Produktivitätsboost durch Home-Office – Diese Vorteile machen’s möglich

Von Alenka Mladina 4. Mai 2015

Die Arbeitsmarktstudie von Robert Half zeigt: 40 % der deutschen Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern an, von zu Hause zu arbeiten. Home-Office ist für Arbeitgeber eine große Chance, sich beim Recruiting attraktiv zu machen. Mitarbeiter arbeiten oft produktiver, besonders wenn es um zeitkritische Projekte geht, und sparen die Zeit für den Arbeitsweg. Wir haben für Sie die Vorteile zusammengefasst und geben Tipps, wie Sie mit den Risiken umgehen.

Nur mit dem richtigen Köder fängt man die besten Fische. Diese Angler-Weisheit gilt auch für die Mitarbeitersuche. Dabei muss der Köder nicht immer ein höheres Gehalt sein. Flexible Arbeitsbedingungen sind bei Arbeitnehmern hoch im Kurs, dazu zählt auch die Möglichkeit von zu Hause zu arbeiten. Diese Option ist nicht nur ein gutes Lockmittel für die besten Fachkräfte, sondern auch förderlich, um sich als innovatives Unternehmen zu präsentieren.

Unternehmen gehen mit dem Angebot zur Telearbeit sehr unterschiedlich um. Mit einer echten Innovation überraschte kürzlich Microsoft: Der Konzern lässt alle seine Mitarbeiter seit vergangenem Jahr selbst entscheiden, ob sie im Büro oder im Home-Office arbeiten möchten. Feste Arbeitsplätze gibt es nicht mehr. Doch: Sie sollten Ihre Policy an die Bedürfnisse Ihres Unternehmens anpassen. Home-Office hat großes Potenzial – doch nur mit den richtigen Regeln wird es zur Innovation und sorgt für mehr Mitarbeiterzufriedenheit.

Wir haben für Sie die Vorteile von Home-Office zusammengefasst, werfen aber auch einen Blick auf die Risiken, die Sie beachten sollten:

Effizienteres Arbeiten und bessere Work-Life-Balance: Die Vorteile von Home-Office

  • Mitarbeiter optimieren ihre Leistungsfähigkeit: Sie sind nicht mehr von den Bürozeiten abhängig und können ganz nach ihrem eigenen Rhythmus arbeiten. So manche „Nachteulen“ sind spät am Abend besonders produktiv, während „Early Birds“ die frühen Morgenstunden nutzen möchten. Wer nicht mehr dem sozialen Jetlag der vorgeschriebenen Arbeitszeit unterliegt, arbeitet meist effizienter und liefert schneller Ergebnisse.
  • Im Home-Office zu arbeiten steigert die Konzentration: Home-Office eignet sich vor allem für Tätigkeiten, bei denen sich der Mitarbeiter stark konzentrieren muss. Zu Hause wird er nicht vom Geräuschpegel abgelenkt, der gerade in Büros mit vielen Mitarbeitern oft herrscht. Er wird außerdem seltener durch Anfragen von Kollegen oder Vorgesetzten unterbrochen. Aufgaben, die sich besonders anbieten sind Konzepterstellungen, Präsentationen oder Projektplanung.
  • Ihr Unternehmen wird für Bewerber attraktiver: Für viele Arbeitnehmer ist Flexibilität ein Kriterium bei der Jobwahl. Seien es nun Mitarbeiter, die sich die Arbeitszeit gern selbst einteilen, oder Eltern, die versuchen, Familie und Job unter einen Hut zu bekommen: Die Möglichkeit zum Home-Office lockt viele Top-Performer.
  • Sie werden flexibler bei der Auswahl neuer Mitarbeiter: Nur wenige Menschen sind bereit, für Ihren Job mehrere Stunden am Tag zu pendeln. Ist die Anwesenheit im Büro hingegen nicht an jedem Tag der Arbeitswoche erforderlich, wird die Stelle auch für Kandidaten interessant, die in größerer Entfernung zum Unternehmenssitz wohnen. Mit Home-Office sprechen Sie mehr Fachkräfte an und haben eine größere Auswahl, wenn Sie eine neue Stelle besetzen. Und auch wenn einmal ein Streik ansteht, können Sie auf die Arbeitskraft Ihrer Mitarbeiter zählen.
  • Die Mitarbeiterfluktuation sinkt: Richtig eingesetzt ist Home-Office ein Tool, um die Interessen von Arbeitnehmern und Unternehmen besser aufeinander abzustimmen. Mitarbeiter glänzen durch eine höhere Produktivität und sind zufriedener. Und zufriedene Mitarbeiter bleiben Ihrem Arbeitgeber in der Regel treu.
  • Ihr Unternehmen spart Bürofläche: Home-Office macht es möglich, dass sich mehrere Mitarbeiter einen Arbeitsplatz teilen. Dadurch sparen Sie Ressourcen am Unternehmenssitz.

Home-Office und seine Risiken

Richtig eingesetzt, ist eine Home-Office-Regelung äußerst hilfreich. Doch Home-Office birgt auch gewisse Risiken. Die sollten Sie im Blick haben, um Probleme gar nicht erst aufkommen zu lassen:

  • Home-Office erfordert viel Selbstdisziplin. Mitarbeiter, die sich schlecht selbst motivieren können, tun sich vielleicht im Home-Office schwerer. Beachten Sie das und sprechen Sie das Thema bei Ihren Mitarbeitern an. Im ersten Schritt kann sich auch ein „Home-Office auf Probe“ anbieten, um auszuprobieren, ob dieses Arbeitsmodell geeignet ist.
  • Neuerungen und Termine gehen unter: Wer seine Arbeit zu Hause erledigt, bekommt bisweilen nicht immer mit, wenn kurzfristig Meetings einberufen oder Veränderungen bekannt gegeben werden. Sowohl das Unternehmen als auch der Mitarbeiter haben daher die Pflicht, Informationen zu geben, aber auch einzufordern.
  • Die Bindung zum Unternehmen leidet: Mitarbeitern, die oft im Home-Office arbeiten, kann es manchmal schwerer fallen, eine emotionale Bindung zum Unternehmen aufzubauen, auch weil der Austausch untereinander, z. B. beim gemeinsamen Mittagessen, wegfällt. Mitarbeiter fühlen sich dadurch nicht genügend integriert – regelmäßige Anwesenheit im Büro, etwa bei Teammeetings, ist deshalb Pflicht.
  • Datenschutz muss gewährleistet sein: Die Vereinbarkeit von Home-Office und Datenschutz ist zwar gesetztlich geregelt, aber es gibt Grenzbereiche. Mitarbeiter sollten dafür sensibilisiert werden, dass ihr Verhalten am Telearbeitsplatz ein Risiko bei der Verarbeitung von Daten darstellen kann und das Unternehmen sollte klare Richtlinien für die Arbeit im Home-Office erstellen.
  • Eine gesundheitsfördernde Umgebung schaffen: Bei der Telearbeit darf auch die Gesundheit nicht zu kurz kommen. Geben Sie Ihrem Mitarbeiter Tipps, wie er eine angenehme Arbeitsatmosphäre schaffen kann – nicht zuletzt, um gesundheitlichen Problemen, wie Rückenschmerzen, vorzubeugen. Auch ein wenig Bewegung kann nicht schaden: Ab und zu einmal aufzustehen fördert nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Konzentration.
  • Ohne die richtige Ausstattung läuft nichts: Für das Home-Office ist es von Vorteil, dass der Mitarbeiter zu Hause einen festen Arbeitsplatz und genügend Ablagemöglichekeiten hat. Zur Grundausstattung beim Arbeiten von zu Hause gehören auf jeden Fall ein Computer oder Laptop mit aktueller Software und einem Virenscanner, ein möglichst schneller Internetzugang, um auch einmal an einer Videokonferenz über Skype teilnehmen zu können, und ein Telefon.

Führung von virtuellen Teams: 5 wichtige Regelungen für das Home-Office

Home-Office erfordert klare Regeln und zuverlässige Kommunikation. Damit Telearbeit ihren Sinn als innovatives Instrument zur Mitarbeiterbindung nicht verliert und die Arbeitsqualität verbessert, sollten Sie den Risiken mit entsprechenden Maßnahmen begegnen:

  1. Wählen Sie Mitarbeiter sorgfältig aus: Die Entscheidung darüber, wer welche Aufgaben in welchem Ausmaß aus dem Home-Office erledigen kann, sollte in enger Abstimmung mit Mitarbeitern und Vorgesetzten getroffen werden. Generell raten wir, dass nur ein Teil der Arbeitszeit im Home-Office stattfindet, damit der Austausch zwischen den Kollegen nicht leidet.
  2. Effiziente Kommunikation ist das A und O: Aufgaben, Ziele und Deadlines müssen deutlich definiert werden. Stellen Sie sicher, dass der Mitarbeiter die Erwartungen an sich genau kennt.
  3. Telefon und E-Mails ersetzen nicht den persönlichen Kontakt: Home-Office-Mitarbeiter sollten in jedem Fall in regelmäßigen Abständen an Meetings und Konferenzen persönlich teilnehmen. So bleibt die Bindung zum Unternehmen erhalten.
  4. Datensicherheit und Datentransfer sollten im Fall von Telearbeit ausreichend geregelt sein: Hier sind Cloud-Systeme hilfreich. Sie beugen nicht nur Datenverlust vor, sondern erlauben auch anderen Kollegen im Krankheitsfall oder Urlaub eines Mitarbeiters auf dessen Projekte zugreifen.
  5. Regelmäßige Feedbackgespräche: Mitarbeiter, die hauptsächlich im Home-Office arbeiten, sollten sich regelmäßig mit Vorgesetzten über Leistungsentwicklung, Ziele und Zufriedenheit austauschen. So behalten Sie im Auge, ob sie womöglich überlastet oder unterfordert sind und fördern ihre Identifikation mit dem Unternehmen. Vereinbaren Sie dabei unbedingt konkrete Ziele mit messbaren Erfolgskriterien.

Durch Home-Office zum innovativen Unternehmen

Mit den richtigen Vorkehrungen und Rahmenbedingungen wird Home-Office zu einer sinnvollen innovativen Maßnahme in jedem Unternehmen. Trotz der genannten Risiken, ist diese flexible Arbeitsform in Unternehmen schon weit vertbreitet, denn Home-Office trägt dazu bei, Mitarbeiter im Unternehmen zu halten und Nachwuchsfachkräfte anzuwerben. Entscheiden Sie jedoch individuell, für welche Stellen und Aufgabengebiete sich die Arbeit von zu Hause anbietet.

Bieten Sie in Ihrem Unternehmen die Möglichkeit zum Home-Office an? Wie sind Ihre Erfahrungen damit?

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