Zwei Jobangebote? So wird die Wahl nicht zur Qual

Von Alenka Mladina 9. März 2018

Kaum zu fassen: Jetzt liegt schon die nächste Zusage auf Ihre Bewerbung im Postfach. Sie haben offenbar einen Lauf. Kein Wunder, denn versierte Spezialisten werden händeringend gesucht: Im vierten Quartal 2017 waren etwa 1,2 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland unbesetzt - ein Rekord wie der Spiegel berichtet.

Für Sie hat das einen großen Vorteil: Sie können sich Ihren Traumjob zwischen mehreren Angeboten herauspicken. Doch wer die Wahl hat, hat auch die Qual. Hier finden Sie Tipps, die Ihnen helfen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Inhalt:

  • Tipp 1: Setzen Sie Prioritäten
  • Tipp 2: Stecken Sie sich langfristige Ziele
  • Tipp 3: Hören Sie auch auf Ihr Bauchgefühl
  • Tipp 4: Achten Sie auf die Unternehmenskultur
  • Tipp 5: Machen Sie die Probe aufs Exempel
  • Tipp 6: Setzen Sie sich ein Zeitlimit
  • Tipp 7: Suchen Sie Rat
  • Fazit: Auf das Komplettpaket kommt es an

Tipp 1: Setzen Sie Prioritäten

Nehmen wir an, Sie möchten sich beruflich weiterentwickeln. Also setzen Sie sich hin, schreiben einige Bewerbungen und erhalten darauf viel positive Resonanz. Tatsächlich machen Ihnen gleich mehrere Unternehmen sehr gute Angebote.

Und nun? Bewahren Sie einen kühlen Kopf und setzen Sie Prioritäten. Das heißt: Bevor Sie eine übereilte Entscheidung treffen, machen Sie eine Liste. Darin halten Sie fest, worauf Sie auf keinen Fall in Ihrem neuen Job verzichten möchten. Was Ihnen besonders wichtig ist, kommt nach oben, was weniger Bedeutung hat, weiter nach unten. Die Rangfolge könnte zum Beispiel so aussehen:

  • ein höheres Gehalt
  • bessere Weiterbildungsmöglichkeiten
  • ein sympathisches Team
  • Aufstiegschancen
  • flexible Arbeitszeiten

Hinter dem Ranking steht die Frage: Welche Ihrer Wünsche erfüllt welches Unternehmen? Behalten Sie Ihre Prioritäten immer im Hinterkopf. Am besten schon, bevor Sie sich bewerben. So wählen Sie schneller zwischen mehr oder weniger interessanten Angeboten aus. Besonders wenn Sie unter Druck stehen und möglichst schnell die richtige Entscheidung treffen müssen, ist eine rational aufgestellte Rangliste hilfreich.

Tipp 2: Stecken Sie sich langfristige Ziele

Fliegen Sie nicht nur auf Sicht. Wo sehen Sie sich in fünf oder zehn Jahren? Die Frage nach Ihren Zukunftsplänen spielt eine zentrale Rolle, wenn Sie sich für einen Arbeitgeber entscheiden. Lassen Sie sich nicht mit vermeintlich schnellen Erfolgen ködern, wenn mehrere Unternehmen um Sie buhlen: Denken Sie langfristig.

Beispiel 1: Sie möchten aus familiären Gründen den Job wechseln, zum Beispiel, weil Sie Nachwuchs bekommen haben. Dann spielen flexible Arbeitszeiten, kurze Anfahrtswege und Sicherheit eines bestimmten Jobangebots eine maßgebliche Rolle. Ein unbefristeter Arbeitsvertrag ist für Sie jetzt wichtiger als schnelle Aufstiegschancen.

Beispiel 2: Sie sind Berufseinsteiger und möchten möglichst schnell die Karriereleiter nach oben steigen. Achten Sie in diesem Fall im Bewerbungsgespräch besonders darauf, ob Ihnen das Unternehmen ein gutes Gehalt und Aufstiegsmöglichkeiten bietet.

Tipp 3: Hören Sie auch auf Ihr Bauchgefühl

Sachliche Argumente sind zwar wichtig, wenn Sie eine Entscheidung treffen. Aber vergessen Sie darüber nicht Ihr Bauchgefühl. Schließlich wollen Sie sich in Ihrem zukünftigen Job rundum wohlfühlen. Dazu gehört mehr als nur ein gutes Gehalt oder interessante Aufstiegsmöglichkeiten wie die Studie "Die Geheimnisse der glücklichsten Unternehmen und Mitarbeiter" zeigt.

Meist merken Sie recht schnell, ob die Chemie zwischen Ihnen und dem neuen Arbeitgeber stimmt. Ein ungutes Gefühl stellt sich beispielsweise ein, wenn Ihre Gesprächspartner unhöflich sind oder nicht auf Ihre Fragen eingehen. Findet die Kommunikation schon im Bewerbungsgespräch nicht auf Augenhöhe statt, sollten Sie das Jobangebot ausschlagen. Denn: Nur wenn Sie mit Ihrem Chef und den Kollegen harmonieren, werden Sie später Ihre beste Leistung bringen.

Tipp 4: Achten Sie auf die Unternehmenskultur

Wie möchten Sie arbeiten? Wie viel Verantwortung möchten Sie übernehmen? Wie viel Freiheit brauchen Sie in Ihrem Job? Und welche Normen und Werte sollte Ihr Wunschunternehmen vertreten? Diese Fragen (und die Antworten darauf) bestimmen Ihr künftiges Arbeitsumfeld erheblich:

Machen Sie sich für Ihre Jobauswahl darüber Gedanken, ob Sie lieber

  • selbstbestimmt oder unter Anleitung arbeiten,
  • gerne viel Kontakt mit Kollegen haben oder eher in Ruhe arbeiten möchten,
  • locker und unbefangen am Arbeitsplatz sind oder Ihnen Förmlichkeit wichtig ist.

Auch wenn es oft schwierig ist, sich im Vorfeld ein umfassendes Bild von der Organisationskultur zu machen: Es gibt Quellen, die Ihnen mehr über das Unternehmen verraten. So erfahren Sie auf der Website der Firma möglicherweise einiges über ihre Geschichte. Daraus könne Sie Rückschlüsse auf die zentralen Unternehmenswerte ziehen. Oder Sie schauen sich die Bewertungen auf Arbeitgeberportalen wie Kununu an.

Tipp 5: Schnuppern Sie in den neuen Job rein

Das Unternehmen ist ernsthaft an Ihnen interessiert? Dann seien Sie mutig und fragen Sie danach, ob Sie das Team und Ihren zukünftigen Arbeitsplatz vorab kennenlernen können. Oder vereinbaren Sie einen Probearbeitstag. So machen Sie sich ein Bild von der Gestaltung der Arbeitsplätze, dem Dresscode und dem Umgang der Kollegen untereinander. Ein lockeres Gespräch mit den Mitarbeitern verrät Ihnen viel über die allgemeine Stimmung im Unternehmen und ob das soziale Umfeld zu Ihrer Persönlichkeit passt.

Sollten Sie von einem Personalberater bei der Jobsuche unterstützt werden, wird er (oder sie) Ihnen viele Informationen über das Team und Ihrem zukünftigen Arbeitsplatz liefern. Schließlich ist es später sehr unschön, wenn Ihnen der neue Job nicht gefällt.

Tipp 6: Setzen Sie sich ein Zeitlimit

Je länger Sie für Ihre Entscheidung brauchen, desto schwerer kann sie Ihnen fallen. Deshalb sollten Sie Ihre Bedenkzeit begrenzen. Eine Woche oder höchstens zwei müssen genügen.

Dauert die Bedenkphase länger, droht wegen dauernden Grübelns das Für und Wider einer Stelle zu verschwimmen. Außerdem vermeiden Sie den Eindruck, dass Sie eine Hinhaltetaktik gegenüber den potenziellen Arbeitgebern verfolgen. Die mögen es gar nicht, gegeneinander ausgespielt zu werden.

Nutzen Sie die Bedenkzeit, um die Angebote genau mit den von Ihnen gewünschten Prioritäten abzugleichen (siehe Tipp 1 oben). Planen Sie unbedingt auch noch Zeit ein, um in sich hineinzuhorchen: Was sagt ihr Bauchgefühl?

Manchmal mischt sich auch Ihr aktueller Chef ein und will sie mit Versprechungen halten. Bleiben Sie dann standhaft und sagen Sie nein zum Gegenangebot vom Noch-Chef .

Tipp 7: Suchen Sie Rat für Ihre Jobentscheidung

Falls Sie noch immer keine Entscheidung treffen können, dann bitten Sie vertraute Personen aus Ihrem Umfeld um Unterstützung. Lebenspartner, Freunde, (Noch-)Kollegen oder Ihre Eltern standen in ihrem Berufsleben wahrscheinlich auch schon einmal an einem weichenstellenden Punkt. Wie haben sie sich damals entschlossen?

Auch Menschen außerhalb Ihrer Branche haben sicherlich hilfreiche Erfahrungen gemacht, die Ihnen die eigene Entscheidung erleichtern können. Sie bringen womöglich Argumente ins Spiel, an die Sie noch gar nicht gedacht haben. Das kann Ihnen ganz neue Impulse für die richtige Jobauswahl geben.

Fazit: Auf das Komplettpaket kommt es an

Sie sind in der glücklichen Position, gleich mehrere Jobangebote vorliegen zu haben. Nutzen Sie diese Chance und fühlen Sie den interessierten Unternehmen auf den Zahn. Bevor Sie eine vorschnelle Entscheidung treffen, sollten Sie sich bewusst machen, was Ihren Traumjob ausmacht, welches Arbeitsumfeld Ihnen wichtig ist und welche langfristigen Ziele Sie verfolgen.

Und vergessen Sie Ihr Bauchgefühl nicht. Denn nur wenn das „Komplettpaket“ aus rationalen und emotionalen Teilen stimmt, fühlen Sie sich in Ihrem neuen Job rundum wohl.

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