So wichtig sind Unternehmenswerte für ein erfolgreiches Recruiting

Von Robert Half on 22. Dezember 2022
Geschätzte Lesedauer: 6 Minuten

Ein gutes Gehalt und attraktive Benefits – so hätten Fachkräfte vor noch gar nicht so langer Zeit auf die Frage geantwortet, wie der Traumjob sein soll. Unternehmenswerte galten lange nur als schmückendes Beiwerk. Diese Zeiten sind vorbei: Bewerbende fragen zunehmend nach ethischen Werten. Emine Yilmaz, Vice President Permanent Talent für Deutschland und die Schweiz bei Robert Half, gibt Einblicke: Das ist Mitarbeitenden heute wichtig.

Unternehmenswerte: Wofür stehen wir? Was wollen wir erreichen?

Unternehmenswerte sind die ethisch-moralischen Eckpfeiler einer Organisation. Sie können sowohl den Ist-Zustand beschreiben („Diese Werte vertreten wir nach außen und handeln danach”) als auch einen angestrebten Soll-Zustand definieren („Nach diesen Werten wollen wir uns künftig richten, um weiter erfolgreich zu sein”). Der US-amerikanische Unternehmensberater und Autor Patrick Lencioni findet für diese unterschiedlichen Arten von Unternehmenswerten die Begriffe Core Values (Grundlage, Ist-Zustand) und Aspirational Values (angestrebte Werte, Soll-Zustand).

Core Values stehen für den Charakter eines Unternehmens und häufig auch für Merkmale, die es von anderen abheben. Typische Beispiele sind – je nach Branche und Kernkompetenzen – etwa Qualität, Transparenz oder Innovation.

Hinzu kommen zwei Themen, die in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen haben: Nachhaltigkeit beziehungsweise ESG (Environmental Social Governance) und DEI (Diversity, Equity & Inclusion). Aus dem Bauch heraus würden wohl einige sie als Aspirational Values bezeichnen – also etwas, das in der Zukunft wichtig werden wird und um das man sich demnächst mal kümmern sollte. Wie entscheidend es aber schon heute ist, dass ein Unternehmen diese Werte beherzigt, zeigt unsere aktuelle Befragung von Führungskräften.

Bewerbende fragen zunehmend aktiv nach Unternehmenswerten

Eine Studie im Rahmen unserer Gehaltsübersicht 2023 spiegelt wider: Es ist keine Seltenheit mehr, dass Bewerbende das Thema Unternehmenswerte auf dem Schirm haben und sich aktiv danach erkundigen. Das legt nahe, dass Werte neben dem Gehalt und weiteren Benefits mittlerweile ein Entscheidungskriterium für oder gegen einen bestimmten Arbeitgeber sind. Sie spielen eine wichtige Rolle als Basis für das Employer Branding. Und somit für die Frage, die sich viele Bewerbende stellen: Wofür steht dieses Unternehmen – und überzeugt es mich als möglicher Arbeitgeber?

Wie 32 Prozent der Befragten berichten, interessieren sich ihre Jobkandidat*innen im Gespräch allgemein für die ethischen Werte des Unternehmens, wobei die Frage nicht auf ein bestimmtes Kriterium abzielte. 60 Prozent der Führungskräfte meinen passend dazu, dass Mitarbeitende im Arbeitsumfeld mehr Wert auf ethisches Verhalten legen als noch vor zwölf Monaten. Starke und überzeugende Unternehmenswerte zu haben, wird daher mehrheitlich als essenziell angesehen, um Mitarbeitende zu halten und neue Talente an sich binden zu können.

Arbeitgeber sollten konkrete Antworten parat haben

Dass sich viele Jobsuchende über die Werte eines Unternehmens informieren und dies auch mit in die Entscheidung einfließen lassen, ob sie sich dort bewerben, ist schon länger bekannt. Beeindruckend ist es allerdings, jetzt in Zahlen zu sehen, wie viele diese Themen auch im Bewerbungsgespräch mittlerweile aktiv ansprechen. Besonders gilt das zurzeit in Bezug auf ESG und Diversity. Zu diesen beiden Punkten wurde im Bewerbungsgespräch bei rund einem Drittel der Führungskräfte gezielt nachgefragt.

Personalverantwortliche und Führungskräfte sollten sich also darauf einstellen, bei Bedarf ein paar aussagekräftige Beispiele dafür parat zu haben, wie solche Unternehmenswerte bei ihnen konkret umgesetzt werden. Ein knappes „Natürlich sind uns Nachhaltigkeit und Diversität sehr wichtig” ist zu wenig. Wer zum Beispiel bereits ein starkes Diversity Management aufgebaut hat, kann hier punkten.

Arbeitgeber sind jedoch nicht zur Passivität verdammt. Umgekehrt können die Unternehmenswerte auch ein guter Aufhänger für eine Frage an Bewerbende sein: „Sicher haben Sie sich mit unseren Unternehmenswerten auseinandergesetzt – inwiefern haben diese den Ausschlag dafür gegeben, dass Sie sich bei uns beworben haben?” Hier wartet eine Chance: Wer sich der eigenen Werte bewusst ist, kann sich Kandidatinnen und Kandidaten ebenfalls eher leichter danach aussuchen, ob sie zum Unternehmen passen. Voraussetzung ist natürlich, dass auch die Hard Skills stimmen.

ESG und Diversity im Fokus: So sehen Führungskräfte ihr Unternehmen aufgestellt

Viele Führungskräfte sehen ihr Unternehmen hier schon gut aufgestellt. Mehr als die Hälfte der Befragten stimmt der Aussage zu: „Mein Unternehmen ist anderen einen Schritt voraus, wenn es um ethisch korrektes Verhalten und ESG-Belange geht.” Ebenso ist sich die Mehrheit einig: Wer hier nicht mitzieht und vor allem nicht transparent kommuniziert, dass und wie er nach diesen Werten handelt, wird auf einem Arbeitnehmermarkt schnell das Nachsehen haben. Das lässt hoffen, dass viele Unternehmen DEI und ESG bereits als Bestandteil ihrer Core Values begreifen.

Zeit wird es, denn dadurch überzeugen sie nicht nur potenzielle neue Mitarbeitende von sich. Soziales, Menschenrechte und Umweltfaktoren dürfen in keiner langfristig angelegten Unternehmensstrategie fehlen – im Kern steht dabei bekanntlich das wirtschaftliche Überleben auf dem Spiel.

Wie gut kennen Ihre Mitarbeitenden Ihre Unternehmenswerte?

Hand aufs Herz: Wenn Ihre Mitarbeitenden spontan gefragt würden – könnten dann alle die Werte nennen, nach denen Ihr Unternehmen sich richtet? Falls nein, könnte das daran liegen, dass es sich bisher nur um schöne Schlagworte handelt, die im täglichen Miteinander aber nicht gelebt werden.

Nach außen hin ist meist deutlich sichtbar, wofür ein Unternehmen stehen will und wonach es strebt: auf der Website, in Präsentationen oder über Social Media wird darüber informiert. Die Unternehmenswerte sollten aber genauso auch für Mitarbeitende präsent sein. Idealerweise gehen sie mit gelebter Unternehmenskultur Hand in Hand. Neben Nachhaltigkeit und Diversity müssen dabei auch traditionelle Unternehmenswerte wie Zuverlässigkeit, Offenheit und ein wertschätzendes Miteinander ihren Platz finden.

Wer meint, hier noch Nachholbedarf zu haben, sollte als erstes auf Kommunikation setzen. Laden Sie Ihre Mitarbeitenden dazu ein, sich über Ihre Unternehmenswerte auszutauschen, und fragen Sie sie konkret, ob sie sich darin wiederfinden.

Behalten Sie Ihre Unternehmenswerte im Blick

Viele Unternehmenswerte sind zeitlos und bewährt. Sie haben als Core Values eine individuelle Kultur geformt, die nach Möglichkeit einen Mehrwert für Mitarbeitende und Kunden bieten will. Auch bei Robert Half ist das so: Werte wie Ehrlichkeit, Professionalität und Integrität machen uns aus. Daneben lohnt es sich aber auch, im Blick zu behalten, welche Werte künftig wichtig werden – oder es vielleicht schon längst sind.

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