Setzen Sie Grenzen – Lernen Sie, im Job Nein zu sagen

Von Alenka Mladina 22. Juni 2018

Ein entschiedenes Nein bringen viele Menschen im Job nur schwer über die Lippen. Schließlich wollen sie den Chef oder die Kollegen nicht enttäuschen – und schieben eine Überstunde nach der nächsten.

Doch wer immer nur Ja sagt, schadet am Ende seiner Karriere. Hier lesen Sie, wie Sie lernen, im Job Nein zu sagen.

In diesem Blogbeitrag lesen Sie:

  • Überstunden aus Gefälligkeit
  • Wer immer Ja sagt, schadet seiner Karriere
  • Tipp 1: Bitten Sie um Bedenkzeit
  • Tipp 2: Erkennen Sie Ihre Grenzen
  • Tipp 3: Denken Sie nicht so viel über andere nach
  • Tipp 4: Denken Sie an sich
  • Tipp 5: Begründen Sie Ihre Entscheidung
  • Tipp 6: Gehen Sie behutsam vor, wenn es der Chef ist
  • Tipp 7: Das sollten Sie unterlassen

Überstunden aus Gefälligkeit

Am Arbeitsplatz „Ja“ zu sagen ist nicht schwer – „Nein“ sagen dagegen sehr. Egal, ob der Kollege Aufgaben abwälzt, der Chef mal wieder trotz Feierabend um Überstunden bittet oder Sie zum dritten Mal in Folge das Mittagessen fürs Großraumbüro einkaufen.

Es gibt viele Situationen, über die man sich schon während einem das „Ja“ über die Lippen kommt, ärgert. Lernen Sie also Nein zu sagen im Job!

Manchen fällt es grundsätzlich nicht schwer, Extra-Arbeit abzulehnen oder einen Gefallen auszuschlagen. Andere brauchen ein wenig Zeit, bis sie im Beruf Nein sagen. Und wieder andere lernen es nie.

Das ist zwar gut für die Kollegen und für Ihren Chef, aber schlecht für Sie und Ihre Work-Life-Balance. Und so kommt es immer wieder vor, dass einzelne Arbeitnehmer Überstunde um Überstunde leisten - nur, weil sie den Kollegen zu oft etwas abgenommen haben.

Wer immer ja sagt, schadet seiner Karriere

Ein solches Verhalten ist auf Dauer nicht nur schlecht für die Gesundheit und Gift fürs Privatleben, sondern schadet womöglich sogar Ihrer Karriere.

Falls Sie immer wieder bereitwillig in die Gefälligkeitsfalle tappen, bekommen Sie vielleicht eines Tages im Mitarbeitergespräch zu hören, Sie müssten an Ihren Prioritäten arbeiten – und die Kollegen werden befördert.

Höchste Zeit, das zu ändern.

Überwinden Sie sich und lernen Sie, wie Sie im Job auch mal Nein sagen. Mit unseren Tipps werden Sie sehen: Es ist gar nicht schwer. Und auf diese Weise können Sie nebenbei Ihr Selbstbewusstsein im Beruf stärken.

Tipp 1: Bitten Sie um Bedenkzeit

Eine gute Strategie, um das Nein sagen im Job zu lernen, ist es, zunächst um Bedenkzeit zu bitten.

Nehmen Sie sich fünf oder zehn Minuten oder auch mal bis zum nächsten Tag, wenn die Bitte größere Ausmaße hat, bevor Sie antworten. Stellen Sie sich dann einige Fragen, um die Situation besser einschätzen zu können.

  • Was genau soll ich tun?
  • Möchte ich das und bringt es meine Karriere voran?
  • Was muss ich dafür geben? Wie viel Zeit kostet es mich? Und wie leidet mein eigener Aufgabenstapel darunter?
  • Worauf muss ich verzichten, wenn ich der Bitte nachkomme?
  • Wer bittet mich da um einen Gefallen? Und was bedeutet es mir, diesem Menschen zu helfen? Unterstützt mich der Kollege auch jederzeit gern?

Diese Fragen sollten Sie immer griffbereit haben. Denn so werden Sie ständig daran erinnert, wann es Zeit ist, Nein zu sagen.

Tipp 2: Erkennen Sie Ihre Grenzen

Wo ist Ihre Belastungsgrenze? Wieviel Mehrarbeit ist für Sie akzeptabel? Was übersteigt Ihre Kapazitäten?

Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl und machen Sie sich Ihre Gefühle und Bedürfnisse bewusst. Sprechen Sie mit den Kollegen offen darüber, wenn diese mit einem Anliegen auf Sie zukommen.

Haben Sie keine Scheu: Es zeugt nicht etwa von Schwäche, eigene Bedürfnisse zu artikulieren. Im Gegenteil.

Ein freundliches Nein bringt Ihnen von den Kollegen langfristig mehr Respekt ein als grenzenlose Hilfsbereitschaft. Die wird nämlich irgendwann selbstverständlich und in der Folge ausgenutzt.

Tipp 3: Denken Sie nicht so viel über andere nach

Oftmals sind wir besorgt, jemanden zu enttäuschen, wenn wir eine Bitte ausschlagen oder Arbeit ablehnen. Schließlich ist ein gutes Verhältnis zu den Kollegen und dem Vorgesetzten sehr viel wert.

Klar wollen wir hilfsbereit sein. Sie schätzen es ja auch, wenn Sie in kritischen Situationen Hilfe bekommen.

Dennoch: Wägen Sie genau ab, wann Sie helfen und wann Sie im Beruf Nein sagen müssen. Im Job ist es wichtig, an andere zu denken. Aber vergessen Sie sich selbst dabei nicht.

Tipp 4: Denken Sie an sich

Spätestens wenn die Kollegen vor Ihnen nach Hause gehen und Sie noch deren Aufgaben fertigstellen, ist Schluss. Auch Sie haben Anspruch auf eine ausgeglichene Work-Life-Balance.

Hören Sie ab sofort auf, den Kollegen Arbeit abzunehmen. Seien Sie selbstbewusst im Job und sagen Sie mutig Nein - höflich aber bestimmt.

Vielleicht werden Ihre Kollegen das erste Mal überrascht sein. Aber sie werden jemand anderen fragen. Und Sie können erleichtert sein, denn:

Stolze Frau, die im Job Nein sagen gelernt ha

 

  • Sie können stolz sein, weil Sie sich endlich getraut haben, Nein zu sagen.
  • Die Reaktion wird gar nicht so unangenehm sein wie Sie befürchtet hatten.
  • Und Sie werden keine zusätzliche Aufgaben auf Ihrem Schreibtisch liegen haben.

Tipp 5: Begründen Sie Ihre Entscheidung

Wenn Sie im Beruf Nein sagen, stoßen Sie bei Ihrem Gesprächspartner auf mehr Verständnis, wenn Sie ihm Ihre Entscheidung schonend und gut begründet beibringen.

Es ist zum Beispiel angemessen, eine Bitte abzulehnen, weil dadurch wichtige eigene Interessen auf der Strecke bleiben.

Zudem können Sie Ihrem Gegenüber auch mögliche negative Konsequenzen vor Augen führen, die eintreten, wenn Sie dem Anliegen nachkommen.

Und denken Sie daran: Der Ton macht die Musik. Tragen Sie Ihre Argumente in einem angemessenen Ton vor. Seien Sie souverän und kommunizieren Sie klar und eindeutig.

Nehmen Sie eine selbstbewusste Körperhaltung ein, zum Beispiel, indem sie mit beiden Füßen fest auf dem Boden stehen, den Rücken durchdrücken und Blickkontakt suchen.

Tipp 6: Gehen Sie sehr behutsam vor, wenn es der Chef ist

Besonders schwierig ist es, dem Vorgesetzten eine Bitte abzuschlagen. Doch was, wenn Sie schon das vierte Wochenende hintereinander arbeiten sollen?

Nein sagen ist zum Chef besonders schwer – aber durchaus machbar. Und es kann in manchen Fällen sogar Ihre Karriere ankurbeln.

Allerdings sollten Sie mit viel Feingefühl vorgehen, wenn Sie Ihrem Boss einen Korb geben. Das gilt vor allem dann, wenn Ihr Chef jemand ist, der mit Absagen schlecht umgehen kann und sie schnell persönlich nimmt.

Mit folgender Strategie gelingt das Nein sagen zum Chef:

  • Hören Sie sich sein Anliegen aufmerksam an und lassen Sie ihn ausreden, auch wenn Sie wissen, dass Sie die Bitte ablehnen wollen. So zeigen Sie Ernsthaftigkeit und guten Willen.
  • Beginnen Sie Ihre Ablehnung mit der Phrase „Ja, aber…“
  • Weichen Sie dann subtil aus
  • Bieten Sie dem Chef Alternativen an: Sie sind gerade mit anderen, dringenden Dingen beschäftigt, aber vielleicht hat der Kollege Zeit?
  • Zeigen Sie die Folgen auf, wenn Sie die Aufgabe annehmen: Verschieben sich vielleicht andere Projekte nach hinten?
  • Dramatisieren Sie: Vielleicht sind Sie gerade „extrem eingespannt“ in ein anderes Projekt und fühlen sich „sehr unwohl“, weil Sie dem neuen Anliegen nur wenig Aufmerksamkeit widmen können?
  • Bitten Sie um Mithilfe: Allein können Sie die neuen Aufgaben nicht stemmen. Falls der Chef niemanden hat, der Ihnen dabei zur Seite stehen kann, sucht er sich vielleicht jemand anderen mit mehr Zeit.

Tipp 7: Richtig Nein sagen: Das sollten Sie unterlassen

Im Beruf Nein zu sagen, kostet Überwindung. Dennoch sollten Sie zwei Dinge unbedingt unterlassen: Rechtfertigen Sie sich nicht und lügen Sie niemals!

Sie brauchen sich nicht dafür zu entschuldigen, dass Sie auf Ihre Bedürfnisse achten. Halten Sie sich vor Augen, dass Ihr Gegenüber mit einem zusätzlichen Arbeitsauftrag an Sie herantritt, den Sie neben Ihrem Pensum erledigen sollen.

Reden Sie auch nicht um den heißen Brei herum. Sonst laufen Sie Gefahr, am Ende wortbrüchig dazustehen.

Auf keinen Fall aber sollten Sie lügen, wenn Sie eine Aufgabe nicht übernehmen möchten. Auch nicht im Notfall. Denken Sie daran, dass die meisten Lügen früher oder später ans Licht kommen. Und dann haben Sie Ihre Glaubwürdigkeit und das Vertrauen der anderen dauerhaft verspielt.

Trauen Sie sich, im Job Nein zu sagen, und erzählen Sie uns von Ihren Erfahrungen. Gleich hier unten im Kommentarfeld oder an [email protected]. Wir sind gespannt, zu hören, wie Sie mit dem Thema umgehen.

Schon unseren zweimonatlichen Newsletter abonniert? Falls nicht, können Sie sich gleich hier anmelden: 

Ja, ich will Tipps für meine Karriere von Robert Half erhalten

 

Bildquelle: © zeljkosantrac – Istockphoto.com

Das könnte Sie auch interessieren