Zeugnissprache: So knacken Sie den Arbeitszeugnis-Code

Von Alenka Mladina 16. März 2015

Auf eine faire Beurteilung Ihrer Leistung haben Sie als Arbeitnehmer Anspruch. Doch woran erkennen Sie, welche Arbeitszeugnis-Codes sich hinter den scheinbar harmlosen Formulierungen wie "stets" verbergen? Ist das eine gute oder schlechte Bewertung in der Zeugnissprache? Das weiß Sabine Fernes, Head of Legal bei Robert Half. Mit ihren Tipps erkennen Sie sofort, ob das Zeugnis Ihrer Arbeitsleistung entspricht.

Amerikanische Bewerber können mit Referenzen punkten – bei deutschen Arbeitnehmern erfüllt nach wie vor das Arbeitszeugnis diese Aufgabe. Ihre Zeugnisse sind nicht nur ein Nachweis für Ihre Leistung, sondern geben Personalern auch Hinweise auf Ihre Arbeitsweise und Ihren Umgang mit Vorgesetzten und Kollegen.

Einfaches Arbeitszeugnis oder qualifiziertes Arbeitszeugnis – was ist der Unterschied?

Als Arbeitnehmer haben Sie am Ende Ihrer Anstellung Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Das regelt §109 Gewerbeordnung und unterscheidet dabei zwischen einem einfachen oder qualifizierten Zeugnis:

  • Das einfache Arbeitszeugnis beschreibt lediglich Art und Dauer der Tätigkeit.
  • Im qualifizierten Zeugnis hingegen werden darüber hinaus auch Ihre Leistung und Ihr Verhalten bewertet.

Es macht wenig Sinn, ein einfaches Arbeitszeugnis zu verlangen. Der Arbeitgeber, bei dem Sie sich bewerben, wird sich wundern, warum Sie auf eine umfassende Beurteilung verzichtet haben. Das müssten Sie schon gut begründen können.

Fordern Sie immer ein qualifiziertes Arbeitszeugnis an. Einzige Ausnahme: Wenn Sie das Unternehmen nach zwei Wochen Probezeit verlassen, kann Ihnen der Arbeitgeber nur ein einfaches Zeugnis erstellen.

Vorsicht vor dem Arbeitszeugnis-Code

Personaler benutzen im Arbeitszeugnis bestimmte Formulierungen, die sogenannten Zeugnissprache, um Auseinandersetzungen mit ehemaligen Mitarbeitern zu vermeiden. Deshalb klingt das Zeugnis manchmal positiv, entspricht jedoch in der Personalersprache eher der Note befriedigend oder ausreichend.

Ein Arbeitszeugnis muss – so sieht es die Rechtsprechung vor – wohlwollend formuliert sein. Wenn ein Vorgesetzter mit dem ehemaligen Mitarbeiter nicht zufrieden war, wird er seine Unzufriedenheit so ausdrücken, dass er keine Klage riskiert. Unterschätzen Sie die Formulierungen daher nicht: Ihr potenzieller neuer Arbeitgeber wird den Code in Ihrem Arbeitszeugnis entziffern.

Tatsächlich positive Formulierungen im Arbeitszeugnis erkennen Sie an Superlativen, die in der Alltagssprache übertrieben wirken. Signalwörter sind zum Beispiel:

  • „stets“,
  • „äußerst“,
  • „optimal” und
  • „zu unserer vollsten Zufriedenheit“.

Ein Beispiel:

Herr Müller erfüllte seine Aufgaben immer mit größter Sorgfalt. Die Ergebnisse waren stets zu unserer vollsten Zufriedenheit. Er zeigte über seinen Aufgabenbereich hinaus höchstes Engagement.

Eine derartige Formulierung entspricht in der schulischen Notenskala und so auch im Arbeitszeugnis einem „sehr gut“. Je weiter von den Superlativen abgewichen wird, umso schlechter ist in der Regel die Beurteilung.

Wenn Beurteilungskriterien im Zeugnis fehlen

Ein weiterer Kniff in der Zeugnissprache ist es, Beurteilungen wegzulassen, getreu dem Motto: „Worüber man nichts Gutes sagen kann, darüber soll man schweigen.“ Wenn in einem qualifizierten Arbeitszeugnis eine oder mehrere der Tätigkeiten nicht erwähnt werden, die zu Ihrem Berufsbild gehören, ist das ein schlechtes Zeichen im Arbeitszeugnis-Code.

Achten Sie außerdem darauf, wie folgende Punkte bewertet werden:

  • Auftreten und Verhalten,
  • Arbeitsweise und Leistungsfähigkeit,
  • Ausdauer und Belastbarkeit,
  • Führungsverhalten (bei Führungspositionen),
  • Initiative,
  • Kommunikationsfähigkeit,
  • Sorgfalt,
  • Zusammenarbeit und Teamfähigkeit.

Sie haben den Arbeitszeugnis-Code entschlüsselt und sind zufrieden mit dem Ergebnis? Wunderbar! Häufig kommt es jedoch vor, dass Arbeitnehmer nicht mit ihrem Zeugnis einverstanden sind.

Zeugnissprache entschlüsselt – und unzufrieden: So reagieren Sie richtig

Prüfen Sie Ihr Arbeitszeugnis genau, sobald Sie es erhalten haben. So erleben Sie später keine Überraschungen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie nicht angemessen bewertet wurden, sprechen Sie zunächst mit dem Verfasser des Zeugnisses. Mit einer höflichen Nachfrage erreichen Sie dabei meist mehr als mit direkter Kritik.

Denn: Die Formulierungen in Arbeitszeugnissen sind nicht immer eindeutig. Vielleicht wollte Ihr Arbeitgeber Ihre Leistung tatsächlich positiv bewerten, aber hat aus Unkenntnis auf den Superlativ verzichtet. Am besten haben Sie deshalb bereits ein paar alternative Formulierungen vorbereitet, wenn Sie um ein neues Zeugnis bitten.

Arbeitszeugnis anfordern und nachbessern

Eine gesetzliche Frist, innerhalb derer Sie ein Zeugnis beantragen müssen, gibt es nicht. Allerdings unterliegt der Anspruch tariflichen und vertraglich vereinbarten Ausschlussfristen oder kann „verwirkt“ sein. Prüfen Sie daher, ob in Ihrem Arbeits- oder Tarifvertrag beispielsweise geregelt ist, dass jegliche Ansprüche aus dem Vertrag innerhalb einer bestimmten Frist geltend gemacht werden müssen.

Nachbesserungen dürfen Sie so lange verlangen, bis das Zeugnis „der Wahrheit” entspricht. Das heißt, Sie können immer wieder nachfragen, bis Ihr Arbeitszeugnis eine realistische Bewertung Ihrer Leistung enthält.

Checkliste für den Arbeitszeugnis-Code

  • Sie haben einen gesetzlichen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis, wenn Ihr Arbeitsverhältnis endet (Das ist anders als bei einem Zwischenzeugnis).
  • Verlangen Sie nach einem qualifizierten Arbeitszeugnis – es sei denn Sie waren nur kurz im Unternehmen beschäftigt.
  • Folgende Beurteilungskriterien sollten vorkommen: Auftreten und Verhalten, Arbeitsweise und
  • Leistungsfähigkeit, Ausdauer und Belastbarkeit, Führungsverhalten (bei Führungspositionen), Initiative, Kommunikationsfähigkeit, Sorgfalt, Zusammenarbeit und Teamfähigkeit.
  • Achten Sie auf Superlative und darauf, dass nicht nur Ihr Engagement, sondern auch der Erfolg Ihrer Arbeit bewertet wird.
  • Wenn das Zeugnis nicht angemessen ist: Fragen Sie zunächst höflich beim Verfasser nach. In der Regel lässt sich eine einvernehmliche Lösung unkompliziert finden.

Tipp: Um zu wissen, wie Ihr Vorgesetzter Ihre Leistung bewertet, warten Sie nicht bis zum Arbeitszeugnis. Holen Sie sich Ihr Feedback regelmäßig im Mitarbeitergespräch ein.

Im Hinblick auf das Arbeitszeugnis ist es besonders wichtig, Mitarbeitergespräche – vor allem darin enthaltenes Feedback und Beurteilungen – zu dokumentieren. In Diskussionen um Zeugnisbeurteilungen haben Sie dann schriftliche Nachweise Ihrer Leistungen.

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