Schluss mit den Vorurteilen! Frauen wollen die steile Karriere doch mehr als Männer

Von Alenka Mladina 8. März 2016

Vorurteile gibt es viele: Der deutsche Tourist legt sein Handtuch schon vor dem Frühstück auf den Liegestuhl am Pool, Engländer erkennt man im Urlaub zielgenau am starken Sonnenbrand.

Doch auch im Berufsleben sind wir nicht vor Klischees gefeit. Männer sind karriereorientiert, Frauen harmoniebedürftig, Männer bessere Verhandlungspartner, Frauen selbstkritischer. Doch was ist dran an den Vorurteilen?

Robert Half hat den Realitäts-Check gemacht und Männer und Frauen in Deutschland, Frankreich und England befragt – und dabei so manches Vorurteil widerlegt.

Vorurteil 1: Frauen sind ihrem Arbeitgeber treuer als Männer

Wer ist dem Arbeitgeber treuer: Männer oder Frauen? Für die kommenden Monate haben wir dazu verlässliche Zahlen. 70 % der Frauen in Deutschland werden „sehr wahrscheinlich“ aktiv auf Jobsuche gehen, bei den Männern ist es weniger als jeder Dritte. Vermutlich lassen sich Frauen dabei von den guten Chancen am Arbeitsmarkt locken: Selten wurden hierzulande Fachkräfte so stark gesucht wie heute. Dieses Vorurteil ist also eindeutig widerlegt!

Und in Frankreich? Die französischen Kolleginnen schließen sich den deutschen an und planen ebenfalls, ihre Jobs zu wechseln. In England bleiben die Frauen ihren Arbeitgebern weiter treu, hier denken die wenigsten an einen Jobwechsel.

Robert Half hat gefragt: Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie in den nächsten 12 Monaten auf Jobsuche gehen?

Quelle: Jobstudie 2015 von Robert Half, Befragte: je 1.000 Bürofachkräfte in Deutschland, Frankreich und England

Denkanstoß für Arbeitgeber: Es scheint, viele Ihrer Angestellten sind aktiv auf der Suche nach einem neuen Job. Vernachlässigen Sie das Thema Mitarbeiterbindung nicht.

Denkanstoß für Arbeitnehmer: Bei künftigen Bewerbungen wird die Konkurrenz recht groß sein. Ihre Bewerbung muss deshalb besonders überzeugen.

Vorurteil 2: Männern ist die Karriere wichtiger als Frauen

Männern haftet das Klischee an, bei der Karriereplanung ehrgeiziger zu sein als ihre weiblichen Kolleginnen. Aber auch dieses Vorurteil müssen wir entkräften: Bei der Frage nach den drei wichtigsten Kriterien für eine neue Stelle nannten beide Geschlechter zwar auch die Karriereentwicklung – Frauen allerdings weit öfter als Männer.

Liegt es daran, dass es Frauen vielerorts schwerer haben Karriere zu machen und deshalb besonders auf ihre Karrierechancen achten? Oder bringt der Generationswechsel eine neue Riege an karrierefokussierten Business-Frauen hervor, die in ihrem Job mindestens genauso weit kommen möchten wie ihre männlichen Kollegen? Wir wissen es nicht genau. Fakt ist aber tatsächlich, dass der Job für Frauen längst eine viel größere Rolle spielt als es noch vor 10 Jahren der Fall war.

Noch wichtiger als die Karriere ist beiden Geschlechtern übrigens auch im internationalen Vergleich der Standort. Einen langen Anfahrtsweg ersparen sich Arbeitnehmer also alle gern. Nicht ganz so einig sind sich die Kollegen verschiedener Länder beim Gehalt: Bei den Engländern schafft es das Gehalt dann doch noch auf Platz 3.

Robert Half hat gefragt: Was sind die drei wichtigsten Kriterien für Sie, wenn Sie sich für einen neuen Job entscheiden?

Quelle: Jobstudie 2015 von Robert Half, Befragte: je 1.000 Bürofachkräfte in Deutschland, Frankreich und England

Vorurteil 3: Frauen sind harmoniebedürftiger als Männer

Nun unterstellt man Frauen gern, sie wären harmoniebedürftiger als Männer, ihnen sei das gute Verhältnis mit den Kollegen und dem Chef besonders wichtig. Ist bei einem Arbeitgeberwechsel also vor allem die Unternehmenskultur entscheidend?

Das Ergebnis unserer Umfrage lautet: Nicht direkt. Die Unternehmenskultur spielt zwar eine Rolle, aber hätten Sie gedacht: Frauen ist das Gehalt doch wichtiger als den Männern! Letzteren ist eine bessere Work-Life-Balance deutlich wichtiger als Frauen.

Und wie sieht es im internationalen Vergleich aus? Bei unseren französischen Nachbarn lassen sich die weiblichen Kolleginnen ebenfalls viel stärker über ein attraktiveres Gehaltsangebot locken als Männer. 

Nur in England ergibt sich dann ein ganz anderes Bild und die größte Übereinstimmung zwischen den Geschlechtern: Etwa ein Drittel würde für einen besseren Ausgleich zwischen Job und Privat wechseln, ein weiteres gern mehr verdienen.

Robert Half hat gefragt: Welcher der folgenden Gründe würde Sie zum Job-/Arbeitgeberwechsel bewegen?     

 

Quelle: Jobstudie 2015 von Robert Half, Befragte: je 1.000 Bürofachkräfte in Deutschland, Frankreich und England

Denkanstoss für Arbeitgeber: Ein attraktives Gehalt ist nach wir vor eines der wichtigsten Argumente, um gute Mitarbeiter zu finden. Vergleichen Sie daher regelmäßig Ihr Gehaltsniveau mit dem der Konkurrenz, zum Beispiel in unserer Gehaltsübersicht.

Denkanstoss für Arbeitnehmer: Auch wenn ein höheres Gehalt auf den ersten Blick verlockend ist, hier erfahren Sie, worauf es beim Jobwechsel wirklich ankommt.

Vorurteil 4: Männer verhandeln bei Gehaltsgesprächen besser als Frauen

Nach der vorherigen Frage könnte man den (falschen) Eindruck bekommen, Frauen ginge es vor allem ums Geld. Doch wir wollen uns nicht zu voreiligen Schlüssen hinreißen lassen und schauen uns die nächste Frage an. Die zeigt, warum Frauen bessere Gehaltsangebote von außen so begrüßen: Bei internen Verhandlungen tun sie sich in der Tat oft schwer.

Wird der Gehaltswunsch abgelehnt, übt sich die Mehrheit der deutschen Frauen in Geduld und wartet bis zum nächsten Gespräch, bevor sie das Thema wieder anspricht. Weniger als jede Dritte fragt nach alternativen Leistungen. Männer hingegen verhandeln hartnäckiger. Sie fragen häufiger nach anderen Benefits oder suchen sich gleich einen neuen Job.

Im internationalen Vergleich ist eine abgelehnte Gehaltserhöhung ganz selten für deutsche und französische Fachkräfte Grund, den Job zu wechseln. Extremer reagieren hier hingegen die Engländerinnen: Knapp jede fünfte Frau nimmt eine abgelehnte Gehaltsforderung zum Anlass, sich woanders zu bewerben.

Robert Half hat gefragt: Falls Sie bei Ihrem aktuellen Arbeitgeber vergeblich um eine Gehaltserhöhung gebeten haben, was ist Ihr nächster Schritt?

Quelle: Jobstudie 2015 von Robert Half, Befragte: je 1.000 Bürofachkräfte in Deutschland, Frankreich und England

Denkanstoss für Arbeitgeber: Wenn Sie Gehaltsforderungen nicht erfüllen können, ist es hilfreich, ein alternatives Angebot parat zu haben. Was bei Arbeitnehmern besonders beliebt ist, lesen Sie im nächsten Abschnitt.

Denkanstoss für Arbeitnehmer: Manchmal lohnt es sich im Gehaltsgespräch hartnäckig zu bleiben. Testen Sie gleich Ihr Verhandlungsgeschick in unserem Gehaltsquiz und lesen Sie hier, wie Sie die beliebtesten Killerphrasen der Chefs im Gehaltsgespräch erfolgreich kontern.

Fazit im Geschlechtervergleich

Dem Faktencheck halten die wenigsten Vorurteile stand. Im Arbeitsalltag sollten Sie sich nicht auf weit verbreitete Geschlechterrollen verlassen – egal, ob Sie Arbeitnehmer oder Arbeitgeber sind.

Ein harmonisches und zufriedenes und damit auch erfolgreiches Zusammenarbeiten ist gerade dann möglich, wenn wir uns von Klischees fernhalten und den einzelnen Menschen betrachten. Das haben wir bei Robert Half auch in unserer Unternehmensphilosophie verankert, mehr dazu finden Sie unter "Über uns". Schließlich sollte niemand wegen seines Geschlechts einen Job bekommen, befördert werden oder mehr verdienen, sondern wegen seiner Leistungen.

Vielleicht müssen Frauen dafür an mancher Stelle, wie etwa in Gehaltsverhandlungen, noch etwas deutlicher sagen, worauf es ihnen ankommt. Vorgesetzte hingegen sollten immer wieder prüfen, ob sie die Wünsche und Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter richtig einschätzen. In Punkto flexible Arbeitszeiten liegen die Manager laut unseren Studien nämlich ganz schön daneben: Traum deutscher Arbeitnehmer: Mehr Urlaub.

Ihr Chef berücksichtigt Ihre Wünsche nicht? Wir kennen viele Unternehmen, bei denen Sie genau das bekommen, was Sie sich wünschen - mehr Gehalt, einen besseren Job oder einen kürzeren Anfahrtsweg. Schauen Sie doch gleich mal nach passenden Jobs im Finanz- und Rechnungswesen, IT oder kaufmännischen Bereich.

Bildquelle: © alphaspirit / Fotolia.com

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