nur selten vorkommen und deshalb eine ungewohnte Ausnahmesituation darstellen. Genau davor fürchten sich viele Menschen, weil ihnen die erfahrungsbedingte Sicherheit in diesem Kontext fehlt. Manche Mitarbeitende fürchten sich vor wichtigen Meetings, andere haben grundsätzlich Angst vor Gesprächen mit Vorgesetzten.

Zwar schärft Angst die Sinne und zwingt den Blick auf das Wesentliche – doch sie kann die Betroffenen so sehr hemmen, dass sie zu einem Handikap wird und den Handlungsspielraum einschränkt. Damit Ihnen diese Angst nichts mehr anhaben kann, haben wir einige Tipps für Sie zusammengestellt. Mit diesen sollten Sie Ihre Angst vor dem und im Gespräch mit dem*der Chef*in in den Griff bekommen.

1. Übertragen Sie keine alten Ängste

Erfahrungen prägen unsere Sicht auf die Welt. Wir führen uns Vergangenes in ähnlichen Situationen wieder vor Augen – um auf alles vorbereitet zu sein. Doch das funktioniert nur dann, wenn die Umstände tatsächlich vergleichbar sind. Andernfalls führt diese Übertragung leicht zu Vorurteilen und Pauschalisierungen. Denn: Nur weil Sie mit der früheren Vorgesetzten immer wieder Probleme bei Mitarbeitendengesprächen hatten, muss es mit Ihrem jetzigen Chef nicht genauso laufen. Versuchen Sie also, jede Situation neu und individuell zu bewerten. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt.

2. Übertreiben Sie die Situation im Geiste

Vom Worst-Case-Szenario auszugehen ist belastend und lässt vor dem Gespräch mit dem*der Chef*Chefin leicht Angst aufkommen. Trotzdem hilft es oft, sich in eben diese Situation hineinzusteigern. Und zwar auf eine so extreme Art, dass die Vorstellung vom denkbar schlechtesten Verlauf grotesk wirkt. Durch die Übertreibung gerät das fantasierte Geschehen ins Lächerliche und verliert damit seinen Schrecken. Das ist sowohl amüsant als auch entspannend, weil Sie wissen, dass es so übel nicht werden wird.

3. Gehen Sie die Sache positiv an

Fragen Sie sich nun realistisch, was im schlimmsten Fall passieren könnte. Meisten dürfte es im angekündigten Austausch mit Chef oder Chefin nicht um das Ende Ihrer Karriere gehen. Beispiel Gehaltsgespräch: Wenn es schlecht läuft, wird Ihnen der Wunsch nach einem höheren Gehalt abgeschlagen. Das ist zwar nicht schön, aber auch kein Weltuntergang. Doch ließe sich Ihre Chance ohne Angst besser nutzen?

Stellen Sie sich eine Situation vor, in der Sie mit Freude in den Termin gehen. Schließlich haben Sie gut gearbeitet und verdienen dafür Anerkennung. Betreiben Sie also etwas Selbstmarketing. Beschreiben Sie Ihre Erfolge, zeigen Sie, was Sie erreicht haben. Konzentrieren Sie sich auf das Positive und verinnerlichen Sie das. Dann können Sie unbeschwerter in das Gespräch gehen. Und wie gesagt: was soll schon passieren?

4. Nutzen Sie Smalltalk mit dem*der Chef*in

Keine Frage wird häufiger gestellt als „Wie geht’s?“. Egal, ob vor dem Meeting oder bei der flüchtigen Begegnung im Flur – viele Gespräche mit Chef oder Chefin beginnen so. Wenn Ihre Antwort darauf lautet „Gut, und Ihnen?“ endet die Unterhaltung schnell in einer Sackgasse.

Überlegen Sie sich besser vorab eine Antwort auf diese typische Einleitungsfrage, zum Beispiel: „Sehr gut, ich war am Wochenende beim Wandern in den Bergen. Waren Sie auch schon einmal im Allgäu?“. Oder reden Sie über ein Thema, das Sie so richtig begeistert. Dann verschwindet die Nervosität ganz von allein und ein paar Minuten freundlicher Unterhaltung sind so gut wie sicher.

Am besten überlegen Sie sich ein paar Smalltalk-Themen für das Gespräch mit dem*der Chef*in. Welche Interessen und Hobbys (z. B. Filme, Musik, Sport, Reisen) hat er oder sie? Vielleicht gibt es eine gemeinsam erlebte heitere Situation, auf die Sie zurückgreifen können.

5. Seien Sie pünktlich und flexibel

Von einem vereinbarten Zeitplan abzuweichen, führt meist zu Verlegenheit. Wenn Sie zum Meeting zu früh erscheinen, hat Ihr Gegenüber wahrscheinlich noch andere Dinge zu erledigen. Kommen Sie zu spät, bringen Sie dessen Folgetermine durcheinander. Beides erzeugt Stress, der nicht die beste Grundlage für ein gutes Gespräch ist.

Seien Sie deshalb immer wenige Minuten, bevor das Meeting angesetzt ist, da. Dann können Sie sich nach Ihrer Führungskraft richten: Hat sie doch schon früher Zeit, kann es gleich losgehen. Andernfalls müssen Sie eben ein paar Minuten warten. In jedem Fall haben Sie ihr Möglichstes getan, um das Gespräch entspannt zu beginnen. Das verschafft Ihnen mehr Sicherheit.

6. Beugen Sie der Angst vor

Der*die Chef*in macht Sie nervös: Das trifft auf vergleichsweise viele Beschäftigte zu. Zwar macht die Tatsache, dass Sie sich in Gesellschaft wissen, im Zweifel ein Treffen mit Ihren Vorgesetzten nicht einfacher, aber es zeigt, dass eine gewisse Unruhe eine normale Reaktion ist. Lassen Sie sie zu, anstatt sie zu unterdrücken.

Problematisch wird es allerdings, wenn Ihnen die Aussicht auf ein Gespräch mit dem*der Chef*in regelrecht Angst einjagt. Das kann zwar ab und zu passieren, sollte aber nicht zum Normalfall werden. Schon gar nicht darf die Furcht Sie blockieren oder generell im Beruf belasten. Um das zu verhindern, sollten Sie vorbeugen. Gegen Angst und Anspannung helfen beispielsweise:

  • regelmäßige sportliche Betätigung
  • Yoga und Meditation
  • ein gesunder Lebensstil
  • die eigenen körperlichen und seelischen Grenzen zu kennen und zu beachten
  • Aufgaben strukturiert zu planen und zu erledigen
  • Work-Life-Balance neu auszurichten

Bekommen Sie Ihre Angst vor einem Gespräch mit Ihrem*Ihrer Chef*in trotzdem nicht in den Griff, haben Sie eventuell eine*n besonders schwierige*n Vorgesetzte*n. In dem Fall sollten Sie über einen Wechsel des Arbeitsplatzes nachdenken. Welche Möglichkeiten Sie aktuell auf dem Stellenmarkt haben, zeigt Ihnen ein Blick in unsere Jobbörse.

 


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