Sprechen Sie Bewerbisch?

Von Christina Holl 21. Februar 2014

„Was ist eigentlich Bewerbisch?“ fragte kürzlich ein Bewerber einen unserer Personalberater in Stuttgart. Daraufhin der Kollege mit einem Augenzwinkern: "Bewerbisch? Das ist doch klar: eine Bewerbung auf Schwäbisch…" Na ja, so ganz stimmt das ja nicht – zumindest was das Schwäbische betrifft. Das so genannte Bewerbisch meint zwar eine Sprache (vielleicht würden Linguistiker hier auch eher von Dialekt sprechen), aber nicht die Schwäbische, sondern die sehr eigene Sprache in Stellenangeboten. Und die sollte jeder Bewerber natürlich perfekt beherrschen. Nur, wer spricht schon fließend „Bewerbisch“?

Zugegeben, Stellenangebote richtig zu verstehen ist eigentlich gar nicht so kompliziert wie es auf den ersten Blick erscheint. Wenn Sie einige wichtige Grundlagen berücksichtigen, werden Sie schnell erkennen, ob der Job tatsächlich hält, was die Anzeige verspricht.

Stellenangebote richtig lesen und verstehen

Ab jetzt sollen Ihre Anzeigen bunt werden! Drucken Sie sich dafür als erstes die für Sie interessanten Stellenangebote aus. Nehmen Sie ein paar farbige Stifte und schon geht es los. Markieren Sie, welche Informationen Ihnen selbst wichtig sind mit einer Farbe. Wählen Sie eine andere Farbe für die Aspekte, die für das Unternehmen offensichtlich eine entscheidende Rolle spielen.

Im zweiten Schritt gehen Sie dann Ihr Stellenangebot anhand der folgenden Checkliste Punkt für Punkt durch.

Checkliste, um Stellenangebote zu verstehen

  • Was interessiert Sie an dem Stellenangebot ganz besonders? Und warum ist es interessanter als andere Stellenangebote? Notieren Sie sich die wichtigsten Punkte. Hilfreich ist es, wenn Sie die einzelnen Stellenangebote in einer Tabelle gegenüberstellen und vergleichen. Aber bitte nicht mehr als fünf Anzeigen gleichzeitig – sonst verlieren Sie selbst schnell den Überblick.
  • Muss-Kriterien: Welche Kenntnisse und Aufgabengebiete sind in dem Jobangebot explizit genannt? Ganz typische Sprachformulierungen dafür sind „Voraussetzung sind…“, „Selbstverständlich verfügen Sie über…“, oder „….sind erforderlich“. Meistens werden 3 – 5 Muss-Kriterien genannt, die in der Regel nach Relevanz sortiert sind. Übersetzt heißt das, wenn Sie nur eine oder zwei der genannten Qualifikationen mitbringen, können Sie sich die Bewerbung sparen.
  • Dann gibt es noch die häufig verwendeten Formulierungen „Idealerweise bringen Sie mit….“ oder „….runden Ihr Profil ab“. Das sind die so genannten „nice to have“ Kriterien. Wenn Sie hier keine Erfahrungen haben, ist das nicht weiter schlimm. Passt alles andere, sollten Sie sich trotzdem bewerben. Allerdings müssen Sie damit rechnen, dass Mitbewerber die sowohl Muss- als auch „nice to have“ Kriterien mitbringen, meist einen kleinen Vorteil haben.
  • Wie aussagekräftig ist das Anforderungsprofil? Für den gleichen Job nutzen unterschiedliche Arbeitgeber häufig andere Berufsbezeichnungen. Deshalb muss der Positionstitel nicht zwingend passen. Entscheidend ist, dass die Stellenanzeige konkrete Aufgaben beschreibt, die Ihren fachlichen Qualifikationen und Ihren Interessen entsprechen.
  • Soft Skills wie „belastbar“, „dynamisch“ und „flexibel“ tauchen inzwischen in fast jedem Stellenangebot auf. Gerade wenn belastbare Mitarbeiter gesucht werden, können Sie davon ausgehen, dass der Job stressig ist. Dynamische oder auch flexible Mitarbeiter sind vor allem dann gefragt, wenn es ständig Änderungen im Unternehmen gibt. Überlegen Sie sich gut, ob Sie in ein solches Arbeitsklima hinein passen.
  • Dieser Part ist besonders wichtig: Was bietet Ihnen das Unternehmen? Stehen im Stellenangebot attraktive Zusatzleistungen wie flexible Arbeitszeiten, Weiterbildungen oder Home Office? Da nicht alle Informationen in der Anzeige Platz haben, sollten Sie an dieser Stelle unbedingt auch die Webseite und Social Media Profile des potenziellen Arbeitgebers checken. Sie werden dort einige aufschlussreiche Informationen finden, die Ihnen helfen, das Stellenangebot zu verstehen.
  • Jetzt sind Sie am Ende der Stellenbeschreibung angelangt und gar nicht mehr sicher, ob der Job tatsächlich passt? Rufen Sie an. In der Regel werden in Stellenanzeigen auch immer Ansprechpartner genannt. Bereiten Sie sich dafür vor und notieren Sie, welche offenen Fragen Sie haben. Nichts ist peinlicher als ein weiter Anruf, weil Sie die wichtigsten wichtigsten Punkte nicht gefragt haben.
  • Sehr interessant sind bei der Jobsuche natürlich Insider-Informationen und die Einschätzungen von Mitarbeitern. Wenn Sie keine kennen, recherchieren Sie auch in sozialen Netzwerken oder auf Firmenbewertungs-Portalen. Nehmen Sie aber nicht jeden Kommentar für bare Münze - insbesondere bei besonders positiven oder absolut negativen Beiträgen.

Sie haben alle Punkte aus der Checkliste abgehakt? Prima. Jetzt haben Sie sicherlich ein weit besseres Gefühl und genauere Einschätzung, ob der Job auch auf den zweiten Blick noch hält, was das Stellenangebot versprochen hat.

Wenn dem so ist, dann sollten Sie jetzt loslegen und Ihren Lebenslauf erstellen oder aktualisieren. Wie das perfekt gelingt, lesen Sie übrigens auf unserer Robert Half Webseite hier. Kostenlose Download-Vorlagen für Lebensläufe finden Sie bei karrierebibel.de oder bei monster.de.

Wie gut ist Ihr Bewerbisch? Lagen Sie mit Ihrer Einschätzung eines Stellenangebots schon einmal völlig daneben?

Bildquelle: © olly – Fotolia.com

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