Sind wir nicht alle absolute Teamplayer?

Von Christina Holl 3. März 2015

Jedes Unternehmen fordert sie in der Stellenanzeige – und jeder Bewerber behauptet, sie zu besitzen: die Teamfähigkeit. Doch was bedeutet es eigentlich, teamfähig zu sein?

Für Bewerber: Sie müssen nicht alles selbst können. Für Unternehmen: Sie müssen ihr Team richtig zusammenstellen. Erfahren Sie hier mehr über die neun Typen von Teammitgliedern.

Warum müssen wir alle teamfähig sein?

Zu allererst eine kurze Erklärung dafür, warum so viele Unternehmen auf die Teamfähigkeit ihrer Mitarbeiter bestehen: Die Hierarchien sind in den meisten Firmen flacher geworden. Anstatt Entscheidungen von oben herab zu delegieren, werden Lösungen gemeinsam von allen Teammitgliedern erarbeitet. Dies schafft nicht nur eine bessere Arbeitsatmosphäre, sondern ist auch effizienter. Denn in Zeiten erhöhter Spezialisierung kann nicht mehr jeder alles wissen und erst die Kombination der einzelnen Fähigkeiten führt zum optimalen Ergebnis.

Sind wir nicht alle ein bisschen teamfähig?

Fachliches Können ist immer die Grundvoraussetzung für einen Job. Im Team klappt es jedoch nur optimal, wenn alle Mitarbeiter auch gute soziale Kompetenzen mitbringen. In immer mehr Unternehmen wird inzwischen sogar mehr auf die Teamfähigkeit als auf das fachliche Können geachtet. Schließlich kann man mit entsprechenden Weiterbildungen fachliche Lücken schnell füllen.

Fügt sich ein Mitarbeiter jedoch nicht perfekt ins Team, sind Probleme vorprogrammiert. Doch was heißt das eigentlich – teamfähig? Wenn wir von Robert Half uns Bewerbungen ansehen, stellen wir fest: Jeder will beweisen, dass er sie hat. Doch nicht alle scheinen zu wissen, was Teamfähigkeit genau bedeutet.

Teamfähigkeit – ein Wort mit vielen Bedeutungen

Teamfähigkeit heißt also nichts anderes als: Sie sind fähig zum optimalen Ergebnis des Teams beizutragen. So einfach die Definition klingt, so schwierig fällt es, daraus exakte Empfehlungen abzuleiten. Denn teamfähig sein, heißt sowohl nach Hilfe zu fragen als auch den Kollegen zu helfen. Ein gutes Teammitglied nimmt den Kollegen Arbeit ab und delegiert selbst Aufgaben. Aber es passt sich auch der Gruppe an oder übernimmt gegebenenfalls selbst die Führung.

Es sollte allerdings auch – okay, ich höre hier besser auf, denn ich kann Sie schon rufen hören: „Wer soll denn all diese Eigenschaften mitbringen?“ Niemand. Das ist schlichtweg nicht möglich. Teamfähigkeit existiert nur im Zusammenspiel der verschiedenen Teammitglieder – nicht als Einzelleistung. Als perfektes Teammitglied müssen Sie nicht alle Rollen selbst ausfüllen, sondern diejenige übernehmen, die am besten zu Ihnen passt – und dem Team am besten hilft.

Die verschiedenen Typen der Teamfähigkeit

Der Engländer Meredith Belbin hat über mehrere Jahrzehnte die Zusammensetzung erfolgreicher Teams erforscht und neun Typen von Teammitgliedern definiert, die er in drei Gruppen unterteilt: handlungs-, kommunikations- und wissensorientiert.

Handlungsorientierte Teammitglieder

  • Der Macher liebt die Herausforderung und läuft unter Druck zur Höchstform auf. Er hat den Mut Hindernisse zu überwinden. Er drängt die Teammitglieder dazu, Entscheidungen zu treffen – und oft dazu, ihm zuzustimmen.
  • Der Umsetzer weiß, wie man Problemlösungen in die Tat umsetzt. Zur Frustration mancher Teammitglieder sind ihm innovative Ideen fremd.
  • Der Perfektionist hat ein Auge für Lücken und Details. Er sorgt dafür, dass sich keine Fehler einschleichen und Deadlines eingehalten werden. Teammitglieder mit weniger Detailliebe empfinden ihn bisweilen als anstrengend.

Kommunikationsorientierte Teammitglieder

  • Der Koordinator stellt sicher, dass sich alle Teammitglieder am Entscheidungsprozess beteiligen. Er sorgt für Fairness und Gleichheit. Wer auf schnelle Entscheidungen drängt, empfindet ihn gelegentlich als Hindernis.
  • Dem Teamarbeiter liegen die zwischenmenschlichen Beziehungen innerhalb des Teams am Herzen. Er merkt sofort, wenn sich jemand ausgeschlossen fühlt und versucht das Gleichgewicht wiederherzustellen. In kritischen Situationen ist er oft zögerlich, garantiert aber den langfristigen Zusammenhalt.
  • Der Netzwerker kennt für alles den richtigen Mann oder die richtige Frau. Seine weitläufigen Kontakte versorgen das Team mit Informationen, Ressourcen oder politischer Unterstützung.

Wissensorientierte Teammitglieder

  • Der Erfinder ist Garant für neue und innovative Ideen. Manchmal scheint er sich von der Gruppe abzuwenden, meldet sich jedoch stets mit extravaganten Lösungen zurück.
  • Der Beobachter ist ein nüchterner und strategischer Denker. Er zerlegt komplizierte Prozesse und sammelt alle Informationen, um zu einem akkuraten Urteil zu gelangen. Er hält die Teammitglieder davon ab, wenig erfolgsversprechende Ideen zu verfolgen.
  • Der Spezialist liefert Fachwissen und Informationen. Er ist engagiert aber auch selbstbezogen und verliert sich dabei oft in Details.

Haben Sie sich in einer der Teamrollen wiedererkannt? Sie sehen: Teamfähigkeit hängt niemals von einer einzelnen Person ab. Um teamfähig zu sein, müssen Sie den Laden nicht allein schmeißen. Das sollte alle Bewerber beruhigen.

Für die Auswahl der geeigneten Teammitglieder sind allerdings die Führungskräfte verantwortlich. Deshalb gehen auch immer mehr Unternehmen dazu über, die Teamfähigkeit von Bewerbern in Assessment Centern zu checken. Oder sie holen sich externe Hilfe bei Personaldienstleistern.

Bildquelle: © alphaspirit - Fotolia.com

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