Richtig Urlaub machen: So wichtig sind Entspannung und Erholung

Von Alenka Mladina 28. November 2018

Ihr Urlaub soll dafür sorgen, dass Sie ausgeruht und erholt zurückkehren – und die neu gewonnene Energie wieder erfolgreich im Job einsetzen können. Ein Wunsch, den Chefs und Angestellte gleichermaßen hegen. Doch gerade im Urlaub kommen Entspannung und Erholung nicht von selbst - gerade auch im bevorstehenden Weihnachtsurlaub. Wir verraten, mit welchen Tricks Sie sie erreichen können.

Hier lesen Sie:

Studie belegt: Direkt vor dem Urlaub wird es stressig

Eine vom Karriere-Netzwerk Xing in Auftrag gegebene Studie hat einige interessante Fakten herausgefunden, wie wir Deutschen zum Thema Urlaub stehen:  

  • Wenig überraschend, aber für viele Arbeitnehmer sicherlich beruhigend, dass sie mit diesem Problem nicht allein sind: Die Zeit direkt vor dem Urlaub empfinden drei Viertel der Befragten als besonders belastend. Das spiegelt sich unter anderem in der Sorge wider, noch vor dem Urlaub zu bewältigende Aufgaben nicht zu schaffen. Auch die Absprache mit den Kollegen in Sachen Urlaubsplanung wird oft als schwierig empfunden. Vor dem Weihnachtsurlaub kommen dann noch Einladungen zu Weihnachtsfeiern und das Besorgen von Weihnachtsgeschenken hinzu.
  • So verwundert es nicht, wenn sich der eine oder andere mehr Urlaubstage wünscht. Auch dieser Wunsch wurde abgefragt: Wer würde sich wie viele Urlaubstage zugestehen, wenn er selbst entscheiden dürfte? Voraussetzung sind allerdings zwei Bedingungen. Erstens: Durch den Urlaub sollte keine Arbeit liegen bleiben. Und: Die eigene Abwesenheit möge doch bitte die Kollegen nicht übermäßig belasten. Das Ergebnis überrascht. Denn besonders viele Urlaubstage nähmen sich laut der Studie nicht etwa diejenigen, die schon lange mit beiden Beine im Job stehen, sondern Berufseinsteiger und Abiturienten. Daneben sind es vor allem Akademiker sowie die Mitarbeiter großer Unternehmen, die sich selbst mehr Urlaub zugestehen würden. 
     
  • Wie viel Urlaub wünschen sich die Deutschen eigentlich? Hier scheinen Wunsch und Wirklichkeit gar nicht so sehr auseinanderzuklaffen: 32,2 Urlaubstage sind es im Durchschnitt, die sich die Befragten selber gönnen würden. Durchaus bescheiden, geht man von den laut aktuellen Erhebungen durchschnittlich 30 Urlaubstagen deutscher Arbeitnehmer aus. Rund ein Fünftel der Befragten würde sogar mit dem gesetzlichen Urlaubsanspruch von 20 Tagen auskommen wollen. Das ist übrigens deutlich weniger als der Anspruch unserer Kollegen im Nachbarland Frankreich. 

Gesetzlicher Urlaubsanspruch: So stehen die Deutschen im Vergleich da

 

Land Gesetzlicher Urlaubsanspruch
Brasilien 30
Finnland 30
Frankreich 30
Litauen 28
Russland 28
Großbritannien 28
Polen 26
Griechenland 25
Österreich 25
Schweden 25
Norwegen 25
Dänemark 25
Spanien 22
Südafrika 21
Japan 20
Italien 20
Belgien 20
Deutschland 20
Australien 20
USA 15
Indien 12
China 10
Kanada 10

(Stand 1. Quartal 2018, Quelle: Statista)
Weitere Informationen rund ums Thema Urlaub und Ihre Rechte finden Sie und unserem Beitrag „Arbeitsrecht: 13 Regelungen zu Ihrem Urlaubsanspruch, die Sie kennen müssen“.

Was bringt Urlaub überhaupt?

So widersinnig es klingt: Laut den Wissenschaftlern bringt Urlaub für einige Menschen auch Belastungen mit sich. Für manch einen bedeuten anstehende Ferien etwa große Energieverluste bei der Urlaubsabsprache mit den Kollegen. Oder auch bei dem Druck, noch in der Zeit kurz vor dem Urlaub auf den letzten Drücker anstehende Aufgaben zu bewältigen. Zusätzlich arbeiten nicht wenige auch während der Urlaubszeit – oder bleiben zumindest für den Fall der Fälle erreichbar. Im Finanzbereich etwa müssen in der Weihnachtszeit viele Arbeitnehmer dennoch ins Büro, da der Monats- und oft auch der Jahresabschluss ansteht. An eine entspannte Zeit ist da wohl kaum zu denken. 

Wir haben daher ein paar Fragen rund um die Vorteile durch Urlaub genauer betrachtet:

  • Schafft ein Urlaub Erholung? Auf jeden Fall! Haben Sie frei, schüttet der Körper weniger Stresshormone wie zum Beispiel Cortisol aus. Das sorgt nachweislich für körperliche Regeneration: Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen gehen in vielen Fällen nach wenigen Urlaubstagen deutlich zurück. Zusätzlich macht Sonne glücklich: Sie stimuliert die Produktion von Glückshormonen wie Serotonin.
     
  • Ein langer Urlaub oder mehrere kurze Auszeiten – was bringt mehr Erholung? Der Vorteil langer Urlaube: Echte Entspannung kommt oft erst in der Zeit zwischen An- und Abreise auf. Also steigen bei langen Ferien die Chancen, tatsächlich abschalten zu können. Bei kurzen Auszeiten fällt dafür positiv ins Gewicht, dass bereits die Planung eines Urlaubs Freude und Glücksgefühle bringt. Wer öfter wegfährt, plant auch öfter – und hat allein dadurch bereits einen positiven Effekt. Letztendlich ist es auch eine persönliche Präferenz, die dann automatisch zu mehr Entspannung führt.
     
  • Kreuzfahrt oder Survival – welche Art Urlaub oder Aktivitäten sind besonders erholsam? Hier gibt es kein allgemeingültiges Patentrezept, das für jeden gilt. Aber dafür eine Erkenntnis, aus der Sie ableiten können, was Ihnen im Urlaub gut tut: Menschen erholen sich am besten, wenn sie in ihrer Freizeit neue Impulse erhalten oder ein lang anvisiertes Ziel erreichen. Wer also im Urlaub Neues lernt oder sich lang gehegte Wünsche (das können auch Kleinigkeiten wie ein Konzertbesuch oder eine Wanderung sein) erfüllt, sorgt für einen maximalen Erholungseffekt. Nehmen Sie sich also trotz des Trubels in den Weihnachtsferien Zeit, mit Ihren Liebsten und Freunden etwas Neues zu unternehmen oder für ausführliche Gespräche. 
     
  • Für Chefs und Mitarbeiter gleichermaßen interessant: Leisten Menschen nach einem Urlaub mehr bei der Arbeit? Studien legen nahe: Sind Menschen erholt, arbeiten sie nachweislich schneller, lösen Probleme besser und sind den Kollegen gegenüber hilfsbereiter. Auch bei der Kreativität am Arbeitsplatz bringt der Urlaub einen deutlichen Schub. 
     
  • Erholung auf Vorrat – ist das im Urlaub möglich? Leider nein. Zurück am Arbeitsplatz ist spätestens nach Woche Drei das Stressniveau wieder so hoch wie vor dem Urlaub – ganz egal, wie lange Sie in den Ferien waren. Je besser Sie wieder einsteigen, desto eher lässt sich der Urlaubseffekt nachhalten. Dazu finden Sie hier ein paar Tipps: „Nach dem Urlaub wieder arbeiten: Tipps gegen den Ferien-Blues“.
     
  • Gibt es etwas noch Erholsameres als klassischen Urlaub? Gibt es. Ein kleines Häppchen Urlaubsgefühl an jedem Tag ist laut Forschern das beste Mittel, mit dem sich langfristig Entspannung, Regeneration und Freude fördern lassen. Ob Musikhören, ein exotischer Snack zwischendurch oder eine Runde durch den Park: Hauptsache Sie machen etwas bewusst, was für Sie positive Auswirkungen hat.
     
  • Machen Chefs besonders viel oder besonders wenig Urlaub? Letzteres ist der Fall, und das gilt auf der ganzen Welt. Studien zeigen: Fast jeder fünfte Unternehmer macht gar keinen Urlaub, jeder siebte maximal fünf, knapp jeder dritte maximal 20 Tage Urlaub. Darüber hinaus arbeiten fast alle Firmenbosse in den Ferien weiter: Ein Drittel von ihnen bis zu fünf Stunden pro Woche, jeder Zehnte sogar 10 bis 20 Stunden pro Woche. Entspannung sieht anders aus.

7 goldene Regeln für Entspannung im Urlaub

Die genannten Erkenntnisse von Forschern und Wissenschaftlern zum Thema Urlaub sind vielschichtig. Sie sollten sich vor allem darauf konzentrieren, maximal von Ihrem Urlaub zu profitieren - also entspannt und erholt wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren. Das gelingt Ihnen, wenn Sie folgende Tipps beherzigen

  1. Sprechen Sie den Urlaub mit Ihren Vorgesetzten und Kollegen möglichst frühzeitig und strukturiert ab. 
  2. Arbeiten Sie strategisch so auf den Urlaubsbeginn hin, dass Sie in den letzten Tagen davor nicht unter Zeitdruck geraten. Nehmen Sie beispielsweise eine Woche vor dem Weihnachtsurlaub keine Aufgaben mehr an, die zum Jahreswechsel erledigt sein müssen.
  3. Sie erholen sich am besten, wenn Sie Urlaub und Job rigoros trennen. Ergo: Arbeiten Sie nicht in Ihrer Urlaubszeit! Kündigen Sie am besten vorab an, dass Sie nicht erreichbar sind. Wenn es anders nicht möglich ist, vereinbaren Sie eine feste Uhrzeit, zu der Sie für eine kurze Zeit erreichbar sind. Schalten Sie danach Ihr Firmenhandy und Computer wieder ab.
  4. Denken Sie darüber nach, was Ihnen mehr Spaß macht: Eine lange oder mehrere kurze Auszeiten. Berücksichtigen Sie dies bei der Urlaubsplanung für das Jahr. Hier finden Sie übrigens eine Übersicht der Feier- und Brückentage fürs nächste Jahr.
  5. Versuchen Sie, Ihren Urlaub mit neuen Impulsen, einem langen Gespräch mit einem alten Freund, dem Lernen einer neuen Sprache oder neuen Bekanntschaften zu füllen. Überlegen Sie, was Sie sich schon länger wünschen – setzen Sie es auch um! 
  6. Schaffen Sie sich jeden neuen Tag eine Gelegenheit, so etwas wie ein Urlaubsgefühl aufleben zu lassen. Für die einen mag das ein Spaziergang in einem neuen Stadtteil sein, für die anderen eine Meditationsübung. Dafür reichen manchmal auch schon wenige Minuten.  
  7. Denken Sie als Führungskraft daran, wie wichtig Urlaub auch für Sie ist. Sie sollten mit gutem Beispiel vorangehen, damit Sie Ihre eigenen Akkus aufladen können und Ihre Mitarbeiter das auch tun.

 

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Bildquelle: @ photosbyty - istockphoto.com

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