Video-Call schlägt Telefoninterview – und das schon bei der Vorauswahl von Kandidaten

Von Christina Holl on 25. April 2020

In Zeiten von Social Distancing ist auch beim Recruiting Umdenken gefragt. Waren Videointerviews vor Ausbruch der Corona-Pandemie noch eher die Ausnahme als die Regel, gewinnen sie derzeit stark an Bedeutung. Doch nicht nur als Ersatz für das Vorstellungsgespräch vor Ort können Zoom, Skype oder Google Hangouts zum Einsatz kommen. Hier erfahren Sie, wie Video-Calls schon bei der Vorauswahl von Kandidaten helfen und so für ein besseres Recruiting sorgen können.

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Zeit sparen durch kurze Sondierungsgespräche mit Kandidaten

Das Prozedere ist nicht neu: Sind sich Personaler nach dem Sichten der Bewerbungsunterlagen unsicher, führen sie mit den Kandidaten oft ein sondierendes Telefoninterview. Das ist meist ein kurzes Gespräch von maximal 30 Minuten Dauer. In dieser Zeit lässt sich gut feststellen, ob ein vermeintlicher Top-Kandidat die zu besetzende Position wirklich so gut ausfüllt, wie es sein Lebenslauf verspricht. Oder andersrum: ob ein nur als B-Kandidat eingestufter Bewerber vom Typ her sehr viel besser ins Unternehmen passen würde als so manch ein A-Kandidat.

So stellen Sie also sicher, dass zu den zeitaufwendigen Vorstellungsgesprächen nur geeignete Kandidaten eingeladen werden. Der Vorteil: Der Rekrutierungsprozess wird gestrafft; Sie verringern die Kosten und das Risiko, dass ein Bewerber im letzten Moment abspringt, wird minimiert. Ein weiterer Pluspunkt eines kurzen Sondierungsgesprächs per Telefon: Sie erhalten oft ein authentisches Bild von den zwischenmenschlichen Skills des Kandidaten. In ihrer gewohnten Umgebung verhalten sich Bewerber nämlich natürlicher als bei einem formellen Vorstellungsgespräch, bei dem auch die Nervosität noch eine größere Rolle spielt.


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Video statt nur Telefon: Darum hilft Sichtkontakt bei der effizienten Personalauswahl

Sogar in Unternehmen, in denen Vorstellungsgespräche per Videokonferenz bereits üblich sind, wird bei der Bewerbervorauswahl trotzdem oft auf das Telefon gesetzt. Damit verschenken auch sie die Chance, Kandidaten schon früh im Bewerbungsprozess besser einschätzen zu können. Denn Mimik und Körpersprache verraten geschulten Rekrutiern oft sehr viel mehr über Motivation und Persönlichkeit eines Bewerbers als nur die Stimme. Und auch Lügen lassen sich mit direktem Blickkontakt viel leichter entlarven oder kommen von Angesicht zu Angesicht womöglich gar nicht erst auf den Tisch.

Sorgen Sie jedoch stets dafür, dass der Kandidat sich wohlfühlt – besonders dann, wenn berufliche Video-Chats für ihn ungewohnt sind. Stellen Sie sicher, dass Sie während des Calls nicht gestört werden. Das gilt unabhängig davon, ob Sie die Videokonferenz im Büro oder im Home-Office abhalten. Das Gespräch vom heimischen Schreibtisch aus zu führen, kann übrigens durchaus einen positiven Einfluss auf den Kandidaten haben: Weil dabei nicht nur er einen Einblick in sein Privatleben gibt, sondern auch Sie, entsteht womöglich eine vertrautere Gesprächsbasis.

Die richtigen Fragen für ein Telefon- oder Videointerview

Es geht zunächst einmal nur um ein kurzes Kennenlernen. Denken Sie daran, wenn Sie am Leitfaden für das Gespräch arbeiten. Unabhängig davon, ob es per Telefoninterview oder Video-Chat stattfindet, gilt: Beschränken Sie sich auf konkrete, eng umrissene Fragen. In die Tiefe gehen können Sie gegebenenfalls später im eigentlichen Vorstellungsgespräch. Hier haben wir einige Beispiele aus unterschiedlichen Kategorien zusammengestellt:

1. Grundlegendes: Obwohl er Ihnen nicht direkt gegenübersitzt, wird der Bewerber zu Beginn des Gesprächs nervös sein. Machen Sie es ihm leichter und fragen Sie zunächst die Basics ab.

  • Würden Sie kurz Ihren beruflichen Hintergrund beschreiben?
  • Wo stehen Sie derzeit bei der Jobsuche?
  • Wann könnten Sie bei uns einsteigen?

2. Unklarheiten im Lebenslauf: Besonders bei Ungereimtheiten in den Bewerbungsunterlagen kann ein kurzes Gespräch erhellend sein. Meist ist es hier zielführend, indirekt nachzuhaken.

  • Welche Fähigkeiten haben Sie in letzter Zeit erworben oder verbessert?
  • Beschreiben Sie kurz, warum wir von Ihren Fähigkeiten profitieren können?
  • Bei Lücken: Was haben Sie während Ihrer beruflichen Auszeit gemacht?
  • Bei Absolventen: Inwieweit hat Ihr Praktikum bei Firma XY Sie bezüglich Ihrer künftigen Karriere geprägt?

Tipp: Gerade bei diesen kritischen Fragen ist ein Videointerview besonders aufschlussreich, da Ihnen Mimik und Gestik des Kandidaten viel verraten. Bei Telefoninterviews sollten Sie dem Tonfall des Bewerbers besondere Aufmerksamkeit schenken.

3. Motivation: Möchte der Kandidat wirklich zu Ihrem Unternehmen wechseln oder will er einfach nur weg vom alten Arbeitgeber? Finden Sie heraus, ob Motivation und Arbeitsstil stimmen.

  • Warum wollen Sie den Arbeitgeber/Job wechseln?
  • Warum haben Sie sich ausgerechnet auf diese Stelle beworben?
  • Beschreiben Sie mir Ihre aktuellen Aufgaben/Ihren typischen Arbeitstag.
  • Was motiviert Sie bei der Arbeit?

Tipp: Dies ist nur ein Vorgespräch. Sie können dem Bewerber nicht allzu viel Zeit einräumen, um seine Motivation zu erläutern. Haken Sie am besten nur nach, wenn Sie ernsthafte Zweifel an seiner Einstellung zur Arbeit haben.

4. Wissen über das Unternehmen: Weiß der Kandidat, wo er sich beworben hat? Oder versendet er wahllos Bewerbungen? Seine Kenntnisse über Ihr Unternehmen zeigen Ihnen, wie ernst er es meint und kann Ihnen so mehr über seine Motivation verraten.

  • Warum möchten Sie für uns arbeiten?
  • Was wissen Sie über unsere Produkte oder Dienstleistungen?
  • Nutzen Sie unsere Produkte oder Dienstleistungen selbst?
  • Arbeiten Sie lieber in großen Konzernen, Unternehmen mittlerer Größer oder kleinen Betrieben?

Tipp: Antworten der Kandidaten auf diese Fragen sind sehr gut miteinander vergleichbar. Und Sie merken auch, ob ein Bewerber (während des Gesprächs) seine Antwort womöglich von der Unternehmenswebseite oder der Produktbroschüre abgelesen hat.

5. Gehalt: Hat der Bewerber keine Gehaltsvorstellungen angegeben, obwohl Sie in der Stellenanzeige darum gebeten hatten? Dann haken Sie direkt nach. Sollten seine Ansprüche unvereinbar mit dem Gehaltsband Ihres Unternehmens sein, ist es sinnvoll, dies möglichst früh im Bewerbungsprozess zu klären.

  • Wo liegt Ihre Gehaltsvorstellung für diese Position?
  • Gibt es bestimmte Benefits, auf die Sie besonderen Wert legen?
  • Wenn bestimmte Benefits nicht geboten werden: Wie wichtig ist Ihnen ein Firmenwagen/Smartphone/die Möglichkeit zum Home-Office etc.?

Tipp: In der Regel ist Gehalt ein Thema für das “richtige” Vorstellungsgespräch, oft sogar erst für die zweite Runde. Im Vorabgespräch sollten Sie es nur auf den Tisch bringen, wenn finanzielle Rahmenbedingungen grob abgesteckt werden müssen.

Auf diese Warnsignale sollten Sie achten

Als Personaler wissen Sie, worauf es beim Kandidatengespräch ankommt. Ihre Erfahrungen helfen Ihnen auch beim Austausch vorab. Achten Sie deshalb nicht nur auf die üblichen Warnzeichen wie Lästern über den aktuellen Arbeitgeber oder einen unangemessenen Tonfall. Zusätzlich sind bei einem Telefon- und Videointerview folgende Besonderheiten wichtig:

  • Mangel an Begeisterung ist grundsätzlich ein schlechtes Zeichen. Beachten Sie jedoch, dass Emotionen in Videokonferenzen oft anders wahrgenommen werden als von Angesicht zu Angesicht. Möglicherweise ist Ihr Gegenüber deutlich enthusiastischer als es im Video-Chat auf Sie wirkt.
  • Der Bewerber ist abgelenkt. Auch hier spielt das Videointerview seine Vorteile gegenüber dem Telefoninterview aus. Denn Sie bemerken schnell, falls Ihr Gegenüber seine Aufmerksamkeit nicht voll und ganz dem Gespräch widmet, sondern nebenbei durch Instagram scrollt oder seine Antworten googelt. Besonders groß dürfte sein Interesse an der Stelle dann nicht sein.

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Bildquelle: © julia-m-cameron - pexels.com

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