Diese Schwäche glaubt Ihnen kein Personaler

Von Alenka Mladina 2. Dezember 2017

„Was ist Ihre größte Schwäche?“ Mit dieser Frage werden Bewerber häufig im Vorstellungsgespräch konfrontiert.

Bereiten Sie sich deshalb gut darauf vor – und vermeiden Sie unbedingt Floskeln. Wie Sie im Bewerbungsgespräch souverän, selbstkritisch und mit guten Beispielen antworten, erfahren Sie hier.

Frage nach Schwächen: Persönlichkeitscheck im Bewerbungsgespräch

Die Frage nach Ihrer größten Schwäche ist typisch für Vorstellungsgespräche. Zwar wird sie mittlerweile selten direkt gestellt – schwingt jedoch implizit immer im Job-Interview mit. Der Grund: Der Personaler will die Stelle mit dem Bewerber besetzen, der am besten passt.

Mit der Frage nach Ihren Schwächen findet er heraus, ob Sie für die ausgeschriebene Position der richtige Kandidat sind. Denn Ihre Antwort gibt neben Ihren fachlichen Fähigkeiten auch Aufschluss über Ihr persönliches Profil.

Viele Bewerber machen den Fehler und antworten mit Floskeln. Oder sie verkaufen eigentliche Stärken als Schwächen, um sich besonders positiv darzustellen. Vermeiden Sie diesen Fauxpas im Bewerbungsgespräch und bleiben Sie ehrlich. Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen. Das wissen auch Personaler.

Antworten, die in diese Richtung gehen, sind deshalb tabu:

  • „Ich bin ein Perfektionist.“
  • „Ich arbeite zu hart.“
  • „Ich bin sehr ungeduldig."
  • „Ich bin zu detailverliebt."

Solche Sätze haben Personaler so häufig gehört und als Floskel enttarnt, dass Sie damit sicher nicht punkten. Es sei denn, Sie sind Perfektionist und können das auch mit guten Beispielen belegen.

Tipps für Ihre Stärken-Schwächen-Analyse

Damit Sie im Vorstellungsgespräch nicht in die Floskel-Falle tappen, bereiten Sie sich gut vor. Eine Stärken-Schwächen-Analyse im Vorfeld hilft Ihnen dabei, das eigene Potential genau zu bestimmen.

Stärken bestimmen: Ihre persönlichen Stärken bestimmen Sie zum Beispiel optimal mit dem sogenannten DISG-Persönlichkeitstest, den Sie kostenlos im Netz machen können. Er basiert auf den vier Grundtypen „Dominanz“, „Initiative“, „Stetigkeit“ und „Gewissenhaftigkeit“ der Persönlichkeit, denen entsprechende Eigenschaften zugeschrieben werden.

Der Vorteil daran: Die Stärken passen zueinander und geben ein rundes, in sich stimmiges Gesamtprofil ab.

Schwächen herausarbeiten: Nicht ganz so einfach ist es, die eigenen Schwächen zu identifizieren. Starten Sie damit, alles zu notieren, was Ihnen zu sich selbst einfällt. Dazu gehören auch Dinge, die Ihr Chef oder Ihre Kollegen über Sie sagen. Orientieren Sie sich dabei an folgenden Fragen:

  • Mit welchen Teilen meiner Arbeit bin ich unzufrieden?
  • Wofür wurde ich von meinen bisherigen Vorgesetzten kritisiert?
  • Welche Arbeiten fallen mir besonders schwer?
  • Gibt es Tätigkeiten, die ich regelmäßig aufschiebe? Was ist der Grund dafür?
  • Wie läuft die Zusammenarbeit mit meinem Vorgesetzten und Kollegen?

Analysieren Sie Ihre Antworten und filtern Sie heraus, welche Ihrer Schwächen einen Bezug zu der ausgeschriebenen Stelle haben.

Zeigen Sie Charakterstärke mit Schwäche

Wenn Sie im Vorstellungsgespräch nun nach Ihrer größten Schwäche gefragt werden, können Sie diese ehrlich und selbstkritisch benennen. Wichtig dabei: Gehen Sie direkt im Anschluss darauf ein, was Sie dagegen unternehmen und wie Sie Ihr „Manko“ ausgleichen.

Überlegen Sie sich eine ehrliche und sinnvolle Antwort, die mit der Schwäche beginnt und mit einem „ABER“ die Stärke gleich mitliefert. So signalisieren Sie Ihrem Gesprächspartner, dass Sie aufrichtig sind, sich selbst gut einschätzen und sich stetig weiterentwickeln möchten.

Beispiele für gute Antworten auf die Frage nach Ihren Schwächen

Überzeugende Antworten auf die Frage nach Schwächen, die authentisch sind und gleichzeitig Ihre Stärken zeigen:

  • „Ich kann schlecht ‚Nein’ sagen und anderen etwas abschlagen. (ABER) Bei Angelegenheiten, die die Firma betreffen, habe ich gelernt, hart zu bleiben, denn das betrifft ja nicht nur mich.“ Tipp: Lesen Sie hier, wie Sie das Nein sagen im Job lernen.
  • „Ich halte mich ungern an Vorgaben. (ABER) Dafür kommen mir dann vollkommen neue Ideen und kreative Lösungen.“
  • „Ich bin regional unflexibel. (ABER) Dafür bin ich lokal hervorragend vernetzt und kenne meine Region ausgezeichnet.“
  • „Ich kann gelegentlich ein Dickkopf sein. (ABER) Das verleiht mir allerdings auch die Fähigkeit, einer Sache beharrlich nachzugehen.“
  • „Ich bin manchmal nahe am Wasser gebaut. (ABER) Daher verfüge ich über das Fingerspitzengefühl, mit sensiblen Menschen gut umzugehen.“
  • „Vor Vorträgen bin ich immer ziemlich nervös. (ABER) Ich bereite mich daher immer sehr gut vor, denn so bekomme ich die notwendige Sicherheit. Zudem übe ich mit Kollegen im Vier-Augen-Gespräch.“
  • „Beim Schreiben von E-Mails brauche ich oft länger, um die passenden Worte zu finden. (ABER) Im persönlichen Kontakt kann ich mich dafür auf den Punkt ausdrücken, was einen guten Eindruck bei Kunden hinterlässt.“

Schwächen zeigen – mit Stärken trumpfen

Beherzigen Sie in jedem Vorstellungsgespräch diese Strategie: Alle Fragen, auch die nach Ihrer größten Schwäche, beantworten Sie ehrlich. Halten Sie sich dabei knapp und lassen Sie Ihre Schwächen Schwächen sein. Konzentrieren Sie sich besser darauf, Ihre Stärken in Szene zu setzen.

Trotzdem ist das Vorstellungsgespräch nicht nur eine Bühne zur Selbstdarstellung. Gerade Fachkräfte im Finanz-, IT- und administrativen Bereich sind auf dem Arbeitsmarkt begehrt. Als Bewerber haben Sie deshalb vermutlich gleich mehrere Stellenangebote zur Auswahl.

Denken Sie auch daran, geeignete Rückfragen zur ausgeschriebenen Stelle und Position an den Personaler zu stellen. Das hilft Ihnen dabei abzuwägen, welcher Job Ihnen am besten liegt und optimal zu Ihnen passt.

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Bildquelle: © elnur - Fotolia.com

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