Wissen, worauf es ankommt! Die richtige Assessment-Center-Vorbereitung

Von Alenka Mladina 5. März 2015

80 % der Arbeitgeber haben bereits einen Mitarbeiter eingestellt, der die an ihn gestellten Erwartungen nicht erfüllen konnte. Immer mehr Unternehmen fühlen ihren Bewerbern daher in einem Assessment Center auf den Zahn. Mit unseren Tipps sind Sie optimal vorbereitet. 

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Nach diesem Motto verfahren offenbar immer mehr Unternehmen bei der Bewerberauswahl. In der Arbeitsmarktstudie von Robert Half gaben 81 % der HR-Manager an, in den vergangen drei Jahren vermehrt Assessment Center einzusetzen, um unter den Bewerbern geeignete Kandidaten herauszufiltern. Von den Assessment Centern und Tests erwarten sich die befragten Personalmanager folgendes (Angaben je für Unternehmen mit 50 - 499 Mitarbeiter, 500 - 000 Mitarbeiter und über 1.000 Mitarbeiter):

  • Herausfiltern, wie gut Kandidaten zum Unternehmen und zum Team passen (24 %, 31 %, 33 %)
  • Evaluieren, wie gut das Fachwissen ist  (24 %, 14 %, 19 %)
  • Analysieren, ob Führungspotenzial besteht  (15 %, 17 %, 17 %)
  • Als Mittel zur Vorauswahl von Kandidaten  (9 %, 20 %, 10 %)

Neben Einzelinterviews müssen sich die Teilnehmer unter anderem in Gruppendiskussionen profilieren sowie Denk- und Logiktests meistern. Dabei steht nicht nur das fachliche Wissen der Bewerber auf dem Prüfstand, auch Persönlichkeit, Stressresistenz und Sozialkompetenz werden genau unter die Lupe genommen. Das ist nun kein Grund für Nervosität: Für das Assessment Center können Sie sich mit guter Vorbereitung und etwas Übung fit für Ihren Schachzug machen.

Credo für die Assessment-Center-Vorbereitung: Aus der Masse herausstechen

Im Assessment Center gilt nicht allein Ihnen - wie etwa im persönlichen Vorstellungsgespräch - die volle Aufmerksamkeit. Vielmehr sind Sie einer von mehreren kompetenten Bewerbern. Das ist Ihre erste Hürde. Um Ihrem Traumjob einen Schritt näher zu kommen, dürfen Sie nicht in der Masse untergehen, sondern sollten zwischen Ihren Mitstreitern positiv auffallen. Die erste Chance dazu haben Sie in der Regel bei der Übung “Selbstpräsentation”. In diesem Fall werden Sie gebeten, Ihren Werdegang, Ihre Persönlichkeit und Ihre Kompetenzen innerhalb weniger Minuten vorzustellen.

Falsch wäre es, wenn Sie jetzt  einfach Ihren Lebenslauf aus der Bewerbung referieren. Sie müssen sich vorher überlegen, welche Erfahrungen und Kompetenzen Sie ganz persönlich ausmachen und zum favorisierten Bewerber machen. Zur Vorbereitung auf das Assessment Center sollten Sie prüfen, welche Highlights aus Ihrem Lebenslauf relevant für die angestrebte Stelle sind.

Sie haben bereits zu Schulzeiten durch ein freiwilliges Forschungsprojekt Erfahrungen in einem speziellen Gebiet gesammelt? Ein Praktikum oder das Thema Ihrer Masterarbeit hat Ihnen besonders deutlich gemacht, warum der angestrebte Arbeitgeber Sie so interessiert? Am besten fügen Sie diese Highlights zu einer zusammenhängenden Geschichte zusammenfügen, die zeigt, wie das eine zum anderen geführt hat. So stellen Sie Ihre Zielstrebigkeit unter Beweis.

Gruppendiskussionen und Rollenspiele – Interaktion mit der Konkurrenz

Auch in den typischen Gruppendiskussionen innerhalb des Assessment Centers liegt die Kunst vor allem darin, in der Gruppe positiv aufzufallen. Das fällt gerade introvertierten Menschen eher schwer. Bei diesen Diskussionen geht es meist darum, einen Standpunkt zu einem vorgegebenen Thema zu vertreten, um die anderen von der eigenen Meinung zu überzeugen oder zu einer konstruktiven Lösung zu kommen.

Auf inhaltlicher Ebene ist es dabei besonders sinnvoll, sich ein argumentatives Grundgerüst zu überlegen. Beispielsweise können Sie nach und nach relevante Kriterien für Ihren Standpunkt einbringen und jeweils mit Beispielen untermauern. Punkten können Sie auch durch gutes Zuhören. Gehen Sie möglichst oft auf die Argumente anderer Bewerber ein, um sie mit eigenen Argumenten zu bestärken oder abzuschwächen. Damit beweisen Sie nicht nur Respekt und Kooperationsbereitschaft. Ihre Argumente werden zudem überzeugender, wenn Sie zeigen, dass Sie sich auch mit anderen Standpunkten auseinander gesetzt haben.

Im Rollenspiel stellen die Bewerber zum Beispiel ein Mitarbeitergespräch, ein Kollegengespräch oder eine Verhandlung nach und müssen dabei in die Rolle des Vorgesetzten oder des Verhandlungspartners schlüpfen. Dadurch sollen Einfühlungsvermögen und Durchsetzungsfähigkeit getestet werden. Hier sollten Sie vor allem auf die hierarchische Position Ihrer Rolle und eine klare und faire Gesprächsstrategie achten. Laden Sie Freunde ein oder bitten Sie Familienmitgliedern, gemeinsam mit Ihnen diese Aufgabentypen für das anstehende Assessment Center zu üben.

Typische Aufgaben für die Assessment-Center-Vorbereitung

Neben den Gruppenaufgaben können Fallstudien, Aufsätze und die berühmte Postkorbübung auf Sie zukommen. In der Fallstudie kommt es vor allem auf Ihre fachlichen Skills an, da Sie meist ein branchentypisches Problem lösen müssen. Die Aufsätze fordern wie die Gruppendiskussion Argumentationsgeschick, diesmal in schriftlicher Form.

Bei der Postkorbübung erhalten Sie eine Reihe von fiktiven Aufgaben, meist eine Kombination aus berufsbezogenen und privaten Pflichten. Sie müssen einen Plan aufstellen, wie Sie all diese Aufgaben in einer vorgegebenen Zeit bewältigen können. Zum Beispiel müssen Sie entscheiden, welche Aufgaben sofort erledigt werden müssen, welche delegiert und welche verschoben werden können – auch diesen Plan müssen Sie unter Zeitdruck anfertigen. Damit testen die Recruiter, wie gut Ihre analytischen Fähigkeiten, Ihr Organisationsgeschick und Ihr Umgang mit Stresssituationen sind.

Alle drei Aufgabentypen lassen sich zu Hause als Assessment-Center-Vorbereitung üben, recherchieren Sie einfach nach entsprechenden Anbietern.

Punkten im Einzelgespräch

Üblicherweise findet in einem Assessment Center auch ein Einzelgespräch mit jedem Bewerber statt. Dabei gelten die gleichen Regeln wie für ein herkömmliches Vorstellungsgespräch. Achten Sie vor allem auf Blickkontakt und eine selbstbewusste Körperhaltung, seien Sie offen und freundlich. Hier finden Sie nähere Informationen über die meist gestellten Fragen im Vorstellungsgespräch.

Gerade in den Einzelinterviews eines Assessment Centers stellen Recruiter gern provokante Fragen. „Warum haben Sie so lange studiert?“ oder „Warum bewerben Sie sich für diese Stelle, für die Sie doch eigentlich unterqualifiziert sind?“ sind Beispiele aus einem langen Katalog von Fragen, die überprüfen sollen, wie sich der Bewerber in Stresssituationen verhält. Reagieren Sie niemals gereizt oder aggressiv, sondern geben Sie eine sachliche, diplomatische Antwort – die im Idealfall die Aufmerksamkeit wiederum auf eine Ihrer Stärken lenkt.

Authentisch bleiben

Sich im besten Licht zu präsentieren assoziieren leider recht viele Menschen damit, sich zu verstellen, also die Rolle der Person zu spielen, die der Arbeitgeber wohl am ehesten einstellen würde. Das funktioniert vielleicht noch in einem kurzen Vorstellungsgespräch – in einem ganztägigen oder sogar mehrtägigen Assessment Center gelingt das nur Wenigen. Vergeuden Sie Ihre Zeit in der Vorbereitung daher nicht darauf, eine Rolle einzustudieren. Überzeugen werden Sie nur, wenn Sie authentisch bleiben.

Assessment Center – der Standard der Zukunft?

Kein Wunder, dass immer mehr HR-Manager Assessment Center nutzen. 2015 werden jede Menge neuer Stellen frei und für Unternehmen wird es wichtiger, den richtigen Mitarbeiter einzustellen. Einer oder mehrere Tage, in denen die Bewerber verschiedensten Tests unterzogen werden, liefern ein sehr viel umfassenderes Bild von deren Persönlichkeit als ein halbstündiges Bewerbungsgespräch.

Entsprechend steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie nach einem persönlichen Vorstellungsgespräch noch zu einem Assessment Center eingeladen werden. Mit unseren Tipps und gezieltem Training machen Sie sich fit, um auch diese knifflige  Aufgabe souverän zu lösen! Ihr Assessment-Center-Wissen können Sie mit dem AC-Test vom Manager Magazin übrigens nochmal prüfen.

Haben Sie schon an Assessment Centern teilgenommen? Was fanden Sie dabei besonders einfach und was war besonders tricky?

 

Bildquelle: © WavebreakMediaMicro - Fotolia.com

Das könnte Sie auch interessieren