Mehrere Jobangebote? So wird die Wahl nicht zur Qual

Von Christina Holl on 14. Juli 2022
Geschätzte Lesedauer: 8 Minuten

Sie haben zwei Jobangebote gleichzeitig – oder gar noch mehr – und müssen sich für eines entscheiden. Das mag wie ein Luxusproblem klingen, ist aber oft nicht leicht zu lösen. Schließlich hängt von Ihrer Wahl der Verlauf Ihrer weiteren Karriere ab. Mit unseren Tipps kann Ihnen die richtige Entscheidung leichter fallen.

Tipp 1: Prioritäten setzen

Sie möchten sich beruflich weiterentwickeln und machen sich mit mehreren Bewerbungen aktiv auf die Suche nach einer neuen Betätigung. Mit großem Erfolg: Sie erhalten nicht nur die Einladung zu einigen Vorstellungsgesprächen, sondern auch Zusagen für gleich mehrere Jobs. Sticht ein Angebot für Sie besonders positiv heraus, dann wird Ihnen die Wahl sicher leichtfallen. Ganz anders dürfte das aussehen, wenn zwei oder sogar mehr Offerten Ihr Interesse wecken. Plötzlich stecken Sie in einer Zwickmühle: Welche Stelle ist die richtige für Sie?

Um das herauszufinden, sollten Sie gut strukturiert vorgehen. Schließlich geht es hier um Ihre berufliche Zukunft. Genau diese Tragweite kann für großen Stress sorgen. Davon dürfen Sie sich aber nicht beeindrucken und nervös machen lassen. Doch wie sollen Sie sich dann bei mindestens zwei Zusagen auf Ihre Bewerbung verhalten und die beste Entscheidung treffen?

Indem Sie einen kühlen Kopf bewahren und die Angelegenheit strategisch angehen. Ausgangspunkt Ihrer Überlegungen sollten Ihre Wünsche und Bedürfnisse sein, die Sie mit dem Jobwechsel verbinden.

Anders formuliert: Setzen Sie Prioritäten – und machen Sie daraus eine Liste. Darin halten Sie fest, worauf Sie auf keinen Fall in Ihrem neuen Job verzichten möchten. Was Ihnen besonders wichtig ist, kommt nach oben, was weniger Bedeutung hat, weiter nach unten. Die Rangfolge könnte zum Beispiel so aussehen:

  • Jobsicherheit
  • ein höheres Gehalt
  • bessere Weiterbildungsmöglichkeiten
  • ein sympathisches Team
  • Aufstiegschancen
  • flexible Arbeitszeiten

Hinter dem Ranking steht die Frage: Welche Ihrer Wünsche erfüllt welches Unternehmen am besten? Das ist natürlich wichtig, wenn Sie mit Ihrem Job und den Zusatzleistungen zufrieden sein wollen. Deshalb sollten Sie Ihre Prioritäten immer im Hinterkopf behalten. Am besten schon, bevor Sie sich bewerben. So wählen Sie schneller zwischen mehr oder weniger interessanten Angeboten aus. Besonders wenn Sie unter Druck stehen und möglichst schnell die richtige Entscheidung treffen müssen, ist eine rational aufgestellte Rangliste hilfreich.

Tipp 2: Langfristig denken

Wo sehen Sie sich in fünf oder zehn Jahren? Diese Frage mag Ihnen in Bewerbungsgesprächen überflüssig vorkommen und sogar lästig sein. Doch wenn Sie mehrere Zusagen für einen Job haben und sich für einen Arbeitgeber entscheiden müssen, dann spielt sie für Ihre persönlichen Zukunftspläne eine ganz zentrale Rolle (mehr dazu im nächsten Tipp).

Und bedenken Sie: In Zeiten des Fachkräftemangels machen Ihnen manche Unternehmen womöglich große Versprechungen und stellen Ihnen schnelle Erfolge in Aussicht, nur um Sie für sich zu gewinnen. Das kann verführerisch sein. Doch besser ist es, wenn Sie langfristig denken.

Beispiel 1: Sie möchten aus familiären Gründen den Job wechseln, zum Beispiel, weil Sie Nachwuchs bekommen haben. Dann spielen flexible Arbeitszeiten, kurze Anfahrtswege und die Sicherheit des Arbeitsplatzes eine maßgebliche Rolle. Ein unbefristeter Arbeitsvertrag ist für Sie jetzt wichtiger als schnelle Aufstiegschancen.

Beispiel 2: Sie sind Young Professional oder Berufseinsteiger*in und möchten möglichst schnell die Karriereleiter nach oben steigen. Achten Sie in diesem Fall im Bewerbungsgespräch besonders darauf, ob Ihnen das Unternehmen ein gutes Gehalt und Aufstiegsmöglichkeiten bietet.

Tipp 3: Entscheidungsmethode finden

Die Form der Entscheidungsfindung lässt sich stärker objektivieren, indem Sie Ihre wichtigsten Kriterien systematisieren. Dazu ordnen Sie ihnen je nach Priorität mehr oder weniger Punkte zu. So erhält ein sehr wichtiger Aspekt fünf Punkte und ein sehr unwichtiger nur einen Punkt. Machen Sie das für jedes Jobangebot und zählen Sie dann jeweils die Punkte zusammen. Das mit den meisten ist das optimale.

Für ein verfeinertes Ergebnis können Sie zusätzlich die Kriterien einzeln gewichten. Dafür verteilen Sie, wie zuvor beschrieben, jeweils bis zu fünf Punkte. Im zweiten Schritt betrachten Sie, in welchem Maße Ihre Kriterien in Unternehmen A, in Unternehmen B und so weiter berücksichtigt werden. Verteilen Sie auch hier bis zu fünf Punkte. Am Ende multiplizieren Sie die Anzahl der Punkte der Kriterien (Schritt 1) mit der Anzahl der Punkte für die Gewichtung (Schritt 2). Der höchste Wert „gewinnt“.

Vielleicht fällt Ihnen aber die Wahl leichter, wenn Sie die Folgen einer Entscheidung in mehreren zeitlichen Etappen prognostizieren. Dazu bietet sich die 10-10-10-Methode an. Sie basiert auf den Antworten folgender drei Fragen:

  • Welche Konsequenz hat meine Entscheidung für Job X in zehn Tagen?
  • Welche Konsequenz hat meine Entscheidung für Job X in zehn Monaten?
  • Welche Konsequenz hat meine Entscheidung für Job X in zehn Jahren?

Natürlich ist die Vorhersagemethode zum großen Teil Fiktion. Doch je mehr Sie in sich hineinhören und je mehr Sie über das betreffende Unternehmen in Erfahrung bringen, desto realistischer sind Ihre Ergebnisse. Auf jeden Fall bringt sie Sie dazu, sich konkret mit Ihrer beruflichen Zukunft zu beschäftigen. Wahrscheinlich kommen Ihnen dabei Dinge in den Sinn, die sie sonst nicht berücksichtigt hätten. So kann Ihnen die 10-10-10-Methode zumindest indirekt helfen.

Tipp 4: Intuition vertrauen

Sachliche Argumente sind wichtig, wenn Sie mindestens zwei Zusagen auf Ihre Bewerbung bekommen. Aber vergessen Sie darüber nicht Ihre Intuition. Schließlich wollen Sie sich in Ihrem zukünftigen Job rundum wohlfühlen. Dazu gehören mehr als nur ein gutes Gehalt oder interessante Aufstiegsmöglichkeiten.

Meist merken Sie recht schnell, ob die Chemie zwischen Ihnen und dem neuen Arbeitgeber stimmt. Ein ungutes Gefühl stellt sich beispielsweise ein, wenn Ihre Gesprächspartner nicht auf Ihre Fragen eingehen. Findet die Kommunikation schon im Bewerbungsgespräch nicht auf Augenhöhe statt, sollten Sie das Jobangebot ausschlagen. Denn: Nur wenn Sie mit Vorgesetzten und Ihrem Team harmonieren, werden Sie Ihre beste Leistung bringen.

Tipp 5: Unternehmenskultur einbeziehen

Wie möchten Sie arbeiten? Wie viel Verantwortung möchten Sie übernehmen? Wie viel Freiheit brauchen Sie in Ihrem Job? Und welche Normen und Werte sollte Ihr Wunschunternehmen vertreten? Diese Fragen bestimmen Ihr künftiges Arbeitsumfeld erheblich.

Machen Sie sich für Ihre Jobauswahl darüber Gedanken, ob Sie lieber ...

  • selbstbestimmt oder unter Anleitung arbeiten.
  • viel Kontakt mit Kolleg*innen haben oder eher in Ruhe arbeiten möchten.
  • locker und unbefangen am Arbeitsplatz sind oder Ihnen Förmlichkeit wichtig ist.

Auch wenn es oft schwierig ist, sich im Vorfeld ein umfassendes Bild von der Organisationskultur zu machen: Es gibt Quellen, die Ihnen mehr über das Unternehmen verraten. So erfahren Sie auf der Website der Firma möglicherweise einiges über deren Geschichte. Daraus können Sie Rückschlüsse auf die zentralen Unternehmenswerte ziehen. Oder Sie schauen sich die Bewertungen auf Arbeitgeberportalen wie Kununu an.

Tipp 6: Probetag absolvieren

Das Unternehmen ist ernsthaft an Ihnen interessiert? Dann seien Sie mutig und fragen Sie, ob Sie das Team und Ihren zukünftigen Arbeitsplatz vorab kennenlernen können. Oder vereinbaren Sie einen Probearbeitstag. So machen Sie sich ein Bild von der Gestaltung der Arbeitsplätze, dem Dresscode und dem Umgang der Kolleg*innen untereinander. Ein lockeres Gespräch mit den Mitarbeiter*innen verrät Ihnen viel über die allgemeine Stimmung im Unternehmen und ob das soziale Umfeld zu Ihrer Persönlichkeit passt.

Sollten Sie von einer Personalberatung bei der Jobsuche unterstützt werden, wird diese Ihnen viele Informationen über das Team und Ihren zukünftigen Arbeitsplatz liefern.

Tipp 7: Zeitlimit setzen

Je länger Sie für Ihre Entscheidung brauchen, desto schwerer kann sie Ihnen fallen. Deshalb sollten Sie Ihre Bedenkzeit begrenzen. Eine Woche oder höchstens zwei müssen genügen.

Dauert es länger, droht wegen dauernden Grübelns das Für und Wider einer Stelle zu verschwimmen. Außerdem vermeiden Sie gegenüber den potenziellen Arbeitgebern den Eindruck, dass Sie eine Hinhaltetaktik verfolgen. In erfahrenen Personalabteilungen fällt es schnell auf, wenn mehrere Unternehmen gegeneinander ausgespielt werden.

Nutzen Sie die Bedenkzeit, um die Angebote genau mit den von Ihnen gewünschten Prioritäten abzugleichen. Planen Sie unbedingt auch noch Zeit ein, um in sich hineinzuhorchen: Was sagt ihr Bauchgefühl?

Ihre Abwanderungspläne können sich zu Ihren aktuellen Führungskräften durchsprechen. Die wollen Sie womöglich mit einem Gegenangebot vom Jobwechsel abhalten. Dann gilt es abzuwägen: Ist der Vorschlag ernstgemeint, für Sie vorteilhaft und umsetzbar? Oder handelt es sich nur um eine leere Versprechung? Im Zweifel kann sich ein Gespräch lohnen und Ihnen anschließend im alten Unternehmen neue Möglichkeiten eröffnen.

Tipp 8: Rat suchen

Falls Sie sich fragen, wie Sie sich angesichts mehrerer Jobangebote verhalten sollen, bitten Sie Ihr Umfeld um Unterstützung. Lebenspartner*innen, Freunde oder Ihre Eltern standen in ihrem Berufsleben wahrscheinlich auch schon einmal an einem weichenstellenden Punkt. Wie haben sie sich damals entschlossen?

Auch Menschen außerhalb Ihrer Branche haben sicherlich hilfreiche Erfahrungen gemacht, die Ihnen die eigene Entscheidung erleichtern können. Sie bringen womöglich Argumente ins Spiel, an die Sie noch gar nicht gedacht haben. Das kann Ihnen ganz neue Impulse für die richtige Jobauswahl geben.

Fazit: Auf das Komplettpaket kommt es an

Sie sind in der glücklichen Lage, gleich mehrere Jobangebote zu haben. Nutzen Sie diese Chance und fühlen Sie den interessierten Unternehmen auf den Zahn. Bevor Sie eine vorschnelle Entscheidung treffen, sollten Sie sich bewusst machen,

  • was Ihren Traumjob ausmacht,
  • welches Arbeitsumfeld Ihnen wichtig ist und
  • welche langfristigen Ziele Sie verfolgen.

Und vergessen Sie Ihre Intuition nicht. Denn nur wenn das „Komplettpaket“ aus rationalen und emotionalen Teilen stimmt, fühlen Sie sich in Ihrem neuen Job rundum wohl. Passt die Mischung nicht, dann ist es besser, wenn Sie ein Jobangebot ablehnen. Und auch wenn sich eine Entscheidung später als unglücklich erweisen sollte: Sie werden bestimmt noch öfter in Ihrem Berufsleben die Chance auf einen besseren Jobwechsel bekommen.

Die Suche nach einer neuen Herausforderung kann sich trotz allgemein günstiger Voraussetzungen für Bewerber*innen als zäh erweisen. Manchmal liegt das an unterschiedlichen Gehaltsvorstellungen der Beteiligten. Erkundigen Sie sich deshalb so früh wie möglich über Ihre Verdienstmöglichkeiten. Eine realistische Einordnung bietet Ihnen unsere aktuelle Gehaltsübersicht.

Bildquelle: © Javier Allegue Barros - Unsplah.com


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